Ein Ort des Zusammenhalts

Kaindorf ist mit drei Katastralgemeinden (Dienersdorf, Hofkirchen und Kopfing) und knapp über 3.000 Einwohnern kein Dorf. Rund 100 Landwirte und vielfältige Unternehmen, ein reges Vereinsleben mit vielen Veranstaltungen wie Theateraufführungen, 24-Stunden-Ultra-Rad-Challenge oder auch Meisterschaften im Stockschießen prägen die Marktgemeinde.
Olga SEUS / 24. März 2020
Foto: Bernhard Bergmann

Kaindorf hat alles an Wirtschaft und Infrastruktur, was man zum Leben braucht (siehe Kasten rechte Seite). Damit der moderne Mensch darüber hinaus mit der Welt verbunden sein kann und um die ständig wachsende Menge an Datenvolumen zu bewerkstelligen, hat die Gemeinde bereits 2015 erste Pläne zum Breitbandausbau vorgelegt. Hier merkt man, dass es den Kaindorfern um die Sache geht. Vertreter aller Fraktionen haben zusammengearbeitet, um dieses Projekt zu verwirklichen.

2019 fiel der Startschuss, und so konnte Hofkirchen in Teilen schon angeschlossen werden. So sehr Bürgermeister Thomas Teubl (VP) die Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinde wie auch mit den ausführenden Feistritzwerken lobt, so bleibt ein Wermutstropfen: Es fehlt eine landes- oder sogar bundesweite einheitliche Lösung zur Förderung und Finanzierung solch engagierter Projekte, die jedoch unbestritten notwendig sind, um als Standort modernen Anforderungen weiterhin gerecht zu werden. Schließlich ist auch der zukunftsträchtige Mobilfunk 5G auf Glasfaserinfrastruktur angewiesen. Statt dass sich die Gemeinden hier gegenseitig unterstützen, so Thomas Teubl weiter, werde zudem ein ungesunder Wettkampf angekurbelt, der nur Unsicherheiten seitens der Bürger schaffe. Bis Ende 2022 soll Kaindorf im Gesamten über ein schnelles Internet verfügen.

Das Dorf des Konrad von Safen

Der Name Kaindorf leitet sich übrigens vom Gründernamen Konrad ab, erstmals belegt wurde es 1255 als Chundorf, also das Dorf des Chuni bzw. Konrad. Dies bezieht sich auf den steirischen Ministerialen (eine Art adliger Beamter) Konrad von Safen, der Kaindorf 1128 gründete. Im Laufe seiner Geschichte wurde Kaindorf mehrfach heimgesucht: 1418 von den Ungarn, 1532 von den Türken, 1605 durch die Haiducken, und schließlich wurde es 1704 von den Kuruzzen angezündet. Nachlesen kann man dies auf dem Sagenweg, einem der vielen Wanderwege, die sich rund um Kaindorf in das malerische Umland erstrecken. Dort trifft man auch auf das Flüsschen Pöllauer Safen/Saifen, das durch die Katastralgemeinde Hofkirchen fließt und mit seinen Auen manch Erholungssuchenden anzieht. Durch die Farbe Blau ist es prominent im Gemeindewappen vertreten. Ein Kleinod ist die gotische Kirche St. Stefan mit ihrem barocken Sakristeianbau. Wer Räder bevorzugt, hat von Kaindorf aus die Möglichkeit, sich auf einer der vier Radtouren unterschiedlicher Länge auszupowern.

Ökoregion und Umweltschutzmaßnahmen

Über seine Grenzen hinaus ist Kaindorf als Ökoregion mit Vorreiterrolle bekannt geworden. Ziel des vereinsrechtlichen Zusammenschlusses der Gemeinden Kaindorf, Hartl und Ebersdorf bei der Gründung 2007 war es, aufzuzeigen, dass „sich Wirtschaftlichkeit mit den ökologischen und sozialen Aspekten der Nachhaltigkeit erfolgreich verbinden lässt“. Dazu wurden bis heute rund 300 Einzelprojekte umgesetzt, darunter der Aufbau eines Biomasse-Heizwerkes. Dies trug dazu bei, dass die gesamte Region auf Ökostrom umgestellt werden konnte. Inzwischen EU-weit gefordert, kam Kaindorf bereits 2011 die Vorreiterrolle als erste plastikfreie Region Österreichs zu.

Ein weiteres Vorzeigeprojekt ist das Humusaufbauprogramm mit den jährlichen Humustagen. Lange fand Landwirtschaft humuszehrend statt. Die Ökoregion hingegen bietet Kurse an, in denen eine veränderte Bewirtschaftungsweise von Ackerflächen aufgezeigt wird, wodurch im Boden Humus aufgebaut und langfristig stabilisiert werden kann. Humus ist auch durch seine CO2-bindende Wirkung für die Umwelt wichtig. Erwähnenswert ist die Zusammenarbeit mit „Natur im Garten“ für biologisch sinnvolle Gartengestaltung ohne Pestizide oder chemisch-synthetische Düngemittel. Darüber hinaus ist Kaindorf mit der Ökoregion sowohl eine Fairtrade- als auch eine KEM, Klima-Energie-Modellregion und auch eine Klar!-Klimawandel-Anpassungs-Region.

Die Marktgemeinde Kaindorf selbst plant, im Zuge des sich verändernden Klimas Schutzmaßnahmen gegen lange Trockenperioden einerseits und durch intensive Starkregenphasen verursachte Überschwemmungen andererseits zu ergreifen. Es sollen neue Auffangteiche für Regenwasser entstehen, die als Speicher- und Bewässerungsanlagen dienen können. Durch entsprechende Uferbepflanzungen sollen sie Platz für Biodiversität schaffen und als Biotope fungieren. Durch ihre Anlage an natürlichen Wassersammelplätzen und durch einen stufenartigen Aufbau sollen sie zugleich Schutz vor Erosion und Überschwemmung bieten. Damit wirken sie auf natürliche Weise den Agrarwüsten der heutigen Landwirtschaft entgegen. Dass sie dabei das Mikroklima beeinflussen und zudem schön anzusehen sind sowie erholsam wirken, versteht sich von selbst.

Aufruf zur Solidarität in der Corona-Krise

Dass ihm der Zusammenhalt besonders wichtig ist, zeigt Thomas Teubl auch mit seinem offenen Brief zum Corona-Virus an die Kaindorfer Bürgerinnen und Bürger, den er auf der Internet-Gemeindeseite und in den sozialen Medien veröffentlicht hat. Neben sachlichen Informationen ruft er vor allem zur Solidarität auf: „In einer solchen Situation ist unser Zusammenhalt stärker gefordert. […] Mit unseren gemeinsamen Kräften und unserer Solidarität sollte es uns gelingen. Damit sind wir auch für zukünftige Krisen stärker gerüstet.“ Das gilt sicher nicht nur für Kaindorf!


Gewerbe und Infrastruktur in Kaindorf

In Kaindorf gibt es 203 Unternehmen mit 600 Beschäftigten: von traditionsreichen Betrieben wie Müllner-Holz oder Zach Gebäudetechnik über viele Gewerbe mit jahrelanger Erfahrung wie das Architekturbüro Plankreis, Fenster Kern oder Elektrotechnik Mayer bis hin zu innovativen Unternehmen wie Putz Parkett oder KFZ Grabner.

Natürlich sind auch der Handel, zwei Allgemeinmediziner, ein Zahnarzt, eine Apotheke sowie Gastronomie und Beherbergungsbetriebe wie z. B. das Ballonhotel Thaller in Hofkirchen vertreten. Die zweigruppige Krippe, der viergruppige Kindergarten, die ganztagsbetreute Volksschule, das betreute Wohnen, drei Pflegeheime, mehrere Spielplätze und das sanierte Freibad mit Beachvolleyballplätzen runden das Angebot ab.


Thomas Teubl
Bürgermeister von Kaindorf

An schönen Sommerabenden verwandeln die Ballonfahrer den Himmel über Kaindorf in eine bunte Kulisse.

Die gotische Kirche St. Stefan ist ein Kleinod.

Noch sind es nur zwei Teiche, doch in Zukunft soll es mehr davon in Kaindorf
geben, so Bürgermeister Thomas Teubl, ÖVP.

Kommentare

Kaindorf: Ein Ort des Zusammenhalts.

Einen Kommentar hinterlassen: