„Nenn mich ruhig schräg“

Die blaue Socke wirkt absichtlich über sein linkes Hosenbein gestrickt. Das zeigt sinnbildlich, wie ungewöhnlich er wirkt, dazu noch androgyn und ruhelos. „Ich schau gar nicht so verbraucht aus, wie ich innerlich bin“, gesteht er dann auf Nachfrage und rekapituliert das Konzert vom Vorabend in Wien mit den Worten: „Ja, cool, egal“. „Hektisch und extrem“ wird die Musik beschrieben, die der 36-Jährige macht, aber auch auf ihn trifft diese Bewertung durchaus zu. Bernd Supper selbst macht sich keinen Kopf, was Beschreibungen betrifft. Die feine Linie zwischen Unterhaltung, die verkaufbar sein muss, und Kunst, die polarisieren kann, zieht er aber bewusst. „Mainstream“ ist der Pinkafelder nämlich nicht, und seine Musik auch nicht.
Nora SCHLEICH / 4. Juli 2019
Foto: Gabriel Niederberger

Seit zwei Jahren widmet sich Bernd Supper ganz dem Musikerleben, mit allem was dazu gehört: mehrere Bands, Theaterproduktionen und ein „Nebenjob“ in einem Architekturbüro, um über die Runden zu kommen. Der Musikmarkt in Österreich hat sich lange schwierig für den Pianisten gezeigt, doch Gigs im Ausland (vor allem England) und das Aufsteigen der musikalischen Indie-Szene in Österreich erklären den momentanen Hype um seine Band „Scarabeusdream“. „Ich bin anstrengend. Vor allem für mich selbst!“

Wenn er spricht, kann er seine sehnigen Finger nicht ruhig halten. „Ich bin selbstzerstörerisch und von Selbstzweifeln geplagt“ wertet er. Er sei aber weniger „wolkig“ als andere Kollegen in der Musikbranche, irgendwie erdiger, sagt er über sich selbst. Er ist eben eine zerrissene Person. „Mein Geist in diesem Körper und mein Spiegelbild passen nicht zueinander und schon gar nicht mit dem Namen Bernd Supper zusammen.“ Darum hatte er immer viele Spitznamen. „Schoko“ zum Beispiel. „Bernd fand ich früher extrem uncool. Heute schaudert es mich ein bisschen bei „Schoko“. Hannes, mein bester Freund und Bandkollege, nennt mich übrigens Patricia.“ Namen sind überhaupt (k)ein Thema. „Scarabeusdream kam auch ohne Konzept, sondern einfach, weil eine Band einen Namen braucht. Jeder Bandname klingt irgendwann nicht mehr deppat“, sagt er und wir denken an DJ Ötzi oder gar U2.

„Politisch? Ja!“

Es ist eine gewisse Eloquenz im Auftreten des Künstlers wahrnehmbar. Wortgewandt philosophiert er über seine Jugend in Pinkafeld, seine Lernjahre im Gymnasium Oberschützen, die Musik und sein Leben. „In allen Songs geht es um das, was uns bewegt. Wenn sich jemand schon anmaßt, auf einer Bühne zu stehen, muss er auch eine Meinung haben. Ohne Idee macht unsere Musik ja keinen Sinn.“

SCARABEUSDREAM

„Viele wilde Wortkonstrukte werden ausgepackt, um Scarabeusdream einem Genre zuzuordnen. Zugegeben schwierig, reicht doch das ‚gewaltige Universum‘ des Duos laut Intro von episch-orchestraler Klassik über Posthardcore-Geschrei bis hin zu Pop. Und das trotz der schmalen Besetzung von Piano und Schlagzeug,“ so beginnt ein Pressetext. „Wir halten aber eigentlich nichts von konzeptuellen Überlegungen. Dass wir etwa eine schmale Besetzung von Piano und Schlagzeug sind, das hat sich ergeben. Es war Zufall, wie alles andere.“ Er lacht kurz auf und wirft seine Frisur zurecht.

Bernd Supper und der Schlagzeuger Hannes Moser kennen einander bestens, antizipieren die Denkmuster des anderen, arbeiten zusammen und gegeneinander. Die Dynamik der beiden Protagonisten ist eine besondere. „Das Musikalische geht bei uns über das Instrumentelle hinaus. Ich bin der Kopf, er ist der Bauch. Wir beide sind das Herz von Scarabeusdream. In Zeiten, wo wir nicht beste Freunde sind, ruht auch die Band.“ Mit 17 Jahren hat er Hannes getroffen. „Ich habe durch ihn verstanden, dass ich mit meinem Instrument, dem Klavier, eigene Töne finden kann. Davor habe ich ja mit mittelmäßiger Technik nur reproduziert. Hannes ist ein Querkopf. Perfekt!“, sagt er über seinen Freund.

Hannes Moser ist übrigens Intensivpfleger. „Durch seine Arbeit weiß ich, dass Menschen am Ende ihres Lebens nie sagen, dass Musik eine blöde Idee wäre. Unglücklich sterben mit 2.000 Euro mehr am Konto aber schon,“ beschreibt er seine Lebensphilosophie und gleichzeitig die der Band. „Vielleicht wäre was Lustiges besser gewesen“, lacht er etwas verkrampft – ein bisschen schräg eben.

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Bernd Supper und Hannes Moser
Bernd Supper aus Pinkafeld und Hannes Moser sind das Duo von „Scarabeusdream“.

Im „Falter“ schrieb Sebastian Fasthuber über sie: „Sie musizieren mit einer immensen Wucht, aber auch Zärtlichkeit und vor allem mit zielgerichteter Intensität.“

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Musik abseits vom Mainstream…

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