Ein diabolisches Matriarchat

Die Sinnersdorferin Melanie Erlmoser ist Herrin über 40 teuflische Gesellen, denn sie ist Obfrau der Perchtengruppe "Blue Ox" aus Grafendorf.
Angelika Heine
Foto: Angelika Heine

Die Perchtengruppe aus Grafendorf ist am 1. Dezember in Waldbach und am 8. Dezember in Kaindorf zu Gast.

 

Loderndes Feuer, dichter Rauch. Furchteinflößende, pelzige Gestalten treiben mit klirrenden Ketten, lautem Gebrüll und ohrenbetäubendem Glockengeläute ihr Unwesen: So sieht es aus, wenn die Perchtengruppe „Blue Ox” aus Grafendorf ihren Heimlauf vollführt und das begeisterte Publikum schrecklich-schön erschaudern lässt. Was wohl niemand ahnt: Der Chef über dieses teuflische Treiben ist eine Frau. Die 29-jährige Melanie Erlmoser ist seit März 2017 Obfrau der Perchtengruppe. Vor acht Jahren ist sie dem Verein beigetreten. „Ich war von Anfang an vom Perchten- und Krampus-Virus infiziert und mit großer Leidenschaft dabei”, erzählt Melanie.

Maske als Alter Ego
Acht Perchtenläufe werden die rund 40 Mitglieder der „Blue Ox” – darunter sechs Damen – in der heurigen Saison absolvieren. „Das Besondere bei uns ist, dass wir jedes Jahr eine neue Geschichte erzählen, in der das Böse besiegt wird und das Gute gewinnt. Außerdem sind wir sehr kinderfreundlich und ein tolles Team”, schwärmt Melanie. Was für sie die Faszination dieses Brauchtums ausmacht: „Es ist aufregend, immer wieder in eine neue Rolle zu schlüpfen. Meine Maske wird quasi zu meinem Alter Ego”, schildert die Pharmareferentin ihre Verwandlung.

Teuflischer Muskelkater
Ihre fünf Masken haben auch außerhalb der Saison einen Fixplatz in Melanies Leben und Wohnung: „Meine Schätze hängen im Flur und ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie sehe.” Körperliche Fitness ist als „Percht” Voraussetzung. Die gesamte Ausrüstung mit Maske, Schuhen, Fell, Glocken und Ketten bringt schnell einmal 15 bis 20 Kilo auf die Waage. Mit dieser Last wird zwei Stunden lang gerannt und getanzt. Dazwischen gibt es nur kurze Pausen. Ein teuflischer Muskelkater ist da beim fittesten Mephisto vorprogrammiert.

Schaurig-schönes Gruseln
Beim heurigen Heimlauf waren neun Gruppen mit rund 150 Perchten und Kramperln bei den „Blue Ox” in Grafendorf mit dabei. Wie beugt Melanie Erlmoser Gewaltausbrüchen, wie sie jüngst bei Umzügen in Österreich passiert sind, vor? „Ich kenne jede einzelne Gruppe sehr gut und mache den Leuten klar, dass sich das Publikum zwar gruseln soll, wir aber nicht Angst und Schrecken verbreiten möchten. Das hat bisher super funktioniert”, erklärt Melanie. Ein Problem seien ihrer Meinung nach aber auch die Provokationen durch das Publikum. Zudem könne durch aggressive Musik die Stimmung rasch kippen.

Gibt es Perchten, die selbst die erfahrene „Blue Ox”-Chefin noch das Fürchten lehren? „Ja, ich liebe schaurig-schönes Gruseln. Wenn eine Maske das gewisse Etwas und den entsprechenden Blick hat, bekomme ich Gänsehaut. Da geht es mir nicht anders, als anderen.”

Reportage aus der Ausgabe 12/2017


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