Privat ist sie auch gerne eine Lady

Abenteuer Damen-Radsport! Verena Eberhardt aus St. Martin in der Wart tritt für ein niederländisches Profi-Team in die Pedale und träumt bereits von einer Olympia-Teilnahme 2020 in Tokio
Eric Sebach
Foto: Anton Koll

Verena Eberhardt aus St. Martin in der Wart ist Profi-Radsportlerin. Dafür muss die 22-Jährige auf einiges verzichten.

 

Das Wörtchen „Profi“ hört sie nicht so gerne („Weil es im Damen-Radsport für eine Österreicherin wenig zu verdienen gibt“) – aber an Leidenschaft und Enthusiasmus mangelt es dem „Fräuleinwunder“ aus St. Martin in der Wart dennoch nicht. Ein siebenter Platz bei der EM der Bahnfahrer vergangenen Oktober in Paris kann sich mehr als sehen lassen, Mitte April versucht Verena Eberhardt im Nationalteam-Dress bei der Weltmeisterschaft in Hongkong wieder ihr Glück. Und opfert dafür einiges, was andere Mädels mit 22 nie und nimmer tun würden. Freizeit ist seit dem Autogramm für den niederländischen Rennstall „Maaslandster“ nämlich beinahe zum Fremdwort geworden. Hartes Training steht an der Tagesordnung, selbst an einem „freien“ Tag sitzt die hübsche Südburgenländerin rund eineinhalb Stunden im Sattel und spult an die 45 Kilometer herunter. „Das ist aber eine gemütliche Einheit“.

Begeisterte Eltern, private Sponsoren und ein wenig Sportförderung machen das Abenteuer Radsport für Verena Eberhardt überhaupt erst möglich – „wenn ich Flüge, Hotelkosten und alles, was an Spesen anfällt, zusammenzähle, komm‘ ich jedes Jahr gerade halbwegs über die Runden.“ Der größte Vorteil, an Bord des niederländischen Profi-Teams sein zu dürfen, ist jedenfalls schnell erklärt. „Damit hab ich die Gewissheit, Einladungen zu vielen Straßenrennen in Holland oder Belgien zu erhalten“, betont Verena. Denn „auf der Straße“ holt sie sich regelmäßig Kondition und Härte für die Einsätze auf der Bahn. Wo sie auch zu Olympia-Ehren gelangen will. „In Tokio 2020 starten zu dürfen, das ist das größte Ziel!“

Zwischen 50 und 60 Rennen stehen 2017 für Verena Eberhardt auf dem Programm, da geht’s über mehrere Ein-Tages-Rennen in Tschechien, Italien, Belgien oder Holland bis zu drei größeren Rundfahrten. Die größte Chance im Spitzenfeld mitzumischen, rechnet sie sich jedenfalls wieder bei der Elite-EM auf der Bahn aus. Die steigt heuer im Oktober in Berlin. Und wenn zwischendurch doch ein bisschen Zeit bleibt, macht Verena mit ihren Freundinnen am liebsten daheim die Gegend unsicher. Make-up und Lippenstift sind im Damen-Radsport kein Thema – „aber privat greife ich dann doch ganz gerne zum Schminkset, schau in den Kleiderschrank und packe auch die High Heels aus.“ Da ist dann das Cocktailkleid anstelle von Radler-Hose, T-Shirt oder Jogginghose gefragt. Die Nacht durchzutanzen steht dennoch ganz selten auf der Tagesordnung – „schließlich will ich ja bei den nächsten Rennen fit genug sein.“
Übrigens: einen Schuhtick hat sie auch, die gute Verena. „Aber bei mir sind es keine Stöckelschuhe oder Stiefel“, lächelt sie, „in meinem Schrank stehen vor allem Nike‘s. Und zwar jede Menge von den Dingern.“

Portrait aus Ausgabe 04/2017


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