Fast schon ein bisserl kitschig

An Grafendorf führt kein Weg vorbei. Die sympathische Ortschaft neben der B54 liegt inmitten der Naturidylle. Verschlafen geht es hier aber nicht zu. Eine oststeirische Gemeinde zwischen Wohn- und Lebensqualität, Wirtschaft - und „a ordentliche Gaudi gibts a“!
Olga SEUS / 29. Jänner 2019
Foto: Olga Seus

Auch im Winter bietet die oststeirische Gemeinde Grafendorf einen idyllischen Anblick.

 

Redet man mit Bürgermeister Johann Handler, so scheint es keinen schöneren Ort zu geben als Grafendorf. Lebendig sei seine Gemeinde. Die Menschen kennen und schätzen einander – und scheinbar auch ihren Bürgermeister, der seit mehr als zwei Jahrzehnten seinen Dienst in der Gemeinde versieht. Gasthaus, Pfarrkirche, Apotheke und Gemeindestube – alles ist fußläufig zu erreichen.

Noch vor wenigen Wochen war zur Weihnachtszeit eine beeindruckende lebensgroße Dorfkrippe am Hauptplatz neben der Kirche zu bewundern, konstruiert von der ortsansässigen Krippenbaumeisterin Waltraude Lechner. Ebenfalls in der Winterszeit hat der Eisschützenverein seine traditionelle Ortsmeisterschaft, ein Event für die ganze Region: bis zu 40 Mannschaften kann man im ambitionierten Finale bejubeln und anfeuern. Und die Grafendorfer wissen die Feste wahrlich zu feiern.

Gelebte Vereinskultur

Auch sonst hat Grafendorf, das seit der Gemeindezusammenlegung mit Stambach übrigens offiziell „Grafendorf bei Hartberg“ heißt und aus sechs Katastralgemeinden (Grafendorf, Erdwegen, Gräflerviertl, Safen, Seibersdorf, Stambach) besteht, eine rege und gelebte Vereinskultur. 30 Vereine sind ansässig und bieten für nahezu jedes Interesse etwas: Zwei Chöre gibt es und eine Theatergruppe.Tennis, Judo, Seniorenturnen, aber auch Hip-Hop, Yoga, Pilates kann man ausüben. Darüber hinaus gibt es den Motorradclub, „The Yahokas“ oder die Perchtengruppe „Blue OX“ und natürlich etliche Vereine mehr.

Wer sich für Geschichte interessiert, dem sei ein Besuch des Heimatmuseums „Zur bäuerlichen Kultur“ nahegelegt. Das geht nur nach Anmeldung auf der Gemeinde. Zunächst wirkt der Raum wie ein seltsames Sammelsurium an altem Gerät. Unter fachkundiger Führung von Vizebürgermeister Harald Pöltl, der für das Museum verantwortlich zeichnet, erwachen die Gegenstände nach und nach zum Leben und können erstaunliche Dinge erzählen – etwa vom Leben früher, in der Zeit vor Traktor und strombetriebenen Maschinen. Jeden Freitag ist Museumsstammtisch, wo sich Alt und Jung zusammenfindet. Kein Wunder, dass man den zweiten Platz des Volksbildungswerkes in der Ausschreibung „Orte der gelebten Geschichte“ in der Kategorie Marktgemeinden für die Revitalisierung des Museums erhalten hat.

Wo wohnen Spaß macht

Für die Wohn- und Lebensqualität ihrer Bürgerinnen und Bürger tut Grafendorf einiges. Im Gegensatz zu Überalterung und Landflucht anderenorts ist Grafendorf eine Zuzugsgemeinde und gerade mitten in der Zertifizierung als „familienfreundliche Gemeinde“, die nach einem 3-jährigen Prozess auf ein staatliches Gütesiegel abzielt. Dazu wird zunächst mittels Workshops der Ist-Zustand dargestellt, in einem zweiten Schritt soll ermittelt werden, „wer was übernehmen und verbessern kann“, so Erika Grill, die Zuständige für Parteienverkehr und Meldefragen. Zuletzt folgt die Umsetzung der angedachten Maßnahmen.

Bereits jetzt sind viele Kriterien für die Bezeichnung „familienfreundlich“ gegeben. Ganztägige Betreuung wird für Kinder ab dem ersten Lebensjahr bis zur Mittelschule angeboten. Es gibt Spielplätze, eine Kinderkrippe, einen Kindergarten, eine Volksschule mit besonderem Schwerpunkt auf Motopädagogik. D.h. hier wird nicht nur stur im Sitzen „gepaukt“, Bewegung ist das Motto. Durch Bewegungseinheiten im Schulunterricht werden nicht nur Haltungsschäden vermieden und die sportmotorischen Fähigkeiten der Kinder geschult, es fördert auch Konzentration und soziale Kompetenz, ebenso Eigenständigkeit, indem gewisse Lerninhalte im Bewegungsablauf selbst erarbeitet werden.
Weiterführend gibt es eine Neue Mittelschule und nicht zu vergessen die Land- und Forstwirtschaftliche Fachschule in Kirchberg.

Wirtschaft groß gedacht

Ohne Unternehmer könnte keine Gemeinde überleben. Grafendorf hat Traditionsbetriebe, wie das Bauunternehmen und den Baustoffhandel Kammel – einen Leitbetrieb. Die Gemeinde kann auf Unternehmer bauen, die mit innovativen Ideen weiterdenken. Vom Karosseriefachbetrieb, einem Busunternehmen über den Elektrotechniker, die Apotheke bis hin zur Tischlerei, die sich selbst die wunderbare Bezeichnung einer Goldschmiede bei Möbeln und Einrichtung gibt.
Grenzenlos denken ist gefragt. Deshalb ist Grafendorf neben Greinbach, Hartberg, Hartberg Umgebung und St. Johann eine der fünf Gemeinden, die sich zur Wirtschaftsregion Hartberg zusammengeschlossen haben. Gemeinsame aktive Betriebsansiedelung ist das Ziel. Die Region zählt – nicht nur die einzelne Gemeinde.

Eine gesunde Gemeinde

Grafendorf setzt sich zudem selbst den Maßstab, eine „gesunde Gemeinde“ zu sein. Wer hier lebt, dem sollte das nicht allzu schwer fallen, inmitten der wunderschönen Landschaft. Wald und Wiesen wechseln sich ab. Dazu die vielen Sportangebote sowie eine gute medizinische Versorgung, es gibt einen praktischen Arzt, einen Zahnarzt, eine Frauenärztin, Physiotherapeuten und Masseure und sogar einen Frisör, der auf natürliche Haarpflege setzt.

Wer Grafendorf besuchen und die idyllische Landschaft mit ihren Wanderwegen erkundet will, kann gerne auch ein paar Tage länger bleiben. Unterkünfte gibt es genug. Und wer es ganz idyllisch und bilderbuchmäßig mag, der kann sogar auf einem der Bauernhöfe wohnen und sich von der oststeirischen Gastfeundschaft verwöhnen lassen.


Bgm. Johann Handler
Seit über 20 Jahren ist Johann Handler der Bürgermeister von Grafendorf.

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