Zwischen Löwin und Drama-Queen

Ihre Lebensfreude und Energie will sie in ihren Gemälden weitergeben, sagt Andrea Ochsenhofer. Eine Herausforderung sei der Entstehungsprozess jedesmal. Geistig und körperlich. In ihrem Haus in Pinkafeld ist diese Energie in allen Ecken zu spüren. Ein Leben ohne Kunst geht für die Ochsenhofers gar nicht. Mit allen Höhen, Tiefen - und Dramen.
Nicole Mühl
Foto: View / J. Vass

„Sit on Art“ heißt die Outdoormöbel-Linie von Andrea Ochsenhofer

 

Ihr Mann nennt sie „Löwin“ und wenn sie durchs Haus geht, flüchtet selbst der kleinste Staubkrümel vor ihren energischen Schritten in die hinterste Ecke. Dabei ist ihr Anblick bei einer Körpergröße von 1,57 Meter alles andere als mächtig. Die Größe von Andrea Ochsenhofer spielt sich auf einer anderen Ebene ab.

Ruhig sitzen kann sie selten. „Wir hatten gestern Freunde eingeladen und ich hab‘ indisch gekocht“, sagt sie, während sich ihre Hände flink über die riesige Arbeitsplatte in der Küche hermachen und Schüsseln und Teller wegräumen. Ja, auch das passt in dieses Haus, das so viele architektonische Feinheiten aufweist und gleichzeitig so vollgeräumt ist mit Leben. Riesige Leinwände an den blanken Mauern, unfertige Entwürfe, die auf dem Geländer zum Trocknen hängen, unzählige Farbpaletten und Pinsel, Lösungsmittel, Staffeln und Werkzeug – nicht nur in ihrem Atelier im ersten Stock. Die Ochsenhofers leben mit der Kunst. Auch Gerhard, ihr Mann – der Rechtsanwalt.
Und natürlich die drei Söhne, wenn sie auf Besuch kommen. Zur Mama, die sie neckend auch als „Drama-Queen“ bezeichnen. Die so nah am Wasser gebaut ist und bei Familientreffen auf Ansprachen besteht. Da kommt die Löwin in ihr durch, die ihre Familie zusammenhält.

In einem früheren Leben war sie Lehrerin und hat ihren Mann in der Kanzlei unterstützt. Neben den Kindern. Dann hat das Malen angefangen. „Es ging einfach nicht mehr ohne“, sagt sie. Allein beim Gedanken, nicht mehr kreativ sein zu können, schießen ihr Tränen in die Augen. Da versagt dann ihre Stimme und ihre Hände, mit denen sie unentwegt gestikuliert, umklammern die Kaffeetasse.
„Wenn ich male, kommt etwas, das in mir ist, an die Oberfläche. Ich kann dann nicht denken. Alles passiert wie auf Schiene. Das fährt dann dermaßen mit mir, dass ich danach schweißgebadet bin“, erzählt sie und wieder beginnen ihre Hände mitzureden.

Ihre Werke sind großformatig. Wenn sie eines verkauft, muss sie sich vergewissern, wo es hängt. „Es ist ein Teil von mir, den ich hergebe und das muss stimmig sein“. Einmal hat sie ein Gemälde wieder mitgenommen. „Weil es nicht gepasst hat, wo es hingekommen wäre“, sagt sie.

Kunst „be-sitzen“
Vor einigen Jahren hatte Andrea Ochsenhofer dann die Idee, spezielle Outdoormöbel zu designen. Monatelang hat sie daran gearbeitet. Mittlerweile wird bereits produziert. Alles noch quasi als „One-Woman-Show“. Ihre Entwürfe werden dabei auf Planen gedruckt. Allein an den Schnitten habe sie ewig experimentiert. Für die Befüllung der Sitzmöbel verwendet sie einen speziellen Dämmstoff, der dazu führt, dass das Material sofort Körpertemperatur erreicht.
„Sit on Art“, nennt sie die Möbellinie. Das Original zu den Mustern gibt es auch in Großformat auf Leinwand. Demnächst will sie mit Samtbezügen den Indoorbereich erobern. Der Tag sei halt immer viel zu kurz für das, was sie vorhabe, sagt sie. Und dann ist sie da – diese Melancholie in ihrem Gesicht. Dankbar sei sie, für die Gabe, kreativ sein zu dürfen. Unendlich dankbar war sie, als sie ihr erstes Bild verkauft hat. Damals, vor etlichen Jahren. Reiskorngelb, wie die Farbe der Sonne, sei es gewesen. Und so gefreut habe sie sich, über diese Wertschätzung eines Fremden ihrer Kunst gegenüber.
Es heißt, die Kraft der Sonne strahle aus den Augen einer Löwin. Ein Blick von Andrea Ochsenhofer während sie erzählt – und ja, der Vergleich ist absolut stimmig und macht Sinn.

Beitrag aus Ausgabe 03/2018


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