Wenn Tische „geil” sind und Emotionen haben

„Und das Thema heute: es heißt Holz, ich und mein Holz ...” Schon die deutsche Band „257ers” hat erkannt, wie einzigartig Holz ist und gleich mal einen Song darüber geschrieben. Wer das noch erkannt hat, ist Hans Peischl aus Großpetersdorf und er und sein Holz sind ein wirklich unschlagbares Team!
Jennifer Vass
Foto: View/J.Vass

Dieser Baum, an dem die Schaukel hing, wo schon die Mama darunter gespielt hat, der so fürchterlich hin- und hergeweht ist, wenn ein Unwetter kam – der steht jetzt mitten im Esszimmer. Und die vielen Erinnerungen gleich mit ihm mit. Denn aus diesem Baum wurde ein Esstisch. So in etwa lässt sich ein Werk von Hans Peischl beschreiben. Er baut nicht einfach nur Möbel. Er erzählt Geschichten. Sein Motto: „Nur aus einem großartigen Stamm kann ein wunderbares Möbelstück entstehen.”

Seit 2016 führt er die Firma „Herr Straberger”. Im November 2017 wurde der Schauraum in Großpetersdorf eröffnet. Das Thema Emotion und Geschichte beginnt bereits beim Firmennamen: das ist nämlich der Mädchenname seiner Mutter und das Konterfei im Logo ist der Großvater. Kommerz interessiert ihn nicht, seine Stücke sollen „geil” sein, sagt er und Stil haben. Der Stamm gibt die Form vor, man weiß im Vorhinein nie so ganz, wie das Endergebnis aussehen wird. „Zu jedem Stamm, aus dem ein Möbel entsteht, erarbeiten wir einen handgeschriebenen Brief mit Siegel, der etwas über den Baum erzählt”, sagt Hans Peischl und während er redet, fährt er mit seinen Fingern immer wieder die Maserung des Tisches nach.

Weiterleben lassen

Eine dieser Geschichten begann im Jahr 1910, als ein junger Südburgenländer nach Amerika auswanderte. Als er drei Jahre später auf Heimatbesuch zurückkam, hat er einen Nussbaum aus Übersee im Garten seiner Verwandten gesetzt. Dieser Baum steht nun als Tisch im Schauraum von Hans Peischl. So ein Werk macht den gelernten Tischler zufrieden – wie er sagt. Denn mit dieser Arbeit lässt er etwas weiterleben, das bereits über 100 Jahre Bestand hat. Dieser Tisch hat für ihn eine Seele.
Das Rohmaterial kommt übrigens immer aus der Region.Viele Kunden haben einen hauseigenen Baum, den sie unbedingt verarbeitet haben möchten. Nach einer Besichtigung wird entschieden, ob sich dieser für das gewünschte Möbelstück eignet. Knapp zwei Jahre dauert es dann übrigens, bis das Holz vom Garten ins Haus ziehen kann. „Unverständlich, warum heutzutag nicht jeder Besitzer eines wunderbaren Exemplares Holz sein will…”, heißt es weiter im eingangs erwähnten Song. Wie wahr, wie wahr.

 

Beitrag aus der Ausgabe 06/2018


Kommentare

Kommentar Jennifer Vass

Er und sein Holz

Bevor ich Hans kennengelernt habe, war mich nicht klar wie liebevoll man über ein Stück Holz reden kann. Für mich war ein Baum einfach „nur“ ein Baum, schön wenn man ihn ansieht, aber das war´s dann auch schon. Was man aus so diesem wirklich alles rausholen kann, wurde mir erst bewusst, als ich den Schauraum betreten habe. Welch schöner Gedanke, dass man mit einem Tisch nicht nur einen Rohstoff sondern auch eine Geschichte weiterleben lassen kann…

Zu lesen in der neuen prima! Ausgabe 😉

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