Hilfe, wenn das Unglück erbarmungslos zuschlägt

Sie sind die stillen Helfer, wenn Tragödien über Angehörige und Familien hereinbrechen – die Mitarbeiter der Krisenintervention Burgenland (KI-B). prima! sprach mit Josef Obojkovits, dem Koordinator für die Bezirke Oberwart und Güssing, über die schwere Arbeit der Helfer in den dunkelsten Stunden der Betroffenen und Angehörigen.
Peter Sitar
Foto: Peter Sitar

Rettungshubschrauber Christoporus 16 und Notarzt sind Teil der Rettungskette

 

Es war eigentlich ein ganz normaler Tag, als der Pensionist draußen mit der Gartenarbeit begann. Plötzlich brach der an sich rüstige Mann zusammen. Ein zufällig vorbeikommender Passant sah das und setzte die Rettungskette in Gang. First Responder, Notarzt und das Team des Rettungshubschraubers Christophorus 16 waren rasch vor Ort und kämpften um das Leben des Pensionisten. Leider vergeblich. Sämtliche Versuche, den Mann zu reanimieren, scheiterten – er war tot. „Wir wurden von der Landessicherheitszentrale (LSZ) angefordert und schickten sofort ein Team los“, erklärt Josef Obojkovits die übliche Vorgangsweise. Eine Regel ist immer, dass mindestens zwei KI-B Mitarbeiter vor Ort sind.

Nun galt es, die Angehörigen zu verständigen. Immer gemeinsam mit der Polizei wird die Todesnachricht überbracht. Dann zieht sich die Polizei zurück, das KI-B Team bleibt vor Ort und kümmert sich um die Hinterbliebenen. „Unsere Aufgabe ist es, Erste Hilfe bei dramatisch traumatischen Ereignissen zu geben“, so der Koordinator. Was mitunter alles andere als einfach ist. Viele Angehörige wollen die schreckliche Nachricht anfangs gar nicht zur Kenntnis nehmen. So ist es auch schon vorgekommen, dass sich Hinterbliebene in andere Tätigkeiten, wie etwa Staubsaugen, flüchteten. „Hier ist viel Einfühlungsvermögen gefragt“, berichtet Obojkovits. Damit das gelingt, muss jeder Mitarbeiter einen mindestens 50-stündigen, hauptsächlich psychologischen, Kurs absolvieren und laufend Fortbildungen machen.

Flächendeckend
Im Burgenland gibt es seit 2009 eine flächendeckende Versorgung durch das Kriseninterventionsteam. Rund 125 Mitarbeiter stehen 24 Stunden täglich und 365 Tage im Jahr bereit. Dabei handelt es sich ausschließlich um ehrenamtliche Mitarbeiter, die diesen Dienst freiwillig und unentgeltlich erledigen.

Zum Einsatz kommt das Kriseninterventionsteam bei tödlichen Verkehrs- oder Freizeitunfällen, dem unerwarteten Tod naher Verwandter, wenn Menschen plötzlich verschwinden oder abgängig sind, aber auch bei Suiziden. Auch nach Banküberfällen kommt die KI-B zur Betreuung der Opfer zum Einsatz. Im Schnitt sind die Mitarbeiter rund drei Stunden vor Ort, bei Bedarf kann es aber durchaus auch länger sein. „Nach rund acht Stunden werden die Teams abgelöst und durch Kollegen ersetzt“, erzählt Obojkovits aus der Praxis. Man bleibe solange, bis die Betroffenen wieder selbst handlungsfähig sind. Bei Großereignissen, wie dem schweren Zusammenstoß eines Busses mit einem Kranwagen bei Großpetersdorf, tritt das KI-B Team auch verstärkt auf. Dort waren sieben Mitarbeiter im Einsatz.
Geholfen wird den Betroffenen auch bei Amtswegen, Überführungen oder sonstigen Wegen, die im Todesfall notwendig sind. Im Burgenland sind die Kriseninterventionsteams im Auftrag des Landes unterwegs, Träger ist das Rote Kreuz.
Zu den schönen Momenten für die Mitarbeiter zählt, wenn sich ein schwer Verunfallter, entgegen aller Befürchtungen, wieder erholt und gesundet. „Das sind ganz besondere Momente für uns“, erzählt Obojkovits.
Übrigens, es werden Mitarbeiter für das KI-Burgenland Team gesucht, wer Interesse hat, braucht sich nur bei der zuständigen Rot-Kreuz-Bezirksstelle melden. Mindestalter 24 Jahre, Blaulicht-Erfahrung wäre wünschenswert, ist aber keine Voraussetzung. Start 2018.

Reportage aus Ausgabe 01/2018


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