„Es hat sich eben so ergeben“

Mit leiser Stimme und ganz unaufgeregt erzählt sie über ihr Leben als wäre es nichts Besonderes. Dabei blickt Hildegard Koller auf 71 Lebensjahre zurück, davon auf über 25 Jahre als Obfrau der Güssinger Burgspiele.
Nora Schleich / 02. Juli 2018
Foto: Nora Schleich

Ein Vierteljahrhundert Burgspiele Güssing – Obfrau Hildegard Koller hat viele Höhen und Tiefen erlebt

 

Zu ihrem Lebensweg hat die Kulturstadt Güssing viel beigetragen. Die Kollers waren schon immer gesellschaftlich gut integriert, haben bei Kabaretts und Stadtfesten mitgearbeitet.  Hildegard Koller war 1993 im Stadtrat für Kultur und Tourismus zuständig, als die Bitte an sie herangetragen wurde, nach 40 Jahren Pause wieder Burgspiele zu organisieren. Ein Jahr später hat sie es probiert. Mit Erfolg.

Seit dem fulminanten Debut des Laientheaters ist viel passiert. Es wurden ihr Förderungen genommen, der Spielort und die Spielzeit ebenso. Von der Burg Güssing musste sie auf die Festwiese und auf spätere Termine ausweichen. Dazu sagt sie – wieder ganz unaufgeregt: „Es hat sich halt so ergeben und ich bin zufrieden wie es ist. Nein, besser: Es ist gut so!“

Wenn Hildegard Koller etwas bereut, dann nur, dass man erst nach dem Ortswechsel auf die Festwiese begonnen hat mit der Jugend zu arbeiten. Vor allem das Selbstbewusstsein der jungen Talente bewundert sie. Vielleicht auch, weil sie selbst nicht so gerne im Vordergrund steht.

„Ich bin Theoretikerin, nicht Künstlerin“

Hilde Koller kann gut mit Zahlen. 30 Jahre lang hat die gelernte Bilanzbuchhalterin in einer Bank gearbeitet. Ihr Händchen für effizientes Arbeiten hat dem Verein schon oft über die Runden geholfen. Unromantisch klingt es, wenn sie über Finanzielles spricht, aber offensichtlich war ihr sparsames Wirtschaften in der Vergangenheit unerlässlich. Nicht jeder Regisseur habe verstanden, dass die finanziellen Möglichkeiten der Burgspiele begrenzt sind.

„Ohne Freude soll man nichts anfangen“

In den 71 Jahren ihres Lebens hat sie viel gelernt. Es sind die vielen kleinen Dinge, die bereichern. Ihre Familie, ihr Cockerspaniel „Ella“ oder auch das Elternhaus, das das Ehepaar Koller vor einigen Jahren liebevoll zu einem Ferienhaus umgebaut hat. Dankbar ist sie für den Zusammenhalt im Vorstand des Vereins.

Und da ist dann noch die Tatsache, dass sich die Handelsschulabsolventin, die von einer Ausbildung in der Modeschule Hetzendorf träumte, ihren Jungmädchentraum erfüllt hat: das Nähen.

Spätestens in ihrem Atelier, wo sie Kostüme für die Burgspiele fertigt, blitzt bei all ihrer Rationalität die kreative Ader der Obfrau des Burgvereins durch. Genauso wie ihre Willensstärke, ihr Durchsetzungsvermögen und ihre Leidenschaft. Mit zarter Stimme lobt sie aber lieber andere.

www.burgspiele.eu 

Beitrag aus Ausgabe 07/2018


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