„Jetzt geht es endlich aufwärts, ich spür’s“

Markus Baldaszti arbeitet mit Begeisterung als veganer Koch im Reformhaus „Natur:Genuss“ in Oberwart – und er beweist, wie wertvoll Integration von Menschen mit Beeinträchtigung sein kann.
Eric Sebach
Foto: Marcela Moser_Fotostudio Muik

Markus Baldaszti (li.) hat im Natur:Genuss Geschäft von Manfred Reppe einen Job gefunden und ist hier voll integriert.

 

Am Papier liest es sich recht nüchtern – das sogenannte Sozialministerium-Service, kurz „SMS“, bietet unter anderem auch im Burgenland Betrieben eine Förderung, wenn sie Menschen mit Beeinträchtigung einen Job geben.
Auf den zweiten Blick bekommt diese spezielle Integration in den Arbeitsmarkt aber ein Gesicht, ein ziemlich strahlendes sogar – das gehört in dieser Geschichte einem gewissen Markus Baldaszti, 38, aus Neuhaus in der Wart. Und zu finden ist der glückliche Mann im ambitionierten Reformhaus „Natur:Genuss“, mitten in Oberwart.

Zwei Monate hat Markus beim Ehepaar Raquel und Manfred Reppe ein Praktikum absolviert, ehe der gelernte Koch dann mit 1. Februar dieses Jahres eben als Koch und Verkaufskraft anfangen durfte. Seither sorgt er täglich für 15 bis 25 Portionen und hat natürlich einige Freude daran, dass die veganen Mahlzeiten bei den Gästen so gut ankommen.

Ein Menü gefällig?
„Heute gibt es Lauchcremesuppe und danach Spinatknödel mit brauner Butter und veganem Parmesan.“ Sehr gerne erledigt Markus übrigens auch das Service, und nach einer Stunde Mittagspause geht es am Nachmittag bereits um die Vorbereitungen für den nächsten Arbeitstag. „Momentan fühl‘ ich mich richtig wohl“, erzählt der begeisterte Billardspieler. „Und ich hoff‘ sehr, dass ich hier länger arbeiten kann.“

Kein Wunder, dass Markus Baldaszti seinem Chef Manfred Reppe enorm dankbar ist. „Glauben Sie mir, ich weiß es wirklich zu schätzen, dass ich hier die Gelegenheit bekommen habe, endlich wieder zu arbeiten.“ Nachsatz mit bitterem Beigeschmack: „Normalerweise halten Firmen gehörigen Abstand, wenn es um Jobsuchende mit Beeinträchtigung geht!“

Dass Markus – wie er selbst sagt – „nicht mehr ganz so schnell arbeiten kann wie früher“ und „zuviel Stress nicht so gut wegzustecken versteht“, scheint die Reppes nicht zu stören. Schließlich wissen Manfred und Raquel auch, wie viel ihr Schützling in den letzten knapp zwei Jahrzehnten durchgemacht hat: Erst der Arbeitsunfall in der Baubranche („man wollte mir nach einem Trümmerbruch das linke Bein amputieren!“), dann schwere Depressionen, der Verlust des Arbeitsplatzes und der Wohnung, ein Suizid-Versuch. „Oftmals ist mir der Druck einfach zu groß geworden“, blickt Markus zurück. Um nunmehr gottlob wieder zuversichtlich in den Horizont zu schauen. „Jetzt geht es aufwärts, ich spür‘s!“ Freilich mit Unterstützung von Medikamenten und Meetings beim Psychosozialen Dienst. „Bei Bedarf“, wie Markus lächelnd einwirft.

Positiv sieht es auch Christian Duffek, einer der Zuständigen beim Beschäftigungsprojekt „VAMOS“ in Markt Allhau. „Markus ist ein nahezu perfekter Klient. Bei ihm sieht man, wie sinnvoll diese Entgelt-Beihilfe für Betriebe sein kann.“

Reportage aus Ausgabe 05/2017


Am Ende zählt die Chance | Kommentar von Eric Sebach
Wir leben in einem Wohlfühl-Staat, vielen Österreicherinnen und Österreichern geht es verdammt gut und unser Sozialsystem funktioniert (immer noch) bestens. Fein. Wie sehr wir das schätzen sollten, wird einem aber stets dann bewusst, wenn man Schicksale wie jenes von Markus Baldaszti in den Fokus rückt. Einer, der aus gesundheitlichen Gründen vom „Hamsterrad“ springen musste und so gar nicht dem Business-Leitsatz „Schneller, höher, weiter“ entsprechen kann. Am Papier ein „Arbeitnehmer mit Beeinträchtigung“.
Was heißt Beeinträchtigung?
Markus ist ein netter, fröhlicher und überaus wertvoller Zeitgenosse, der ein altes Sprichwort aufleben lässt. „Erfolg zu haben bedeutet, einmal öfter aufzustehen als man hingefallen ist.“

Vieles wird in Österreich schlecht geredet. Die finanzielle Unterstützung für Unternehmen, die Menschen wie Markus eine Chance geben, ist eine Sache, die die Politik richtig gemacht hat. Manchmal braucht man zum Aufstehen nämlich eine helfende Hand. Die Motivation dahinter ist nicht immer wichtig. Für den Betroffenen zählt im Grunde nur eines: Die Chance, die er dadurch bekommt.

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