„Ich bin eigentlich ein Klostertyp“

Töpfern in seiner reinsten Form, das erlebt man bei Eva Mayer hoch über Hartberg – seit 40 Jahren lässt die Künstlerin ihren Ideen freien Lauf. Und das schätzt man sogar in einem Teeladen in Brooklyn.
Eric Sebach
Foto: Eric Sebach

Im Atelier von Eva Mayer am Ring in Hartberg. Bereits seit 40 Jahren sitzt die Künsterin an der Töpferscheibe. Ihre Werke gehen sogar bis nach New York

 

Es ist der Panoramablick, der sofort begeistert – und die unendliche Stille. Ein Besuch bei Eva Mayer, der bekannten und erfolgreichen Töpferin am Ring hoch über Hartberg, bezirzt Auge und Geist, streichelt fast ein wenig die Seele. „Die Bezeichnung Töpferin mag ich lieber als Keramik-Künstlerin“, kehrt die gebürtige Mürztalerin ihr bescheidenes Inneres nach außen. Und wenn Katze „Valie Import“ – in Anlehnung an die exaltierte Künstler-Kollegin „Valie Export“ – wieder einmal mit sanfter Strenge aus dem schmucken Atelier gescheucht ist, setzt sich Eva Mayer sogleich an die Töpferscheibe und folgt dabei offensichtlich ihrem Instinkt. „Ich kann mich dabei ganz vertiefen, es ist wie ein Flow“, kommt sie ins Sinnieren. Und wer, wie Eva, 40 Jahre an der Töpferscheibe sitzt, muss es ja wissen. Übung macht eben die Meisterin.
Mit 20 Jahren hielt sie bereits den Meisterbrief der Keramik in Händen – „dabei sagen die Japaner, dass die ersten 30.000 Stücke eh nix werden“, lächelt Eva. Doch beim Blick in ihren Schauraum, wo von der Porzellanschale bis zum kunstvoll getunten Stachelei alles Mögliche zu ergattern ist, führt sich die japanische „Weisheit“ in Windeseile ad absurdum. Mit Auftragsarbeiten hat Eva Mayer nicht die größte Freude – „lieber ist mir, wenn meinem Stammpublikum die eigenen Kreationen zusagen. Denn bei mir entsteht viel Neues einfach aus dem handwerklichen Tun. Da überleg‘ ich keinen Handgriff, lass‘ Kopf und Körper sozusagen zusammenfließen.“

Warum Idealismus eine so große Rolle spielt
Freilich, die sagenhafte Stille hilft, sich zu vertiefen. „Ich bin eigentlich ein Klostertyp“, gesteht Eva mit Blick zurück auf ihre erste Werkstatt in einem alten Wehrturm des Stiftes Vorau. Und auf die oft gestellte Frage „Wie lange brauchen Sie eigentlich dafür?“ antwortet sie gern salopp mit „etwa 40 Jahre“ … „Klar, wenn man es gut kann, das Töpfern, ist so ein Schüsserl in wenigen Minuten fertig. Aber kaum jemand weiß, dass es viele Schritte bis zum fertigen Stück braucht.“ Als anerkannte Künstlerin ist Eva Mayer jedenfalls seit Jahren sehr gefragt, interessierte Kunden kommen aus allen Himmelsrichtungen und so manche Anfrage aus dem Ausland findet sich im Mail-Account. Ein New Yorker Teeladen etwa ordert immer wieder Tassen; auch ein französischer Galerist steht in der Kundenkartei. Egal, ob für die Tischkultur, den Wohnbereich oder für den Garten – Evas Repertoire bietet für jeden Geschmack etwas. Stolz ist sie auch darauf, „dass ich immer von meiner Arbeit leben konnte.“
Und doch: es gehört wohl eine gehörige Portion Idealismus dazu, sein Hobby zum Beruf zu machen. „Würde ich bunte Keramik herstellen, mit ein paar Blümchen drauf, ließe es sich bestimmt besser leben – sowas verkauft sich gut“, gibt Eva Mayer zu. Aber dann wäre sie vermutlich nicht sie selbst. Sprach’s – und geht zurück an die Töpferscheibe. Um sich bald wieder dem „Flow“ zu ergeben.

Beitrag aus Ausgabe 05/2018


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