Auch 40 Tonnen sind kein Hindernis

Es ist eine Geschichte, die hollywoodreif ist. Innerhalb eines Jahres hat es Matthias „Cheesy“ Göth vom pummeligen Jugendlichen zum Fitness-Model geschafft. Doch das war erst der Anfang. Heute ist er der zweitstärkste Mann Österreichs. Mit den SOS Kinderdorf-Kids in Pinkafeld hat er ein echt „starkes“ Projekt verwirklicht und gibt ihnen eine besondere Botschaft mit auf den Weg.
Nicole Mühl
Foto:Christoph Aumayr

Strongman Matthias „Cheesy“ Göth hat einen 40 Tonnen schweren Airbus 320 aus dem Hangar gezogen. 15 Kinder des SOS Kinderdorf Pinkafeld haben mitgeholfen

 

Sein Körper ist dermaßen angespannt, dass die Muskeln förmlich zu bersten drohen und die Adern bedrohlich hervortreten. Matthias Göth schließt für einen Moment die Augen, spannt nochmals jede Faser seines Körpers an und legt sich direkt nach vorne in die Gurte um seinen Schultern. Sein Körper arbeitet jetzt auf Hochtouren und wird zu einer einzigen Kraftmaschine. Es ist der 30. März 2018 und Strongman Matthias Göth ist gerade dabei, einen Airbus 320 von Austrian Airlines aus dem Hangar zu ziehen – mit bloßer Muskelkraft. Der Grenzgang des Kraftsportlers ist nicht zu übersehen. Mittlerweile kämpft er auf allen Vieren gegen die 40 Tonnen der Flugmaschine. Aber er ist nicht alleine. 15 Kinder des SOS-Kinderdorfes Pinkafeld ziehen mit ihm. Seite an Seite. Das Jüngste gerade einmal zweieinhalb Jahre. Und dann der Moment, als sich das Flugzeug zu bewegen beginnt. 25 Meter zieht es Matthias Göth aus dem Hangar. Im Team mit den Kindern, die an diesem Tag Teil von etwas ganz Großem sind.

Die Wandlung

Vor acht Jahren war die Welt für den 27-jährigen Waldviertler noch ganz anders. „Sport war in meiner Familie nie ein Thema. Für meinen Vater war es immer wichtig, dass meine drei Geschwister und ich arbeiten. Ich hab daher schon als Kind in der Landwirtschaft und im Wald mitgeholfen“, erzählt Matthias Göth. Pummelig sei er als Jugendlicher gewesen. Mit Doppelkinn und Hängebauch. „Das war mit 19 Jahren. Ich habe mir damals gesagt ‚In einem Jahr bist du Fitness-Model‘ – und so war es dann auch. Ich habe dieses Ziel vor Augen gehabt und darauf hingearbeitet. Mit 21 war ich dann Mister Niederösterreich“, sagt er und seine Mimik  ist dabei unverändert. So, als wäre es das Normalste auf der Welt. Heute ist er der zweitstärkste Mann Österreichs in seiner Gewichtsklasse (unter 105 kg). Der Kraftsport hat ihn dorthin gebracht. Als er vor zwei Jahren das erste Mal Gewichte stemmte, führte kein Weg mehr am Strongman vorbei. „Ich trainiere sechs Mal in der Woche je zweieinhalb Stunden. Das ist sehr kräftezerrend“, sagt er. Seit heuer macht er neben dem Kraftsport zusätzlich auch Bodybuilding, weil er seinen Körper wieder mehr definieren will.

Nicht zurückschauen

Ein Grenzgänger ist Matthias Göth aber nicht nur im Sport. Er hat die Lehre zum Koch absolviert, war Souschef, bevor er zum Bundesheer ging und dort erstmals seine körperlichen Grenzen austestete. Danach wechselte er zur Polizei. Vor drei Monaten hat er gekündigt – einen Job, in dem er pragmatisiert war. „Ich weiß, so etwas macht kaum jemand“, sagt er und lächelt ein wenig. Aber er wusste, was er im Sport schafft, schafft er auch beruflich.

Heute tut er das, was er am besten kann: Menschen dazu zu motivieren, über ihre Grenzen hinauszugehen und sich weiterzuentwickeln. Als Fitnesstrainer und in seinem zweiten eigenen Unternehmen, einer Personalentwicklungsfirma.

Mit jungen Menschen arbeitet er besonders gern. „Ich will ihnen mitgeben, dass sie hungrig bleiben müssen und dass alles möglich ist, wenn sie ein Ziel vor Augen haben. Ich bin das beste Beispiel dafür“, sagt er.

Starker Stern

Sechs Unfälle hatte er bereits. Nie durch den Sport, betont er. Einmal war er bereits klinisch tot. „Ich dachte, dass es einen Sinn haben muss, dass ich jedesmal überlebe. Und ich weiß heute, dass ich meine Kraft nutzen muss, um anderen zu helfen“, sagt er.

Den AUA-Airbus mit den Kindern aus dem Hangar zu ziehen, war nur der Start für seinen Charity-Verein „Starker Stern“. 6.000 Euro konnte er dem Kinderdorf Pinkafeld durch diese Aktion überreichen. Aber er hat den Kindern  nicht nur das mitgegeben.

Am Ende sitzt Matthias „Cheesy“ Göth ausgepowert am Asphalt des Flugfeldes. 15 strahlende Kinder um ihn. Und er hat gerade noch genug Kraft für seine persönliche Botschaft an sie: „Denkt dran, wenn ihr groß seid, was ihr heute bewegt habt und lasst euch von niemandem, von absolut niemandem in eurem Leben, sagen, dass ihr etwas nicht könnt. Ihr könnt alles schaffen, wenn ihr euer Ziel verfolgt und Gas gebt.“


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