Männerdomäne und Genderwahn? Vollkommen egal!

Mit welchen Worten sich Brigitte Annerl beschreiben würde? Leidenschaft, Begeisterung, Durchhaltevermögen und ein „Geht net, gibt‘s net“ hängt sie noch dran. Und ja, diese Beschreibung passt wirklich hervorragend. Denn diese Eigenschaften haben sie zur erfolgreichen Konzern-Chefin gemacht und zur Präsidentin des TSV Hartberg.
Nach langem Bangen kann Hartberg seit dem 29.5. jubeln. Der Aufstieg in die Bundesliga wurde im 3. Anlauf genehmigt.
Jennifer Vass
Foto: Stefan Kristoferitsch

Brigitte Annerl ist seit dem Vorjahr Präsidentin des TSV Prolactal Hartberg.

„Ich weiß, was mich interessiert und wo ich hin möchte, und dies versuche ich konsequent zu erreichen. Ich habe mir dabei nie Gedanken über die Tätigkeiten in Verbindung mit einem bestimmten Geschlecht gemacht“ antwortet Annerl auf die Frage nach dem Genderwahn der heutigen Zeit. Schließlich arbeitet sie in einer Männerdomäne – sogar mit dem Schwerpunkt Mann. Ihr Unternehmen Lenus Pharma ist Weltmarktführer in der Behandlung männlicher Unfruchtbarkeit. 2016 hat sie in die USA expandiert und erobert aktuell den asiatischen Markt. Wie das zum Thema Fußball passt? „Mit einem starken Team kann man Berge versetzen, das sehe ich beim TSV Prolactal Hartberg genauso, wie auch bei Lenus Pharma. Daher passt dieser Hartberger Verein zu mir persönlich. Ich mache dies aus reiner Leidenschaft und weil ich mich in diese Mannschaft, und damit meine ich das Kollektiv, ‚schockverliebt‘ habe. Fußball ist eine Leidenschaft und ein Teamsport, der verbindet.“
Selber spielen tut sie nicht, ist aber seit Kindheitstagen fußballbegeistert. Dass die Unternehmerin einmal Präsidentin eines Fußballsklubs wird, hätte sie als Kind jedoch nicht gedacht.

Bierdusche, Kabinen-party und Dankbarkeit

Und wie es sich für einen richtigen Fan gehört, hat auch Brigitte Annerl schon eine traditionelle Bierdusche genossen, nach dem Spiel zum Meister 2017. Auf den emotionalsten Moment mit ihrem Team angesprochen, antwortet sie: „Es gibt keine explizite Situation, es sind die vielen schönen Momente – der Meistertitel der Regionalliga oder wenn bei einem Tor das gesamte Team mitjubelt, bis zu den Kabinenpartys nach dem Sieg. Was mich in den letzten Wochen sehr berührt hat, ist die Unterstützung, die uns von allen widerfährt. Die Menschen einer gesamten Region stehen hinter uns, die Gemeinde und das Land Steiermark unterstützen uns sowie unsere Fans, die der Grundstein unserer Arbeit sind. Ein ganz großes Dankeschön an dieser Stelle für dieses großartige Engagement“ zeigt sich die taffe Unternehmerin gerührt.

Dass der Lizenzantrag für die höchste Spielklasse abgewiesen worden ist, war in den letzten Tagen immer wieder Thema in den heimischen Sportnachrichten. „Fakt ist, dass uns seitens der Bundesliga noch vor Lizenzvergabe die Auslagerung des Spielbetriebs genehmigt wurde und die eingereichten Budgets von unabhängigen Wirtschaftsprüfern bestätigt sind.“ Unabhängig von der Entscheidung des Schiedsgerichts (bis 28. Mai, nach Redaktionsschluss) und der Vergabe der Lizenz, ist aber der Stadionausbau für alle A Kriterien sowie für 80 Prozent aller B Kriterien baugenehmigt und bewilligt. Die Finanzierung für den Ausbau ist sichergestellt und die Aufträge sind erteilt.

Anmerkung der Redaktion am 29. Mai 2018:

Der TSV Hartberg darf nun doch in die Bundesliga aufsteigen! Das Ständig Neutrale Schiedsgericht erteilt den Steirern die Lizenz für die höchste Spielklasse, nachdem sie ihnen zunächst in zwei Instanzen verweigert worden war. Diese Entscheidung wurde erst nach Redaktionsschluss der Print-Ausgabe bekannt gegeben.


Kurzbiografie
Nach der Matura begann Brigitte Annerl ihr Medizinstudium, welches sie wegen ihrer Schwangerschaft abbrach. Sie arbeitete daraufhin als Pharmareferentin für ein Pharmaunternehmen und absolvierte einen Marketinglehrgang an der Wirtschaftsuniversität Wien. Daraufhin machte Annerl im Konzern Karriere und wechselte in die Nahrungsergänzungsmittelbranche.

2006 gründete sie in Wien-Favoriten das Pharmaunternehmen Lenus Pharma, das hauptsächlich auf dem Sektor der männlichen Unfruchtbarkeitsbehandlung tätig ist.

Die Wienerin wurde schließlich Sponsorin des steirischen Fußballvereins TSV Hartberg, bevor sie 2017 das Präsidentinnenamt übernahm.

Kommentare

Kommentar Jennifer Vass

Hartberg jubelt!

Ja, auch ich habe mit dem TSV Hartberg mitgefiebert, ob es mit der Lizenz nun klappt oder nicht. Beim Interview mit Frau Annerl war dieses Thema natürlich allgegenwärtig. Sie hat betont, alles für ihren Verein zu tun und wie wir seit Kurzem wissen, wurden ihre Mühen am Ende belohnt. Jetzt steht der nächsten Bierdusche nichts mehr im Wege!

Hartberg bekommt Lizenz!

Einen Kommentar hinterlassen: