„Meine Motivation bin ich selber“

Er ist zwanzig Jahre alt, isst täglich zwei Kilo Fleisch und trainiert bis zu 21-mal in der Woche. Jan-Niklas Becha ist Burgenlands einziger Bodybuilder in der Juniorenklasse – und er hat sich noch viel vorgenommen.
Christian KEGLOVITS / 1. Juli 2020 / Podcast am Seitenende
Foto: zVg

Im zarten Alter von fünfzehn Jahren besuchte ein strohblondes, milchgesichtiges Büblein mit seinen gleichaltrigen Freunden zum ersten Mal ein Fitnessstudio. Ein bisschen Disco-Bumper, sprich Brust-Bizeps, trainieren, um die Girls zu beeindrucken. Nach einigen Einheiten wussten die Freunde bald Besseres zu tun, übrig geblieben ist nur er: Jan-Niklas Becha aus Güssing. Seine Besuche im Studio wurden mehr, die Trainingsintensität gesteigert, sodass ihn seine damalige Freundin vor die Wahl gestellt hat: sie oder das Training. Er entschied sich für das Fitnessstudio, nahm sich einen Trainer und setzte sich ein Ziel: die Teilnahme an einem Wettkampf. Eltern wie Freunde nahmen das nicht ernst und reagierten belustigt auf seinen Plan. Da war Jan-Niklas achtzehn – und sein Plan ging auf. Denn ein Jahr später, im Jahr 2019, errang er in Krems den Staatsmeistertitel in der Juniorenklasse und nur einen Tag später den zweiten Platz in der Klasse „National Männer Physique bis 178“.

Die Wende

Diese Erfolge veränderten alles. Was anfangs belächelt wurde, fand nun Respekt und Anerkennung – bei Eltern wie bei Freunden. Mittlerweile bestimmen ein ausgeklügeltes Mehrphasentraining und ein darauf abgestimmter Speiseplan seinen Alltag. „90 Prozent geht über die Ernährung, 10 Prozent über das Training. Um massiv und prall auszusehen, muss die Ernährung passen“, und so Jan-Niklas weiter: „Einen harten Look auf der Bühne erreicht man nur durch extrem wenig Körperfett.“ Konkret bedeutet das: Kein Reis, keine Kartoffel, keine Haferflocken, dafür 1,5 bis 2 kg Fleisch und dazu Bohnen sowie viele Eier, und da auch nur das Eiklar. Alles auf die Kalorie genau ausgerechnet und natürlich von Jan-Niklas selbst zubereitet, „da möchte ich niemand anderen damit belasten.“ Gesund ist das ganze nur bedingt, weshalb Jan-Niklas auch großen Wert auf eine ärztliche Betreuung legt, „aber welcher Spitzensport ist schon gesund?“. Die Devise lautet, das Risiko zu minimieren.

Gegen die Zeit

Eine Frage, die er oft gestellt bekommt: Wie lange kann man das machen? Seine Antwort: „Das weiß man nicht. Jeder Mensch ist anders, jeder Körper reagiert verschieden. Arnold Schwarzenegger hat mit 20 begonnen und ist mit 45 Jahren noch immer auf der Bühne gestanden. Andere geben bereits nach zwei Jahren auf.“ Jan-Niklas jedenfalls hat noch viel vor. Allein für das heurige Jahr hat er sich ursprünglich fünf internationale Wettkämpfe in seinen Kalender eingetragen. Und dann kam Corona. Der Lockdown verpasste ihm einen psychischen Dämpfer und zwang ihn zwischenzeitlich zum Training in den eigenen vier Wänden. Mittlerweile stehen die Fitnessstudios wieder offen. Mit einem Wettkampf Anfang September in Malta ist auch schon das nächste Ziel definiert. Das Training liegt voll im Zeitplan, und die Motivation steckt in jeder Muskelfaser. „Meine einzige Motivation bin ich selber. Ich seh den Fortschritt an mir selbst.“ Dessen vergewissert er sich übrigens laufend, schaut er sich doch mehr als 30 Mal am Tag in den Spiegel, ob alles passt.

„Man kommt schon ein bisschen selbstverliebt rüber, wenn man diesen Sport macht“, muss Jan-Niklas mit einem Lächeln zugeben. Aber bepackt mit schweren Muskeln, hebt man nicht so leicht ab. Für die nötige Bodenhaftung sorgt zudem ein Projekt, das ihm gleichzeitig ein finanzielles Einkommen bescheren soll: Im Jahr 2021 wird Jan-Niklas Becha mit seinem Trainer ein eigenes Fitnessstudio eröffnen, und die Erfolgsgeschichte des noch immer strohblonden, milchgesichtigen aber inzwischen erwachsenen jungen Mannes findet so ihre Fortsetzung.


Bodybuilder Jan-Niklas Becha aus Güssing wurde im Vorjahr Staatsmeister in der Juniorenklasse.

Kein Tag vergeht ohne Training.
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