Rohr bei Hartberg – Wo sich Biber und Uferröhricht treffen

„Ich mag an meiner Gemeinde besonders, dass sie eine ländliche Struktur aufweist, man hier die Natur erleben kann und die Ruhe, zu der man hier kommen kann“, sagt Ing. Jürgen Peindl, seines Zeichens seit 10 Jahren amtierender Bürgermeister von Rohr. „Und natürlich, dass sie eine familienfreundliche Gemeinde ist.“
Olga SEUS / 27. November 2020
Foto: Gemeinde Rohr

Nicht nur die Einwohnerinnen und Einwohner von Rohr bei Hartberg fühlen sich in ihrer Gemeinde wohl. Auch die Biber bauen hier bei der Lafnitz fleißig ihre Dämme.

 

Rohr gliedert sich in die drei Katas-tralgemeinden Unterrohr, Oberrohr und Wörth. Die ersten beiden sind 1959 zusammengefasst worden, allerdings: „Ein Unterrohrer wird sich niemals als Oberrohrer bezeichnen und umgekehrt“, so die Analyse des Bürgermeisters, selbst ein gebürtiger Unterrohrer. Doch sind alle in eine gemeinsame Schule gegangen, gab es neben der Einzelidentität immer ein Gesamtrohr-Zugehörigkeitsgefühl. 2015 wurde dies um Wörth erweitert. Der Rohrrundweg, der um die alte Gemeindegrenze und sternförmig zu den einzelnen Ortsteilen führt, wurde in Richtung Wörth ausgebaut, sodass man „fußläufig das ganze Gemeindegebiet erreichen kann.“ Darüber hinaus gibt es Wanderwege in die malerischen Lafnitzauen. „Dieses Naturerleben ist wichtig für die Gemeinde, für jeden Einzelnen“, so Bürgermeister Jürgen Peindl. Er verweist auf die naturbelassenen Abschnitte der Lafnitz, die das Gemeindebild wesentlich prägen. „Gerade in Corona-Zeiten ist ein Ort des Ausgleichs wichtig geworden“, fährt er fort und erzählt schmunzelnd von der großen Beliebtheit, die die Wanderwege rund um die Lafnitz neuerdings erfahren haben.

Betreuung bis zum 10. Lebensjahr

Nach der Zusammenlegung 2015 wurde ersucht, den Schulsprengel an die Gemeindegrenzen anzupassen, sodass nicht nur Unter- und Oberrohrer, sondern auch die Wörther Kinder innerhalb der Gemeinde in die Volksschule gehen können. Das Verfahren läuft noch, aber man rechnet mit einem positiven Bescheid. Überhaupt, Familien werden hier sehr ernst genommen. Stolz zeigt Peindl das liebevolle Willkommenspackerl für jeden neu geborenen Bürger mit bunten Handtüchern und einer niedlichen Jeans. Etwa 16 pro Jahr werden verschenkt. Betreuung gibt es bis zum zehnten Lebensjahr: In Unterrohr gibt es einen Kindergarten mit integrierter Krippe. Hier können schon die Allerkleinsten ganztags betreut werden, was sich bis zur Nachmittagsbetreuung in der Volksschule hinzieht, „damit man die Arbeit nicht abreißen lassen muss.“

Apropos Arbeit. Neben örtlichen Klein- und mittelgroßen Betrieben gibt es Spezialisten wie etwa das Unternehmen MW-Metall, das für Gewerbe und Privathaushalte sämtliche individuelle Metallarbeiten durchführt. Oder aber auch Bodentechnik Kapler, der zeigt, wie sehr der richtige Boden einen Raum aufwerten kann. Daneben gibt es etliche landwirtschaftliche Betriebe wie den Hof der Familie Höllerbauer-Wasylszyn. Auch die Infrastruktur ist gewährleistet: Neben einem Kaufhaus gibt es auch einen Humanmediziner, die Kleintierpraxis Tierpunkt und eine dislozierte Musikschule, die quasi als Filiale der Bad Waltersdorfer Musikschule fungiert. Nicht zuletzt pendeln aber viele Rohrer Einwohner in die größeren Ortschaften Fürstenfeld, Oberwart und Hartberg, in deren Mitte Rohr in etwa liegt.

Lebendige Vereinskultur

Alle zwei Jahre finden die „Rohrer Erlebnistage“ statt, das sind drei Tage Ferienprogramm für die Sechs- bis Zwölfjährigen. Die ortsansässigen Vereine gestalten ein buntes Programm, innerhalb dessen die Kids in alle möglichen Aktivitäten hineinschnuppern und umgekehrt die Vereine möglichen Nachwuchs für sich begeistern können. Übernachtet wird in der Biberburg, dem Vereinshaus der Naturschutzjugend. Heuer ist dies, wie so vieles, der Pandemie zum Opfer gefallen. „Wenn es die Lage zulässt, holen wir das nächstes Jahr nach“, so Jessica Ziermann, Gemeindesekretärin und Mitverantwortliche. Überhaupt, wie so viele Gemeinden ist man von Schließungen und Kürzungen betroffen: „Momentan ist das Motto eher verwalten als gestalten“, sind sich Amtsleiter Christoph Gschiel und Jürgen Peindl einig. So wurden eine Spielplatzsanierung in Oberrohr, neue Schulmöbel oder auch die Aufschließung neuen Baulandes hintangestellt. Der einzige, der dieses Jahr fleißig gebaut hat, ist der Biber. „Bei unseren Wanderern beliebt, unsere Bauern mögen ihn weniger, deswegen versuchen wir – zusammen mit der Naturschutzjugend – die Uferbereiche der Lafnitz, die von ihm umgestaltet werden, anzukaufen und so Biber und Landwirte zu trennen“, so Peindl.

Der Ortsname Rohr, der 1363 für die Katastralgemeinde Unterrohr erstmals urkundlich als „Ror pey Wird in Hartperger pharr“ erwähnt wird, leitet sich von am Ufer wachsendem Röhricht, sprich großwüchsigen, schilfartigen Pflanzen, ab. Als Symbol sind die Rohrpflanzen sogar in das Gemeindewappen eingegangen. Oberrohr ist schon 1265 als „ror superior“ verzeichnet. Geschichtlich belegt suchten Ungarn, Türken und Kuruzzen das Gemeindegebiet heim, doch das Grab Attilas, das sich hier angeblich befinden könnte, gehört wohl eher dem Reich der Sagen an.


Rohr hat vor allem für Familien viele Angebote. Besonders beliebt sind die Erlebnistage. Den Kids wird dabei ein Programm mit vielen Naturerlebnissen geboten.

Gemeindeamt Rohr bei Hartberg

Abends hat die Ortskapelle Oberrohr eine beeindruckende Ausstrahlung

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