Die Blaue Lady

Seit der burgenländischen Landtagswahl 2015 ist sie durch ihren Wahlkampfsong bekannt als die „Blaue Lady“. Ilse Benkö ist seit 30 Jahren besonders in ihrem Heimatbezirk Oberwart eines der Zugpferde der FPÖ. Dort überholte sie 2015 sogar ihren Parteispitzenkandidaten Hans Tschürtz und ist seither Burgenlands dritte Landtagspräsidentin. Zur Landtagswahl im Jänner 2020 tritt sie erneut als Spitzenkandidatin des Bezirks Oberwart an.
Nicole MÜHL / 26. August 2019

Ilse Benkö (FPÖ) – am Foto mit ihrem Hund Nico in ihrem Garten.

 

 

Blaues Sportoutfit – der rechte Arm nach einer Verletzung mit einem roten Band getapt. Eine Symbolik in Hinblick auf die derzeitige rot-blaue Regierungskoalition? Ilse Benkö lacht und steckt sich eine Zigarette aus ihrem silbernen Etui an. Auch wenn die Koalition im Burgenland gut funktioniert, bei der kommenden Landtagswahl im Jänner müssen die Freiheitlichen zulegen, sagt sie.

Immerhin wird die Regierung von sieben auf fünf Mitglieder verkleinert. „Wie sich die Mehrheiten dann bilden, wird von den Stimmen abhängen.“ 20 Prozent ist ihr erklärtes Ziel in ihrem Heimatbezirk Oberwart. Dort führt Ilse Benkö auch die FPÖ-Liste an. Auf der Landesliste ist der Platz nach Hans Tschürtz zwar noch offen, für Benkö aber realistisch.

1986 hat sie in Oberschützen Jörg Haider bei einer Veranstaltung kennengelernt. Kurz darauf wurde sie FPÖ-Mitglied. Seither rennt sie für die Partei. Mit Erfolg.

Dass es diesmal schwieriger werden wird, ist ihr bewusst. Stichwort Ibiza. Im Landtagswahlkampf 2015 sorgte sie mit ihrem Song „So schauts‘s aus“ als Blaue Lady für Aufsehen. Dass sie polarisiert, weiß sie. Sie trägt gern Leder, trinkt Spritzer, raucht, und ihre Haar-Mähne sieht sie selbst als ihr Markenzeichen. Ob es für den Wahlkampf im Jänner eine zweite Auflage des Songs geben wird? Ilse Benkö schweigt und greift lächelnd wieder zu ihrem silbernen Zigarettenetui. Auflage „Blaue Lady 2.0“ – vielleicht wird‘s ja ein Neujahrs-Jingle.

 

Ilse Benkö

Seit Juli 2000 Abgeordnete zum Burgenländischen Landtag sowie seit Juli 2015 dessen dritte Präsidentin.
Sie ist außerdem Rechtspflegerin in Zivilprozess-, Exekutions- und Insolvenzsachen am Gericht Oberwart.


„Ich hatte nie die Ambition, nach Wien zu gehen“
Ilse Benkö (FPÖ), dritte Landtagspräsidentin des Burgenlandes, über ihre Wahlziele, Ibiza und über den Begriff „Lady“.


Nach dem Ergebnis der FPÖ bei der Landtagswahl 2015 im Burgenland hatten Sie die Möglichkeit, Landesrätin zu werden. Warum haben Sie das nicht angenommen?

Ilse Benkö: Ich bin eine Politikerin, die sich dort wohlfühlt, wo sie sich auskennt. All die Themen, mit denen ich mich ein Leben lang beschäftigt habe (Gesundheit, Soziales, Bildung, Sport) das waren alles Ressorts der SPÖ. Die damals angebotenen Bereiche Landwirtschaft, Tourismus und Wirtschaft sind nicht meine Themen, und mir war meine Position nicht wichtig, sondern dass die FPÖ in der Regierung ist. Damals war Alexander Petschnig Klubdirektor. Er hat Wirtschaft studiert, und darum bin ich davon überzeugt, dass es eine gute Entscheidung war, dass er Wirtschafts- und Tourismus-Landesrat geworden ist.


Würden Sie diesmal die Funktion einer Landesrätin annehmen?

Ilse Benkö: Mehr denn je sind die Stimmen entscheidend. Wenn es um Ressorts geht, die ich inhaltlich durch meine Erfahrung und mein Wissen führen kann, dann würde ich es nicht ausschlagen. Aber man muss bedenken, dass wir durch die Verkleinerung der Regierung von sieben auf fünf an Stimmen zulegen müssen. Mein persönliches Ziel sind 20 Prozent im Bezirk Oberwart.Stimmen wurden laut, dass Sie nach Wien zur Bundes-FPÖ gehen würden.Ilse Benkö: Ich bin Südburgenländerin mit Leib und Seele, und mein Herz schlägt dafür. Ich hatte nie die Ambition, nach Wien zu gehen.


Mit welchen Themen wollen Sie Stimmen gewinnen?

Ilse Benkö: Immer noch sind Arbeitsplätze das Thema. Die Menschen möchten nicht pendeln. Allein im Tourismus besteht Potenzial. Köche und Kellner werden in den Betrieben gesucht. Besetzt sind die Stellen meist mit ungarischen Arbeitskräften. Hier müssen wir mehr mobilisieren.Thema Betriebsansiedelungen. Das Open.Rail.Lab-Projekt (autonom fahrende Züge, Anm. d. Red.) in Oberwart hatte enormes Potenzial. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass dieses Projekt nicht stirbt. Für das Südburgenland wäre das ein Aufschwung mit der Folge, dass sich hier sicherlich verstärkt Betriebe ansiedeln, die Arbeitsplätze schaffen für die Menschen in der Region.Und natürlich stehe ich mit der FPÖ hinter dem Pflegeplan. Zumal wir ja schon vor Jahren eine Pflegegenossenschaft wollten. Pflege braucht ein Qualitätsmanagement und ein Qualitätsgütesiegel. Menschen sollen daheim alt werden können. Wir müssen jetzt einmal starten, um nachjustieren zu können.


Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie das Ibiza-Video gesehen haben?

Ilse Benkö: Es ist nicht zu entschuldigen, was Gudenus und der seinerzeitige Bundesparteiobmann HC Strache gesagt haben. Da brauchen wir gar nicht darüber zu diskutieren. Das ist eine Art und Weise, die verwerflich ist. Sie haben jedoch aufgrund ihrer Aussagen sofort Konsequenzen gezogen, indem beide ihre Ämter und Funktionen zurückgelegt haben. Es hat mir von meiner Partei imponiert, dass Herbert Kickl nicht das Bauernopfer geworden ist. Es hat gezeigt, dass die FPÖ Kameradschaft und Zusammenhalt pflegt. Hätte man Kickl geopfert, hätte man mit einem Vizekanzler Norbert Hofer aus dem Bezirk Oberwart fortfahren können. Es hat mich beeindruckt, dass die FPÖ das nicht gemacht hat.


Wer oder was ist Ihnen im Leben am wichtigsten?

Ilse Benkö: Mein Vater und mein Hund Nico.


Sie wurden 2015 bekannt als die Blaue Lady. Was ist für Sie eine Lady?

Ilse Benkö: Meine Mutter war eine Lady. Sie war ihr Leben lang körperlich eingeschränkt. Aber sie hat nie aufgegeben. Sie hat trotz allem drei Kinder großgezogen und ist arbeiten gegangen. Und bis zum Schluss hat sie immer auf ihr Äußeres großen Wert gelegt. Sie war eine Kämpferin, die sich nie hat unterkriegen lassen. Sie ist mein großes Vorbild.

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