„Man muss schon einen leichten Vogel haben“

Eigentlich ist Thomas Mauerhofer Außendienst-Mitarbeiter einer Möbelfirma. Nebenbei ist der gute Mann aber verrückt nach extremen Belastungen und gar Weltrekordhalter. Und er ist offizieller Radbotschafter der Oststeiermark.
Eric Sebach
Foto: Rene Strasser

Thomas Mauerhofer bei seinem Weltrekord im 48-Stunden-Höhenmeter-Fahren.

 

Dass Radfahren guttut, ist unbestritten – und deshalb hat sich die Radregion Oststeiermark mit Radrennfahrer Georg Preidler und Extremsportler Thomas Mauerhofer auch zwei Profis geangelt, die diese Botschaft bestmöglich nach außen tragen. Letzterer macht gerade in letzter Zeit ganz schön extreme Promotion.

Während Tom Mauerhofer nämlich für seine Heimatregion die Werbetrommel rührt („Radeln ist eine der schonendsten Möglichkeiten, sich fit zu halten, man bewegt sich durchgehend an der frischen Luft“), betreibt er es selbst beinahe bis zur Ekstase.

Für‘s meiste Aufsehen sorgte Mauerhofer nämlich heuer im Mai mit einem neuen Weltrekord im 48-Stunden-Höhenmeter-Fahren. Dabei überwand der 39-jährige Sportsmann aus dem verträumten Anger bei Weiz quasi in seiner Heimat sage und schreibe 31.140 Höhenmeter und legte dabei ganz nebenbei rund 630 Kilometer zurück. Unterbrochen nur von drei Mal zwölf Minuten Schlaf oder besser gesagt „Powernapping“, einigen WC-Pausen und Wäschewechsel. „Nimmt man es im übertragenen Sinn, hab ich den Mount Everest sozusagen 3,52 Mal nonstop bezwungen“, lacht Tom heute noch über seinen Husarenritt, der ihm weltweite Anerkennung bringt.

Sechs Stunden Radeln vorm Abendessen

Mit „Genussradeln“ von Buschenschank zu Buschenschank hat die Sache bei Thomas Mauerhofer freilich nichts zu tun. Seit vier Jahren gehört er zur internationalen „Ultra-cycling“-Szene – also zu den Extremsten der Extremen im Radsport – und spult im Jahr um die 15.000 schweißtreibende Kilometer herunter. Das Geheimnis dafür lautet Training, Training und noch einmal Training. Mit hochprofessioneller ärztlicher Begleitung.

Während andere nach der Arbeit heimgehen, abendessen und sich vor den Fernseher setzen, stellt Mauerhofer nach getanem Job als Außendienstmitarbeiter sein Auto auf einen Parkplatz, holt seine Rennmaschine aus dem Kofferraum und radelt los. „Bis zu sechs Stunden sitze ich da manchmal im Sattel“, verrät Tom, „am Ende werden rund 150 Kilometer zusammenkommen.“ Erst gegen 21.30 Uhr geht es dann heim zur Family und auf einen Happen Essen. Gegen Mitternacht heißt es ab ins Bett, denn morgens um sechs läutet ja der Wecker.

Ob das gesund ist? „Nicht für jeden“, lächelt Mauerhofer, „aber ich hab mich in behutsamer Form an meine Leistungsgrenzen herangetastet. Und meiner Frau Gerlinde ist es auch lieber, dass ich nach einem harten Arbeitstag beim Radeln ausspanne, statt irgendwo in einem Gasthaus zu sitzen.“ Nachsatz: „Ich geb schon zu, dass man einen Vogel haben muss, um sich solche extremen Belastungen, wie das Höhenmeter-Fahren, anzutun. Aber ich bin halt ein Radsport-Verrückter.“

Premiere beim Race across America 2018
Immerhin ist Mauerhofer staatlich geprüfter Konditionstrainer, hat einige Marathonläufe bestritten und plant nach Einsätzen beim „Race around Austria“ (2.200 Kilometer nonstop in 104 Stunden) für Juni 2018 auch erstmals ein Antreten beim „Race across America“, dem härtesten Radrennen der Welt.

„Dabei wird es gleich nach dem Start in Los Angeles in die Rocky Mountains gehen“, erzählt Tom fast ein wenig ehrfürchtig. „Für mehr als sechs Stunden Schlaf wird es in sieben Tagen bei einer Gesamtdistanz von knapp 5.000 Kilometern nicht reichen“, macht sich Tom nichts vor. „Und ich weiß natürlich, dass das schon wieder nicht gesund sein wird. Aber: Ein Marcel Hirscher weiß doch auch, dass jahrelange Schirennen auf diesem Niveau für die Knie Gift sind. Und er macht es trotzdem.“

Portrait aus Ausgabe 09/2017


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