„Ich sehne mich nach dem Geruch von Ruß“

„Du bist Rauchfangkehrer - hat dich das Glück besonders geküsst?“ „Nicht geküsst. Ich hatte harten Sex mit dem Glück!“ So beginnt ein Gespräch mit Jerome Thek, das sich in eine ganz andere Richtung entwickelt als vorerst angenommen.
Nora SCHLEICH / 02. Jänner 2019
Foto: Karl Allen Lugmayer / Fotolia.com

Rauchfangkehrer gelten als Glücksbringer. Jerome Thek aus Kemeten hat seinen Beruf geliebt. Auch wenn nicht alles im Leben geradlinig verläuft, fühlt er sich doch als Glückskind.

 

„Bring mir Glück“, das rufen ihm heute noch Menschen zu, wenn sie den Rauchfangkehrer auf der Straße sehen, obwohl er seit über einem Jahr nicht mehr als solcher arbeitet. „Glück ist aus, aber Reichtum oder Schönheit hätte ich noch“, antwortet er dann für gewöhnlich. Die Menschen freuen sich eben, wenn sie einen wahrhaftigen „Glücksbringer“ sehen. „Rauchfangkehrer sind nicht alltäglich, sie kümmern sich ums Wohl der Kunden und sorgen für Sicherheit. Die Menschen lieben uns!“, sagt Jerome, der sich immer noch als Rauchfangkehrer bezeichnet.

„Es sind so viele Leute abergläubisch, auch junge, man glaubt es kaum.“ Im Fall von Jerome Thek hatten viele Südburgenländer besonders viel Glück, denn er hat sich um seine Kundschaft über alle Maßen gekümmert. Er hat sich Zeit genommen, ist gerne auf einen Kaffee oder eine Flasche Bier geblieben, hat den Menschen zugehört und viel gesehen. Geurteilt habe er aber nie und weiter erzählt habe er auch nie etwas, stellt er entschlossen fest. „Mir sind die Menschen nicht egal! Ich habe einfach gerne nachgefragt.“ Und auch wir fragen nach und bekommen Antworten. „Es ist kein Gerücht: wenn die grüne Witwe alleine zuhause ist, dann kommt der Rauchfangkehrer. So manch eine Dame im Bezirk setzt das sogar voraus!“ lacht er laut und setzt fort: „Ein Schelm, der Böses denkt. Aber das ist wahr.“ Wir gehen nicht ins Detail. Aber dass Jerome kein Kind von Traurigkeit ist, setzen wir voraus und die eine oder andere derbe Geschichte hat er natürlich auf Lager.

Als Rauchfangkehrer erlebt man eben viel. Zum Beispiel junge Frauen, die den Rauchfangkehrer antanzen lassen, weil ihr Holzofen nicht funktioniert. „Man hilft, wo man kann, ich habe ihr dann also gesagt, dass man schon Holz dazu braucht. Sie dachte das würde automatisch gehen, also Ofen gekauft, hingestellt und fertig.“ Beschwerden über den urigen Typen aus Siget, der heute in Kemeten lebt, gab es übrigens nie – außer einmal. „Ich war wegen einer Ölheizung im Haus. Der Mann war in der Nachtschicht. Der weiße Schäferhund des Paares hat an mir geschnüffelt. Und dann hat der Hund am Frauchen geschnüffelt. Und als der Gatte ein paar Minuten später nach Hause gekommen ist, war der Hund weg und die Frau war schwarz im Schritt.“ Suboptimal.

„Als Schauspieler bin ich Amateur“

Jerome Thek ist authentisch. Immer. Und das zeichnet ihn auch als Schauspieler aus. Seit 2011 ist er Komparse für die internationale Erfolgsserie „Games of Thrones“ und im neuesten Landkrimi „Grenzland“, der am 15.1.2019 im ORF Premiere feiert, hat er eine Nebenrolle ergattert. Gelernt hat der 35-Jährige die Schauspielerei freilich nicht, wovon sich so manch ein „echter“ Schauspieler bedroht fühlen könnte. Ein mittlerweile guter Freund, der etablierter Schauspieler in Österreich ist, hat gesagt: „Bist eh gut. Aber Schauspieler bist keiner!“ Niemand möchte von einem Amateur vertrieben werden. Obwohl ihm der Erfolg im Showbiz durchaus recht gibt, steckt sein Herzblut in den Kaminen der Region. Die Welt des Fernsehens macht ihn nicht vollends glücklich. Lange hat er aber eine Fassade aufrechterhalten. Nun legt er die Maske ab.

„Ich glaube nicht an Astrologie. Widder sind von Haus aus skeptisch“

Das Leben ist nicht Hollywood. „Als ich bei der Premiere des neuen Landkrimis vor einigen Wochen tosenden Applaus geerntet hab‘, habe ich nichts empfunden, keine Freude, keinen Stolz. Da wusste ich konkret, dass etwas nicht stimmt. Ich konnte nicht mehr lachen.“ Schwere Depressionen und Suizidgedanken machten eine Reha im Dezember notwendig. „Ich hab den Lustigen gespielt. In Wahrheit fehlt mir mein Job als Rauchfangkehrer. Ich würde alles dafür geben, wieder in der Region in diesem Beruf arbeiten zu können, auch wenn bei einem Lungenvolumen von 40 Prozent dieser Job bestimmt nicht das Richtige für mich ist. Mir fehlt aber die Zuneigung, die Freundlichkeit und die ehrliche Freude, die mir als Rauchfangkehrer entgegengebracht wurde. Das war besser als jeder Applaus für mich als Nebendarsteller.“

Trotzdem fühlt er sich als Glückskind. „Mein Leben hätte aufgrund von Unfällen schon mindestens drei Mal vorbei sein können, aber ich hatte immer Glück. Auch was meinen Namen betrifft. Mein Bruder heißt Schilbääär (Gilbert), den hat’s als Kind in Siget hart getroffen. Aber im Ernst: ich trinke und rauche maßlos und esse rotes Fleisch. Weil ich leben möchte!“

Wir wünschen dem Rauchfangkehrer der Herzen, dass er vom Glück weiterhin zumindest geküsst wird!


Jerome Thek aus Kemeten
Sein Traumberuf ist Rauchfangkehrer. Als Amateur hat Jerome Thek auch Schauspielluft geschnuppert und wirkt seit über sieben Jahren als Komparse in der US-Serie „Games of Thrones“ mit. Die 8. Staffel ist abgedreht und Jerome Thek war im Zuge der Serie in Kroatien, England, Spanien und Island.

Game of Thrones...
...(deutsch „Spiel der Throne“) ist eine US-amerikanische Fantasy-Fernsehserie von David Benioff und D. B. Weiss für den US-Kabelsender HBO. Die von Kritikern gelobte und kommerziell erfolgreiche Serie basiert auf der Romanreihe A Song of Ice and Fire (deutsch „Das Lied von Eis und Feuer“) von George R. R. Martin, der ebenfalls an der Serie mitwirkt.

Die Handlung ist in einer fiktiven Welt angesiedelt und spielt auf den Kontinenten Westeros und Essos. Die sieben Königreiche von Westeros ähneln dem europäischen Mittelalter und sind durch eine riesige Mauer von einem Gebiet des ewigen Winters im Norden abgeschirmt. Frühling, Sommer, Herbst und Winter können mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte andauern, ihre Länge ist variabel und nicht vorhersehbar. Die Geschichte beginnt am Ende eines langen Sommers und wird in drei Handlungssträngen weitgehend parallel erzählt. Zwischen den mächtigen Adelshäusern des Reiches bauen sich Spannungen auf, die schließlich zum offenen Thronkampf führen. Der Winter bahnt sich an und es zeichnet sich im hohen Norden von Westeros, wo die Nachtwache an der Mauer die Königreiche schützen soll, eine Gefahr durch eine fremde Rasse ab. In Essos ist Daenerys Targaryen als Mitglied der vor Jahren abgesetzten Königsfamilie von Westeros bestrebt, wieder an die Macht zu gelangen.

Die komplexe Handlung umfasst zahlreiche Figuren und thematisiert unter anderem Politik und Machtkämpfe, Gesellschaftsverhältnisse, Kriege und Religionen. Zahlreiche Charaktere weisen differenzierte moralische Schattierungen auf; ebenso kommen des Öfteren zentrale Figuren ums Leben.

Die Erstausstrahlung erfolgte am 17. April 2011 bei HBO, gefolgt von der deutschsprachigen Erstausstrahlung am 2. November 2011.

Insgesamt sind acht Staffeln Game of Thrones geplant. Die ersten sechs Staffeln umfassen jeweils zehn Episoden, die siebte Staffel sieben Folgen, während für die achte Staffel sechs Episoden geplant sind. Die achte Staffel soll ab April 2019 ausgestrahlt werden.

Quelle: Wikipedia

Warum gelten Rauchfangkehrer als Glücksbringer?

Die schwarzen Männer und Frauen gelten in weiten Teilen der Welt als volkstümliche Glücksbringer. Wer sie berührt oder am Knopf der Kleidung dreht, habe Glück im neuen Jahr.

Rauchfangkehrer gibt es bereits seit dem Mittelalter. Früher war es eine Katastrophe für den Haushalt, wenn der Kamin verstopft war oder schlecht zog. Die Feuerstelle war das Zentrum des Heims. Sie sorgte für Wärme und für eine warme Mahlzeit.

Im 16. Jahrhundert in Italien im Gebiet von Mailand gingen die „ Spatza Kamino“ mit einem Reisigbesen von Haus zu Haus und säuberten die ersten errichteten Schlote. Die Hausbrände gingen zu diesem Zeitpunkt massiv zurück. Damals gab es noch nicht viele Rauchfangkehrer, also war es ein Glück, wenn man einen Kaminkehrer für die Dienste erwischen konnte.

In Wien wurde die erste Konzession im Jahr 1512 von Kaiser Maximilian I. An einen gewissen Hans von Mailand erteilt.

Der Geschichte der Wiener Rauchfangkehrer ist ein eigenes Museum gewidmet:

Rauchfangkehrermuseum
1040 Wien, Klagbaumgasse 4
Telefon: 734 35 40 bzw. 514 50/2275
Kontakt: info@rauchfangkehrermuseum.at

Hier weist ein gestickter Spruch übrigens darauf hin, warum der Rauchfangkehrer noch als Glücksbringer gilt: Er sorgt für das Glück in der Ehe, weil ein müder, hungriger Mann, durch die Kochkünste der Frau milde gestimmt wird:

„O Rauchfangkehrer, lieber Mann, putz doch den Rauchfang, dass ich kochen kann.“


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