Erlaubt ist was gefällt – aber „Nein“ heißt „Nein“

Ein prima!-Lokalaugenschein der pikanten Art im Swinger Club „Fantasy“ in Graz. Elka, die Chefin, präsentiert Liebesschaukel, Guillotine, „Hundehütte“ und erklärt, was ihr heilig ist. Ein Paradies für Voyeure.
Eric Sebach
Foto: zVg

Ein Lokalaugenschein im Swingerclub von Elka ist nichts für schwache Nerven

 

Morgens um neun, nur wenige Meter vom Bezirksgericht West in Graz … ich schau‘ mich zweimal um, ob mich wohl niemand beobachtet. Und dann läute ich mit Anzug und Aktentasche, als käme ich „vom Amt“. Und sogleich öffnet mir eine spärlich bekleidete Dame. „Guten Morgen, ich habe einen Termin mit Frau Dimitrova!“ Das Fräulein huscht um die Ecke und dann steht die Chefin schon vor mir. „Hallo, ich bin Elka, aber alle hier sagen Eva zu mir.“ Viel lässt sich für einen, der allzu gerne die Brille im Auto vergisst, in diesem schummrigen Ambiente ja nicht erkennen. Die „Hausregeln“ gleich neben der Bar entgehen mir aber nicht. „Eva hat immer recht!“, steht zu lesen. „Du machst was Eva sagt!“ und „Sollte Eva einmal nicht rechthaben, gelten Regel 1 und 2!“ Aha. Die Chefin ist also auch Domina. „Nein, nein“, lacht Elka vulgo Eva. „Das gilt nur fürs Personal – und meinen Mann.“ Ich folge jedenfalls prompt und komm’ rasch drauf, dass ich trotz stattlichen Alters beim Thema Sex offensichtlich noch was „lernen“ kann.

Kuschelecke, Handschellen, Guillotine …
… „hier sehen Sie gleich eine große Spielwiese, daneben eine Liebesschaukel und unsere Hundehütte“, startet Elka den Unterricht bzw. den Rundgang durch den Club Fantasy. Wie bitte? Hundehütte? „Ja“, hat Elka sichtlich Freude mit einem Laien wie mir und öffnet das Türl zu einem rohrenförmigen Eingang, wo man gerade einmal reinkrabbeln kann. Platzangst verboten. „Da drin kann man Spaß haben“, erklärt mir Elka das Hütterl, das angeblich genug Raum für eine gemütliche Matratze lässt. „Manchmal vergnügt sich hier eine Frau mit drei Männern.“

Vorbei an den Duschen – Hygiene muss sein, Kondome gibt’s genügend und gratis – geht es weiter zur Kuschelecke mit eindeutigem Video. Ins Domina-Zimmer, den SM-Raum mit „Andreaskreuz“, „Guillotine“ und einem hübschen Kissen mit jeder Menge Handschellen. Naja, denk ich mir, jedem sein Plaisirchen. „Hier ist genug Platz für Gang-Bang-Parties“, deutet Elka gleich nebenan in ein riesiges Etablissement, das für Gruppensex offenbar jede Menge Freiraum zu bieten hat. Die Seh-Schlitze an jeder Tür der insgesamt neun Zimmer sind Standard. „Zuschauen gehört dazu“, zuckt Elka mit den Achseln. Ja, eh klar. „Und wer mitmachen möchte, klopft und fragt höflich nach. Egal, ob einsame Lady, Single-Mann oder frivoles Pärchen. Erlaubt ist was gefällt – „aber beim Liebesspiel mitzumachen ist nur dann okay, wenn man ein Signal dazu bekommt“, hebt Elka jetzt mahnend den Finger. „Ein ‚Nein‘ bedeutet nein!“

Zwischendurch gibt es Grenadiermarsch …
Wer gegen diese und andere Club-Regeln verstößt, wird höflich darauf hingewiesen. Oder im ungemütlichsten Fall des Lokales verwiesen. Apropos Lokal: Elka nennt das Ganze einen „erotischen Verein“ mit, wie sie sagt, „rund 4.500 Gästeeinträgen“. Der Vorname genügt, samt Postleitzahl. Natürlich gäbe es Stammgäste, sagt sie. Etwa einen Geschäftsmann aus Oberwart. Ein schmuckes Pärchen aus Hartberg. So manchen Chirurgen, Richter. Eine Anwältin, die stets mit Maske erscheint. Woher? Egal! Name und Herkunft sind Schall und Rauch. „Nicht nur Hygiene, auch Diskretion wird bei mir großgeschrieben“, lächelt Elka. „Dabei seh ich das alles hier wie ein Dorf, in dem jeder jeden kennt und über Gott und die Welt plaudert.“ Manchmal auch am warmen Buffet, bei Schweinsbraten oder Grenadiermarsch, den die gebürtige Bulgarin höchstpersönlich fabriziert.
Ui, das Wichtigste hätt’ ich jetzt fast vergessen. „Sex ist immer gratis!“, betont Elka, „wir sind ja kein Bordell.“ Ungezwungenes Liebesspiel ist möglich, muss aber nicht sein. Eintritt schon: Männer zahlen ab 19 Uhr 50 Euro, Pärchen 30 und Frauen – nichts. „Weil mir vor allem weibliche Gäste heilig sind“, versichert Elka. „Denn gibt es zu wenige Frauen, verlieren Single-Männer ganz schnell die Lust, hierherzukommen.“

Reportage aus Ausgabe 05/2018


„Hausordnung“
Swingen ist eine in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts populär gewordene Bezeichnung für Menschen, die ihre Sexualität frei und ohne Einschränkung mit verschiedenen Personen ausleben.
Sex ist immer gratis – jenseits von konventioneller Moral und frei von Tabus.
Kein Zutritt für Personen unter 18 Jahren.
Hygiene ist ausdrücklich erwünscht, Duschen sind vorhanden.
Safer Sex ist empfohlen, aber nicht Bedingung.
Bis 19 Uhr ist Straßenkleidung erlaubt, danach wird freizügige Kleidung für alle gewünscht. Dessous, Lack, Leder und so weiter.
Kein Zutritt in alkoholisiertem Zustand.
Essen und Getränke sind im Eintrittspreis inkludiert, alkoholische Drinks begrenzt.

Einen Kommentar hinterlassen: