Christine und eine Million flotter Bienen

Eine Imkerei-Meisterin plaudert aus dem Nähkästchen: Warum Christine Gremmel aus Pinkafeld an die vielen Gartenbesitzer appelliert und ihr dutzende Bienenstiche pro Jahr nichts mehr ausmachen.
Eric Sebach
Foto: Christine Gremmel

30 Bienen-Völker nennt Christine Gremmel aus Pinkafeld ihr Eigen.

 

Haben Sie gewusst, dass eine Biene für einen Kilo Honig zweieinhalb Mal den Erdball umrunden muss? Es klingt unglaublich, wie fleißig diese Tierchen ihre Arbeit tun – und dementsprechend gibt es auch „Christine nicht ohne Biene“. Denn Christine Gremmel, die gebürtige Tirolerin, die sich mit ihrem Gatten Franz, drei Kindern und 30 Bienen-Völkern in Pinkafeld niedergelassen hat, beschäftigt sich quasi von klein auf mit den Honigmacherinnen. Onkel, Tante, der Schwiegerpapa, alle haben bereits geimkert und so war der Weg zur Imkerei-Meisterin für die Dame aus Telfs sozusagen vorgezeichnet.
Rund eine Million flotter Bienen nennt Frau Gremmel mittlerweile ihr Eigen („Jedes Volk umfasst zwischen 30.000 und 50.000 Bewohnerinnen“) – kein Wunder, dass ihr dabei nie langweilig wird. „Jeder Tag beginnt mit dem Hören und Lesen von Wetterprognosen“, erzählt sie, „und das Beobachten der Natur hört nie auf, solange man sich mit Bienen beschäftigt.“ Ähnlich wie in der Landwirtschaft fürchtet auch Frau Gremmel lästige Kapriolen des Wetters: „Frost, Unwetter oder überraschende Kälteeinbrüche spielen natürlich eine Rolle. Ein Glück, dass sich die Bienen auf diverse klimatische Änderungen einstellen können – etwa, dass Apfelbäume hierzulande meist um einen Monat früher blühen als noch vor zehn Jahren.“
Stichwort Beobachten: „Alle ein bis zwei Wochen müssen die Stöcke kontrolliert werden, das ist wichtig. Ansonsten lässt man sie in Ruhe ihrer ‚Arbeit‘ nachgehen. Es sind ja Wildtiere, die in Ruhe gelassen werden wollen.“

Bienen sind heutzutage offenbar ohnedies einer Menge Umweltstress ausgesetzt: „Parasiten fordern ihre Opfer“, beklagt Christine Gremmel, „aber auch die Überregulierung von Hausgärten ist nicht gerade optimal. Statt gesunder Unordnung im Garten bzw. Wildblumen, Brennesseln oder einer Kräuterwiese tun die meisten Haus- und Gartenbesitzer alles, damit Unkraut, Gänseblümchen und Löwenzahn verschwinden. Nicht selten mit Hilfe von Gift und Spritzmitteln.“

Dennoch: Ihre Bienen will Christine keinesfalls missen, obwohl man mit diesem „Hobby“ nicht gerade reich werden kann. Und es auch keinen Verlass auf eine bestimmte „Fördermenge“ gibt. „Zwischen 10 und 40 Kilo kann ein Volk pro Jahr liefern“, verrät sie. „Dementsprechend kann das Schleudern im Juni zwischen zwei Tagen und einer Woche dauern.“ Je weniger (Umwelt-)Stress sie haben, desto erfolgreicher sind die Bienen. „Ich bin jedes Mal verblüfft, welches Wunderwerk so eine Biene darstellt. Mit wieviel Aufwand Waben produziert werden und mit welcher Geschicklichkeit sie sich im Dunkeln verständigen.“
Da liegt es auf der Hand, dass Christine auch die unzähligen Stiche übers Jahr meisterhaft wegsteckt. „Ein Stich tut weh, klar – gottlob bin ich aber nicht allergisch und daher steckt man die dutzenden Stiche mit der Zeit locker weg.“

Portrait aus Ausgabe 06/2017


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