Ein Dschungel für jeden Geschmack

Wer braucht noch einen grünen Daumen? Das Hartberger Unternehmen „Vertical Magic Garden“ versucht, die Welt ein bisschen „grüner“ zu machen. Letzter Schrei? Der vertikale Gemüsegarten mit Paprika und Tomaten.
Eric Sebach
Foto: zVg

Der ÖBB-Tower in Wien wurde ebenso von dem Hartberger Unternehmen Vertical Magic Garden begrünt, wie der Microsoft Tower

 

Von Hartberg in die große, weite Welt! Kaktus und Gummibaum werden offenbar zu „Auslaufmodellen“ – wer die Parkgarage in der Hartberger Alleegasse bewundert, wird ziemlich sicher auch Fan von „Vertical Magic Garden“, einem Unternehmen mit Sitz in Hartberg und Wien, das seit zwei Jahren Begrünungen von Innenräumen und Außenfassaden vornimmt.
Der „Dschungel“ für jedermann kommt jedenfalls immer mehr in Mode – für große, aber durchaus auch „mittelprächtige“ Brieftaschen. Wände, Säulen, Raumteiler, Einkaufszentren, Büros oder Hotellobbys – Firmeninhaber Harald Eichhorn und sein Team sind drauf und dran, die Welt ein bisschen „grüner“ zu machen. Besonders stolz ist der Boss auf 740 begrünte Quadratmeter bei einer öffentlichen Garage sowie einer U-Bahn-Station in Baku; die Microsoft-Zentrale oder der ÖBB-Tower in Wien zählen genauso zu den Vorzeige-Projekten wie das Logo eines Energie-Konzerns in Essen. Harald Eichhorn höchstpersönlich brachte zuletzt den Auftrag für einen grünen Innenhof im kalifornischen San Diego an Bord. Und in der Steiermark werden heuer noch das Gemeindezentrum von Laßnitzhöhe und das Weizer Rathaus verschönert.

Wie die „magischen Gärten“ entstehen, wird aber wohl auch so manchen Gärtner verblüffen. „Von der Planung bis zur Montage dauert es in der Regel zwischen vier und acht Wochen“, erklärt Katharina Tremmel, Architektin und Planerin. „Auf der weißen Wand wird ein Alu-Schienen-System montiert und daran werden die fix fertig begrünten Module befestigt. Das sind Platten in der Größe von 60 x 60 mit einer Stärke von zehn Zentimetern“, so Tremmel. „Und als Basis für die Pflanzen aus Holland dient ein mineralisches Zement-Granulat-Gemisch, das Anteile eines Vulkangesteins enthält.“ Was den klassischen Gärtner ebenfalls wundern dürfte – Erde ist kaum vonnöten. „In diesem Zementgemisch fühlen sich die Pflanzen sehr wohl“, betont Kathi Tremmel, „und die Haltbarkeit ist in der Regel für mehrere Jahre gegeben.“ Natürlich ist es nötig, diese grüne Pracht zweimal pro Jahr zu warten. „Falls nötig, werden Pflanzen getauscht oder allzu üppig wachsende Exemplare ein wenig zurückgeschnitten.“ Übrigens: Pro Quadratmeter werden meist 36 Pflanzen verwendet.
Aufgepasst, gestresste Ehemänner können sich einfach zurücklehnen: Dieses „Grünzeug“ muss nämlich weder gedüngt noch gegossen werden. „Die Bewässerung erfolgt durch Tropfschläuche, die mittels Computer-Steuerung für Feuchtigkeit sorgen“, erzählt Tremmel. Kostenpunkt für das Ganze? „Zwischen 700 und 1000 Euro pro Quadratmeter.“ Mit einem einzigen Quadratmeter für Zuhause ist man bereits dabei und natürlich gilt: Je größer die Fläche, desto günstiger ist der Quadratmeter-Preis.

Dass Kathi Tremmel die „Green walls“ für jeden Geschmack empfiehlt, liegt auf der Hand („Besseres Raumklima, geringer Pflegeaufwand, platzsparend …“) – neugierig macht sie freilich auch mit mancher Idee. „Wir denken an vertikale Gemüsegärten. Paprika und Tomaten sind bestens geeignet, ein Testmodul mit Lavendel und Rosen im Sommer und Stauden im Winter ist bereits am Karlsplatz in Wien zu sehen.“ Ach ja, nicht zu vergessen das „Kräuterbeet“, das Kathi Tremmel griffbereit unter dem privaten Küchenfenster hängen hat: Mit Rosmarin, Thymian, Oregano.

Portrait aus Ausgabe 03/2017


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