Sie sind ein Machtfaktor, der von keiner Partei übersehen werden kann – die Pensionisten. Dementsprechend selbstbewusst können ihre Vertreter auch auftreten und Forderungen an die neue Bundesregierung stellen. Die sich das wohl sehr gründlich anhören wird (müssen).

Im Dezember 2016 wurden 2,7 Millionen Pensionen und Renten ausbezahlt, berichtet die Statistik Austria. 84 Prozent der Pensionen kamen aus der gesetzlichen Pensionsversicherung, 12 Prozent entfielen auf Beamtenpensionen, der Rest auf Unfallversicherung und der Kriegsopferversorgung oder der Opferfürsorge. Aufgrund der politischen Stärke der Pensionisten hielt sich die Leidenschaft der Bundesregierung, eine umfassende Pensionsreform in Angriff zu nehmen, stark in Grenzen.

Sprachrohr der immer größer werdenden Gruppe ist der österreichische Seniorenrat, deren derzeitige Präsidentin Ingrid Korosec ist. Und die machte vor Kurzem einen bemerkenswerten Vorschlag. Statt des gesetzlichen Pensionsalters wünscht sie sich ein sogenanntes Referenzalter. Das könne durchaus bei 65 Jahren liegen. Allerdings soll jeder Einzelne selbst entscheiden, wann er in den Ruhestand gehen oder wie lange er noch arbeiten will. Wer früher gehen will, muss mit Abschlägen rechnen. Wer länger jobbt, soll entsprechende Zuschläge erzielen.
Hat etwa jemand einen gut bezahlten Posten gehabt, und möchte mit 55 Schluss machen, um etwa ausgiebig zu reisen, so soll das dann möglich sein. Natürlich bei entsprechenden Abschlägen. Derzeit liegen diese bei rund 5,1 Prozent pro Jahr. Wer andererseits länger arbeiten will, soll das auch selbst entscheiden können und dafür einen entsprechenden Bonus bzw. Zuschlag zur Pension bekommen.

Viel Lob gibt es von der Präsidentin und ÖVP-Politikerin für die neue Regierung. So sei es gelungen, den bisher üblichen Pensionsversicherungsbeitrag, den Pensionisten zahlen mussten, wenn sie zusätzlich arbeiteten, zu streichen. Denn bisher blieben einem Pensionisten, der sich monatlich etwa 1.000 Euro dazuverdiente, real nur knapp 400 Euro über.

Also alles eitel Wonne? Leider nicht. Das Thema Pensionen und die Finanzierung selbiger wird auch für die neue Bundesregierung eine riesige Herausforderung werden. Es sind nämlich Milliarden-Beträge, die der Staat schon jetzt bei den Pensionen jährlich zuschießen muss. Und es wird noch schlimmer werden. In den nächsten Jahren stehen bei den Pensionierungen die besonders geburtenstarken Jahrgänge an. Aber nicht nur die Zuschüsse zu den Pensionen werden steigen, sondern auch die Ausgaben für die medizinische Versorgung, für die Pflege und die Altenbetreuung. Das ist keine Überraschung, sondern seit Jahren bekannt und von den Statistikern mantraartig vorgetragen. Nur das wollte die Politik nie hören und hat es immer wieder bis zum nächsten Wahltag verschoben. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie die neue Bunderegierung darauf reagiert. Oder ob die Probleme nur weiter vor sich hergeschoben werden. Die Jungen werden dabei wohl sehr genau zuschauen.

Kommentar aus Ausgabe 03/2018