Ein Tischler als Schneckenfabrikant

Na Mahlzeit! Christian Janisch versucht in Stegersbach mit der Marke „Südburgenlandschnecke“ sein Glück. ORF-Haubenkoch Richard Rauch ist bereits begeisterter Kunde.
Eric Sebach
Foto: Südburgenlandschnecke

Christian Janisch aus Stegersbach hat sich ganz der Schneckenzucht verschrieben. Bis Ende Oktober herrscht Hochsaison im Garten von Christian Janisch. Die Tiere fressen sich auf 500 Quadratmetern quer durch das Gemüse.

 

Was heißt „igitt“? Nur nicht vorschnell urteilen! Während die rote Nacktschnecke Omas Garten unsicher macht und alles vertilgt, was irgendwie nach Gemüse aussieht, sind die Geschöpfe aus der Zucht von Christian Janisch nicht zu verachten. Sagen zumindest seine Kunden. „Ich liefere in die gehobene Gastronomie genauso wie an ambitionierte Privatköche“, lächelt der gelernte Tischler aus Stegersbach. Vor gut drei Jahren hat Janisch aus gesundheitlichen Gründen nach einer Alternative zum „Tischlern“ Ausschau gehalten. „Mein Vater war von der Idee mit den Schnecken alles andere als begeistert“, erinnert er sich. Mittlerweile aber läuft es schon ganz gut, hat der „Jungunternehmer“ heuer bereits 150.000 Exemplare auf den Markt gebracht. Vornehmlich die französische „Helix Aspersa“, die auch bei Haubenköchen wie ORF-Star Richard Rauch oder Hans-Peter Fink sehr beliebt ist.
Auf rund 500 Quadratmetern hat Janisch heuer sein Glück versucht, im kommenden Jahr sollen auf der doppelt so großen Fläche an die 300.000 Tierchen heranwachsen. Ein, zwei Jahre braucht es, bis die Schnecken groß genug für den Verkauf sind, 20 bis 40 Prozent muss der Chef jedes Jahr an Ausfall verkraften, wobei Mäuse und Amseln die größten „Räuber“ darstellen.

Französische Feinschmecker
Von Ende April bis Ende Oktober herrscht im Schneckenbeet jedenfalls Hochsaison, danach geht es in den Keller, wo die „Tierchen“ bei Temperaturen zwischen zehn und null Grad ganz gut überleben können.
Zwischen Klee, wildem Majoran und anderen zarten Blättern fühlen sich die „Französinnen“ jedenfalls ziemlich sauwohl und führen offensichtlich ein Leben als „Feinschmecker“, ehe sie selbst als Delikatesse am Teller landen. „Sie kriegen Karotten, Gurken, Zucchini, Kohl und Salat zum Fressen“, erzählt Züchter Janisch. Damit das Gehäuse ebenso prächtig gedeiht, gibt es auch noch Kornschrot, Kürbiskernmehl und eine feine Portion Kalk. Hmmh.
Kaum zu glauben, aber wahr: Tischler Janisch und seine Gattin Magdalena stehen auch persönlich am Herd und fabrizieren so manche Köstlichkeit im Glas für den Online-Handel. Kleine Kostprobe gefällig? Weinbergschnecken in Gemüsesud geschnitten. Oder im Ganzen, in Weißweinsud.

Reportage aus Ausgabe 11/2017


Einen Kommentar hinterlassen: