Das historische Kutschermesser hat ihn weltberühmt gemacht

Von Las Vegas nach Wolfau. In einem ehemaligen Schweinestall fabriziert der passionierte Messerschmied Johann Weinmüller Schmuckstücke für Kunden in aller Welt.
Eric Sebach
Fotos: Marcella Moser / Fotostudio Muik

Auf sein Kutschermesser ist Johann Weinmüller besonders stolz.

 

Er stammt aus der Gegend von Ingolstadt, ist im Herzen Amerikaner und hat sich in Wolfau mit einem alten Bauernhaus für seine Gattin Marcela, den 16-jährigen Sohn und sich ein Refugium geschaffen. Johann Weinmüller, 64 und dank seiner Berufung als Messerschmied bei Sammlern weltweit gefragt. In einem ehemaligen Schweinestall hat sich der Deutsche liebevoll eine Werkstatt eingerichtet und fabriziert dort auf Nachfrage mehr oder minder historische Messer, für die so mancher „Freak“ offenbar bis zu 5.000 Euro hinblättert. „Momentan bin ich aber gerade dabei, in Sachen Küchenmesser zu experimentieren“, grinst Mister Weinmüller beim prima!-Lokalaugenschein.

Viel mehr Liebe investiert der gelernte Werkzeugmacher und ehemalige Elektronik-Ingenieur freilich beim Nachbau historischer Stücke. „Wenn Sie irgendwo auf der Welt fragen, wer das rund 200 Jahre alte Kutschermesser mit belgischen Wurzeln nachbauen kann, bekommen Sie garantiert meine Adresse und Telefonnummer“, erzählt der Künstler nicht ohne Stolz.

Zu Gast beim „Kramuri“ in Kohfidisch
Knapp 14 Jahre hat Weinmüller mit seiner Familie in den Staaten (Kalifornien bzw. Arizona) verbracht und in dieser Zeit auch zahlreiche Kontakte in der Szene der Messer-Liebhaber geknüpft. Kein Wunder, dass er seine neuen Kreationen immer noch auf Ausstellungen in Pasadena, Las Vegas, Dallas oder Denver zur Schau stellt. In wenigen Tagen wird Weinmüller auch bei der traditionellen Show in Sindelfingen (Deutschland) vertreten sein und am 30. September sowie 1. Oktober dann beim Herbstfest „Kramuri“ auf Schloss Kohfidisch mitwirken.

Weinmüllers ganzer Stolz gehört besagtem „Kutschermesser“, das er bereits des Öfteren in mühevoller Kleinarbeit nachgebaut hat. „Wenn so etwas Aufwändiges vor 200 Jahren gemacht werden konnte, muss ich das als Messermacher auch heute können“, war Weinmüllers Anspruch an sich selbst. Zu den Finessen des alten Stücks zählen nämlich Schere, Pinzette, Zigarrenabschneider, Korkenzieher und der sogenannte Kutschenschlüssel, mit dem der Kutschenführer seinerzeit die Kabinentür seiner Fahrgäste versperren konnte, um sie vor Räubern besser zu schützen.

Zurzeit bearbeitet Weinmüller übrigens den Auftrag einer begüterten Kalifornierin, die sich daheim ein edles Messerchen mit Titangriff in die Vitrine legen möchte. „Für dieses Modell hab ich in den USA sogar einen Award bekommen“, so Weinmüller. Wer viel an der Schleifmaschine steht, kommt aber auch viel ins Sinnieren. Zum Beispiel über das Leben in den USA und im Südburgenland. „Ehrlich, in Amerika läuft alles ein wenig humaner ab. Mit dem gleichen Geld wie hier kann man in den Staaten fünf Mal soviel anfangen. In den USA hatte ich drei Autos, hier langt das Geld gerade für eins.“

Portrait aus Ausgabe 09/2017


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