Sein Daheim ist die perfekte Burnout-Prophylaxe

Bei kubanischer Linsensuppe und Krautsalat hört man die steirisch-kubanische Familie Spörk über ihre südburgenländische Heimat schwärmen. Eric Sebach hat den erfolgreichen Musik-Kabarettisten Christof Spörk und seine Frau Jacqueline in ihrer Wahlheimat im Südburgenland besucht.
Eric Sebach
Foto: Wolfgang Hummer

Musik-Kabarettist Christof Spörk hat mit seiner Familie bewusst das Südburgenland als Heimat gewählt

 

Wenn du denkst, da kommt nichts mehr … stehst du plötzlich vor einem malerischen, verträumten Bauernhof in Unter-Henndorf. Und Christof Spörk lächelt hinter einem biblischen Holztor hervor. „Grüß dich, du kommt‘s grad rechtzeitig zum Essen!“ Durch den imposanten Innenhof mit Arkaden und gewaltig viel Atmosphäre geht’s rein in die warme Stube. Eine ehemalige Wirtsstube übrigens.
Und bei mozartlichen Klängen und kubanischem Flair schüttle ich begeistert Hände. „Das ist Ana, unsere Jüngste, dann José, Carlos und meine Frau Jacqueline!“ Wow,
da ist der Bär los, fürwahr. Stolz leuchten Christofs Augen – nur die Älteste, die 15-jährige Paula, fehlt, weil sie unter der Woche in Wien zur Schule geht. „Schad‘, dass du bei dem Nebel den herrlichen Ausblick nicht genießen kannst“, deutet der gebürtige Weststeirer in Richtung Küchenfenster und schnipselt gekonnt an einem Krautkopf. In Windeseile wird daraus Salat. Sehr guter sogar.

Das Südburgenland, offenbar Liebe auf den ersten Blick
Christof ist nicht nur auf Bühnen zuhaus, nein, er kocht auch ganz gern. „A la mesa“ ruft Jacqueline. „An den Tisch!“ Und dann hocken wir zu sechst, halten Hände, rufen „Guten Appetit, Mahlzeit“ und schmausen kubanische Linsensuppe mit Reis. Schmeckt gut. Amtssprache bei den Spörks ist Spanisch mit ein paar Brocken Deutsch. Und umgekehrt. „Tranquilo“, sagt Papa Spörk, wenn die vierjährige Ana wieder einmal ihre Stimmbänder testet. Jetzt ist es ruhig am Mittagstisch. Auf die Frage, wie sich ein Steirer und eine Kubanerin ins Südburgenland verirren konnten, antwortet Jacqueline – eine Musikwissenschafterin und Klavierlehrerin – mit verschmitztem Lächeln. „Wir wollten Urlaub machen, ich hab in die Suchmaschine ‚Südburgenland Biobauernhof‘ eingegeben und dann sind wir in Krobotek gelandet und haben tagtäglich mit den Rädern die Gegend erkundet. Einfach herrlich.“ Das war im Frühjahr 2011. Bei einer dieser Touren entdeckten die Spörks mehr oder minder zufällig dieses Kleinod in Henndorf und am 11. Juli 2011 stand auch schon Übersiedeln aus Wien auf dem Programm. Mit Kind und Kegel.

Zurück an den Küchentisch. Christof hat inzwischen Kaffee kredenzt. „In original kubanischen Tassen“. Draußen knabbert die Hausziege an allerhand Grünzeug – „die Rodungs-Assistentin“, wie sie genannt wird. Ein paar Hendln gackern irgendwo. Und während José eine nicht mehr ganz funktionstüchtige Gitarre bearbeitet, erzählt der Hausherr, wie gut man hier „angekommen“ sei. Als leidenschaftliche Hobbygärtner mit eigenen Kräutern, Paradeisern, Salat und und und. Als Nachbarn – umgeben von einem Tischler, Maurer, Installateur oder Landwirt. Als Familie halt. „Kuba ist Urlaub“, wischt Jacqueline jeden Gedanken an Heimweh flink von der Platte.
„Allein im Sommer in unserem Innenhof zu sitzen, ist sowas wie Burnout-Prophylaxe“, gesteht der „Stoffl“, wie die Freunde aus der Musiker- und Kabarett-Szene ihn nennen. Hier die Zelte aufgeschlagen zu haben, das hat mit Lust nach Ruhe, nach Sternenhimmel und Harmonie zu tun. „Und ich sag‘s ehrlich, ich könnt‘ mir keine Wohnung in Kitzbühel leisten, geschweige denn ein altes Wirtshaus mit Wald und Wiese in Tirol oder sonst wo. Hier schon.“

Ja, ja, der Gewerbepark
Und dann gibt’s ja auch diesen wunderbaren Gewerbepark um die Ecke. In Jennersdorf. Der Synonym ist für viele dieser Art immer und überall. Und ein köstlicher Teil des aktuellen Kabarettprogramms „Am Ende des Tages“ geworden ist. Christof Spörk liebt es, das „Hässliche und Unnötige, das sich die Menschheit selbst beschert“ anzuprangern. Satirisch und schön bissig.
Die Fortsetzung seiner Künste ist in Sicht – ein Buchprojekt ist angedacht und ein neues Solo-Programm, an dem Christof bereits fleißig tüftelt.

Reportage aus Ausgabe 04/2018


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