„Ich gebe kein Geld her, habe aber auch keines“

Für die Lösung der Probleme des Südburgenlandes sollte er eingesetzt werden. Seither sind fast zwei Jahre vergangen. Walter Reiss im Gespräch mit Südburgenland-Manager Werner Unger über politische Mascherl, Ziele und was man auch ohne Budget erreichen kann.
Walter Reiss
Foto: Walter Reiss

Bald 20 Monate lang sind Sie nun Südburgenland-Manager. Im ersten Jahr haben Sie 600 Gespräche geführt, wie viele sind es jetzt?

Werner Unger:  920.

Manager werden ja daran gemessen, was sie zustande bringen: Wie viele neue Arbeitsplätze sind durch Ihre Mitwirkung geschaffen worden?

Werner Unger: Da würde ich sagen: So um die 120. Und ich muss feststellen, dass das wesentlich mühsamer und aufwändiger ist, als ich jemals gedacht hätte.  Es gilt hier, geduldig und beharrlich mit Firmen zu verhandeln. Es wäre schön, wenn manche Standortentscheidung schneller fallen könnte. Da ist mir die Schlagzahl zu gering.

Früher Manager bei Coca Cola und nun Südburgenland-Manager: Sind das zwei Paar Schuhe?

Werner Unger: Ja. Aber ich habe schon gewusst, worauf ich mich da einlasse. Und ich wurde ja nicht gezwungen, diesen Job zu machen. Ich glaube fest daran, dass wir in dieser Region etwas weiterbringen, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen und wir uns nicht gegenseitig aufstacheln oder ständig jammern, was alles nicht geht. Ich musste lernen, dass alles ein wenig langsamer geht.

Ihre vielen Gespräche führen Sie mit Landespolitikern, Bürgermeistern, Firmenchefs, Konzernvertretern und Beamten. Wer sind die schwierigsten Partner?

Werner Unger: Das Herausforderndste ist die Kommunalpolitik: Da gilt es, über Gemeindegrenzen hinweg Verständnis für die großen Zusammenhänge zu schaffen. Das sind oft sehr langwierige Gespräche, aber ich muss sagen: Kein Gespräch war sinnlos. Ich erlebe die Gemeindepolitiker mir gegenüber als sehr offen, egal von welcher Partei sie kommen. Man fühlt sich nicht gleich abgestempelt. Ich weiß schon: Man hat nicht gerade auf mich gewartet. Und ich bin nicht der Wunderwuzzi, der alles lösen wird. Manchmal erlebe ich die Haltung: „Was will der denn da?“. Und dann stellt sich oft heraus, dass ich doch mithelfen konnte, gute Kontakte zum Land herzustellen.

Sind Sie da nicht eher mehr Kommunikator als Manager? Sie können über keine einzige Betriebsansiedlung entscheiden, verfügen nicht über Macht, Budget und Förderungen. Was und wo ist da Ihre Kompetenz, irgendwo zwischen Landespolitik, Gemeinden, Burgenlandholding oder Regionalmanagement Burgenland?

Werner Unger: Entscheidungen im Sinne eines Managers habe ich hier nicht zu treffen, die Politik schafft die Rahmenbedingungen. Und doch bin ich mehr als nur Kommunikator. Meine Aufgabe ist es, Lösungsvorschläge zu liefern. Oft wüsste ich schon das Ziel, aber die anderen sehen es noch nicht. Wie Sie schon gesagt haben, verfüge ich über kein Budget. Ich werde manchmal gefragt: „Wie viel Geld hast du für uns?“ Meine Antwort: „Ich gebe kein Geld her, habe aber auch keines“. Wenn schon die Anfrage verrät, dass es nur um Geld geht, ist das Gespräch schnell wieder beendet.

Gerade deshalb ist vielen Leuten noch immer nicht klar, wo eigentlich Ihre Befugnisse liegen, was Sie konkret tun, was Sie bewirken oder durchsetzen können.

Werner Unger: Ja, aber mit der Zeit kennt man mich und meine Arbeit immer besser. Gerade durch die schon erwähnten vielen Gespräche. Das Hauptaugenmerk liegt darin, Betriebe anzusiedeln. Dann folgen Schaffung und Optimierung von Infrastruktur: Etwa die Nutzung der vom Land erworbenen Bahnstrecken Friedberg – Oberwart oder Oberwart – Großpetersdorf. Lokale Betriebe brauchen die Bahn. Auf meine Initiative hin werden etwa die ÖBB und das Land Steiermark in die über Jennersdorf laufende internationale Achse Szentgotthard – Graz investieren.

Die Zeiten mit dem Füllhorn der Ziel-1 Förderungen sind vorbei. EU-Mittel – wenn auch etwas weniger – soll es weiterhin für das Burgenland geben. Trotzdem hält sich hartnäckig eine Art Südburgenland-Komplex: Der Norden wird bevorzugt, der Süden bleibt über.

Werner Unger: Grundsätzlich zu den Förderungen: Oft wurden Projekte nur deshalb gemacht, weil es Fördermittel gab. Das war meist kurzlebig und nicht nachhaltig. Zur Nord-Südproblematik: Der Norden verfügt schon durch die Nähe zu Wien über eine ganz andere Infrastruktur. Das ist Faktum. Was ich hier im Süden kritisiere, ist einerseits die Neigung zum Jammern und andererseits die mangelnde Bereitschaft, über Grenzen hinaus zu denken. Man ignoriert zum Beispiel die Nähe der Stadt Szombathely/Steinamanger. Wir sollten großräumiger denken.

Erwartungen werden ja oft mit Personen verknüpft: Seit so gut wie fix ist, dass SPÖ-Shootingstar und Landesrat Hans Peter Doskozil der nächste Landeshauptmann wird, hoffen viele Südburgenländer unter dem Motto „Unser Dosko wird’s schon richten“ auf einen starken Mann aus dem Süden. Braucht es da noch einen Südburgenland-Manager?

Werner Unger: Egal, ob Landespolitik oder Institutionen des Landes: Mein Job wird immer sein, diesen zuzuarbeiten. Man sollte überhaupt mehr darüber reden, was alles schon an Positivem passiert ist: Viele gute Projekte von Südburgenland-Plus oder das RMB (Regionalmanagement Burgenland), das mit der Initiative für die Kellerstöckl einen sehr guten Job macht.

Als Landeshauptmann Niessl zum ersten Mal von einem Südburgenland-Manager gesprochen hat, gab es gleich parteipolitischen Wirbel. Dann war Funkstille, bis die rot-blaue Landesspitze später Sie in dieser Funktion präsentiert hat. Ist es da nicht logisch, dass Sie und Ihre Funktion ins parteipolitische Fahrwasser geraten und Ihre Arbeit in die Schusslinie der schwarzen und grünen Opposition gerät?

Werner Unger:  Das war am Anfang so und hat sich gelegt. Ich habe ja zum Beispiel auch im ÖVP-Landtagsklub meine Arbeit und meine Visionen präsentiert. Man sieht in mir keinen Politiker und keinen Widersacher.

Aber aus parteipolitischer Sicht sind Sie ein Manager mit rotem Mascherl?

Werner Unger: Könnte man so interpretieren, ja. Aber ich bin bestrebt, mit allen gut zusammenzuarbeiten und im Übrigen hat mir gegenüber noch niemand kritisch gesagt: „Du bist ja ein Roter!“

Wäre das Südburgenland eine Firma, was würden Sie als Manager zuerst ändern?

Werner Unger: Das Marketing. Wir verkaufen uns schlecht und jammern zu viel. Die junge Generation zeigt da schon mehr Selbstbewusstsein. Und was mir noch positiv auffällt: Ins Burgenland zugereiste Manager großer Betriebe entwickeln eine innige Beziehung zum Land und werden zu selbstbewussten und überzeugten Südburgenländern. Von ihnen sollten wir lernen.

Laut Vertrag sind Sie Südburgenland-Manager bis 2021. Was wollen Sie bis dahin erreichen?

Werner Unger: Sehr vieles möchte ich da bewirken: Nicht als Person Werner Unger, sondern durch meine Funktion. Ein Beispiel wäre da die Schaffung von Pendlerverbindungen nach Graz, die Ansiedlung von Betrieben entlang vorhandener Bahnlinien und überhaupt der Anstieg der Zahl der Betriebsansiedlungen.

Wollen Sie nach diesen ersten 5 Jahren weitermachen?

Werner Unger: Ja.

Haben Südburgenländer ein Recht darauf, zu erfahren, was ein für sie eingesetzter Manager verdient?

Werner Unger: Sagen wir es einmal so: Darüber redet man nicht. Ich sage Ihnen nur: Es ist wesentlich weniger als ich vorher verdient habe. Ich mache diesen Job nicht des Geldes wegen, muss aber sagen: Was nichts kostet, ist nichts wert.


Einen Kommentar hinterlassen: