Seele auf der Haut …

Ja, es tut weh! Es steht auf der Tür und es ist nicht gelogen, denn es tut auch diesmal wirklich weh. Dennoch ist es das wert - für mich und viele andere, die der Kunst des Tätowierens erlegen sind. Und wo lasse ich mich tätowieren? Bei dem, der die Nadel 1995 erstmals ins Burgenland gebracht hat: Thomas Heisinger - besser bekannt als Hissi!
Jennifer Vass
Foto: View / J. Vass

Thomas Heisinger war 1995 Burgenlands erster Tätowierer

 

Es surrt, die Nadel bewegt sich so schnell, dass man sie mit bloßem Auge kaum sehen kann. Die Gänsehaut, die vor lauter Aufregung kommt, macht die Sache noch aufregender, empfindlicher. Eine Tätowierung tut weh, an manchen Stellen mehr, an manchen weniger. Mir immer! Das Herzrasen, Schwitzen, das flaue Gefühl im Magen, die zugekniffenen Augen, das ein oder andere Tränchen – das gehört einfach dazu. Für etwas leiden, macht das Ergebnis gleich mal viel schöner.
Dennoch die Frage nach dem Warum? Weil bunte Haut wunderschön ist, man sich mit der Kunst ausdrücken und manchmal sogar Wunden heilen kann.

Immer mehr tun es
Diesen Körperkult gibt es seit jeher, vor 30 Jahren galt ein Tattoo in Europa allerdings noch als verpönt. „Früher haben sich eigentlich nur Seemänner und Biker tätowieren lassen“ erzählt mir der Mann, der seit 1994 Tätowierer ist und von Ankern über „Arschgeweih“ bis zu Unendlichkeitszeichen alles durch hat. „Anfangs habe ich die Nadeln noch selber gelötet, heute werden sie maschinell hergestellt.“
Die Industrie boomt. Laut einer Statistik von 2016 ist fast ein Viertel der Österreicher tätowiert. Auch beim Thema Hygiene muss man sich keine Sorgen machen, in einem guten Tattoostudio wird absolut steril gearbeitet, die Farben sind dermatologisch getestet.

Eine Geisha ist es bei mir geworden, das kann der Hissi besonders gut. Bei ihm im Studio treffen Generationen aufeinander. Er, der alte Hase, den wirklich jeder kennt und der Künstler wie Klaus „Hu“ Fruhmann unter seinen Fittichen hatte. Und Dani, die fantastische, hippe New Generation der heimischen Szene. „Es gibt Sachen, die steche ich nicht gerne“, sagt der „Meister“ und deutet dabei grinsend auf Dani, die das dann liebend gerne übernimmt. Die zwei ergänzen sich, jeder hat seine Stärken deswegen sitze ich auch abwechselnd auf ihrer Liege. „Bis jetzt hat den Schmerz jeder ausgehalten und eigentlich ist es gar nicht so schlimm. Sonst würden die Leute nicht immer wieder kommen, oder?“ ruft Dani zwinkernd zu mir rüber, während sie den Rücken eines Herren verschönert.

Gezeichnet fürs Leben
Tätowierer kann theoretisch jeder werden. Man sucht sich ein Studio, in dem man lernt, „Opfer“ zum üben, legt eine Prüfung ab und kann loslegen. Dass es dann doch nicht ganz so einfach ist, zeigen die vielen Cover Ups, die die beiden machen.
„Der Trend geht heuer übrigens zu großen Motiven und die Kunden werden immer unterschiedlicher“, erzählt Hissi. Nur wenn jemand sein erstes Tattoo am Hals oder auf den Fingern haben möchte, gibt es definitiv einen Einwand von ihm, denn das sind Stellen, die nicht nur richtig schmerzen, sondern auch wirklich das weitere Leben beeinflussen können. Denn auch wenn Tattoos mittlerweile gesellschaftsfähig sind – einen Banker mit einem Totenkopf am Hals sieht man nach wie vor ein wenig schief an. Wie gut, dass ich kein Banker bin!

Reportage aus Ausgabe 03/2018


Kommentare

Zu lesen in der neuen prima! Ausgabe 06/2018 …

Das ist ein cooler Beitrag!

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