Wald-Reich

Der Wald ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Allerdings setzen ihm der Klimawandel und ein kleiner Käfer ganz schön zu. Trotzdem ist er nach dem Tourismus der zweitwichtigste Devisenbringer und gibt vielen Menschen Arbeit.
Peter SITAR / 1. März 2019
Foto: Bernd Kasper / pixelio

Mit über 60 Prozent gehören die Steiermark und Kärnten zu den waldreichsten Bundesländern Österreichs. Im Bereich der Bezirksforstregion Hartberg liegt die Waldfläche bei rund 48 Prozent. Dagegen nimmt sich das Burgenland mit einer Waldfläche von rund einem Drittel des Landes fast schon bescheiden aus. Aber auch im Burgenland hat die Waldwirtschaft eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung: Jährlich entsteht dadurch eine Wertschöpfung von 50 Millionen Euro und beschäftigt rund 4.000 Menschen.

Waldbesitzern und Experten treiben allerdings der deutlich spürbare Klimawandel und der Borkenkäfer Sorgenfalten auf die Stirn. Wetterlagen, die sich über Wochen oder Monate nicht ändern, können den Bäumen arg zusetzen. 2018 war so ein Jahr. Nördlich der Alpen regnete es kaum oder fast gar nicht, südlich davon sorgten heftige Niederschläge für Überschwemmungen und Vermurungen. Dabei kamen das Burgenland und die Oststeiermark 2018 durchaus glimpflich davon.

Herausforderung Klimawandel

„Das Klima ist eine Herausforderung für den Wald und seine Besitzer“, bestätigt der Leiter der Landesforstinspektion Burgenland, Hofrat Hubert Iby. Vor allem lange Hitze- und Trockenperioden bedeuten Stress für die Bäume. Daher setzt man seitens der Forstämter auf permanente Kontrollen des Waldzustandes. Besonders betroffen sind dabei Fichten-Monokulturen, wo in der Folge oft der Borkenkäfer sein Unwesen treibt. Kommt es zu einem Käferbefall, müssen die geschädigten Bäume so rasch wie möglich aus dem Wald geschafft werden. Da kommen dann oft die Fachleute vom Burgenländischen Waldverband zum Zug. „Wir bieten Waldbesitzern von der Beratung, Begutachtung, Durchforstung bis zur Vermarktung des Holzes ein großes Paket an Dienstleistungen an“, erläutert Obmann DI Klaus Friedl im prima! Gespräch.

Friedl kennt als Forstreferent der steirischen Landwirtschaftskammer den Zustand der Wälder beiderseits der Lafnitz in- und auswendig. Im Norden des Bezirks Hartberg gebe es wirklich großflächige Waldbesitzungen, während die Grundstücke gegen Süden, etwa im Raum Fürstenfeld, wieder kleinstrukturierter werden. Ganz anders im Südburgenland. Hier haben laufende Erbteilungen zu einer kaum noch überschaubaren Struktur des Waldbesitzes geführt. Friedl: „Oft sind die Waldgrundstücke gerade einen halben Hektar groß.“

Mit der Folge, dass Waldbesitzer oft gar nicht wissen, wo sich ihr Grundstück befindet und viele weder Gerätschaften noch das Wissen haben, wie ihr Wald zu pflegen oder zu durchforsten ist. Diese Serviceleistungen bietet der Waldverband an. Allein im Burgenland gibt es über 26.000 Waldeigentümer.

Preise

Mit dem Holzmarkt und den dort gehandelten Preisen ist man beim Verband derzeit durchaus zufrieden. Geschäftsführer DI Herbert Stummer: „Vor allem Qualitätsholz ist sehr gefragt.“ Der Markt, auf dem man agiert, ist ein globaler. Holz wird bis in die USA, nach Japan und vor allem nach Italien exportiert. Wobei drei Klassen von Holz anfallen. Das meiste Geld gibt es für Sägerundholz, gefolgt vom Industrieholz – etwa für die Papierindustrie und schließlich das sogenannte Energieholz. Heuer gibt es durchaus Unwägbarkeiten: „Derzeit ist noch nicht klar, wie viel Schäden die Herbststürme in den Wäldern in Oberitalien, Tschechien oder Deutschland angerichtet haben und welche Mengen auf den Markt kommen“, erläutert Herbert Stummer. Denn große Mengen an Schadholz würden sich vorübergehend wohl negativ auf die Preise auswirken. Vermarktet wird das Holz global, und daher haben die Weltmarktpreise auch direkte Auswirkungen auf die einzelnen Waldbesitzer. Die sind es aber ohnehin gewohnt, in größeren zeitlichen Horizonten zu denken. Denn von der Auspflanzung bis zur Ernte können schon 100 Jahre und mehr vergehen.

Förderungen

So ist erklärtes politisches Ziel im Burgenland, weg von den anfälligen Monokulturen zum widerstandsfähigeren Mischwald zu kommen. Agrar-Landesrätin Verena Dunst, die das Ressort ab 28. Feber an Astrid Eisenkopf übergibt: „Wir fördern den Umbau der heimischen Wälder jährlich mit 1,3 Millionen Euro“.

Für 2019 müsse man jetzt aber abwarten, so die Forstexperten, wie sich Klima und die Borkenkäfer-Situation entwickeln werde. Sie wünschen sich, dass die Bäume heuer weniger Stress durch Käferbefall und Trockenheit ausgesetzt werden.

Welche Bedeutung die Holzwirtschaft für Österreich hat, zeigt sich schon daran, dass sie nach dem Tourismus der zweitgrößte Devisenbringer ist. So hat Österreich 2017 Holz um sechs Milliarden importiert, aber um über 10 Milliarden Euro Holz exportiert. Überschuss: Vier Milliarden. Und nicht zu vergessen: Die Waldbesitzer denken in längerfristigen Zeiträumen.


Borkenkäfer-Situation
Andreas Laschober, Forstverwaltung der WWG Burgenland, Agrarlandesrätin Verena Dunst und Hubert Iby, Forstdirektor des Burgenlandes, informierten über die Borkenkäfer-Situation in den burgenländischen Wäldern

Herbert Stummer und Klaus Friedl
Herbert Stummer (GF BWV) und Klaus Friedl (Obmann des BWV und Forstreferent der steir. Landwirtschaftskammer)

Wald: Interessantes Anlageobjekt
Es ist zwar nicht das Bombengeschäft, aber auch nicht uninteressant – der Wald als Investitionsobjekt. Die Nachfrage ist durchaus gegeben, bestätigt man seitens der Landwirtschaftskammer. Was einerseits an den relativ guten Holzpreisen liegt, aber auch an den sehr niedrigen Bankzinsen für Sparguthaben.

In der Regel wird bei der Verkehrswertschätzung für Waldgrundstücke der Bodenwert und der Bestandeswert getrennt ermittelt. Beide Teilwerte zusammen ergeben dann den gesamten Waldverkehrswert. Für die Höhe des Bestandeswertes ist der Zustand der Bestockung maßgeblich. Alter, Baumartenverteilung, Holzvorrat sowie Qualität und Sortenanteile sind die wesentlichsten Wertbestimmenden Faktoren. Das Wuchspotential, in der forstlichen Fachsprache als „Bonität“ bezeichnet, wird beim Bodenwert berücksichtigt. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung für den Bodenwert sind weiters Grundstücksgröße, Form und Arrondierung.

Die übliche Maßeinheit ist der Festmeter. Derzeit werden für den FM Fichte in etwa 80 Euro bezahlt, für die Kiefer 60 Euro, für Eichenholz, je nach Qualität, 60 bis 350 Euro.
(Quelle: Landwirtschaftskammer/ Waldverband)

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