Es begann mit der „Wunderschüssel“

„Hallo, ich bin Birgit – ich mache Party mit dir!“ Mit diesem sympathischen Slogan wirbt Birgit Heschl, Team-Managerin für das Südburgenland, hierzulande für die offenbar ewig hippe Tupperware. Eine verblüffende Story.
Eric Sebach
Foto: Muik

Birgit Heschl (Foto links) lebt im oststeirischen Loipersdorf und ist vor sieben Jahren in das Tupperware-Business eingestiegen. Heute gehören rund 100 Damen – wie Frau Annemarie- zu ihrem Team. Im Zuge von Tupper-Partys werden die neuesten Produkte vorgeführt, wie etwa ein hochwertiger Zwiebelzerkleinerer.

 

Von vielen belächelt oder totgesagt – aber Tupperware ist auch knapp 60 Jahre nach der Erfindung durch den US-Unternehmer Earl Tupper einfach nicht umzubringen. Im Gegenteil: Was mit der sogenannten „Wunderschüssel“ aus Kunststoff begann, trägt immer noch Blüten. Eine Schüssel, mit der man Lebensmittel länger frischhalten konnte, trat eine Reise um die Welt an – und ist heutzutage auch im Südburgenland up to date. Das Geheimnis dahinter? „Ein erfolgreiches System, die hohe Qualität der Produkte und die Möglichkeit, bei einer der zahlreichen Partys Spaß zu haben“, versucht es Birgit Heschl, eine von fünf erfolgreichen österreichischen Team-Managerinnen, auf den Punkt zu bringen. Und: Man kann damit offenbar immer noch ein nettes „Taschengeld“ verdienen.

Mehr als 11 Millionen Euro Jahresumsatz
Ein paar Zahlen gefällig? Über 100.000 Tupper-Partys finden jedes Jahr in Österreich statt, der Gesamtumsatz beträgt rund 11 Millionen Euro und ist – man höre und staune – immer noch im Steigflug.

Über 5.000 selbstständige Beraterinnen (ein paar Herren gibt es angeblich auch) sind dafür verantwortlich, dass das Business läuft. An die 900.000 Gäste sorgen für den verblüffenden Umsatz. Und wenn pro Party zwischen 600 und 1.000 Euro an Bestellungen verbucht werden, kann sich eine tüchtige Beraterin monatlich auch in etwa so viel an Honorar erwarten. „Ich hab an die 100 Damen von jung bis junggeblieben im Team, Hausfrauen, junge Mütter, aber auch Pensionistinnen“, erzählt Birgit Heschl, die selbst vor sieben Jahren eingestiegen ist, um sich in der Karenz etwas dazuzuverdienen. Heute ist sie vornehmlich als Motivatorin im Einsatz, gibt bei den regelmäßigen Montag-Meetings in Güssing Infos und Tipps, fährt einen schicken Dienstwagen und gehört zum Team der Bezirkshandlung Gleisdorf rund um Martina und Eckbert Bernhard. Die umsatzstärkste Bezirks-Community Österreichs. Gage? Psst! „Ich verdiene so viel, dass ich als alleinerziehende Mutter mit meinem Sohn vernünftig leben kann.“

Die Zukunft ist die Party via Web-Cam
Aber was macht diese Kunststoffdosen, -schüsseln und -becher, die in Belgien, Griechenland oder Portugal fabriziert werden, denn nach wie vor so trendig? „Sie sind eben viele Jahre verwendbar, wenn man sie gründlich reinigt und pflegt“, betont Frau Heschl. Und zeigt etwa auf die Germteigschüssel, den „Speedyboy“ oder das „Druckwunder“. Wie bitte? Keine Sorge, der „Speedyboy“ ist nix Unanständiges, sondern ein flotter Zwiebelzerkleinerer mit Zugschnur. Und mit dem „Druckwunder“ lassen sich Gemüse oder Rindsschnitzel in der Mikrowelle butterweich garen.
Das Thema Partymachen ist auch schnell erklärt: Wer den Gastgeber spielt, kriegt je nach Umsatz Produktgeschenke, die jeweilige Beraterin kassiert Provision und zur Freude aller wird auch fleißig gekocht, getratscht und gegessen. Eine Woche nach der Party werden die Bestellkarten aller Gäste eingesammelt. Und damit sich das Rad weiterdreht, erklärt sich die eine oder andere Dame aus der Gästeschar dazu bereit, die nächste Vorführung zu veranstalten. Ein verstaubtes System? „Keineswegs“, wehrt Österreichs Marketing-Managerin Sandra Frey ab, „Service und persönliche Betreuung vor Ort sind für den jahrzehntelangen Erfolg extrem wichtig.“ Aber natürlich versucht der Konzern Digitalisierung und dem boomenden Online-Handel Rechnung zu tragen. „Wir denken dabei an Online-Partys, bei denen man auch via Web-Cam mit dabei sein kann“, so Frey.

Reportage aus Ausgabe 01/2018


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