Abends springt Alex selbst in die Fluten

Burger, Pommes, Spritzer und Rapid-Stammtisch – ein Lokalaugenschein bei Alex Osvald, dem Oberwarter Original, das seit elf Jahren das Badcafe schupft.
Eric Sebach
Foto: Marcela Moser / Foto Muik

Seit elf Jahren betreibt Alexander Osvald das Badcafe in Oberwart.

 

In Oberwart kennt ihn jeder, den Buffet-Wirt Alex Osvald, der für viele auf den ersten Blick den Traumjob des Sommers hat – jeden Tag im Freibad. Aber während Jung und Alt im Wasser planschen oder sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, schwitzt der 36-Jährige gemeinsam mit Lebensgefährtin Daniela und seiner Mama an der Theke, an der Eistruhe und beim Servieren. Von morgens um sieben bis abends um acht. Tagtäglich, von Mitte Mai bis Mitte September. „Und heuer bin ich das elfte Jahr im Einsatz“, lacht der begeisterte Gastronom, der derzeit stattliche 152 (!) Kilo auf die Waage bringt und irgendwie so schnell wie möglich aufs „Idealgewicht“ von 120 Kilo abspecken möchte.

Ein Tag im Leben des Alex O.
Tagwache um 6.15 Uhr, Lebensmittel besorgen und dann den Laden schupfen. „Kaffee und weiße Spritzer werden am liebsten bestellt“, erzählt Alex, das Oberwarter Original. Beim Essen gehen Pommes, Burger und Chicken frites weg wie die warmen Semmeln. Jeden Montagabend tanzt die „Turnrunde“ an, am Mittwoch die „Saunierer“ – und dann kann es schon einmal in Richtung Mitternacht gehen, sonst ist in der Regel um 20 Uhr Sperrstund‘. Da schlummert Sohnemann Tim Alessandro längst tief und fest. Tagsüber ist das süße vierjährige Kerlchen meist in der Nähe vom Papa anzutreffen. Was für ein Leben der junge Mann hat! Tim kann gratis Eisschlecken – bis zum Abwinken. „Aber“, verrät Papa Alex, „der Bua ist wählerisch, er mag nur bestimmte Sorten.“

250 bis 300 Gäste schauen täglich im Badcafe von Dani & Alex vorbei und bei allem Stress kann sich das Schwergewicht keinen anderen Job vorstellen. „Wenn es geht, mach ich das bis zur Pension. Ich könnt‘ mich in kein Büro setzen. Auf keinen Fall.“
Muss der Alex auch gar nicht. Der Laden rennt, die Gäste kommen in Scharen. Wenn‘s die Zeit erlaubt, setzt sich der glühende Rapid-Fan auch einmal mit Gleichgesinnten an den Rapid-Stammtisch, der unübersehbar ganz in Grün erstrahlt.
Und abends, wenn der letzte Badegast weg ist, schmeißt sich der Kantinenkönig für eine Viertelstunde selbst in die Fluten.

Portrait aus Ausgabe 08/2017


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