Runterkommen und Kraft tanken in „Tatz“

Bad Tatzmannsdorf ist die größte Tourismusgemeinde des Burgenlandes. Um das auch zu bleiben, muss der Ort einiges bieten. Immerhin möchte man neue Gästeschichten ansprechen und sich weiterhin zu einem begehrten Wohnort mit hoher Lebensqualität etablieren.
Christian KEGLOVITS / 01. März 2019
Foto: Gemeinde Bad-Tatzmannsdorf

Wer in Bad Tatzmannsdorf wohnt, hat’s gut. Das „Tatz-Taxi“ fährt gratis von 7 Uhr früh bis 23 Uhr am Abend und chauffiert Einheimische wie Gäste. Zu jedem E-Bike, das sich die Bewohner des Ortes privat anschaffen, zahlt die Gemeinde gegen Vorlage der Rechnung 100 Euro dazu. Die vor zwei Jahren eröffnete Kinderkrippe ist eine Folge des starken Zuzugs, den die Gemeinde nach wie vor spürt.

Vom umfangreichen gastronomischen Angebot sowie von allen anderen Infrastruktureinrichtungen wie Therme, Golfplatz, Lauf- und Walkingarena etc. profitieren natürlich auch die Einwohner von Bad Tatzmannsdorf, wie Bürgermeister Gert Polster (SPÖ) betont: „All diese Angebote gibt es nur, weil es den Tourismus gibt. Und dieser wiederum sichert in unserer Gemeinde knapp 1.400 Arbeitsplätze. Darauf sind wir sehr stolz.“

Neue Gäste werden angesprochen

Das österreichweit einzigartige Vorkommen von drei Heilmitteln an einem Ort – kohlensäurehaltiges Heilwasser, Heilmoor und Thermalwasser – hat aus Bad Tatzmannsdorf einen traditionsreichen Kur- und Gesundheitsort ersten Ranges gemacht. Für das Gros der mehr als 500.000 Nächtigungen im Jahr sind die drei großen Leitbetriebe Reduce, Avita und Reiter’s verantwortlich. Dazu kommen die Einrichtungen der BVA und der PVA sowie zahlreiche Klein- und Mittelbetriebe. Letztere stellen zehn Prozent der Betten und segeln im Fahrwasser der Großen mit, was sie aber auch unter starken Investitionsdruck bringt, wie der Obmann des Regionalmarketingvereines Martin Pinezich – er betreibt selbst ein kleines Hotel – erklärt: „Auch in Privatpensionen erwartet der Gast mittlerweile Annehmlichkeiten wie Boxspringbetten oder eine Klimaanlage.

Diese Updates nicht zu verpassen, ist gerade für die kleinen und mittleren Betriebe überlebenswichtig. Vor allem die junge Generation wechselt gern zwischen 5-Stern-Hotel und gemütlicher Frühstückspension mit persönlichem Touch. Daher brauchen wir einen breiten Angebotsmix für unsere Gäste.“ Und die sollen künftig vermehrt auch aus Osteuropa kommen. „Wir wollen die Ungarn, Slowaken und Rumänen nicht nur als Arbeitskräfte, sondern auch als Gäste gewinnen“, so Pinezich, der generell einen Wandel der Gästeschicht vom klassischen Kurgast hin zum Wellness- und Gesundheitsgast feststellt. Ein vor Kurzem angestellter Coach soll den Tourismusbetrieben dabei genauso auf die Sprünge helfen wie ein neues touristisches Leitbild, in dem der Slogan von Bad Tatzmannsdorf „Slow down and relax“ übersetzt wird mit „Komm runter und tanke Kraft!“

Geschwindigkeitszonen als Gesprächsthema

Apropos runterkommen: „Runter vom Gas“ heißt es für alle, die mit dem Auto durch den Kurort unterwegs sind. Ein Verkehrskonzept, das unterschiedliche Geschwindigkeitszonen vorsieht, sorgt seit etwa einem Jahr für Gesprächsstoff und wurde bei der Einführung mit gemischten Gefühlen aufgenommen. „Ich nehme mich da selber nicht aus“, so Bürgermeister Gert Polster, der diese Thematik sozusagen von seinem Amtsvorgänger geerbt hat. „Die Hebung der Verkehrssicherheit steht natürlich im Fokus. Klar ist aber auch, dass es eine Regelung braucht, die für alle praktikabel bzw. akzeptabel ist und von der Polizei effektiv überwacht werden kann.

Aus diesem Grund haben wir einen Experten hinzugezogen, mit dem wir folgende Geschwindigkeitszonen ausgearbeitet haben: 20 km/h in der Begegnungszone im Zentrum, 30 km/h in der Kernzone rund um den Kurpark im Ortsgebiet von Bad Tatzmannsdorf und 40 km/h in den Randzonen sowie in den Ortsteilen Sulzriegel und Jormannsdorf, wo es dann knapp vor Ortseinfahrt in den ‚gewohnten‘ 50er übergeht.“ Damit hofft man, eine für alle tragbare Regelung für die Zukunft gefunden zu haben.

Viel los in Zukunft

In den nächsten Monaten warten weitere spannende Herausforderungen auf den Bürgermeister und sein Tourismusteam rund um Direktor Dietmar Lindau und Obmann Martin Pinezich. Stehen doch im nächsten Jahr die Feierlichkeiten zum 400 Jahr-Jubliläum von Bad Tatzmannsdorf als Kurort an, so Bürgermeister Gert Polster: „Da stecken wir mitten in der Vorbereitung. Soviel kann ich schon verraten, dass es einen großen Festakt am 23. Juli 2020, ausgehend vom Schlossareal in Jormannsdorf, geben wird.“

Außerdem soll ein neuer Kreisverkehr bei der evangelischen Kirche alle Gäste willkommen heißen und zielsicher in den Ort leiten. Im Mittelpunkt eines touristischen Leuchtturmprojektes steht der Kurpark, der komplett neugestaltet und ausgebaut werden soll. Und das wiederum kommt allen – den Gästen wie der einheimischen Bevölkerung – zugute.



Der Kurpark
In Bad Tatzmannsdorf finden rund 1.380 Menschen einen Arbeitsplatz -
bei ca. 1.550 Einwohnern.
Im Vorjahr wurden 513.000 Nächtigungen erreicht.
Die Gesamtbettenanzahl beträgt 2.420 in 42 Betrieben.
145 Unternehmen sind in der Gemeinde registriert.

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