„Raunzn dua i sicha ned“

Früher DJ und Plakatierer, heute Geschäftsführer des größten Konzertveranstalters Österreichs. So lässt sich der Lebensweg von Ewald Tatar zusammenfassen. In einem Gespräch erzählt er von dem Weg, der ihn dorthin brachte und von seinen Anfängen als DJ in einer der kultigsten Diskos überhaupt – dem Kamakura.
Laura Weingrill
Foto: Laura Weingrill

Ewald Tatar war DJ in der legendären Diskothek Kamakura. Heute holt er die Stones nach Österreich.

 

Es ist Freitagabend. Schon von draußen hört man die Musik durch die Wände dröhnen. Gute Musik, stickige Luft und kaum Licht – genau das machte das Kamakura aus. Eine Diskothek, von der heute noch viele über alle Maßen schwärmen. „Ja, das Kamakura war damals schon eine coole Zeit. Dort wurden echte Trends gesetzt, was die Musik angeht. Es hat mir sehr viel in der Karriere geholfen“, erzählt Ewald Tatar. Zehn Jahre lang legte er als DJ in jener Diskothek auf, der heute noch Generationen nachweinen.
Heute ist Tatar der Geschäftsführer von „Barracuda Music“, dem größten Konzertveranstalter Österreichs mit ungefähr 600 ausgerichteten Konzerten jedes Jahr. Sieht man ihn heute, würde man wohl kaum annehmen, dass diese Karriere nie wirklich geplant war. „An meinem 17. Geburtstag feierte ich im Jazz Pub Wiesen. Ich war aber so enttäuscht von dem DJ, dass ich mir dachte, also das kann ich sicher besser“. Franz Bogner, der Geschäftsführer des Pubs, war von dieser Aussage so begeistert, dass er ihm kurzerhand den Job als DJ und später als Programmintendant anbot.

Der Weg – das Ziel
2004 kam dann der große Wendepunkt, als Bands zu ihm kamen und meinten, dass sie einfach zu groß für Wiesen geworden seien. Nun fand sich der Konzertveranstalter vor einer Weggabelung wieder. Entweder bleiben und jemand anderem die Chance überlassen oder selbst reagieren.

Er entschied sich für Letzteres, gründete sein eigenes Unternehmen „Nova Music Entertainment Group“ und stellte das erste große Rock-Festival in Österreich mit dem Namen „Aerodrome“ auf die Beine, das später als „Nova Rock“ bekannt werden sollte. Heute holt der ehemalige DJ Musiklegenden wie die Rolling Stones zu uns und ist oft davon selbst noch überrascht: „Ich hätte mir nie erträumt, dass ich mit solchen Musikern einmal etwas zu tun haben und ein Konzert veranstalten werde. Hätte mir das jemand früher erzählt, hätte ich geantwortet: Und, waun lieferns di jetzt ein?“ Bis heute ist das alles für ihn nicht selbstverständlich: „Es wird für mich nie zur Normalität.“

Trotz all es des Erfolges wirkt Tatar sehr am Boden geblieben. Dass er im Leben schon einige Hürden zu meistern hatte, kann aber selbst er nicht immer verstecken: „Manchmal beneide ich Beamte mit ihren geregelten Arbeitszeiten. Erst gestern habe ich um halb elf in der Nacht noch mit L.A. telefoniert“. Also so wie jeder Job hat auch dieser ganz eigene Schattenseiten. „Raunzn dua i oba sicha ned.“

Auch bei seinen Kindern kam der Beruf nicht immer gut an. So sei früher für seinen Sohn etwa der Beruf als Polizist viel interessanter gewesen. „Mit der Zeit kommt er jetzt langsam drauf, dass auch das sehr cool ist, was ich mache. Ich habe gewusst, dass die Zeit irgendwann kommen wird, wo ich auch cool sein werde. Ich musste es nur aussitzen.“

Portrait aus Ausgabe 11/2017


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