Ein Stück Heimat trifft auf ein Stück Kulturgut

Urig, frisch und aus hauseigener Freilandhaltung. Das sind die Zutaten für den Kuruzzen-Buschenschank in Burgauberg. In Oberwart kennt man die Vollblutgastonomin und studierte Betriebswirtin von ihrem City Cafe.
Jennifer Vass
Foto: View / J. Vass

Margret Hofstätter ist Vollblutgastronomin. Mit ihrem Lebensgefährten führt sie den Buschenschank „Zum Kuruzzen“ in Burgauberg, Kräuter kommen natürlich aus dem eigenen Garten. Markus Loipersböck ist Experte, wenn es um’s Selchen geht. Das Fleisch kommt aus eigener Freilandhaltung.

 

Man stelle sich einen gut laufenden, seit Jahren gefestigten Gastronomiebetrieb vor. Gute Kundenfrequenz, leckere Speisen auf der Karte, alles zufriedenstellend. Da könnte man sich doch eigentlich gemütlich zurücklehnen – natürlich rein metaphorisch gemeint, denn welcher Gastronom hat schon Zeit sich zurückzulehnen – und alles so zu lassen, wie es ist. Nicht Margret Hofstätter und ihr Lebensgefährte Markus Loipersböck. Sie wagen den Sprung in die Vergangenheit und verwandeln ihren Betrieb „Zum Kuruzzen“ in einen Buschenschank. „Wenn man es genau nimmt, schwimmen wir gegen den Strom“ erzählt Hofstätter mit einem ironischen Zwinkern. Normalerweise beginnt man ja mit einem Buschenschank und entscheidet sich dann im Laufe der Zeit für einen Restaurantbetrieb. Nicht so bei dem Hofstätter-Loipersböck-Gespann. Die beiden wollen ehrliche, urige Buschenschank-Tradition liefern. Und das so ziemlich alles aus eigener Hand. Der Schinken stammt vom Schweinderl aus der hauseigenen Freilandhaltung, die Tomate aus dem Garten, der Uhudlersturm von den heimischen Weinreben.

Wenn Markus Loipersböck an seinem Geselchten riecht, kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen. Von einem befreundeten Fleischer hat er alles gelernt was man wissen muss, damit das Fleisch ein wirklicher Genuss wird. Was da auf den Teller kommt, ist übrigens kein hochgezüchtetes Mastschwein, den Tieren geht es vom ersten bis zum letzten Moment gut. Dieser Respekt ist den beiden sehr wichtig, das merkt man dann auch bei der Qualität, wenn sich etwa der Schweinsbraten beim Braten nicht um die Hälfte verkleinert.

Buschenschank mit Veggie-Schmankerln
Margret Hofstätter ist Gastronomin durch und durch. Nebenbei hat sie zusätzlich ihr Masterstudium in BWL absolviert. Bei so viel Arbeitspensum und Familie kann es auch vorkommen, dass sie nur zwei Stunden geschlafen hat. Gut gelaunt ist sie trotzdem. Und weil sie ohne Kochtopf und Gewürzregal einfach nicht leben kann, hat sie sich entschieden, außerhalb der Buschenschanköffnungszeiten das sonntägliche Mittagsbuffet weiterzuführen. Da gibt es dann fünf Gänge für die Gäste, bevor Schinken, Gurkerl und Brot wieder ihren Tischplatz einnehmen.

Großes Thema ist für die (Betriebs-)Wirtin auch, vegetarische/vegane Speisen anzubieten. „Diese Produktpalette wird immer wichtiger. So gut wie unsere Fleischprodukte auch sind, wir müssen Alternativen bieten“. Deswegen möchte sie Tofu selbst erzeugen und ist gerade am Tüfteln, denn natürlich wird auch das im Haus selbst produziert. Der Plan, sich auf den Ursprung zu besinnen, wird von dem Gastronomenpaar strikt verfolgt. Der Wunsch, ein Stück Heimat gepaart mit ein bisschen Kulturgut wieder präsenter zu machen, zeigt sich nicht zuletzt auch bei der Einrichtung deutlich. Der ganze Innenraum ist mit alten Fotos gestaltet, die einen in die Zeiten der Kuruzzenaufstände mitnehmen. Aber auch das ein oder andere Bild der Urgroßoma der Nachbarortschaften kann einem entgegenlachen.

Reportage aus Ausgabe 12/2017


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