Gekauft für die Mülltonne

Hand aufs Herz, wie oft werfen Sie Lebensmittel weg? Laut Bundesministerium für Landwirtschaft produzieren Österreichs Haushalte 157.000 Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle im Jahr. Auch der Lebensmittelgroßhandel steht mit der ständig erwarteten Verfügbarkeit vor einer großen Herausforderung zwischen qualitativem Angebot und nachhaltiger (Restl-)Verwertung. prima! hat nachgefragt. Dreh- und Wendepunkt ist das Kaufverhalten des einzelnen Konsumenten.
Eva Maria KAMPER / 29. Oktober 2020 / Podcast am Seitenende
Foto: Shutterstock - Speed Kingz

Wohlgemerkt hat der Handel vor allem über seine gewinnoptimierte Angebotspolitik Einfluss darauf, in welchem Ausmaß bei den Konsumentinnen und Konsumenten Lebensmittelabfälle anfallen können. Verführerische Preisaktionen durch Großpackungen und Mengenrabatte können Konsumierende dazu verleiten, (unnötig) mehr Lebensmittel zu kaufen, als eigentlich gebraucht werden. Wenn diese dann leichter verderblich sind, ist das Problem des Wegwerfens schnell hausgemacht.

Hamsterkäufe

„Besonders zum Zeitpunkt der Verkündung des Corona-Lockdowns ist uns sehr stark aufgefallen, dass die Menschen Lebensmittel gekauft haben, die sie in diesen Mengen alleine niemals verwerten konnten“, erzählt uns die Leiterin einer Hofer-Filiale in der Region. Dieses Phänomen könne man auch vor diversen Feiertagen beobachten. Seitens des Großhandels sei man aber bemüht, die Verschwendung der Waren bestmöglich zu vermeiden. „Auch wenn wir natürlich bis zum Tagesende das größtmögliche Angebot präsentieren wollen, steckt da schon eine durchdachte Strategie dahinter. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Supermärkten werden auch eigens geschult, denn der richtige Umgang mit den Lebensmitteln sichert natürlich auch die längste Haltbarkeit. So leidet vor allem das Obst und Gemüse sehr unter den kritischen Begutachtungen der Kundinnen und Kunden. Das möchte nicht so oft betatscht werden“, schildert sie.

Lebensmittelspenden

Entgegen der allgemeinen Annahme kommt die überraschende Erkenntnis: Die Lebensmittelverschwendung in den Supermärkten ist tatsächlich weit weniger als vermutet. Denn laut Umweltorganisation Greenpeace stammen 42 Prozent der Lebensmittelabfälle im Rest- und Bio-Müll aus privaten Haushalten, 39 Prozent aus der Landwirtschaft, je 17 Prozent aus der verarbeitenden Industrie und von Großverbrauchern und nur fünf Prozent aus dem Handel. Und der Großhandel habe es sich zum Auftrag gemacht, besonders nachhaltig mit übrig gebliebenen Lebensmitteln umzugehen: Laut Landwirtschaftsministerium spendet der Handel in Österreich pro Jahr etwa 12.000 Tonnen Lebensmittel an Sozialorganisationen wie die „Tafel“ oder Sozialmärkte. Weitere 10.000 Tonnen an nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln landen bei Bauern und werden zu Tierfutter verarbeitet.

„Niemand – auch kein Lebensmittelhändler – wirft gerne Lebensmittel weg. Um einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln zu gewährleisten, soll der Bedarf so gründlich und vorausschauend wie möglich geplant werden. Lebensmittelabfälle bestmöglich zu reduzieren, ist uns ein sehr wichtiges Anliegen. Wir arbeiten fortlaufend an der Optimierung der Warenwirtschaftssysteme. Lebensmittel mit unmittelbar bevorstehendem Ablaufdatum werden vergünstigt (30-50 Prozent Nachlass) an Kunden und Mitarbeiter abgegeben“, heißt es vom REWE Konzern auf Nachfrage.

Wenn das Ablaufdatum naht, würden die davon betroffenen Lebensmittel auch an karitative und soziale Organisationen abgegeben werden. Zusätzlich werde mit innovativen Startups zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung zusammengearbeitet.

Tafel des Roten Kreuz

An der Ausgabestelle der „Tafel“ des Roten Kreuz in der Lehargasse in Oberwart warten jeden Samstag nach Ladenschluss jene Menschen, denen es finanziell nicht so gut geht, um jederzeit im Supermarkt einkaufen zu gehen. „Wenn sie kommen, werfen die Leute ihre Berechtigungskarte in einen Topf und werden per Los gezogen. Dann stellen wir nach ungefähren Wünschen das Essenspaket zusammen. Seit Corona dürfen die Leute nicht mehr selber bis zu den Lebensmitteln“, schildert Teamleiter Franz Polster. Die Nahrungsmittel unterschiedlicher Art, ob Gemüse, Obst, Gebäck, Milchprodukte, Teigwaren, Gewürze, Säfte, Naschereien oder Gefriergut werden zuvor bei allen Supermärkten und auch spendenden Firmen abgeholt und von den freiwilligen Mitarbeitern der Tafel in der Ausgabestelle sortiert. Alles ist nah an der Ablaufgrenze, aber noch durchaus genießbar. „Wir bekommen weitaus weniger Produkte als früher. Man merkt deutlich, dass die Supermärkte ihren Warenüberschuss immer besser kalkulieren“, so Polster. Das sollten die einzelnen Privathaushalte auch tun.


Jeden Samstag werden Lebensmittel bei der Tafel des Roten Kreuzes in Oberwart ausgegeben.

So vermeiden Sie Lebensmittelabfälle im Haushalt

Bewusste Planung: Vorab Einkaufszettel schreiben und überlegen, welche Lebensmittel tatsächlich benötigt werden.

Bei Mengenrabatten und Großpackungen lieber nochmal nachdenken, ob der Kauf wirklich Sinn macht. Wegwerfen kommt dann noch teurer!

Richtige Lagerung: Lebensmittel sollten entsprechend den Empfehlungen gelagert werden, nicht alles muss in den Kühlschrank. Neue Einkäufe sollten im Kühlschrank und Küchenkastl am besten hinten verstaut werden.

Essensreste halten in luftdichten Behältern länger frisch.

Viele Lebensmittel eignen sich auch zum Einfrieren.

Haltbarkeitsdatum: Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bereits abgelaufen ist, sind nicht automatisch auch schlecht. Es sollte immer zuerst getestet werden, ob abgelaufene Produkte wirklich nicht mehr genießbar sind, bevor sie im Müll landen.

Kreativität in der Küche: Aus Essensresten können neue Gerichte kreiert werden. Auch überreife Früchte oder altbackenes Brot lassen sich weiterverarbeiten.

Viele Reste eignen sich zum Einfrieren und Wiederauftauen.

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