Lernen auf der Baustelle

Eine Schule wird bei laufendem Betrieb umgebaut. So ist es derzeit in Hartberg in der Edelseegasse der Fall. Ob die Schüler nun mit Bauhelmen ins Gebäude müssen und ob sie bei dem Lärm ihr eigenes Wort verstehen?
Alles natürlich nicht der Fall. prima! hat einen Tag lang hier die Schulbank gedrückt.
Olga Seus
Foto: Olga Seus

Der alte Eingang zur NMS/SMS Rieger: Statt schulischer Betriebsamkeit herrscht hier nun Baustellenlärm. Der für dieses Schuljahr gültige Schuleingang über den Turnsaal bildet zugleich die Trennlinie zur Baustelle.

 

Lernen auf der Baustelle und inmitten des größten Baulärms? Aug‘ in Aug‘ mit einem Bagger Schularbeiten schreiben? So stellt man sich das vor, wenn man vom Schulumbau in der Edelseegasse in Hartberg liest. Das Gebäude, in dem sich die SNMS Rieger, die Polytechnische Schule und das sonderpädagogische Zentrum befinden, wird seit Juli komplett erneuert. Eineinhalb Jahre wird die Baustelle dauern und über 10 Millionen Euro soll das Gesamtprojekt kosten.

Baustellenflair zeigt gleich einmal der eingerüstete Haupteingang. Die Schüler der SNMS gelangen nunmehr über den Eingang des ehemaligen Turnsaals zum Unterricht. Im unteren Bereich des Hauses – dort, wo in einem Jahr Speiseraum und Schulküche sein sollen – sitzt nun die Herrin der Baustelle, Oberstudienrätin Evelin Wutzl, ihres Zeichens seit 15 Jahren Direktorin der Schule. Viele Veränderungen an ihrer Schule hat sie schon gesehen und die Baustelle selbst beschäftigt sie auch schon länger als man denkt.

Genaue Planphase

Ein ganzes Team aus Planern und Experten hat sich im Vorfeld Gedanken gemacht, wie und in welchen Schritten man dem dringenden Sanierungsbedarf der Schule Herr werden könne. Heiß diskutiert im Stadtrat und in den eingeschulten Gemeinden hatte das Projekt eine lange Vorlaufzeit. Es wurde zunächst ein Gremium aus schulischen Pädagogen unter Leitung der Direktorin mit Planern der Stadtgemeinde Hartberg und dem ÖISS (Österr. Institut für Schul- und Sportstättenbau) zusammengestellt und alles Schritt für Schritt durchdacht und vorbereitet. Mit Erfolg. So ist die Baustelle tatsächlich von der Schule abgetrennt. Baulärm dringt durch die geschlossenen Fenster kaum herüber. In Absprache mit der Baufirma werden die lautesten Arbeiten vorwiegend nachmittags durchgeführt.

Flexibilität ist gefordert

Vor Baubeginn ist die ganze Schule in den sogenannten Mitteltrakt umgesiedelt, der eigentlich für die Polytechnische Schule reserviert ist. Diese wiederum ist in einen Außenflügel verlegt worden. Der Südosttrakt ist nun Baustelle. Doch hier werden nicht nur bestehende Räumlichkeiten saniert, hier wird zugebaut und ein neues pädagogisches Konzept mit Klassenstufenclustern umgesetzt. So sieht der Plan vor, dass jeweils alle drei Klassen einer Stufe als Cluster zusammengefasst werden. Diese teilen sich dann gemeinsam einen offenen Arbeits- und Freizeitbereich. Hier können Extraaufgaben erledigt werden und weil die Klassen teilweise ja als Ganztagesschule geführten werden, werden in Freistunden Hausübungen gemacht oder die Schüler können auch einfach mal nur die Beine hochlegen. Damit die Atmosphäre arbeitssam bleibt, wird eine sogenannte „Flüsterkultur“ gelebt.

Ein ganzes Schuljahr heißt es nun, Zähne zusammenbeißen und Unannehmlichkeiten wie Mittagessen auswärts (im nahe gelegenen Stadion) hinnehmen, dann ist für die Riegerschule der Umbau erledigt und sie wandert zurück in den Südosttrakt. Die Polytechnische Schule bezieht ab nächstem Schuljahr wieder den Mitteltrakt. Ob dann im letztsanierten Außenflügel wirklich die Musikschule ins Gebäude integriert wird oder wofür dieser sonst genutzt wird, ist allerdings noch offen.


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