Gesang, „wilde“ Kerle und ganz schön viel G’spür

Wahrscheinlich sind Sie schon einmal durch Grafendorf gefahren oder Sie kennen sogar jemanden, der dort lebt. Haben eventuell schon mit Bürgermeister Johann Handler geplaudert oder vielleicht ein Fußballmatch im Ort besucht. Wir versuchen Ihnen jetzt aber etwas zu erzählen, das Sie noch nicht über Grafendorf beziehungsweise einige der Bewohner wissen. Aber alles der Reihe nach.
Jennifer Vass
Foto: Marktgemeinde Grafendorf

Der Herr Bürgermeister
Seit 20 Jahren hat Johann Handler (ÖVP) das Sagen in der Marktgemeinde, die elf Ortsteile beinhaltet. Das ist schon eine Leistung, denn als Bürgermeister hat man es ja bekanntlich nicht immer leicht. Aber da Handler ein umtriebiger Mensch ist und immer ein offenes Ohr hat, mögen ihn seine Gemeindebürger. Und wenn er dann endlich Freizeit hat, schaut er sich am liebsten die Welt an. Wie vor ein paar Jahren Amerika zum Beispiel, so kann er auftanken und sich danach wieder voll und ganz auf die über 3.000 Einwohner konzentrieren.

Die „wilden“ Kerle (und Mädls) von Grafendorf
Was könnte der Betreiber eines Bio-, Obst- und Gemüsehofes am liebsten in seiner Freizeit machen? Eine Motorradfahrgemeinschaft betreiben! Die „Yahokas“ rund um Andreas Fink sind eine Gruppe von Menschen, die gerne Motorrad fahren. Zusammengefunden haben sie allerdings aus einem ganz anderen Grund: Freundschaftspflege. Wie das so ist im Leben, werden Jugendfreunde erwachsen, gründen Familien, ziehen vielleicht sogar um und man verliert sich aus den Augen.
„Als Teenies sind wir alle mit unseren Mopeds durch die Gegend gefahren und hatten Spaß dabei. Warum soll das als Erwachsener nicht genauso gut funktionieren?“ Und so treffen sich die Jungs und mittlerweile auch zahlreiche Mädls regelmäßig zu Ausfahrten und Veranstaltungen. Wie zum Beispiel am 22./23. Juni, bei einem Fest, das von den Yahokas organisiert wird. Ein richtig großes Volksfest sozusagen. Die Biker sind übrigens kein Motorradclub, da laut Fink
dann der Grundgedanke verloren gehen würde. Mit der österreichischen Bikerszene versteht man sich allerdings ausgesprochen gut.

…und singen können sie, die Grafendorfer…
Concordia ist die römische Göttin der Eintracht, Übereinstimmung und Harmonie. Bei „conCHORdia“ ist der Name somit Programm. 32 Personen im Alter von 18 bis 63 Jahren singen in diesem Chor, der in der Umgebung als absoluter Geheimtipp gilt. Unter der Leitung von Andreas Ebner werden Gospels, Spirituals, Pop oder Rock zum Besten gegeben. Seit 2004 gibt es den Chor bereits und die Auftritte häufen sich. „Etwas ganz Besonderes war die Palmweihe am Hartberger Hauptplatz vor zwei Jahren, da haben uns 4.000 Menschen zugehört. Ein wirklich tolles Gefühl.“ Ebner ist übrigens Musikschuldirektor in Pinggau und Bezirkskapellmeister. Musik ist bei ihm allgegenwärtig, ob im Alltag oder im Beruf. Und ja, ein Chorleiter singt manchmal auch unter der Dusche, gibt er zu. Gesungen wird übrigens nicht nur in der gesamten Gruppe, immer wieder gibt es Solisten oder Duette, die die Konzerte noch abwechslungsreicher machen. Sollte jemanden die Lust aufs Mitmachen gepackt haben: ohne Vorsingen geht es nicht! Die Sänger sind zwar keine Profis, aber ein Grundtalent muss vorhanden sein.

Und a G‘spür haben sie auch …
Eine Weihnachtskrippe kennt wohl jeder – aber eine Passionskrippe? Das ist dann doch etwas ungewöhnlicher. Waltraude Lechner ist seit 30 Jahren Krippenbauerin und hat sich 2010 dazu entschlossen, das Thema Ostern in ihre Arbeit aufzunehmen. Seither wird in der Grafendorfer Kirche zu Ostern ihr Werk ausgestellt. Über 100 geschnitzte Figuren stehen in der Krippe und erzählen den Leidensweg Jesu. Sogar das letzte Abendmahl ist im Miniformat vertreten. Die Figuren werden mit liturgischen Farben bekleidet, die Krippe aus Naturmaterialien wie Holz, Rinde und Krippenmörtel hergestellt. „Für dieses Projekt habe ich mich mit 14 weiteren Krippenbauern zusammengetan und etwa tausend Arbeitsstunden investiert“ erzählt sie stolz. Waltraude Lechner bietet Baukurse an, denn so ein Kunstwerk braucht schon einiges an Genauigkeit und vor allem Herzblut. Ihr Wunsch? In jedem Haushalt soll irgendwann mal eine Krippe zu finden sein.

Portrait aus Ausgabe 05/2018


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