„Wir fühlen uns alleine gelassen“

„Wir fühlen uns alleine gelassen“

Gesundheitlich trifft es zuallererst die Alten, wirtschaftlich die Unternehmer. 38 Milliarden Euro hat die Regierung als Unterstützung in Form eines Hilfspakets versprochen, das Land Burgenland und die Steiermark haben auch eigene Fonds eingerichtet. Von Sofortmaßnahmen, Überbrückungsfinanzierung, Kurzarbeit, Steuerstundungen, Härtefallfonds und dem Corona-Hilfsfonds ist die Rede. Klein- und Kleinstunternehmen der unterschiedlichsten Branchen leiden dennoch massiv seit dem „Shutdown“. Die wirtschaftlichen Sorgen treffen aber auch mittelgroße Unternehmer, die aufgrund ihrer Größe nicht von den ersten Maßnahmen profitieren durften.
4. Mai 2020 / Podcast am Seitenende

Ausgangssperre, Lockdown, Homeoffice – bedingt durch das Coronavirus ist unsere Verbindung zur Außenwelt auf das Internet beschränkt worden. Wie wichtig eine gut funktionierende Infrastruktur ist, ist vielen erst in den letzten Wochen bewusst geworden. Man stelle sich vor, man ist wochenlang daheim, auf sich und maximal seine engste Familie reduziert – und das Internet funktioniert nicht oder nur langsam. Schnell wird der Ruf nach Breitband-Internet laut oder 5G-Technologie, die das zu verhindern verspricht. Aber was genau verbirgt sich hinter diesen Begrifflichkeiten, die jeder verwendet, aber nur ein Fachmann wirklich versteht?

Das Tierschutzvolksbegehren geht in die finale Phase. Noch bis Ende Juni kann man es auf den Gemeindeämtern oder mittels Handysignatur unterschreiben. Im Herbst wird es dann im Zuge der Eintragungswoche eine letzte Möglichkeit geben, seine Stimme für mehr Tierschutz in Österreich abzugeben. Initiator Sebastian Bohrn Mena hat dieses Volksbegehren vor einem Jahr ins Leben gerufen. Es geht dabei um eine tierleidfreie Haltung und die Abschaffung der Tiertransporte, um die Förderung der Bio-Bauern und auch um eine genaue Kennzeichnung der Herkunft unserer Lebensmittel. prima! hat den Wirtschaftsökonom und Tierschützer zum Interview getroffen – aufgrund des Coronavirus natürlich per Videochat.

Walter Reiss im Gespräch mit der Gebärdensprachdolmetscherin Marietta Gravogl. Fast täglich im Fernsehen und das auch live: Das gilt seit Beginn der Corona-Pandemie nicht nur für Bundeskanzler, MinisterInnen und Fachleute. Vor der offiziellen Kulisse mit den Fahnen von Republik und EU steht – nur leicht abseits – eine Burgenländerin, die die Statements und Antworten gehörlosen Zusehern nahebringt: Durch vollen Einsatz ihrer Arme, Hände, Finger und ihren Gesichtsausdruck. Mag.a Marietta Gravogl aus Neusiedl am See ist professionelle Gebärdensprachdolmetscherin und kennt politische Bühnen wie Nationalrat, Wiener Landtag oder auch seit September 2019 den burgenländischen Landtag. Dort arbeitet sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen Eva Böhm und Sabine Beck-Unger. Sowohl Parlament und Landtage als auch der ORF bieten in Livestream und Nachrichtensendungen begleitende Darstellung in Gebärdensprache an. Die ständige Präsenz einer Gebärdendolmetscherin bei krisenbedingten und prominent besetzten Pressekonferenzen hat – auch in diesem Fall – einen sonst kaum wahrgenommenen und viel zu wenig geschätzten Beruf ins mediale und öffentliche Licht gerückt.

Bildung, Gesundheit und Europäische Union. Grundeinkommen, Gleichberechtigung und Tierschutz. Demokratie, Klima und Asyl. All das sind Themen, die Österreich bewegen. Durch die Corona-Krise sind sie zwar etwas in den Hintergrund getreten, aber sie beschäftigen uns nach wie vor. So sehr, dass sich Bürger neue Gesetze wünschen und von ihrem Recht auf „direkte Demokratie“ Gebrauch machen, unter anderem in Form von Volksbegehren. So „direkt“ und vor allem unbürokratisch ist der Weg zu einem neuen Gesetz aber freilich nicht.

Die AK warnt: Kriminelle verschickten gefälschte Bank-E-Mails mit App-Installation.

Die Arbeiterkammer warnt vor E-Mails, die den Adressaten dazu auffordern, Sicherheits-Apps seiner Bank zu installieren und informiert:
Banken versenden keine E-Mails, in denen die Kunden aufgefordert werden, auf einer fremden Website eine Sicherheits-App zu installieren.

Schauen Sie, wer sich hinter dem Namen der E-Mail verbirgt. Keinesfalls darf man die Bank- oder Login-Daten eingeben, wenn man per Mail dazu aufgefordert wird. Das öffnet Tür und Tor, damit Kriminelle das Konto leerräumen können.

Apps sind nur aus dem offiziellen App-Store zu installieren und niemals aus unbekannten Quellen. Und im besten Fall fragt man bei seiner Bank nach.

Verdichtet, gepflastert, asphaltiert, betoniert, überbaut...

Der Erdboden ist – mit minimalen Abweichungen – ein unvermehrbares Gut und wie Wasser und Luft die Grundlage für alles Leben auf unserem Planeten. Diesen Tatsachen zum Trotz spielt sich weltweit eine sich potenzierende Entwicklung ab:

Einerseits nimmt die Weltbevölkerung rasant zu, andererseits schrumpft die nutzbare Erdoberfläche, hauptsächlich durch Bodenversiegelung in diversen Formen, durch Erosion, Wüstenbildung und steigende Meeresspiegel.

Da jedes Landlebewesen eine ausreichend große Fläche zum Überleben benötigt, kommt unweigerlich der Zeitpunkt, an dem die Weltbevölkerung trotz ausufernden Chemieeinsatzes nicht mehr ernährt werden kann – mit den voraussehbar dramatischen Folgen.

Bezüglich der Klimasituation kommt erschwerend dazu, dass die zwei- bis dreifache Menge CO2 der Erdatmosphäre im Boden gespeichert wird, im übrigen zum Großteil in Mooren. Es ist daher in hohem Maße unverantwortlich, Moore trocken zu legen und Torf abzubauen, außer zu therapeutischen Zwecken. Bereits minimale Veränderungen haben daher besonders gravierende Auswirkungen auf das Weltklima.

Zu bedenken ist weiters, dass die Ressource Boden, gemessen im menschlichen Zeitmaßstab nicht erneuerbar ist. (In der Natur braucht es zwischen 100 und 200 Jahre, bis sich eine
1 cm dicke Humusschicht gebildet hat).

Den aus obigen Tatsachen ableitbaren, dringenden Handlungsbedarf sollen die nachfolgenden österreichischen Daten vom Umweltbundesamt 2019 illustrieren:

• Verkehrsflächen: Österreichschnitt 128 m²/Kopf (Burgenland 277 m²/Kopf)
Bauflächen: Österreichschnitt 129 m²/Kopf (Burgenland 212 m²/Kopf)
In Summe sind das österreichweit 257 m²/Kopf (Burgenland 489 m²/Kopf)

Dieser hypertrophe Bodenverbrauch geht allerdings lustig weiter:
Täglich werden in Österreich 11,8 ha Boden verbraucht, davon 41% versiegelt. Um es optisch anschaulich zu präsentieren: Das sind die viel zitierten 16 Fußballfelder pro Tag!

Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz liegen die Ausmaße der verbrauchten bzw. versiegelten Bodenflächen pro Kopf deutlich unter den österreichischen, Zeitungsberichten zufolge um mehr als die Hälfte.
Bodenverbrauch und Bodenversiegelung werden auch in Zukunft nicht komplett zu verhindern sein, wären aber zumindest auf das von der EU geforderte nachhaltige Maß von 2,5 ha/Tag einzubremsen.

Einige Vorschläge zur Reduktion der Bodenversiegelung

• Weg von der Zersiedelung unserer Landschaft durch Bauten auf der grünen Wiese bzw. am Ortsrand, hin zur Wiederbelebung der verödenden Ortskerne.
• Weg vom freistehenden, Flächen fressenden (erdgeschossigen) Einfamilienhaus und hin zum zweigeschossigen verdichteten Flachbau.
• Weg von der Versiegelung der Parkflächen, Zufahrten, Vorgärten etc. und Einsatz von versickerungsfähigen Bodenoberflächen, wie z.B. Rasengittersteine, Porenpflaster, Schotterrasen, Holzpflaster etc.
• Entsiegeln und Rekultivieren von aufgelassenen Gewerbe- und Industrieflächen (in Österreich sind das immerhin brachliegende 400 km²).

Endziel müsste sein, dass beim geplanten Neubau eines Gebäudekomplexes ab einer gewissen Größenordnung ein Flächenrecycling in gleicher Größe zur Bedingung für die Baugenehmigung gemacht wird.

Und unsere Bäume?

Ähnlich sorglos wie mit dem Boden wird hierzulande mit dem Baumbestand umgegangen. Das zunehmende, zum Teil verantwortungslose Zurückschneiden und Fällen von alten Bäumen (vor allem im innerstädtischen Bereich) infolge von immer strengeren Haftungsmaßnahmen für Baumeigentümer muss in vernünftige Bahnen gelenkt werden. Gefordert ist eine gesetzliche Regelung, die sowohl das natürliche Risiko durch den Baumbestand als auch den positiven Beitrag der Bäume für Mensch und Umwelt in ein ausgewogenes Verhältnis bringt! (Details über die enorm positive Wirkung von Bäumen, siehe weitere Beiträge in dieser Artikelserie) Eine Verpflichtung zu gleichwertigen Ersatzpflanzungen von gefällten Bäumen, vor allem im städtischen Bereich und bei Neubaumaßnahmen müsste gesetzlich vorgesehen werden.

Das Verhältnis von Natur und Bauwesen ist daher neu zu definieren: Baukultur nimmt Rücksicht auf die Tradition einer Region, auf die Landschaft, die unvermehrbare Ressource Boden, auf Bau- und Baumbestand, auf Ökologie und letztlich auch Ökonomie.

* Die Baumfreunde Oberwart ist eine überparteiliche und unabhängige private Initiative engagierter OberwarterInnen.

Die Corona-Krise und die damit verbundene Ausgangsbeschränkung war und ist nach wie vor eine enorme Herausforderung für Paare. Experten erwarten einen Anstieg der Scheidungsrate – oder eine Zunahme der Geburten. Beides ist möglich und wahrscheinlich.

Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit als Paarberaterin sehe ich immer wieder, mit welchen Konflikten Beziehungen belastet sind. Die Probleme sind bei vielen dieselben. Andere wiederum sind ganz speziell und individuell. Aber eine Tatsache folgt einem immer wiederkehrenden Phänomen: Die größte Scheidungsrate ist im Herbst, nach dem Urlaub. Der Grund dafür ist einfach erklärt: In keiner Phase des gemeinsamen Zusammenlebens ist ein Paar so komprimiert aufeinander und so eng beisammen wie im Urlaub.

So ähnlich oder besser gesagt noch viel intensiver ist die Situation jetzt, durch Corona. Vielleicht ist es dem einen oder der anderen von Ihnen gelungen, die Ausgangsbeschränkung als eine Art Urlaub zu sehen. Aber das war sehr schwierig, denn dafür war die Zeit zu lange, und wir waren außerdem einer unsichtbaren Bedrohung ausgesetzt. Viele Menschen hatten und haben immer noch Angst. Nicht nur davor, krank zu werden, sondern oftmals sind es Existenzängste, die uns begleiten. Diese Angst engt uns ein und lässt unsere Gedanken um die wenigen Handlungsmöglichkeiten, die wir haben oder zu haben glauben, kreisen. Durch die Auswirkungen der Corona-Krise haben viele existenzielle und finanzielle Probleme. Auch, dass wir uns nicht so frei bewegen durften und zum Teil immer noch nicht dürfen, hat in uns Stress ausgelöst. Es ist jene Art von Stress, die uns unterschwellig atemlos macht.

Fakt ist: Wir befinden uns nach wie vor in einer Krisensituation, und davon betroffen ist auch die Paarbeziehung.

Zusammengeschweißt oder auseinandergerissen?

Krisen können Paare verbinden. Krisen können zusammenschweißen – quasi unter dem Motto: Wir schaffen das gemeinsam. Wir halten zusammen und stehen das durch. Wir helfen und unterstützen einander. Diese Paare leben in einer harmonischen, liebevollen Beziehung. Sie vertrauen aufeinander, sie reden miteinander und entwerfen gemeinsam Bewältigungsstrategien.

Aber es gibt auch die andere Seite. Es gib auch jene Paare, die die Krise trennt. Entweder gab es schon vorher Probleme, oder sie entstanden aufgrund der vorherrschenden Belastungen – mit den Kindern, dem Haushalt, weil es plötzlich zu viel Nähe zueinander durch die Ausgangsbeschränkungen gibt und weil man sich eben in einer völlig neuen und anderen Lebenssituation befindet. Die Konflikte, die vielleicht bereits vor der Corona-Krise da waren, zeigen sich nun verstärkt in dem stetigen Zusammensein. Das gegenseitige Misstrauen, das vorher schon da war, verstärkt sich nun noch mehr.

In jeder Beziehung gibt es Zeiten, in denen das Miteinander aus dem Gleichgewicht gerät

Eine gesunde Beziehung ist in Balance, wenn sich beide Partner gleichmäßig darum kümmern. Auch in Krisenzeiten. Beide tragen die Verantwortung für das Gelingen oder Scheitern. Oftmals erlebe ich aber, dass sich Paare gerne gegenseitig die Schuld an Konflikten zuschieben und erwarten, dass er bzw. sie in Aktion tritt. Aber es geht niemals um Schuld! Beide haben dazu beigetragen, dass die Situation so ist, wie sie eben ist. Wichtig ist, dass in einer Beziehung Balance herrscht.

Wie schafft man es, diese Balance in einer Beziehung zu halten?

Es gibt dazu vier Polaritäten, die dafür wichtig sind: Autonomie und Bindung, Durchsetzung und Anpassung, Nähe und Distanz, Geben und Nehmen.

Stellen Sie sich eine Waage mit Gewichten vor. Für die richtige Balance muss auf jeder Seite das gleiche Gewicht vorhanden sein – ansonsten kommt es zu einer Schieflage. Genauso ist es in einer Beziehung. Eine Beziehung, die nicht in Balance ist, fühlt sich irgendwann belastend an.
Natürlich fällt uns das nicht gleich auf. Im normalen Alltag kann eine Beziehung trotz Schieflage schon eine geraume Zeit funktionieren, bis sich die Unzufriedenheit bemerkbar macht. Wir sind ja durch unseren Alltag nicht permanent damit konfroniert, sondern haben „Ausweichmöglichkeiten“. Das war in Corona-Zeiten durch die Ausgangsbeschränkung nicht der Fall. Wir waren der Situation ausgesetzt und mussten uns damit konfrontieren. Wo also das Fundament schon vor Corona Risse hatte, kann es jetzt einbrechen.

Aber bedenken Sie: Jede Krise beinhaltet auch eine Chance. Die Corona-Krise hat vielleicht die Krise in Ihrer Partnerschaft verdeutlicht und aufgerissen. Aber nehmen Sie sich bewusst Zeit füreinander und rollen Sie Ihre Beziehung auf, bevor Sie lebensverändernde Schritte setzen.

Liebe in Zeiten nach Corona

Reden Sie miteinander und reden Sie über Ihre Probleme! Wenn es sich zu schmerzhaft oder zu reizgeladen anfühlt, dann gehen Sie einige Tage auf Distanz. Aber tun Sie dies mit einer bewussten Absicht. Das bedeutet: Machen Sie sich aus, wie lange diese Distanz dauern soll. Das ist wichtig, denn sonst kommt es zu weiteren Verletzungen. Aber dieser Abstand ist notwendig, damit es zu einer Entlastung kommt. Konflikte kosten Energie und sind enorm belastend.

Atmen Sie also durch, nehmen Sie sich Zeit für sich, tun Sie sich etwas Gutes und denken Sie in Ruhe darüber nach, was Sie beschäftigt und was Sie wollen! Nach dieser Zeit vereinbaren Sie wieder einen Gesprächstermin, und gehen Sie dann bewusst in die nächste Phase!

Gemeinsam Lösungen entwickeln

In diesem nächsten Schritt werfen Sie einen Blick zurück, wie Sie diese gemeinsame Krise gemeistert und erlebt haben und wie Sie sich gefühlt haben. Das gilt nicht nur für Corona. Das kann auch andere Krisen betreffen, die man gemeinsam erlebt hat. Reden Sie miteinander, wie Sie sich in der Beziehung momentan fühlen.

Aber hier gilt vor allem eine Regel: Jeder soll sich wertfrei in der ICH-Form mitteilen. Der andere hört aktiv zu und kann auch nachfragen. Aber machen Sie keine Schuldzuweisungen! Das ist wichtig, denn sonst eskaliert die Situation schnell. Entwerfen Sie gemeinsam schriftlich ein Arbeitsblatt, das jeder für sich selbst ausarbeitet. Erst danach treffen Sie sich zu einem weiteren Gespräch, um sich gegenseitig auszutauschen.

Das Arbeitsblatt als Wegweiser aus der Krise

Die wichtigsten Punkte, die Sie durcharbeiten sollten, sind:

1. Definieren Sie das Problem. Um was geht es genau? Das ist wichtig, damit Sie nicht aneinander vorbeireden!
Beschreiben Sie das Problem so konkret wie möglich. Aber bleiben Sie in der ICH-Form und machen Sie keine Schuldzuweisungen!

2. Sammeln Sie Lösungsmöglichkeiten. Aber auch hier gilt wieder: Bleiben Sie bei sich. Fragen Sie sich: Was kann ICH in Zukunft zur Lösung oder Erleichterung unseres Problems beitragen?

3. Überlegen Sie, was Sie sich von Ihrem Partner wünschen. Was sind Ihre Erwartungen an ihn oder sie. Gerade bei diesem Punkt gilt verstärkt, dass Sie Ihre Erwartungen als Wünsche formulieren. Vermeiden Sie den Begrifff Schuld.

4. Tauschen Sie sich aus und besprechen Sie Ihre Anliegen. Diskutieren Sie respektvoll die Lösungsvorschläge. Versuchen Sie, einander ausreden zu lassen und hören Sie genau hin, was Ihr Gegenüber sagt. Es geht nicht um Rechtfertigung oder Schuld! Es geht darum, den anderen zu verstehen.

Entscheiden Sie gemeinsam, was die besten Lösungsmöglichkeiten sind. Bedenken Sie: Beziehung funktioniert nicht von alleine. Beide müssen aktiv mitgestalten. Aber sollten Sie die Krise alleine nicht bewältigen, dann seien Sie mutig und holen Sie sich professionelle Unterstützung. Das ist bereits der erste Schritt in Richtung Lösung!

 

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Die Ordination in Grafenschachen ist (noch!) bis auf den letzten Platz gefüllt. Dr. Theodor Martin ist Allgemeinmediziner und zieht mittlerweile auch viele Patienten aus der weiteren Umgebung und der benachbarten Steiermark an. Hört man sich hier um, gilt er als hervorragender Diagnostiker. Noch dieses Jahr wird er seine Pension antreten und die Ordination einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin überlassen. prima! trifft den Hausarzt in einer so schwierigen Zeit, wie sie der erfahrene Mediziner in seinen 40 Jahren Berufspraxis noch nicht erlebt hat.

Sie heißt April Fasching. Wer einen solchen Namen trägt, macht neugierig darauf, ob die Lebensgeschichte dahinter wohl auch so bunt ist. Ist sie. Aber auch mit vielen Schattenseiten. „Vom Dschungelkind zum Gotteskind“ hat sie ihre Biografie genannt. Eine Reise über 35.000 Kilometer. Oder: vom Paradies in die Hölle – und zurück.

Die Oberwarterin April Fasching wurde in Wales geboren und hat nun ihre Biografie geschrieben.

 

April Fasching lächelt. Gerade ist ihr eine Szene aus ihrer Kindheit mit ihrer Mutter eingefallen. Sie sieht die bildschöne junge Frau, die den Wohnwagen öffnet, den Korb mit der Wäsche nimmt und sich auf den Weg in den Waschraum macht. Die vierjährige April läuft lachend neben ihr her.

Sie sind in Wales, an der Küste bei Swansea.
Bis vor drei Jahren war für April Fasching die Erinnerung an ihre Mutter völlig verschwunden. Erst in diesen letzten Jahren ist sie wiedergekehrt. Wie ein Puzzle setzt sich seither Stück für Stück alles wieder zusammen. Dazwischen steckt ein Leben, das mitunter einer Achterbahnfahrt gleicht.

Der Schock, der die Erinnerungen an die Mutter ausgelöscht hat, passierte April Fasching im Alter von 8 Jahren.  35.000 Kilometer hat April als Kind mit ihren Eltern innerhalb eines Jahres quer durch die halbe Welt zurückgelegt. Ausgangspunkt war Malaysia. Dann, knapp vor ihrem Heimatort in Wales, kam der Moment, der alles im Leben veränderte. Der Anfang der Hölle. Doch die Geschichte beginnt mit einer wunderbaren Kindheit.

England im Wohnwagen

April wurde in Wales geboren. „Meine Eltern stammen beide aus Niederösterreich, aber mein Vater wollte schon immer nach England. Als er hörte, dass er dort in einem Bergwerk arbeiten kann, packte er seine Frau zusammen, und so wurde ich in Wales geboren. Es war meine erste Heimat“, erzählt April Fasching. Weil die Eltern kein Geld für ein Haus hatten, kauften sie einen Wohnwagen und stellten diesen an einen der schönsten Strände Großbritanniens – an die Küste bei Swansea. Es war Mitte der 1960er- Jahre. „Für mich war das als Kind einfach unbeschreiblich schön.

Wenn ich morgens die Tür des Wohnwagens aufmachte, sah ich die unendliche Weite des Ozeans. Ich habe meine ersten fünf Jahre in dieser wunderbaren Freiheit ohne Zwang erfahren dürfen“, erzählt April Fasching. Der Wohnwagen war lange Zeit ihr Zuhause. Mehr brauchte die Familie nicht. Als dann das Angebot für den Vater kam, im Dschungel von Malaysia an einem Wasserkraftwerk mitzubauen, war die Entscheidung für die abenteuerlustige Familie klar. Die deutsche Firma hat für die Arbeiter und deren Familien eigens eine Siedlung mitten im Dschungel errichtet.

Das Dschungelkind

Sie lebten in Bungalows, und ein Hausmädchen half bei den täglichen Arbeiten. „Es gab dort sogar eine extra für uns Kinder errichtete Schule. Aber es gab keinen Zwang. Wenn es mir gefiel, verbachte ich den Tag beim Wasserfall mit meinen Freunden. Ich kannte keine Verbote“, erzählt April Fasching.

Der Vater war für sie immer wie Indiana Jones. Wenn er frei hatte, nahm er seine Tochter huckepack, steckte ein paar Konservendosen ein, sein Buschmesser und machte sich mit seiner kleinen Familie auf zu den Ureinwohnern im Dschungel. Diese Weltoffenheit und das Zugehen auf andere hat April Fasching von ihren Eltern gelernt. Und auch, dass damit Brücken niedergerissen werden können.

„Zum Häuptling entwickelte sich mit der Zeit eine tiefe Freundschaft“, sagt April. Dieser lehrte die Familie, wie man Pfeile mit Bambusrohren abfeuert oder Schlangen fängt und wie man sie zubereitet. „Ich hatte als Kind vor nichts Angst“, sagt sie heute. Als das Projekt nach drei Jahren abgeschlossen war, plante der Vater den nächsten Vertrag für Saudi Arabien. Aber vorher wollte er sich eine Auszeit von einem Jahr nehmen, um mit seiner Familie im Auto – einem Opel Rekord – von Malaysia ausgehend zurück nach England zu fahren.

Die Reise

Indien, Pakistan, Iran, Jordanien, Libanon. Sie sahen den Taj Mahal, den Palast des Schahs von Persien, April ritt bereits als 8-Jährige durch die Schlucht der Felsenstadt Petra. 35.000 Kilometer legte die Familie im Auto zurück und sah sich dabei die halbe Welt an. Während der Autofahrten wurde April von ihren Eltern unterrichtet. Zum Schlafen wurden die Rückbänke des Opels umgelegt. Auf einer Kiste am Autodach wurden Matratzen, Gaskocher und Lebensmittel transportiert. „Wenn wir ein Land besucht hatten, schrieb mein Vater den Namen auf die Kiste“, erzählt sie.

„Es ist eigentlich unvorstellbar, dass wir damals in Ländern, die heute durch Krieg und Terror völlig zerstört sind, einfach irgendwo unseren Wagen abgestellt und dort übernachtet haben“, sagt April Fasching. Es war ein Jahr, das für die 8-Jährige voller unglaublicher Eindrücke und Erfahrungen war. Und vor allem – „ich war rund um die Uhr mit meinen Eltern zusammen. Für mich war dies alles wie das Paradies.“

Das Ende kam in Cardiff, der Hauptstadt von Wales. Etwa eine Stunde vor dem Heimatort, wo bereits Freunde die Familie mit einem Fest in der alten Heimat begrüßen wollten. Es war ein völlig verregneter Tag. Der Wagen kam wie aus dem Nichts und raste frontal in das Auto der Heimkehrer. Aprils Mutter war sofort tot.

Einmal Hölle…

Der Vater wusste sich in England nicht zu helfen mit der 8-Jährigen. So kam sie nach Wien zu Verwandten und wurde in die vierte Klasse Volksschule eingeschult. „Die Lehrer bezeichneten mich als völlig verwildert“, erinnert sich April Fasching. Lernschwierigkeiten hatte sie nie. Aber mit dem Gehorsam gab es einige Probleme. „Ich hatte ja sehr frei gelebt und mir wurde nie ein Wille aufgezwängt. Für mich war das damals ein riesiger Schock“, sagt sie. Es folgte ein Schulverweis und ihr Onkel meinte, dass es wohl am besten sei, sie in einer Klosterschule unterzubringen. Dort werde sie schon Disziplin lernen.

April erfuhr dort viele Misshandlungen. Nächtelanges Beten im Waschraum, kein Toilettengang nach 20 Uhr, das erbrochene Essen musste sie nochmals hinunterwürgen. „Aber meinen Glauben an mich selbst konnten sie nicht zerstören, denn ich hatte so viel Selbstbewusstsein und Liebe durch meine Eltern in meiner Kindheit mitbekommen, dass die Klosterschwestern mich zwar misshandeln, aber niemals meinen Willen brechen konnten“, sagt sie.

Der Vater konnte nur gelegentlich aus England auf Besuch kommen. Im letzten, dritten Jahr in der Klosterschule bemerkte er Verletzungen am Kopf seiner Tochter, die ihr durch das Reißen der Klosterschwestern an den Haaren zugefügt wurden. Die Erlösung aus dem Martyrium folgte für April unmittelbar. Wenige Monate später zog sie mit ihrem Vater nach Oberwart, wo dieser die Inhaberin eines Modehauses heiratete.

…und zurück

April Fasching hat sich heute mit der Hölle, die sie damals erlebt hat, ausgesöhnt. Vor etwa zehn Jahren hat sie die Klosterschule nochmals besucht und Frieden geschlossen.

Auch mit vielen anderen Begebenheiten in ihrem Leben. Lange Zeit versuchte sie in der Esoterik Antworten auf offene Fragen zu finden. Vor allem, warum sie sich nicht mehr an ihre Mutter erinnern konnte. Der Esoterik-Szene hat sie vor drei Jahren völlig den Rücken gekehrt, denn ihre Antworten hat sie erst gefunden, als sie begann, die Bibel zu studieren. Und eines Tages passierte es wie von selbst. Die Erinnerungen an ihre Mutter kamen zurück. An ihr Gesicht, an Szenen mit ihr in England und Malaysia und an die vielen Erlebnisse mit ihrer Mutter auf der Reise quer durch die halbe Welt. April Fasching lächelt. Gerade hat sie wieder ein Bild von ihr im Kopf.

Vom Dschungelkind zum Gotteskind
Vom Paradies in die Hölle und wieder retour
April Fasching
erhältlich bei
Buchhandlung Desch-Drexler, Pinkafeld, www.desch-drexler.at
und bei Morawa

Er wurde geboren, als das Gebiet des heutigen Burgenlandes noch zu Ungarn gehörte. Mit 20 wurde er im Zweiten Weltkrieg zum Kampfflieger ausgebildet. Später war er Direktor des Gymnasiums Oberschützen. Am 19. März wird Johann Werthner 100 Jahre alt. Als Pilot wurde er als draufgängerisch bezeichnet. Als Direktor zeigte er Ecken und Kanten. Aus dem Leben eines Hundertjährigen.

Sie sind klug, selbstbewusst und Schwestern. Stehen voll im Leben, managen einen 80 Mann-Betrieb und empfehlen den Frauen mehr Mut. Dagmar Ajtic und Esther Lang aus Friedberg im Portrait.

Dagmar Ajtic und Esther Lang aus Friedberg.

 

Dass die beiden nun die international tätige Kunststofftechnik- und Werkzeugbaufirma E.L.T. in Friedberg leiten, war von ihnen weder geplant, noch wurde es vom Vater erwartet.

Mittlerweile ist das Unternehmen Teil ihres Lebens – ein Vorzeigebetrieb in Sachen Innovation, Teamgeist und Lehrlingsausbildung. Als der Vater, ein studierter Techniker, den Betrieb im Jahr 1995 gründete, war Esther gerade einmal zwei Jahre alt, Dagmar 12 Jahre alt. Beide hatten in Friedberg eine sorglose Kindheit, in Oberwart die HBLA absolviert und grundsätzlich andere Pläne. Die väterliche Firma wurde in den Ferien zur Praktikumsstelle.

Zuerst für Dagmar, dann für Esther. Dort „hängengeblieben“ sind letztlich beide. Dagmar im Qualitätsmanagement und Esther in der Buchhaltung. „Unser Vater hat uns mit der Zeit immer mehr zugetraut. Er hat uns Aufgaben gestellt, an denen wir wachsen mussten, aber auch konnten.“ Daraus entwickelte sich ein erfolgreiches Dreiergespann. Inzwischen hat sich der Vater aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, um fortan mit Rat, Erfahrung und als Opa zur Verfügung zu stehen.

Vormittags Chefin, nachmittags Mutter

Dann kann es schon vorkommen, dass er mit seinem 15er Steyr mitsamt den Enkeln im Betrieb vorbeischaut, um die Mama zu besuchen. Denn Dagmar ist vormittags Geschäftsführerin und nachmittags Mutter eines dreieinhalb- jährigen Sohnes sowie einer eineinhalb-jährigen Tochter. Wobei, so strikt lässt sich das natürlich selten trennen, und dass sie überhaupt wieder ins Büro kann, geht nur dank Kinderdienst der Eltern und der Schwiegereltern.

Bei Esther sind Kinder derzeit noch kein Thema, dafür arbeitet ihr Mann im gleichen Betrieb, was auch eine Herausforderung sein kann, wenn man Berufliches von Privatem trennen will. „Es gelingt uns nicht immer, eigentlich fast nie.“ Zum Stress wird die Firma aber für beide Schwestern trotzdem nicht: „Es ist eher ein Stress, wenn du länger nichts von der Firma hörst. Das ist ähnlich wie mit den Kindern zu Hause. Wenn es ruhig wird, dann muss man einmal nachschauen gehen, sie könnten ja was angestellt haben.“

Als Chefinnen gut angeschrieben

Was natürlich nicht vorkommt – im Gegenteil, gemeinsam mit ihrem Vater haben die beiden jungen Geschäftsführerinnen den in den letzten Jahren rasch wachsenden Betrieb behutsam, aber doch auf neue Beine gestellt, sprich ins digitale Zeitalter geführt und so fit für die Zukunft gemacht.

Was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Dagmar und Esther schätzen? Durchhaltevermögen, dass man sich auf sie verlassen kann und dass die beiden keinen Anspruch auf Allwissenheit stellen. „Wir kennen unsere Grenzen und schätzen die Expertise unseres Teams“, so Dagmar.

Typisch für einen weiblichen Führungsstil? Nicht unbedingt. „Unser Vater hat uns das im Betrieb mit auf den Weg gegeben“, so Esther, um dann doch eine typisch weibliche Eigenschaft hervorzuheben, welche die beiden allein schon wegen der sich rasch ändernden Rahmenbedingungen einbringen: „Wir sind strukturierter und schaffen so den kreativen Spielraum, den z.B. unsere Techniker brauchen.“

Keine Sensibelchen

Als Führungskräfte sind Dagmar und Esther voll akzeptiert – beim Team und auch bei Kunden und Lieferanten. Wiewohl schon der eine oder andere männliche Geschäftspartner die Kompetenzen der beiden Neo-Chefinnen testen wollte, was diese wiederum sportlich nehmen. Und überhaupt – als Sensibelchen kommt man in der Privatwirtschaft ohnehin nicht weit. Anderen Frauen raten sie, mutig zu dem zu stehen, was man kann, Rückschläge zu akzeptieren und Herausforderungen nicht zu scheuen. Wie man an den beiden sieht, ist da was dran.

Die bessere Lösung als stete Herausforderung von E.L.T.

Der oststeirische Spezialist für Kunststofftechnik und Werkzeugbau ist auf Erfolgskurs – und auf der Suche nach Lehrlingen und Facharbeitern.

Die Produkte des in Friedberg ansässigen Unternehmens findet man in Premiumautos deutscher Hersteller genauso wie in elektrischen Schaltschränken oder medizintechnischen Geräten in Krankenhäusern. Und wenn ein Kunde eine individuelle Lösung sucht, die eine komplizierte Form erfordert, dann kommen die Spezialisten von E.L.T. erst recht in Fahrt, denn die Bewältigung kniffliger Aufgaben sehen sie als stete Herausforderung. Zu dieser gehört auch die Auftragsforschung für so renommierte Einrichtungen wie die Montan-Uni Leoben, FH Joanneum, Kepler Uni Linz oder das Fraunhofer Institut in Deutschland.

1995 von Dr. Friedrich Zitz gegründet hat sich E.L.T. auf die Herstellung von Kunststoffspritzgussformen sowie auf die Fertigung von technischen Kunststoffprodukten spezialisiert und zu einem innovativen und höchst erfolgreichen Nischenplayer gemausert. Namhafte Kunden in Österreich, in anderen Ländern Europas, aber auch in den USA und China, schätzen die hohe Fertigungsqualität von E.L.T. So ist das Unternehmen auch innerhalb kurzer Zeit sehr schnell gewachsen – von 30 MitarbeiterInnen im Jahr 2015 auf derzeit 80 MitarbeiterInnen an den beiden Betriebsstandorten in Friedberg und Sebersdorf. Um den eigenen hohen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, legt man seit jeher großen Wert darauf, Lehrlinge und Fachkräfte im Betrieb selbst auszubilden.

Das schlechte Image, das dem Kunststoff als Material in Zeiten wie diesen anhaftet, erschwert zusehends die Suche nach Lehrlingen und Fachkräften aus der Region. Dabei produziert E.L.T. weder Plastiksackerl noch billige Wegwerfware, sondern Spezialteile, in denen viel Know How steckt und die Menschen das Leben erleichtern sollen – erst recht wenn man an den Bereich Medizintechnik denkt. Diesen möchte man bei E.L.T. in Zukunft noch stärker in den Fokus nehmen, weshalb auch die Etablierung eines Produktionsstandortes in Übersee geplant ist. Dafür und um für die steigende Nachfrage aus Europa gerüstet zu sein, sucht man bei E.L.T. Verstärkung auf allen Ebenen – vom Lehrling über einen Betriebstechniker, bis hin zur Führungskraft.

Bei E.L.T weiß man sehr genau, dass man den MitarbeiterInnen auch das nötige professionelle Umfeld bieten muss. So legt man im Team großen Wert auf ein kollegiales Miteinander und auf eine Atmosphäre, in der man tüfteln, aber auch präzise arbeiten kann. Komplizierten Aufgabenstellungen begegnet man mit Neugierde und Entdeckergeist. Der Maschinenpark wird laufend modernisiert, und mit der Stadtgemeinde Friedberg ist man in engem Kontakt, um MitarbeiterInnen mit Kindern eine optimale Betreuungslösung anbieten zu können.

Hinter all dem steht eine umsichtige Unternehmensführung, allen voran Firmengründer Dr. Friedrich Zitz und seine beiden Töchter Mag. Dagmar Ajtic und Esther Lang. Mit deren Einbindung in die Geschäftsführung wurde die strategische Übergabe an die nächste Generation eingeleitet.

Portrait

Der Ton-Meister

Ton und Keramik prägen das Leben des Oberwarter Künstlers Kurt Pieber. Und die Neugier. Und so setzt er in seinem Oeuvre auf die Suche nach neuen Techniken und schafft so Einzigartiges. Dabei hat sein Kunstschaffen schon als Sechsjähriger eher zufällig beim Hüten von Kühen begonnen.

Kurt Pieber – Kunstschaffender aus Oberwart – ist bekannt durch seine Tonskulpturen und gehört zu den bedeutendsten burgenländischen Künstlern.

 

Er ist einer der eher stilleren Zeitgenossen; der heute 65-jährige Oberwarter Künstler Kurt Pieber. Dafür ein ganz feinsinniger Mensch, dem das Kreative in die Wiege gelegt zu sein scheint. Er ist gelernter Keramiker, Ofenbauer, Siebdrucker, Fotograf und Klavierspieler. Letzteres hat er sich in den letzten Jahren erst angeeignet. Und immer wieder bereit, künstlerisch neue Wege zu gehen. So hat er eine ganz eigene Technik entwickelt, um Fotografie im wahrsten Sinn des Wortes mit Keramik zu verschmelzen.

In seinem Vierkanthof in der Oberwarter Grazerstraße lebt das Multitalent. Heute ist das Anwesen ein wahres Kleinod, dem man von außen nicht ansieht, wie Kurt Pieber das Anwesen in den letzten Jahrzehnten mühevoll renoviert hat. Gleich neben dem Gebäude entsteht auf einer großen Grünfläche sein Skulpturenpark. „Ein Teil davon ist Landart, Gegenstände aus natürlichem Material, wie Holz, das nach einer bestimmten Zeit wieder zerfällt“, erzählt Pieber stolz. Lebensgroße Skulpturen finden hier aber genauso Platz wie der urburgenländische Kuchlgarten.

Der Weg

Geboren ist Kurt Pieber in Güssing, aufgewachsen in Rohr und Bocksdorf. Damals machte sich schon sein Hang zum Gestalterischen bemerkbar. Und zwar beim Kühe hüten. Gemeinsam mit anderen Kindern trieb am Morgen der Sechsjährige die Kühe des Nachbarn auf die Weide. Neben einem Bach. Ein Lagerfeuer war rasch gemacht, Krumbirn‘ wurden in der Glut gebraten, der kleine Kurt experimentierte mit dem Lehm des Baches und fing an, Figuren zu schaffen.

Durch die Hitze des Feuers wurden sie fest. Stolz zeigte der Bub sie seinen Eltern. Die behielten das im Hinterkopf, und als es um die Berufswahl ging, ermutigten sie ihren Sohn, die Fachschule für Keramik und Ofenbau in Stoob zu besuchen. Ton und Lehm begleiteten ihn fortan. Stoob schloss er als gelernter Keramiker, Ofenbauer und Fliesenleger ab.

Danach folgten berufliche Wanderjahre, die ihn u.a. zu einem Hafnermeister nach Wien führten, wo er lernte, historische Kachelöfen nicht nur zu restaurieren, sondern sie auch selbst zu bauen.

Nach Jahren der Selbstständigkeit absolvierte er die Berufspädagogische Akademie in Wien und begann 1982 in seiner Ausbildungsschule in Stoob zu unterrichten. Ofenbau, das Modellieren von Reliefs und Objekten standen dabei am Stundenplan ebenso wie der Siebdruck.

Weiterentwicklung

Von Beginn an reizte es Pieber, ob es nicht gelingen könnte, den Siebdruck – dabei wird Druckfarbe durch ein feinmaschiges Gewebe auf die zu bedruckende Oberfläche übertragen – mit der Fotografie zu verbinden und auf Keramik zu übertragen. Schließlich gelang ihm das auch.

Zuvor setzte er sich jedoch auch noch intensiv mit dem Thema Fotografie auseinander und besuchte sechs Semester lang die Fotoakademie in Graz und schloss sie mit dem Meisterkurs ab. Das Ergebnis sind großflächige Werke, teils mit Mehrfachbelichtung und starken Farben. „Ich habe das eine nicht gegen das andere getauscht, ich arbeite in allen Bereichen weiter“, erzählt der Künstler schmunzelnd. Dabei reicht der Bogen von kleinen bis lebensgroßen Keramiken, farbenprächtigen Siebdrucken mit Fotoobjekten bis zur kreativen Landart.

Zur Entspannung setzt sich der Kreative dann entweder ans Klavier oder auf den Hometrainer. Oder beides – nacheinander natürlich. Das Kunstschaffen begleitet ihn schon sein ganzes Leben lang. Die Liste seiner Ausstellungen ist lang. Schauen in Deutschland und Belgien stehen ebenso zu Buche wie zahlreiche Ausstellungen in Österreich.

Sein nächstes Projekt ist eine Fotoreise nach Schottland. Gemeinsam mit Gleichgesinnten wird er versuchen, die wunderschöne Landschaft auf Film/Chip zu bannen. Zu sehen soll es das Ergebnis des künstlerischen Trips 2020 in einer Ausstellung geben. Bis zum Abflug nach Schottland wartet noch eine Menge Arbeit auf den Künstler. Für den heurigen Tag der Offenen Ateliertüre (23. und 24. Mai) ist noch einiges an Vorbereitungen zu erledigen. „Aber ich freu mich schon jetzt auf viele Besucher“, lädt der Künstler herzlich ein.

Zum Schmökern: immer wieder taucht ein cowboy auf

Künstler haben in der Gesellschaft eine Aufgabe und diese nehmen sie wahr – sei es bewusst oder unbewusst, leise oder polternd. Genaues Hinschauen und Aufzeigen. Entgegentreten. Den Spiegel vorhalten. Das Salz in der Demokratie sein. Besonders in einer Zeit, in der der Klimawandel geleugnet wird, der Begriff Gutmensch zum Schimpfwort geworden ist und täglich Scheußlichkeiten und Rülpser durch soziale Medien fluten. In seinem Buch Und immer wieder taucht ein Cowboy auf bezieht Rudolf Hochwarter Position. Er greift öffentliche Statements oder politische Begriffe und Aussagen auf und stellt sie eigenen Texten gegenüber. Mit bildnerischen Mitteln nehmen die Künstler Wolfgang Horwath, Erich Novoszel und Kurt Pieber Stellung.

www.kurt-pieber.at

Ausgestattet mit Mitra, Bischofsstab, einem prächtigen roten Umhang und seinem Markenzeichen – den goldenen Schuhen – besucht der 81-jährige Adi Mathä als Nikolaus Familien, Schulen sowie Kindergärten, und das schon seit 46 Jahren.

Mehr als 100 Haushalte in der Pfarre Pinkafeld, dazu Kindergärten und Schulen, besucht Adi Mathä mit seinem Nikolaus-Team. Immer mit dabei: Die goldenen Schuhe, Bischofsstab und Mitra sowie ein Buch, aus dem der Nikolaus vorliest.

 

Adolf Mathä sitzt am Esszimmertisch in seinem Haus in Pinkafeld und schwelgt in Erinnerungen. Er blättert in einem Album – voll mit Bildern, die einen Mann mit weißem Rauschebart zeigen. Und zu jedem Foto weiß Herr Mathä eine Geschichte. Der HTL-Lehrer in Rente ist Nikolaus mit Leib und Seele, seit 46 Jahren. Bei seinen Hausbesuchen begrüßt er in manchen Familien schon die zweite Generation. Und darauf ist er stolz.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Den Grundstein seiner Nikolaus-Karriere legte Herr Mathä im Jahr 1973 im SOS-Kinderdorf in Pinkafeld, gefolgt von einzelnen Hausbesuchen bei Familien im Freundes- und Kollegenkreis, um sodann die Organisation der Nikolaus-Hausbesuche in der Pfarre Pinkafeld zu übernehmen und neu aufzustellen. Seine Telefonnummer ist im Pfarrbüro hinterlegt, und Haushalte, die einen Nikolaus-Besuch wünschen, können diesen gleich direkt beim Nikolaus, genauer gesagt bei Herrn Mathä bestellen. Gutes tun, auf Menschen zugehen und Kindern eine Freude machen, ist das, was ihn antreibt, ganz nach dem Vorbild des Heiligen Nikolaus von Myra.

„Ich weiß, dass die katholische Kirche und ihr Bodenpersonal oft und oft zu Recht in der Kritik stehen. Das beschäftigt mich, deshalb möchte ich mit gutem Beispiel voran- und auf andere Menschen aktiv zugehen, in der Hoffnung, dass sie diesem Beispiel folgen.“

Ein Team aus neun Nikoläusen

Und in der Tat: In den mehr als vier Jahrzehnten seiner Nikolaus-Mission sind schon viele Männer Herrn Mathäs Ruf gefolgt und seinem Nikolaus-Team beigetreten. Das aktuelle Team im Pfarrverband Pinkafeld besteht aus neun Nikoläusen. Darunter findet sich ein FH-Absolvent genauso wie ein Arbeiter, ein Architekt sowie ein Verkäufer, ein pensionierter Versicherungskaufmann und ein aktiver Volksschuldirektor.

„Bei meiner Auswahl bekomm’ ich immer einen Wink von oben“, so Herr Mathä, der dabei recht unkonventionell vorgeht. „In einem Möbelhaus in Unterwart hab ich einen Polizisten angesprochen, den ich vom Sehen her kannte. Er ist mit einer Vorhangstange gegangen, und ich hab ihn dabei beobachtet und sogleich angesprochen, dass er einen guten Nikolaus abgeben würde. Ich hab ihm erklärt, was wir machen und ihn gefragt, ob er nicht in mein Team eintreten wolle. Er war dann fünf Jahre lang mit dabei.“

Hausbesuche statt Massenabfertigung

Nun ist es wieder so weit. Der 6. Dezember, der Nikolaustag, steht vor der Tür. Adi Mathä und sein Nikolausteam werden in diesem Jahr an die hundert Haushalte in der Pfarre Pinkafeld besuchen. Die neun Nikoläuse nehmen sich für diese Hausbesuche auch viel Zeit. Zeit für Persönliches, zum Geschichten vorlesen, für ein kurzes Gebet. Dafür gibts natürlich auch ein Geschenk.

„Ich bring dem Kind etwas, und ich freu mich, wenn auch das Kind mir etwas gibt in Form von einem Musikstück, von einem kurzen gemeinsamen Gebet, einem kleinen Gedicht. Das Bitte, das Danke. Das hat einen ganz anderen Stellenwert als ein Massenauflauf, bei dem ein Kind nach dem anderen ein Sackerl in die Hand gedrückt bekommt.“

Ein Hausbesuch wird Herrn Mathä besonders in Erinnerung bleiben – der Besuch des Pinkafelder Nikolaus-Teams bei Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics in Eisenstadt. „Eine große Ehre“, so Herr Mathä. Überhaupt empfindet er sein Engagement als Nikolaus als Gnade. Wer weiß, wie lange noch? Adi Mathä kommt beim Blättern im Fotoalbum ins Sinnieren. „Noch vier Jahre, dann wären es insgesamt fünfzig, das wäre schön. Ich hoffe, der liebe Gott hilft mir ein bisschen.“

„Wir fühlen uns alleine gelassen“

„Wir fühlen uns alleine gelassen“

Gesundheitlich trifft es zuallererst die Alten, wirtschaftlich die Unternehmer. 38 Milliarden Euro hat die Regierung als Unterstützung in Form eines Hilfspakets versprochen, das Land Burgenland und die Steiermark haben auch eigene Fonds eingerichtet. Von Sofortmaßnahmen, Überbrückungsfinanzierung, Kurzarbeit, Steuerstundungen, Härtefallfonds und dem Corona-Hilfsfonds ist die Rede. Klein- und Kleinstunternehmen der unterschiedlichsten Branchen leiden dennoch massiv seit dem „Shutdown“. Die wirtschaftlichen Sorgen treffen aber auch mittelgroße Unternehmer, die aufgrund ihrer Größe nicht von den ersten Maßnahmen profitieren durften.
4. Mai 2020 / Podcast am Seitenende

Ausgangssperre, Lockdown, Homeoffice – bedingt durch das Coronavirus ist unsere Verbindung zur Außenwelt auf das Internet beschränkt worden. Wie wichtig eine gut funktionierende Infrastruktur ist, ist vielen erst in den letzten Wochen bewusst geworden. Man stelle sich vor, man ist wochenlang daheim, auf sich und maximal seine engste Familie reduziert – und das Internet funktioniert nicht oder nur langsam. Schnell wird der Ruf nach Breitband-Internet laut oder 5G-Technologie, die das zu verhindern verspricht. Aber was genau verbirgt sich hinter diesen Begrifflichkeiten, die jeder verwendet, aber nur ein Fachmann wirklich versteht?

Der Schriftsteller, Regisseur und Musiker Peter Wagner ist im Fieber – nicht im Grippe- oder Coronafieber, sondern in einem Schaffensfieber. Mit seinem virtuellen Tagebuch „Aus der Einzelhaft“ hat er das Interesse renommierter Online-Kulturplattformen im In- und Ausland geweckt. Für ihn geht es – nicht nur in Zeiten von Corona – darum, im Spiel(en) zu bleiben.

Anika Bruckner aus Riedlingsdorf ist Lachyoga-Lehrerin. Im Zuge ihrer Weltreise hat sie in Indien diese Kunst des bedingungslosen Lachens gelernt. Ihr Wissen gibt sie heute in Workshops weiter. Unsere Welt hat sich durch die Corona-Krise verändert, aber gerade in dieser Zeit ist es wichtig, dass wir auf das Lachen nicht vergessen und es vielleicht auch als Hilfe zur Überwindung schwieriger Situationen nutzen. Im prima! Interview erklärt Anika Bruckner, worauf es beim Lachyoga ankommt und warum Lachen so wichtig ist. Und für unsere Podcast-Hörer hat sie auch noch zwei ganz spezielle Übungen. Hören Sie auch da rein. Wir haben es natürlich auch selbst ausprobiert.

Österreich, Dienstag, 17. März 2020. Manche Schüler jammern, weil sie noch einmal in die Schule müssen, ehe diese wegen des Lockdowns geschlossen ist. Andere sitzen bereits daheim. Menschen haben Angst, wissen nicht, wie es weitergeht. Am gleichen Tag in Los Angeles steigt ein junger Österreicher in den Flieger, der ihn zurück ins Burgenland bringen soll. Er war weit weg von zu Hause. Aber nicht, um in Amerika Urlaub zu machen. Der 19-jährige Jonathan Dorner hat am „Los Angeles Museum of the Holocaust“ seinen Zivilersatzdienst in Form eines Gedenkdienstes geleistet. Nun ist auch er wieder zu Hause in Wiesfleck und kann von seinen Erfahrungen berichten.

Reportage

Kennen Sie Frieda?

„Kauf regional“ ist derzeit das große Schlagwort. Wenn wir etwas aus Corona gelernt haben, dann ist es die Notwendigkeit, unsere Achtsamkeit mit der Natur zu überdenken. Dazu gehört auch, dass wir bei unseren Lebensmitteln lange Transportwege vermeiden. Wer Produkte aus der Region kauft, achtet nicht nur auf unsere Umwelt, sondern stärkt auch die heimische Wirtschaft und sichert Arbeitsplätze. Die Entscheidung darüber trifft jeder von uns beim Einkaufen. Wie etwa in der Obst- und Gemüseabteilung im Supermarkt. Da liegt die „Fruchtige Frieda“-Tomate aus Blumau neben der Tomate aus Holland. Die Qual der Wahl? Nicht wirklich, oder?

Riedlingsdorf kennt man – wegen seiner Geselligkeit und weil die Leute irgendwie ein bisserl mehr zusammenrücken. Industrie gibt es hier keine. Dafür aber viel Ruhe und kleine, feine Traditionsbetriebe, die für das Dorfleben besonders wichtig sind.

Es begann mit einem Dorffest im Jahr 1995. 25 Jahre später freut man sich in der Gemeinde Riedlingsdorf auf das bereits 14. Zwieflerfest. Ein Ereignis, das vor allem die Frauen des Ortes hochleben lassen und bereits monatelang mit der Planung und Arbeit beginnen, bevor es heuer am 20. September über die Bühne geht. „Im April wird die Zwiebel angebaut, im Juli geerntet und getrocknet, sodass sie im August dann geflochten wird und für unser Fest auf das Zwieflhaus gehängt wird“, erklärt Bürgermeister Wilfried Bruckner.

Und wie das Flechten geht, das wird von den älteren Damen an die jüngeren überliefert. Nachwuchsprobleme gibt es keine, denn beim Fest wird der Zusammenhalt groß geschrieben. Und weil die Riedlingsdorferinnen ja gesellig sind, ist auch die Arbeit immer eine rechte Gaudi, wo viel gelacht wird, und zur Belohnung gönnt man sich dann noch eine gute Jause.

Natur – Ruhe – Glück

Riedlingsdorf positioniert sich klar als Wohngemeinde – mit viel Ruhe. Und für den Wohnbau hat man bereits seit über 32 Jahren die OSG als verlässlichen Partner. Gerade erst wurden in der Wiesengasse acht Wohnungen und sechs Reihenhausanlagen fertiggestellt.

Kein Wunder also, dass die Bevölkerungszahl in der Gemeinde stetig wächst und auf knapp 1.800 Einwohner gestiegen ist. Ab September soll es eine Kinderkrippe geben, und die dreiklassige Volksschule bietet auch eine Nachmittagsbetreuung an, die wohl aufgrund der großen Nachfrage bald erweitert werden muss.

Für Bürgermeister Wilfried Bruckner und die Gemeinderäte gibt es einiges zu tun. Heuer wird der Spatenstich für den neuen Bauhof gesetzt, der mit der OSG bis Ende Juni 2021 verwirklicht werden soll. „Unser alter Bauhof entspricht nicht den heutigen Vorschriften. Wir haben hier große sicherheitstechnische Probleme, und von Seiten der Arbeitsmedizin wurde bereits mit der Schließung gedroht“, erzählt der Bürgermeister. Der neue Bauhof soll neben dem Abfallsammelzentrum errichtet werden.

Gewappnet für ein Blackout

Noch in diesem Jahr wird auf dem Dach der Gemeinde und der Volksschule eine Photovoltaikanlage errichtet. „Das Besondere daran ist, dass diese mit einem Salzwasserspeicher verbunden ist, wodurch wir im Notfall den Vollbetrieb für 48 Stunden aufrecht erhalten können“, so Bruckner. Dies wird gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr verwirklicht. Die Einwohner können über ein Bürgerbeteiligungsmodell mitmachen.

Gemeinde Riedlingsdorf

Natur – Ruhe – Glück!

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Riedlingsdorf ist die Gemeinde mit dem besonderen Wohnflair. Der Wohnbau wird ebenso forciert wie eine gute Kinderbetreuung. Innovative Betriebe sorgen für eine attraktive Infrastruktur.

Gemeinde Riedlingsdorf, Obere Hauptstr. 1,
03357/424 10, post@riedlingsdorf.bgld.gv.at

Kosmetik – Fußpflege Chrisi

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Körper pflegen, die Seele streicheln, sich selbst „Gutes tun“ und einfach verwöhnen lassen! Gesichtsbehandlungen für SIE und IHN (Reinigungs- und Verwöhnbehandlung, Fruchtsäure-Behandlung, Wimpern & Brauen, Harzen), Fußpflege, Maniküre. Geschenkgutscheine sind in beliebiger Höhe erhältlich!

Christiane Hornung
7422 Riedlingsdorf
Ziegelgasse 6
0664/237 92 51

Blumenstube Isolde Strobl

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Isolde Strobl ist Inhaberin der Blumenstube in Riedlingsdorf und führt bereits in dritter Generation das Bestattungsunternehmen Strobl.

Naturblumen für jeden Anlass finden Sie in der Blumenstube in Riedlingsdorf. Hier gibt es für jeden Anlass passende, stilvoll arrangierte Gestecke sowie Kränze und Grabschmuck, Topfblumen und auch diverse Geschenksartikel. Der Familienbetrieb bietet auch ein Auslieferservice an.

Neben ihrer Blumenstube führt Isolde Strobl auch das Bestattungsunternehmen „Strobl Bestattung“, das bereits in dritter Generation besteht. Dafür ist Isolde Strobl rund um die Uhr erreichbar und bietet umfassende Beratung und Unterstützung an (Überführungen und Krematorien).

Blumenstube Isolde Strobl
7422 Riedlingsdorf | Untere Hauptstraße 39
0664/487 25 77 | isolde.strobl@gmx.at

Erlebnistankstelle – Café – Catering Helga HOFER

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Seit 32 Jahren ist die Tankstelle in Riedlingsdorf im Besitz der Familie Hofer, und dass es sich hier um einen herzlich geführten Familienbetrieb handelt – das spürt man! Die gemütliche Atmosphäre ist Inhaberin Helga Hofer besonders wichtig. Ihren Gästen, aber auch dem gesamten Team zuliebe. Jung und Alt sollen hier gerne zusammenkommen und nach dem Tanken auch das Café, das zur Tankstelle gehört, auf einen kleinen Plausch besuchen. Somit ist das Team auch sehr stolz, dass es langjährige, treue Stammgäste begrüßen und verwöhnen kann. Dafür bietet das Café kleine Snacks und ein feines Sortiment an Getränken und für den Kaffeegenuss. Vor Kurzem wurden die Zapfsäulen erneuert, und auch die SB-Waschanlage erstrahlt in neuem Glanz.

Geöffnet MO – FR von 6 – 22 Uhr,
SO und SA von 7 – 22 Uhr

Erlebnistankstelle – Cafe – Catering
Helga Hofer | 7422 Riedlingsdorf
03357/424 35 | helga.hofer.2510@gmx.at

Mobiles Haarservice Sandra

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Bequem bei Ihnen daheim oder im Salon von Sandra Stelzer in Riedlingsdorf – Ihre Frisur aus Meisterhand ist garantiert: Haarschnitt, Farbe, Dauerwelle, Ball- und Brautfrisur bis hin zu Haarverlängerung, Haarverdichtung (Greath Lenght‘s – Echthaar). Sandra Stelzer vertraut dabei auf Qualitätsprodukte von Wella, Schwarzkopf und Loreal. Tipp: Kosmetikprodukte der Firma Jafra.

Mobiles Haarservice Sandra Stelzer
7422 Riedlingsdorf | Kalvarienberggasse 5
Termine nach Vereinbarung: 0664/18 14 14 4

Events in Riedlingsdorf:

Am 20. September findet das Zwieflerfest statt. Dabei gibt es wieder 5.000 Euro in bar zu gewinnen! Außerdem soll heuer erstmals das Pinkainselfest stattfinden.

Info:

Die knapp 1.800 Seelen-Gemeinde verfügt auch über einen Kultursaal, der oft und gerne genützt wird. Dieser befindet sich direkt neben dem Gemeindeamt.

Kinderbetreuung:

Kinderbetreuung wird in der Wohngemeinde Riedlingsdorf groß geschrieben. Heuer soll es auch eine Kinderkrippe geben, und auch die Nachmittagbetreuung wird ausgebaut.

Kaindorf ist mit drei Katastralgemeinden (Dienersdorf, Hofkirchen und Kopfing) und knapp über 3.000 Einwohnern kein Dorf. Rund 100 Landwirte und vielfältige Unternehmen, ein reges Vereinsleben mit vielen Veranstaltungen wie Theateraufführungen, 24-Stunden-Ultra-Rad-Challenge oder auch Meisterschaften im Stockschießen prägen die Marktgemeinde.

Kaindorf hat alles an Wirtschaft und Infrastruktur, was man zum Leben braucht (siehe Kasten rechte Seite). Damit der moderne Mensch darüber hinaus mit der Welt verbunden sein kann und um die ständig wachsende Menge an Datenvolumen zu bewerkstelligen, hat die Gemeinde bereits 2015 erste Pläne zum Breitbandausbau vorgelegt. Hier merkt man, dass es den Kaindorfern um die Sache geht. Vertreter aller Fraktionen haben zusammengearbeitet, um dieses Projekt zu verwirklichen.

2019 fiel der Startschuss, und so konnte Hofkirchen in Teilen schon angeschlossen werden. So sehr Bürgermeister Thomas Teubl (VP) die Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinde wie auch mit den ausführenden Feistritzwerken lobt, so bleibt ein Wermutstropfen: Es fehlt eine landes- oder sogar bundesweite einheitliche Lösung zur Förderung und Finanzierung solch engagierter Projekte, die jedoch unbestritten notwendig sind, um als Standort modernen Anforderungen weiterhin gerecht zu werden. Schließlich ist auch der zukunftsträchtige Mobilfunk 5G auf Glasfaserinfrastruktur angewiesen. Statt dass sich die Gemeinden hier gegenseitig unterstützen, so Thomas Teubl weiter, werde zudem ein ungesunder Wettkampf angekurbelt, der nur Unsicherheiten seitens der Bürger schaffe. Bis Ende 2022 soll Kaindorf im Gesamten über ein schnelles Internet verfügen.

Das Dorf des Konrad von Safen

Der Name Kaindorf leitet sich übrigens vom Gründernamen Konrad ab, erstmals belegt wurde es 1255 als Chundorf, also das Dorf des Chuni bzw. Konrad. Dies bezieht sich auf den steirischen Ministerialen (eine Art adliger Beamter) Konrad von Safen, der Kaindorf 1128 gründete. Im Laufe seiner Geschichte wurde Kaindorf mehrfach heimgesucht: 1418 von den Ungarn, 1532 von den Türken, 1605 durch die Haiducken, und schließlich wurde es 1704 von den Kuruzzen angezündet. Nachlesen kann man dies auf dem Sagenweg, einem der vielen Wanderwege, die sich rund um Kaindorf in das malerische Umland erstrecken. Dort trifft man auch auf das Flüsschen Pöllauer Safen/Saifen, das durch die Katastralgemeinde Hofkirchen fließt und mit seinen Auen manch Erholungssuchenden anzieht. Durch die Farbe Blau ist es prominent im Gemeindewappen vertreten. Ein Kleinod ist die gotische Kirche St. Stefan mit ihrem barocken Sakristeianbau. Wer Räder bevorzugt, hat von Kaindorf aus die Möglichkeit, sich auf einer der vier Radtouren unterschiedlicher Länge auszupowern.

Ökoregion und Umweltschutzmaßnahmen

Über seine Grenzen hinaus ist Kaindorf als Ökoregion mit Vorreiterrolle bekannt geworden. Ziel des vereinsrechtlichen Zusammenschlusses der Gemeinden Kaindorf, Hartl und Ebersdorf bei der Gründung 2007 war es, aufzuzeigen, dass „sich Wirtschaftlichkeit mit den ökologischen und sozialen Aspekten der Nachhaltigkeit erfolgreich verbinden lässt“. Dazu wurden bis heute rund 300 Einzelprojekte umgesetzt, darunter der Aufbau eines Biomasse-Heizwerkes. Dies trug dazu bei, dass die gesamte Region auf Ökostrom umgestellt werden konnte. Inzwischen EU-weit gefordert, kam Kaindorf bereits 2011 die Vorreiterrolle als erste plastikfreie Region Österreichs zu.

Ein weiteres Vorzeigeprojekt ist das Humusaufbauprogramm mit den jährlichen Humustagen. Lange fand Landwirtschaft humuszehrend statt. Die Ökoregion hingegen bietet Kurse an, in denen eine veränderte Bewirtschaftungsweise von Ackerflächen aufgezeigt wird, wodurch im Boden Humus aufgebaut und langfristig stabilisiert werden kann. Humus ist auch durch seine CO2-bindende Wirkung für die Umwelt wichtig. Erwähnenswert ist die Zusammenarbeit mit „Natur im Garten“ für biologisch sinnvolle Gartengestaltung ohne Pestizide oder chemisch-synthetische Düngemittel. Darüber hinaus ist Kaindorf mit der Ökoregion sowohl eine Fairtrade- als auch eine KEM, Klima-Energie-Modellregion und auch eine Klar!-Klimawandel-Anpassungs-Region.

Die Marktgemeinde Kaindorf selbst plant, im Zuge des sich verändernden Klimas Schutzmaßnahmen gegen lange Trockenperioden einerseits und durch intensive Starkregenphasen verursachte Überschwemmungen andererseits zu ergreifen. Es sollen neue Auffangteiche für Regenwasser entstehen, die als Speicher- und Bewässerungsanlagen dienen können. Durch entsprechende Uferbepflanzungen sollen sie Platz für Biodiversität schaffen und als Biotope fungieren. Durch ihre Anlage an natürlichen Wassersammelplätzen und durch einen stufenartigen Aufbau sollen sie zugleich Schutz vor Erosion und Überschwemmung bieten. Damit wirken sie auf natürliche Weise den Agrarwüsten der heutigen Landwirtschaft entgegen. Dass sie dabei das Mikroklima beeinflussen und zudem schön anzusehen sind sowie erholsam wirken, versteht sich von selbst.

Aufruf zur Solidarität in der Corona-Krise

Dass ihm der Zusammenhalt besonders wichtig ist, zeigt Thomas Teubl auch mit seinem offenen Brief zum Corona-Virus an die Kaindorfer Bürgerinnen und Bürger, den er auf der Internet-Gemeindeseite und in den sozialen Medien veröffentlicht hat. Neben sachlichen Informationen ruft er vor allem zur Solidarität auf: „In einer solchen Situation ist unser Zusammenhalt stärker gefordert. […] Mit unseren gemeinsamen Kräften und unserer Solidarität sollte es uns gelingen. Damit sind wir auch für zukünftige Krisen stärker gerüstet.“ Das gilt sicher nicht nur für Kaindorf!

Gewerbe und Infrastruktur in Kaindorf

In Kaindorf gibt es 203 Unternehmen mit 600 Beschäftigten: von traditionsreichen Betrieben wie Müllner-Holz oder Zach Gebäudetechnik über viele Gewerbe mit jahrelanger Erfahrung wie das Architekturbüro Plankreis, Fenster Kern oder Elektrotechnik Mayer bis hin zu innovativen Unternehmen wie Putz Parkett oder KFZ Grabner.

Natürlich sind auch der Handel, zwei Allgemeinmediziner, ein Zahnarzt, eine Apotheke sowie Gastronomie und Beherbergungsbetriebe wie z. B. das Ballonhotel Thaller in Hofkirchen vertreten. Die zweigruppige Krippe, der viergruppige Kindergarten, die ganztagsbetreute Volksschule, das betreute Wohnen, drei Pflegeheime, mehrere Spielplätze und das sanierte Freibad mit Beachvolleyballplätzen runden das Angebot ab.

„Wenn sich in der Tierhaltung etwas verändern soll, muss uns die Landwirtschaft etwas wert sein“

„Wenn sich in der Tierhaltung etwas verändern soll, muss uns die Landwirtschaft etwas wert sein“

Das Tierschutzvolksbegehren geht in die finale Phase. Noch bis Ende Juni kann man es auf den Gemeindeämtern oder mittels Handysignatur unterschreiben. Im Herbst wird es dann im Zuge der Eintragungswoche eine letzte Möglichkeit geben, seine Stimme für mehr Tierschutz in Österreich abzugeben. Initiator Sebastian Bohrn Mena hat dieses Volksbegehren vor einem Jahr ins Leben gerufen. Es geht dabei um eine tierleidfreie Haltung und die Abschaffung der Tiertransporte, um die Förderung der Bio-Bauern und auch um eine genaue Kennzeichnung der Herkunft unserer Lebensmittel. prima! hat den Wirtschaftsökonom und Tierschützer zum Interview getroffen – aufgrund des Coronavirus natürlich per Videochat.
Nicole MÜHL / 4. Mai 2020 / Podcast am Seitenende

Das Coronavirus hat massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Stephan Schulmeister zählt zu den renommiertesten Ökonomen Österreichs. Im Gespräch mit prima! Herausgeberin Nicole Mühl zeichnet er die Folgen des wirtschaftlichen Stillstands auf, aber auch, welchen Weg es aus der Krise gäbe.

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt als „Drehscheibe“ der Eurobonds.

 

Als einer der bedeutendsten Wirtschaftsforscher Österreichs weisen Sie auf die massiven Auswirkungen von Corona auf das Wirtschaftssystem hin. Die Aktienfonds befinden sich derzeit im Sturzflug und damit verbunden auch die Pensionsfonds. Besteht die Gefahr, dass wir später in Pension gehen müssen oder dass Pensionen gekürzt werden?

Stephan Schulmeister: In Österreich besteht diese Gefahr nicht, weil der Anteil der kapitalgedeckten Altersvorsorge, also Betriebspensionen oder persönliche Pensionsfonds, relativ gering ist. Ganz anders ist die Lage in Ländern wie Holland oder England oder den USA.

Aber dennoch haben im ersten Quartal dieses Jahres die österreichischen Pensionsfonds im Durchschnitt zehn Prozent verloren. Das ist schon spürbar.

Aktien, Immobilien und Rohstoffe werden entwertet. Die Folgen für die Realwirtschaft sind katastrophal. Sie reden gar von einem Bankencrash. Auch hier wieder ganz plakativ gefragt: Wie sicher ist das Geld auf den Banken?

Stephan Schulmeister: Wenn jemand weniger als 100.000 Euro auf einem Sparbuch oder Konto hat, besteht einmal überhaupt keine Gefahr. Aber auch für die Beträge darüber halte ich die Gefahr für sehr gering, weil die Europäische Zentralbank einen Bankencrash verhindern wird.

Über einen niedrigen Rohölpreis freuen sich derzeit viele. Warum ist das aber alles andere als ein Grund zum Jubeln?

Stephan Schulmeister: Langfristig ist das sogar eine katastrophale Entwicklung.Der Rückgang der Erdölpreise könnte langfristig zu einer größeren Katastrophe führen als das Coronavirus. Wenn Erdöl längerfristig billig bleibt, dann fehlt es an Anreizen, das Verbrennen von Erdöl, aber auch von Kohle und Erdgas schrittweise zu reduzieren. Das würde bedeuten, dass alle Ziele der Klimapolitik verfehlt würden. Das Grundproblem ist ganz einfach: Die Europäische Union versucht derzeit den Klimawandel mit zwei Hauptinstrumenten zu bekämpfen. Zum einen mit einer CO2-Steuer, also die Besteuerung des Verbrennens fossiler Energie. Und andererseits mit dem sogenannten Emissionshandel, wo sich Industriebetriebe für jede Tonne CO2, die sie emittieren, Rechte kaufen müssen. Die Preise solcher Zertifikate gehen in den Keller gemeinsam mit dem Ölpreis. Das heißt, es macht dann für die Akteure keinen Sinn, konsequent fossile Energie einzusparen, weil diese ohnehin nichts kostet. Daher müsste man hier einen ganz anderen Weg beschreiten.

Welchen sehen Sie da als sinnvoll?

Stephan Schulmeister: Meiner Ansicht nach sagt einem das der Hausverstand. Wenn jemand im Burgenland ein Einfamilienhaus hat, das noch nicht thermisch saniert ist, dann wird er das dann tun, wenn er weiß, dass sich das auszahlt. Es zahlt sich aber nur aus, wenn er gleichzeitig weiß, dass Heizöl immer teurer wird.

Gefragt ist also eine europäische Lösung…

Stephan Schulmeister: Wenn alle Leute wissen, dass der Preis für Erdöl, Erdgas und Kohle innerhalb der europäischen Union von Jahr zu Jahr immer teurer wird – sagen wir um fünf Prozent pro Jahr – wissen die Leute, dass es sich über 20 Jahre dann doch lohnt, das Haus thermisch zu sanieren. Oder dass es sich doch heute schon lohnt, auf ein Elektro-Auto umzusteigen. Oder dass es sich beispielsweise auch für die VOEST heute schon lohnt, ganz massiv in andere Technologien in der Stahlproduktion – hier geht es um die Wasserstofftechnologien – zu investieren. Das heißt, meine Idee lautet: Die Europäische Union gibt einen Preispfad für Erdöl, Erdgas und Kohle für die nächsten Jahrzehnte vor, der stetig steigt. Die Differenz zwischen unserem Zielpreis und dem Weltmarktpreis wird durch eine flexible CO2-Steuer abgeschöpft. Das heißt, wenn der Weltmarktpreis etwa bei 20 Dollar liegt bzw. bei 18 Euro und der Richtpreis wäre 70 Euro, dann würde eine Steuer in Höhe von 52 Euro eingehoben.
Wenn das Bewusstsein da ist, dass es sich lohnt, in eine thermische Sanierung zu investieren, weil der Preis für alle fossilen Energieträger stetig steigen wird, dann werden dies mehr Menschen auch tun.

Nun soll nach dem Lockdown die Wirtschaft langsam wieder hochgefahren werden. Die Finanzlage in den Haushalten hat sich aber durch Corona massiv verschlechtert. Die Ausgaben müssen zum Teil stark reduziert werden. Was glauben Sie, wie lange wird es dauern, bis sich die Situation wieder verbessert?

Stephan Schulmeister: Das ist im Moment nicht einzuschätzen, weil viele Unsicherheitsfaktoren bestehen. Was ziemlich klar scheint, ist, dass schon in den nächsten Wochen bestimmte Beschränkungen reduziert werden. Man wird die Erfahrung anderer Länder ausarbeiten. Das faszinierendste Beispiel ist nach wie vor Schweden. Weil in Schweden bis heute keine Ausgangsbeschränkungen, keine Verbote von Einkäufen oder von Restaurantbesuchen bestehen und die Infektionszahlen in Schweden nicht höher sind als in Österreich. Die Sterbefälle sind allerdings häufiger. Nur hat das offensichtlich nichts mit den Ausgangsbeschränkungen zu tun, denn wenn das der Fall wäre, dann müssen ja auch die Infektionen steigen. Viel mehr ist es so, dass in den Altenheimen leider zu wenig Isolationsmaßnahmen rechtzeitig ergriffen wurden. Also das alles ist jetzt noch in Bewegung.

Was für Auswirkungen sind wirtschaftlich zu befürchten?

Stephan Schulmeister: Sicher erscheinen mir die indirekten ökonomischen Folgen – nämlich dass die Unternehmer ihre Investitionsbereitschaft massiv einschränken und dass der Welthandel im zweistelligen Bereich einbrechen wird. Die Kettenreaktionen werden noch viele Monate anhalten. 2020 wird der größte Wirtschaftseinbruch in der Geschichte des Industriekapitalismus werden. Er wird stärker sein als in den Jahren der Weltwirtschaftskrise. Entscheidend wird sein, wie man dann mit dem Problem der gestiegenen Staatsverschuldung umgehen wird. Die Frage ist, ob die Politik in der Europäischen Union ähnlich wie in der Finanzkrise 2008 mit einer Sparpolitik reagieren wird – insbesondere in den Ländern, wo die Staatsverschuldung am stärksten steigt, wie etwa in Italien. Oder ob sie einen anderen Weg wählt.

Wie wird das der Einzelne spüren? Und was wäre eine Lösung, damit der Sozialstaat nicht gefährdet ist.

Stephan Schulmeister: Das hängt eben davon ab, ob die Politik nicht wie in den letzten 30 Jahren sagt: „Wenn die Staatsverschuldung stark gestiegen ist, dann müssen die Staatsausgaben gesenkt werden.“ Wenn also diese sparpolitische Maxime weiter dominiert, wird es unmöglich sein, den europäischen Sozialstaat in seiner bisherigen Form aufrecht zu erhalten. Wenn man glaubt, dass man das durch Einsparungen hereinspielen kann, wird man im Sozialbereich kürzen. Ich glaube aber nicht, dass das passieren wird. Nicht in der Form wie nach 2008, weil da waren die gesamtwirtschaftlichen Folgen und die Folgen für Europa politisch verheerend. Der Konflikt, wie man die Staatshaushalte in Ländern wie Italien finanziert, also der ganze Streit um gemeinschaftliche Euroanleihen, genannt Corona-Bonds, der zeigt ja schon, welcher Zerreißprobe die gesamte Europäische Union ausgesetzt ist. Ob allerdings die Politik den Mut hat, einen neuen Weg zu gehen, ist die große Frage.

Wie könnte dieser Weg aussehen?

Stephan Schulmeister: Es wäre der Weg des neuen europäischen grünen New Deal. Das heißt, wir initiieren ein umfassendes Programm zur Erneuerung der europäischen Wirtschaft in Richtung auf eine Kreislaufwirtschaft. Damit meine ich eine Wirtschaft, die nicht in erster Linie auf das Wachstum setzt, sondern auf die effiziente Ausnützung bestehender Ressourcen – also Recycling, Zurückführen, etc. Das würde bedeuten massive Bekämpfung des Klimawandels, zum Beispiel durch die Vorgabe eines Preispfades für die Hauptverursacher des Klimawandels (fossile Energie, Anm. d Red.). Oder durch riesige Projekte wie etwa, dass ganz Europa mit einem Netz von Hochgeschwindigkeitszügen ausgestattet wird. Das dauert natürlich einige Jahrzehnte. Aber dadurch würden natürlich Hunderttausende wenn nicht Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Gleichzeitig wäre die Möglichkeit gegeben, den Flugverkehr, der ja bekanntlich die umweltschädlichste Form des Transports ist, radikal einzuschränken. Ein anderes Beispiel wäre, den gesamten Gebäudebestand in der EU über einen Zeitraum von 10, 15 Jahren thermisch zu sanieren. Da würden Millionen von Arbeitsplätzen geschaffen, und gleichzeitig würde langfristig die Umwelt entlastet werden.

Das wäre aber ein völlig neuer politischer und wirtschaftlicher Ansatz innerhalb der EU.

Stephan Schulmeister: Ein solches New Deal Denken setzt eine radikale Abwehr von der bisherigen ökonomischen Weltanschauung voraus, die ja sagt, die Märkte machen alles im Prinzip am besten. Die Politik soll sich zurückziehen. Jetzt wäre genau das Gegenteil angesagt. Nur die Politik kann durch umfassende Initiativen den Kurs in Richtung auf eine ökologische aber auch sozial nachhaltige Wirtschaft ändern.

Wobei wir hier bei ihrem Ruf nach dem Ende des Neoliberalismus wären. Sind wir schon bereit dafür?

Stephan Schumeister: Das Gefühl, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann, das ist unglaublich weit verbreitet. Ich habe manchmal fast den Eindruck, Corona ist eine Erlösung eines erschöpften Systems. Dem System ist sozusagen die Luft ausgegangen, und interessanterweise teilen dieses Gefühl vollkommen unterschiedliche Personengruppen. Aber sie haben unterschiedliche Vorstellungen, wohin die Reise geht. Viktor Orban möchte in eine ganz andere Richtung weg vom Neoliberalismus, nämlich hin zu einem autoritären Staatsgebilde. Die Vertreter des Sozialstaats wollen beispielsweise wiederum den europäischen Sozialstaat ausbauen. Es herrscht zwar ein Konsens, dass es so nicht weitergehen kann, aber gleichzeitig ist es unklar, wohin die Reise gehen soll. Das macht mir ehrlich gesagt sehr große Sorgen, weil diejenigen, die in der Gesellschaft die Macht haben, diese Ratlosigkeit dann auch zu ihren Gunsten nützen können. Das heißt, dass auch rechtspopulistische Regierungen jetzt gegen den Neoliberalismus reden und Solidarität predigen. Das kann man überall sehen – bei Trump und Orban, und von österreichischen Politikern rede ich lieber gar nicht. Die sind alle auf dieser Solidaritätswelle. Aber man kann das Bedürfnis der Menschen nach Solidarität eben auch politisch ausnützen, um seine eigene Politik voranzutreiben. Zum Beispiel hin zu einem autoritären Staatssystem mit stärkeren Durchgriffsrechten der Regierung. Also die Richtung wäre dann zwar schon hin zu „mehr Staat“, aber eben nicht zu mehr Sozialstaat. Das macht mir Sorgen.

Was bräuchte es jetzt, um zu diesem gemeinsamen sozialen Nenner zu kommen?

Stephan Schulmeister: Solche Prozesse sind das Ergebnis politischer Auseinandersetzungen. Was mir große Sorgen macht, ist dass durch 30, 40 Jahre Dominanz des Neoliberalismus an den Universitäten, in den Zeitungen – besonders in den Massenzeitungen – in der Politik, ein gewisser Verdummungsprozess der Bevölkerung forciert wurde. Man braucht sich nur das Niveau der Massenzeitungen, Privatfernsehen, etc. anschauen. Hier ist ein schleichender Verblödungsprozess im Gange, und der ermöglicht eine gefährliche Entwicklung, dass nämlich populistische Politiker auf durchaus demokratischem Weg die Demokratie immer mehr aushöhlen. Das ist genau das, was in Ungarn passiert: Die Paradoxie, dass sich ein Parlament mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit selbst ausschaltet und sagt, wir geben die Macht unserem Führer Viktor Orban. In abgeschwächter Form ist das anderswo auch zu beobachten. Denken wir etwa an die Entwicklung in Großbritannien oder die USA oder Brasilien.

Was ist hier die Aufgabe der Medien?

Stephan Schulmeister: Die Medien gibt es in diesem Fall nicht. Die Interessen der Besitzer von Zeitungen, wie der Kronen Zeitung oder Österreich, sind natürlich andere als die Interessen der Besitzer kleinerer Zeitungen. Was fehlt, ist das Bewusstsein der Aufklärungsverantwortung.
Das heißt, dass Journalisten die Verantwortung haben, Menschen die Welt besser verständlich zu machen. Das ist vorbei. Wir leben in der Zeit von Fake News, wo viele ihre Aufgabe darin sehen, die Auflage des Mediums, die wirtschaftliche Stärke, also den Gewinn des Mediums, zu erhöhen. Und wenn das mit Fake News besser geht, dann macht man es eben mit Fake News.

Sie skizzieren im Zusammenhang mit dem notwendigen Ausbau eines Netzes für Hochgeschwindigkeitszüge die Möglichkeit einer supranationalen Finanzierung. Es geht dabei um eine neue Form der Staatenfinanzierung innerhalb der EU. Wie könnte das aussehen?

Stephan Schulmeister: Es gibt so schwere Krisen und ein solches Ausmaß zusätzlicher Staatsschulden, dass der übliche Finanzierungweg eben nicht ausreicht und außerordentliche Maßnahmen erfordert. Es wäre im Grunde sehr einfach. Wir haben ja bereits den Rettungsschirm. Dieser wurde gegründet, um die Eurokrise in den Griff zu bekommen. Wenn man den ausbauen würde zu einem sogenannten Europäischen Währungsfonds, oder ich nenne ihn auch europäischen Transformationsfonds, dann wäre das so etwas wie eine Finanzierungsagentur – aber eine gemeinschaftliche für die Europäische Union.
Diese Finanzierungsagentur würde gemeinschaftliche Anleihen begeben. Ich nenne sie Eurobonds. Aber – und das ist der große Unterschied zu den bisherigen Vorschlägen – dieser Europäische Transformationsfonds hat eben die volle Rückendeckung der Europäischen Zentralbank. Das bedeutet: Alle, die eine solche Anleihe kaufen, wissen, es kann prinzipiell nichts schiefgehen, weil die Zentralbank unsinkbar ist. Das heißt, man würde sich das ersparen, weswegen Deutschland und Österreich sich weigern, Corona-Bonds zu unterstützen – nämlich wegen der Haftung. Das Argument lautet ja „Wir Deutsche, wir Österreicher wollen nicht für die Schulden Italiens haften.“ Die Haftung übernimmt in dem Fall aber die Europäische Zentralbank, und die hat unbeschränkte Möglichkeiten. Daher bin ich sicher, dass diese Eurobonds, die jenseits der Coronakrise aufrecht erhalten werden sollten, die Umwandlung der europäischen Wirtschaft in eine ökologische und soziale Kreislaufwirtschaft ermöglichen.
Die Lösung wäre extrem einfach. Sie würde keine Haftungsübernahme durch irgendwelche Länder erforderlich machen, und sie würde einen enormen Finanzierungsrahmen aufmachen, um eben Projekte wie ein transeuropäisches Hochgeschwindigkeitsnetzwerk zu finanzieren.

Ich würde nochmals gerne auf den Neoliberalismus eingehen. Sie sagen, er stürzt Menschen in die Krise und Armut. Warum ist dieser so gefährlich?

Stephan Schulmeister: Weil es ein unsichtbarer Gegner ist. Wenn Sie einen antidemokratischen politischen Führer haben, etwa bei einer Militärdiktatur, dann wird schon nach kurzer Zeit klar, welche Interessen er vertritt. Aber der Neoliberalismus wird ja nicht von einzelnen Personen vorangetrieben, sondern ist eine Weltanschauung, die in den Universitäten die Köpfe der Intellektuellen mehrheitlich erfasst hat. Schleichend setzt sich ein Denken durch, das bei den Menschen das Gefühl verstärkt, „man kann eh nichts machen, es ist eh schon egal“. Es sind die Märkte, das internationale Finanzkapital, die Globalisierung – also anonyme Kräfte – gegen die wir alle ohnmächtig sind. Und je mehr es gelingt, das Gefühl zu vermitteln, dass das Schicksal des Menschen nicht der Mensch ist, sondern der Markt und man sich irgendwelchen höheren Wesen unterwerfen muss, wird der Mensch entmündigt. Das heißt, der Mensch traut sich selber nicht mehr zu, in das gesellschaftliche System einzugreifen und sich zu engagieren, sondern nur in Teilbereichen. Was die Arbeiterbewegung bis vor 30 Jahren ausgezeichnet hat, war ja, dass sie versucht hat über ihre eigenen Zeitungen, über ihre Bildungseinrichtungen, Unis, Volkshochschulen etc. den Menschen die Zusammenhänge zu erklären, damit sie sich selber in die Auseinandersetzung miteinbringen. Das ist aber schon in den 1950er Jahren aufgegeben worden, weil damals die Führer der Sozialdemokratie das Gefühl hatten: Langfristig betrachtet haben wir im Prozess der gesellschaftlichen Entwicklung gewonnen, den Sozialstaat nimmt uns niemand mehr weg. Es entsteht so eine Art bevormundende Haltung, auch von führender Sozialdemokratie gegenüber Arbeitern. Also quasi: Macht euch keine Sorgen, wir werden das alles für euch schon erledigen. Und die Sozialpartnerschaft schien ja auch gut zu funktionieren. Das Gefühl war, die alten Formen der Mobilisierung, der Weiterbildung der Arbeiterschaft auch der Angestellten, das brauchen wir ja alles nicht mehr. Genau danach brach der Neoliberalismus ein und konnte sich dadurch auch schneller ausbreiten, weil die Menschen die Gefahr, die von einer solchen Entmündigungsideologie ausgeht, gar nicht mehr erkennen konnten. Und das Schlimmste war, dass die Führer der Sozialdemokratie ab dem Zusammenbruch des realen Sozialismus selber den Eindruck hatten, den Neoliberalismus können wir gar nicht besiegen. Und wen du nicht besiegen kannst, dem schließe dich an. Ich erinnere mich an den sehr erfolgreichen Wahlkampf des Sozialdemokraten Franz Vranitzky mit dem Plakat „Sparen, aber sozial“. Die ganze Tragödie kommt da zum Ausdruck. Man hat im Prinzip die Sparpolitik akzeptiert, aber gesagt, „wir sind die Partei des geringeren Übels. Bei uns wird es nicht so radikal sein.“ Aber das hat die Tore geöffnet für rechtspopulistische Parteien, die sich dann als die Partei der kleinen Leute definierten.

Die Sozialdemokratie braucht also dringend eine Neuausrichtung.

Stephan Schulmeister: Ja, aber sie hat im Prozess der gesellschaftlichen Entwicklung schon seit 30 Jahren die Orientierung verloren und mit dem Verlust der Orientierung hat sie gleichzeitig ihre Identität verloren. Konflikte zwischen Hans Peter Doskozil oder Pamela Rendi-Wagner oder dem Peter Kaiser auf der anderen Seite, sind Hinweise einer Orientierungslosigkeit. Man hat kein Konzept, was da mit Europa passiert ist. Vor 50 Jahren hatten wir Vollbeschäftigung, einen Ausbau des Sozialstaates und sinkende Staatsverschuldung und seit 50 Jahren können wir uns angeblich den Sozialstaat nicht mehr leisten, obwohl natürlich die Wirtschaft in der Zwischenzeit weiter gewachsen ist, der Wohlstand allerdings von immer weniger Leuten deutlich zugenommen hat. Ohne eine Navigationskarte, also ein Orientierungssystem, das einem erklärt, wie alles gekommen ist, kann man auch keinen Weg entwickeln, wie es weitergehen soll. Ohne Diagnose, keine Therapie.
Üblicherweise gelingt die Emanzipation von einer bestimmten Weltanschauung, von Glaubensvorstellungen von Marktreligiosität nur in schweren Krisen. Ob die kommende Krise schwer genug ist, dass die Führer der Sozialdemokratie radikal ihre eigenen Fehler überdenken, weiß ich nicht.

Stephan Schulmeister

…wurde 1947 geboren und hat an der Universität Wien das Studium der Rechtswissenschaften (Dr. jur.) und Wirtschaftswissenschaften (Mag. rer.soc.oec.) absolviert. Er ist einer der bedeutendsten Wirtschaftsforscher Österreichs.
Von 1972 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2012 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter beim österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO). Er hatte Gastprofessuren an mehreren Unis inne, etwa an der Uni Wien, in Berlin, Bologna, New York und New Hampshire. Im Fokus seiner Forschungen stehen die Finanzstabilität und ihre realwirtschaftlichen Konsequenzen, das Zinsniveau und Wirtschaftswachstum sowie die längerfristige Entwicklung der Weltwirtschaft.

Stephan Schulmeister gilt als der Rebell unter den österreichischen Wirtschaftsforschern. Bekannt ist er überdies durch seine Zeitungskommentare (u.a. im Falter) und durch seine Vorträge. Er ist Autor zahlreicher, auch populärwissenschaftlicher Fachbücher.

Schulmeister übt dezidierte Kritik am Neoliberalismus, den er als „Marktreligiosität“ bezeichnet und fordert Alternativvorschläge wie einen gesamteuropäischen New Deal. In seinem zuletzt (2018) erschienenen Buch „Der Weg zur Prosperität“ rechnet er mit dem Neoliberalismus ab und skizziert außerdem eine Navigationskarte für den Weg aus der Finanzkrise. So sieht er den sogenannten „New Deal für Europa“ als Erneuerung der Wirtschaft in Richtung einer Kreislaufwirtschaft – unter anderem auch als Maßnahme gegen den Klimawandel.

Stephan Schulmeister und seine Kritik am Neoliberalismus – kurz gefasst

Im Neoliberalismus reguliert der Markt die gesamte Gesellschaft. Der Staat soll dem Markt nicht dreinpfuschen, sondern soll sich aus der Wirtschaft zurückziehen. Es gilt der Grundsatz: weniger Staat, mehr privat! Ethik und Moralvorstellung haben hier keinen Platz.

Stephan Schulmeister sieht im Neoliberalismus einen unsichtbaren Gegner, eine Weltanschauung, die „die Köpfe der Intellektuellen mehrheitlich erfasst hat.“ Schleichend setzt sich ein Denken durch, das bei den Menschen das Gefühl der Ohnmacht verstärkt, „man kann eh nichts machen, es ist eh schon egal“.
Arbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigung, Staatsverschuldung, soziale Unsicherheit und Armut werden dadurch verstärkt.

Ab heute, Samstag, 21. März 2020 wird die telefonische Beratung des Kriseninterventionsteams des Landes Steiermark ausgeweitet.

Menschen, die sich krankheitsbedingt wegen des Corona-Virus in Quarantäne befinden oder einer Risikogruppe (zum Beispiel ältere Menschen mit Vorerkrankungen) angehören, steht nun eine weitere Hotline in der Steiermark zur Verfügung. Unter der Nummer 0800/500 154 können Betroffene täglich von 9 bis 21 Uhr jemanden erreichen.

„Wir nehmen uns Zeit, hören zu und gehen auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen ein. Wir sorgen dafür, dass die Menschen, je nach Fragestellungen bei Bedarf an die richtige Stelle weitervermittelt werden“, so Edwin Benko, der fachliche Leiter des Kriseninterventionsteams des Landes Steiermark.

Im Gespräch

Digitale Kinder

Ohne digitale Medien geht es heute nicht. So viel ist klar. Doch wo liegt bei Kindern und Jugendlichen eine gesunde Konsumgrenze? Eltern wissen oft nicht, was richtig und falsch ist. Jörg Stipsits ist im Bezirk Oberwart in Schulen unterwegs und informiert Eltern, Lehrbeauftragte und Kids über Gefahren durch die digitalen Medien. Das prima! Magazin hat ihn zu diesem Thema zum Gespräch eingeladen.

Sie hat ihn sich geholt. Einen der höchsten Preise in der österreichischen Werbewirtschaft: den AUSTRIACUS. Eveline Rabold ist Inhaberin der Oberwarter Agentur Rabold und Co. und hat mit der Werbelinie für das Bernsteiner Unternehmen „Karner Haustechnik“ Gold gewonnen. Für das Buch „Sätzchen“ bekam sie Bronze. prima! hat mit der Grafikdesignerin über gute Werbung gesprochen und wie wichtig der Begriff Marke ist.

Dem jungen Juristen wird eine steile Karriere in der SPÖ Oberwart vorausgesagt. 2022 könnte er mit Bürgermeister Georg Rosner (ÖVP) ums Bürgermeisteramt rittern.

Mag. Christian Dax (SPÖ)

 

Herr Christian Dax, Sie sind Landesparteisekretär der SPÖ, Jurist und dem Vernehmen nach ein heißer Kandidat für den Oberwarter Gemeinderat. Sie werden sogar als Spitzenkandidat für die Gemeinderatswahl 2022 gehandelt.

Christian Dax: Einen Wechsel derzeit in den Gemeinderat kann ich ausschließen. Ich bin bei der letzten Wahl gar nicht auf der Liste gestanden, daher kann ich auch gar nicht einziehen. Ich unterstütze aber die Oberwarter Gemeinderatsfraktion der SPÖ, wo ich nur kann. Vor allem im organisatorischen Bereich. Die Ortsgruppe ist gut aufgestellt, da ist noch viel Potenzial drinnen. Mit Karl Heinz Gruber (SP-Ortschef) bin ich im engen Einvernehmen. Ich selbst bin inzwischen stolzer Oberwarter geworden, und werde mich bei der Landtagswahl 2020 als Kandidat der SPÖ für den Bezirk stark machen.

Stichwort Landtagswahlen, was ist Ihr konkretes Ziel?

Christian Dax: Es wird von meiner Seite einen Vorzugsstimmen-Wahlkampf geben. Mein Ziel ist es, mehr Vorzugsstimmen zu bekommen wie Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Georg Rosner von der ÖVP.

Womit wir wieder bei der Gemeinde Oberwart wären. Bis wann glauben Sie wird die SPÖ ihre Liste für die Gemeinderatswahlen fixieren?

Christian Dax: Ich gehe davon aus, dass die Gemeinderatswahlen im Herbst 2022 stattfinden werden. Die SPÖ wird rechtzeitig die Liste und ihr Team präsentieren.

Mit Ihnen als Kandidat?

Christian Dax: Bis 2022 ist es noch ein Stück hin. Wir werden sehen. Jetzt gilt es einmal, die Landtagswahl erfolgreich zu schlagen.

Am 26. Jänner wählt das Burgenland seinen Landtag. prima! hat die Spitzenkandidatin und die Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien zum Gespräch gebeten und auch die NEOS dazugeholt (somit alle Parteien, die bis Redaktionsschluss ihren Antritt zur Wahl bekannt gegeben haben).

Allen Spitzenkandidaten wurden dieselben Fragen gestellt. Alle hatten die gleichen Vorgaben. Kurz und prägnant war dabei das Ziel.

Wer diesen Rahmen am besten genutzt hat, um Inhalte zu vermitteln – lesen Sie selbst.

 

Was ist Ihr Wahlziel und mit welcher Partei würden Sie bereits im Vorfeld eine gemeinsame Regierung ausschließen?

Mein Wahlziel ist ein Plus gegenüber der letzten Landtagswahl. Damit wäre gewährleistet, dass es im Burgenland weiter stabile politische Verhältnisse gibt. Zu möglichen Regierungspartnern gelten für mich zwei Faktoren: einerseits eine möglichst große inhaltliche Übereinstimmung, andererseits Handschlagqualität. Ich schließe daher niemand im Vorhinein aus. Aber entscheidend ist: Zuerst sind die Wähler am Wort!

Der Facharbeitermangel ist für viele Betriebe existenzbedrohend. Lehrlinge sind schwer zu finden. Wie soll man dem entgegensteuern?

Das Burgenland verfügt über ausgesprochen qualifizierte, tüchtige Facharbeiter. Leider sinkt die Zahl der ausbildenden Betriebe seit Jahren. Dem steuern wir durch überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen entgegen – für fast zwanzig Prozent der Lehrlinge. Wir setzen außerdem auf Berufsorientierung im Vorfeld, Fördermittel in der Ausbildungszeit und unterstützen betroffene Menschen bedarfsgerecht, wenn der Arbeitsmarkt einen Wechsel erfordert. Mein Ziel ist eine attraktive Lehre durch faire Löhne und die Förderung von Zukunftsberufen.

Anstellung für pflegende Angehörige, Mindestlohn von 1.700 Euro (für landesnahe Betriebe), Gratiskindergarten, neben Oberwart soll nun auch ein zweites Krankenhaus neu gebaut werden –  wie wollen Sie die Finanzierung dieser  – von der jetzigen Regierung – durchgeführten Maßnahmen sicherstellen bzw. was wollen Sie grundlegend ändern?

Das Burgenland steht finanziell auf soliden Beinen. Wir bauen weiter Schulden ab, sind aber aufgrund eines guten Finanzmanagements in der Lage, in Zukunftsvorhaben zu investieren. Ich habe dem Landtag ein Budget für 2020 vorgelegt, das dieser Anforderung gerecht wird und erstmals einen Finanzierungsbeitrag für den Neubau des Krankenhauses Oberwart vorsieht. Ich bekenne mich dazu, dass wir in die Bereiche investieren, die für die Menschen vorrangig sind – da gehören Gesundheit, Pflege, Bildung und faire Einkommen sicher dazu.

Nicht leistbar ist aber scheinbar die Reaktivierung der Bahn im Bezirk Oberwart. Die Strecke Friedberg–Oberwart wurde in der SPÖ-ÖVP Regierung 2011 bekanntlich eingestellt. Konkret gefragt: Unter Regierungsbeteiligung Ihrer Partei – wird es 2025 eine Bahnlinie für den Personenverkehr im Bezirk Oberwart geben – ja? nein?

Die ÖBB haben 2011 nicht nur den Personenverkehr eingestellt. Es sollte auch der Infrastrukturbetrieb eingestellt werden, wodurch auch kein Güterverkehrsbetrieb mehr möglich gewesen wäre. Das Land hat die Verkehrsinfrastruktur Burgenland GmbH gegründet, um den Erhalt der Schieneninfrastruktur sicherzustellen. Seitdem ist das Transportvolumen deutlich angestiegen. Daher reaktivieren wir derzeit die Strecke nach Großpetersdorf und errichten eine neue Verladestelle in Rotenturm. Die Versorgung mit öffentlichem Verkehr ist insbesondere durch die Buslinie G1 sichergestellt, eine neue Bus-Verbindung nach Graz wird hinzukommen. Personenverkehr auf der Bahn wäre nur attraktiv, wenn die Infrastruktur deutlich verbessert würde. ÖBB und BMVIT waren bisher zur Finanzierung nicht bereit, das Burgenland alleine kann das nicht stemmen. Wir verfolgen aber ein völlig neues Konzept, das zwei große Verkehrsknotenpunkte – jeweils im Nord- und Südburgenland – vorsieht, über die Pendlerinnen und Pendler möglichst rasch per Bahn nach Wien kommen könnten. Wir sind da in konkreten Gesprächen mit ÖBB und Ministerium.

Thema Grenzbahn, also die Bahnverbindung des Südburgenlandes mit Ungarn. Seit Jahren wird auf eine Überprüfung verwiesen. Dann heißt es wieder, es scheitert an Ungarn. Wird die Sache zu halbherzig verfolgt, und für wie wichtig erachten Sie diese Bahnlinie für die wirtschaftliche Verbindung mit unserem Nachbarn?

Das Land Burgenland hat das EU-geförderte Projekt „Grenzbahn“ initiiert, in dem die Machbarkeitsstudie erarbeitet wurde. In Nachfolgeprojekten werden Finanzierungsmöglichkeiten untersucht. Brüssel stellt derzeit leider nur Mittel für transeuropäische Netze zur Verfügung. Wir werden uns da aber weiter engagieren. Dieses Bahnprojekt kann zu einer positiven grenzüberschreitenden Entwicklung beitragen, wenn es auch wirtschaftlich sinnvoll ausgerichtet ist – aber da muss auch die EU mitspielen!

Das Burgenland soll zum Bioland Nr. 1 werden. Regionalität ist wichtig. Haben Sie das Klimaschutz- und das Tierschutz-Volksbegehren unterschrieben?

Volksbegehren sind ein direktdemokratisches Instrument, mit dem die Bürger ihre Anliegen an die Politik artikulieren können. Ich bin daher skeptisch, wenn sich aktive Politiker zu sehr für oder gegen Volksbegehren in Szene setzen, und halte mich auch daran – mit Ausnahme des Raucherschutz-Volksbegehrens, wo ein persönliches Interesse dahinter stand. Klar ist, dass wir mit der Bio-Wende eine ähnliche Vorreiterrolle im Bereich der Landwirtschaft verfolgen, wie wir das mit der Energie-Wende schon geschafft haben. Den Menschen sind gesunde, regional produzierte Lebensmittel ein wichtiges Anliegen – und wir wollen die zusätzlichen Chancen nutzen, die sich daraus für die Landwirtschaft, aber auch für den Tourismus ergeben. Und mit der neuen Klima- und Energiestrategie legen wir uns die Latte ebenso hoch: Bis 2050 wollen wir den gesamten Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen beziehen und die Treibhausemissionen um 90 Prozent senken. Wir reden nicht nur über Klimaschutz, wir handeln!

Welches Thema ist Ihnen eine Herzensangelegenheit und würde von Ihnen im Falle einer Regierungsbeteiligung vertreten werden?

Mir ist ein Herzensanliegen, dass alle Menschen im Burgenland – natürlich auch im Südburgenland – gut und sicher leben können. Daher mein Einsatz für faire Löhne, kluges Wachstum und für Sicherheit in einem umfassenden Sinn.

 

Was ist Ihr Wahlziel und mit welcher Partei würden Sie bereits im Vorfeld eine gemeinsame Regierung ausschließen?

Wir wollen stärker werden und und dazu gewinnen. Wir schließen im Vorfeld keine Partei bezüglich einer gemeinsamen Regierungsbildung aus.

Der Facharbeitermangel ist für viele Betriebe existenzbedrohend. Lehrlinge sind schwer zu finden. Wie soll man dem entgegensteuern?

Facharbeiter- aber auch der Lehrlingsmangel sind ein ernst zu nehmendes Thema. Wir im Burgenland gehen mit gutem Beispiel voran. Sowohl in der Verwaltung als auch in landesnahen Betrieben (Baudirektion, Landesthermen usw..) werden Lehrlinge ausgebildet. Auch die überbetriebliche Lehrlingsausbildung wird von Seiten des Landes unterstützt, u.a. durch Förderung von Schulpraktika wird vielen Schülern ein leichterer Einstieg in die Berufspraxis ermöglicht. Wir appellieren an alle Betriebe, Lehrlinge auszubilden.

Anstellung für pflegende Angehörige, Mindestlohn von 1.700 Euro (für landesnahe Betriebe), Gratiskindergarten, neben Oberwart soll nun auch ein zweites Krankenhaus neu gebaut werden –  wie wollen Sie die Finanzierung dieser  – von der jetzigen Regierung – durchgeführten Maßnahmen sicherstellen bzw. was wollen Sie grundlegend ändern?

Die Finanzierung der Maßnahmen, auch was das Krankenhaus Oberwart angeht, wurde schon im Vorfeld sichergestellt. Wir bauen doch kein Haus ohne Plan, und dabei ist die Frage der Finanzierung ganz wesentlich.

Nicht leistbar ist aber scheinbar die Reaktivierung der Bahn im Bezirk Oberwart. Die Strecke Friedberg–Oberwart wurde in der SPÖ-ÖVP Regierung 2011 bekanntlich eingestellt. Konkret gefragt: Unter Regierungsbeteiligung Ihrer Partei – wird es 2025 eine Bahnlinie für den Personenverkehr im Bezirk Oberwart geben – ja? nein?

Ausbau der Schiene (Personen- und Güterverkehr/Schieneninfrastruktur) ist wichtig und wird auch weiterhin forciert. Gütertransporte in Österreich gehören von der Straße auf die klimafreundliche Schiene. Da sind vermehrte Anstrengungen notwendig. Wichtig ist dies auch für die Lebensqualität und den Klimaschutz.

Thema Grenzbahn, also die Bahnverbindung des Südburgenlandes mit Ungarn. Seit Jahren wird auf eine Überprüfung verwiesen. Dann heißt es wieder, es scheitert an Ungarn. Wird die Sache zu halbherzig verfolgt, und für wie wichtig erachten Sie diese Bahnlinie für die wirtschaftliche Verbindung mit unserem Nachbarn?

Siehe dazu vorige Frage: Ausbau der Schiene (Personen- und Güterverkehr/Schieneninfrastruktur) ist wichtig und wird auch weiterhin forciert. Gütertransporte in Österreich gehören von der Straße auf die klimafreundliche Schiene. Da sind vermehrte Anstrengungen notwendig. Wichtig ist dies auch für Lebensqualität und Klimaschutz.

Das Burgenland soll zum Bioland Nr. 1 werden. Regionalität ist wichtig. Haben Sie das Klimaschutz- und das Tierschutz-Volksbegehren unterschrieben?

Das Burgenland soll Schritt für Schritt zum Bio-Vorzeigeland in Österreich werden.
Regionalität ist wichtig. Regionale Produkte müssen vermehrt in den Vordergrund treten. Die Menschen müssen schon von klein auf vermehrt für Bio- und regionale Produkte sensibilisiert werden.

Welches Thema ist Ihnen eine Herzensangelegenheit und würde von Ihnen im Falle einer Regierungsbeteiligung vertreten werden?

Das Thema Sicherheit – Sicherheit ist ein Grundbedürfnis.
Das Burgenland muss sicherstes Bundesland bleiben.

 

Was ist Ihr Wahlziel und mit welcher Partei würden Sie bereits im Vorfeld eine gemeinsame Regierung ausschließen?

Wir wollen stärker werden, um damit auch den Anspruch stellen zu können, im Land mitzuregieren. Das Land ein bisschen mehr türkiser machen. Türkis ist dabei mehr wie eine Farbe, es bedeutet eine enkelgerechte, transparente Politik zu machen und ist auch eine Frage des Stils. Und heißt, dass wir auch – genauso wie Sebastian Kurz im Bund – mit allen reden, die mit uns nachhaltige Lösungen im Sinne aller Menschen und vor allem unserer Kinder und Enkelkinder suchen.

Der Facharbeitermangel ist für viele Betriebe existenzbedrohend. Lehrlinge sind schwer zu finden. Wie soll man dem entgegensteuern?

Im Bereich der Gastronomie haben wir ein eigenes Tourismus-Jobcenter vorgeschlagen. Damit wollen wir die Position des Burgenlandes im Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte stärken und die Entwicklung von Qualifizierungsangeboten unterstützen. Für die immer wichtiger werdenden Mint-Fächer müssen wir die nächsten Generationen ebenfalls fit machen. Nämlich spielerisch mit Wissenschaftsecken in den Kindergärten. In Eisenstadt haben wir diese schon mit Erfolg eingeführt.

Anstellung für pflegende Angehörige, Mindestlohn von 1.700 Euro (für landesnahe Betriebe), Gratiskindergarten, neben Oberwart soll nun auch ein zweites Krankenhaus neu gebaut werden –  wie wollen Sie die Finanzierung dieser  – von der jetzigen Regierung – durchgeführten Maßnahmen sicherstellen bzw. was wollen Sie grundlegend ändern?

Politik machen ist immer eine Frage der Prioritätensetzung. Wo ist das Steuergeld am besten für die Menschen eingesetzt? Ich halte den Mindestlohn für Landesbedienstete oder die verordnete Gemeinnützigkeit in der Pflege für eine teure Placebo-Politik. Wir müssen Themen anpacken, die das Leben der Menschen im Südburgenland besser machen: Jobs, Infrastruktur und vor allem Mobilität. Wir brauchen praktikable, rasche Lösungen für unsere Pendler und flächendeckend schnelles Internet. Dort müssen wir investieren!

Nicht leistbar ist aber scheinbar die Reaktivierung der Bahn im Bezirk Oberwart. Die Strecke Friedberg–Oberwart wurde in der SPÖ-ÖVP Regierung 2011 bekanntlich eingestellt. Konkret gefragt: Unter Regierungsbeteiligung Ihrer Partei – wird es 2025 eine Bahnlinie für den Personenverkehr im Bezirk Oberwart geben – ja? nein?

Die Volkspartei hat immer für diese Linie gekämpft und wird es auch weiter tun. Nicht alles, was für die Menschen und die Entwicklung einer Region wichtig ist, ist auch wirtschaftlich rentabel. Hier muss die öffentliche Hand Geld in die Hand nehmen und die Strecke attraktivieren. Das ist also vor allem eine Frage des politischen Willens – und diesen haben wir, weil die Menschen und die Unternehmen diese Strecke brauchen. Dafür habe ich mich auch im Bund bei den Regierungsverhandlungen stark gemacht.

Thema Grenzbahn, also die Bahnverbindung des Südburgenlandes mit Ungarn. Seit Jahren wird auf eine Überprüfung verwiesen. Dann heißt es wieder, es scheitert an Ungarn. Wird die Sache zu halbherzig verfolgt, und für wie wichtig erachten Sie diese Bahnlinie für die wirtschaftliche Verbindung mit unserem Nachbarn?

Unser Georg Rosner ist in ständigem Kontakt mit seinem Kollegen aus Szombathely. Beide forcieren diese Strecke vehement, weil sie eine absolute Wirtschaftsader ist. Wir brauchen diese Linie für die Pendler und um den steigenden Güterverkehr von der Straße wegzubekommen. Das ist von entscheidender Bedeutung für die ganze Region – und auch das habe ich in Wien deponiert.

Das Burgenland soll zum Bioland Nr. 1 werden. Regionalität ist wichtig. Haben Sie das Klimaschutz- und das Tierschutz-Volksbegehren unterschrieben?

Ich will einen guten Mix aus Bio und Konventionell. Für uns ist – im Gegensatz zum rot-blauen Plan – Regionalität das Schlüsselwort. Mir ist das normale Hendl vom Nachbarhof schon alleine wegen dem CO2-Abdruck lieber wie das Bio-Hendl aus Chile. Tier- und Klimaschutz sind wichtige Themen. Aber trotz unterstützenswerter Punkte gibt es in beiden Volksbegehren Forderungen, die ich nicht unterschreiben kann. Die CO2-Steuer etwa würde vor allem die ländliche Bevölkerung und die Pendler massiv treffen.

Welches Thema ist Ihnen eine Herzensangelegenheit und würde von Ihnen im Falle einer Regierungsbeteiligung vertreten werden?

Mobilität bedeutet Lebensqualität und Lebenschancen. Dabei geht es um ordentliche Verbindungen in die Ballungszentren, aber auch die Zubringer und die Mikro-Mobilität. Ich will, dass sich jeder entscheiden kann, ob er mit dem Auto oder mit den Öffis zur Arbeit, zur Apotheke oder zur Oma fährt. Wir wollen mit unseren Burgenland-Bussen eine echte Mobilitätswende erreichen. Das sind kleine, gemeindeübergreifende Regionalbusse, die gut getaktet und leistbar in und zwischen den Gemeinden und zu den Verkehrsknotenpunkten unterwegs sind.

 

Was ist Ihr Wahlziel und mit welcher Partei würden Sie bereits im Vorfeld eine gemeinsame Regierung ausschließen?

Unser Ziel ist es, stärker zu werden, damit sich ein drittes Mandat mit dem damit verbundenen Klubstatus ausgeht. Daraus ergeben sich dann mehr parlamentarische Rechte. Darüber hinaus wollen wir aber so stark werden, dass wir in Regierungsverhandlungen mit der SPÖ treten können.

Der Facharbeitermangel ist für viele Betriebe existenzbedrohend. Lehrlinge sind schwer zu finden. Wie soll man dem entgegensteuern?

Die Lehrberufe brauchen ein neues Image, denn sie sind gleichwertig wie Berufe mit höherer Ausbildung. Wir brauchen eine Weiterentwicklung der Lehrausbildung, die eine Kombination mehrerer Betriebe innerhalb einer Ausbildung ermöglicht, um Einzeldefizite aus Betrieben aufzufüllen, ohne dass der Betrieb gewechselt werden muss. Und es braucht Erhebungen, wo gesetzliche Regelungen ein Hindernis für eine Lehrlingsaufnahme sind. Ein wichtiger Beitrag wäre auch die Etablierung von sogenannten Brückenlehrgängen für ausländische Jugendliche und Erwachsene.

Anstellung für pflegende Angehörige, Mindestlohn von 1.700 Euro (für landesnahe Betriebe), Gratiskindergarten, neben Oberwart soll nun auch ein zweites Krankenhaus neu gebaut werden –  wie wollen Sie die Finanzierung dieser  – von der jetzigen Regierung – durchgeführten Maßnahmen sicherstellen bzw. was wollen Sie grundlegend ändern?

Das Projekt der Anstellung für pflegende Angehörige wollen die GRÜNEN gar nicht finanzieren, weil wir meinen, dass das Geld hier falsch eingesetzt wird. Es braucht vielmehr eine fachliche Unterstützung, eine Ansprechperson für die pflegenden Angehörigen vor Ort. Die Ankündigung eines zusätzlichen neuen Krankenhauses dürfte eher aus dem Wahlkampfteam der SPÖ entsprungen sein, hier fehlen noch fundierte Analysen der IST-Situation und des Bedarfs. Was die deutliche Erhöhung des Mindestlohns im Landesdienst betrifft, schlage ich vor, mit der Umsetzung noch zu warten und einen Changemanagement-Prozess zu starten. So eine grundlegende Änderung kann man nicht einfach von einem Tag auf den anderen umsetzen. Die Finanzierung des Gratiskindergartens geht sich dann mit den steigenden Ertragsanteilen aus.

Nicht leistbar ist aber scheinbar die Reaktivierung der Bahn im Bezirk Oberwart. Die Strecke Friedberg–Oberwart wurde in der SPÖ-ÖVP Regierung 2011 bekanntlich eingestellt. Konkret gefragt: Unter Regierungsbeteiligung Ihrer Partei – wird es 2025 eine Bahnlinie für den Personenverkehr im Bezirk Oberwart geben – ja? nein?

Gemeinsam mit dem Institut für Verkehrswissenschaften der TU Wien haben die GRÜNEN einen Klimaschutz-Verkehrsplan erarbeitet. Das Herzstück dieser Strategie ist ein modernes Schienennetz für das ganze Burgenland, dazu gehört sowohl der Strecken-Neubau wie auch die Reaktivierung stillgelegter Strecken. Alle zentralen Orte des Landes sollen über einen Bahnhof mit dem Zug erreichbar sein. Von dort sollen Busse die Pendlerinnen und Pendler zu ihren Wohnorten bringen. Was finanzierbar ist, ist immer politische Entscheidungen. Daher werde ich mich darum bemühen, für dieses Anliegen im Landtag Mehrheiten zustandezubringen.

Thema Grenzbahn, also die Bahnverbindung des Südburgenlandes mit Ungarn. Seit Jahren wird auf eine Überprüfung verwiesen. Dann heißt es wieder, es scheitert an Ungarn. Wird die Sache zu halbherzig verfolgt, und für wie wichtig erachten Sie diese Bahnlinie für die wirtschaftliche Verbindung mit unserem Nachbarn?

Wenn wir im Burgenland die Klimaziele erreichen wollen, müssen wir die Bahnverbindungen verstärken. Langfristig rechnet sich das auch, weil sich an den Linien des öffentlichen Verkehrs Betriebe ansiedeln und damit die Wirtschaftsregion gestärkt wird.

Das Burgenland soll zum Bioland Nr. 1 werden. Regionalität ist wichtig. Haben Sie das Klimaschutz- und das Tierschutz-Volksbegehren unterschrieben?

Dass sich das Burgenland zum Bioland wandelt, ist ein wichtiger Schritt in Richtung ökologische Agrarwende, der von den GRÜNEN initiiert wurde. Wenn die Landwirtschaft weniger Dünger benötigt und weniger Lebensmittel importiert werden, ist das auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Das trifft natürlich auch auf artgerechte Tierhaltung zu. Ich habe selbstverständlich beide Volksbegehren unterschrieben.

Welches Thema ist Ihnen eine Herzensangelegenheit und würde von Ihnen im Falle einer Regierungsbeteiligung vertreten werden?

Für mich steht der Klimaschutz und alle damit verbundenden Bereiche ganz oben auf meiner Prioritätenliste. Da der Verkehr im Burgenland für fast zwei Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich ist, muss hier rasch gegengesteuert werden. Als Verkehrslandesrätin würde ich unseren Klimaschutz-Verkehrsentwicklungsplan schrittweise umsetzen.

 

Was ist Ihr Wahlziel und mit welcher Partei würden Sie bereits im Vorfeld eine gemeinsame Regierung ausschließen?

Unser Wahlziel ist, gestärkt aus der Landtagswahl mit 3 Mandaten hervorzugehen. Eine gemeinsame Regierung schließen wir mit keiner Partei aus, weil wir uns wie in der Vergangenheit mit Vorschlägen und Ideen für die Menschen im Burgenland einsetzen.

Der Facharbeitermangel ist für viele Betriebe existenzbedrohend. Lehrlinge sind schwer zu finden. Wie soll man dem entgegensteuern?

Die Wertschätzung der Facharbeiter muss wieder eine höhere werden. Wir wollen die Gehaltsschere schließen, die die Abwanderung der Facharbeiter in die Verwaltung zur Folge hat. Daher ist der von Landeshauptmann Doskozil eingeschlagene Weg, mit einer Erhöhung der Entlohnung nur für Landesbeamte, der falsche.

Anstellung für pflegende Angehörige, Mindestlohn von 1.700 Euro (für landesnahe Betriebe), Gratiskindergarten, neben Oberwart soll nun auch ein zweites Krankenhaus neu gebaut werden –  wie wollen Sie die Finanzierung dieser  – von der jetzigen Regierung – durchgeführten Maßnahmen sicherstellen bzw. was wollen Sie grundlegend ändern?

Seit Jahren wird über Neu- und Umbau des Krankenhaus Oberwart diskutiert. Millionen wurden für Planungen (13,7 Mio. Euro) in den Sand gesetzt. Bis jetzt wurde noch keine klare Entscheidung (Neu-, Umbau, …) getroffen und nun wird ein neues Wahlzuckerl versprochen. In den letzten Jahren wurden in Kittsee zig Mio. Euro an Investitionen getätigt. Es gibt keinen Gratiskindergarten, sondern Zuschüsse des Landes und der Gemeinden, und auch hier fehlt die Finanzierung. Daher wurde es erst ganz kurz vor der Wahl als weiteres Wahlzuckerl beschlossen.

Nicht leistbar ist aber scheinbar die Reaktivierung der Bahn im Bezirk Oberwart. Die Strecke Friedberg–Oberwart wurde in der SPÖ-ÖVP Regierung 2011 bekanntlich eingestellt. Konkret gefragt: Unter Regierungsbeteiligung Ihrer Partei – wird es 2025 eine Bahnlinie für den Personenverkehr im Bezirk Oberwart geben – ja? nein?

Jahrzehnte hat man im Süden nur versprochen, den öffentlichen Verkehr auszubauen. Das Gegenteil ist unter SPÖ+FPÖ und SPÖ+ÖVP passiert. Schienen verrosten und werden abgebaut. Wir haben uns immer dazu verwendet, den öffentlichen Verkehr in ganz Burgenland und im Speziellen im Südburgenland auszubauen und zu attraktivieren. Solche Projekte bedürfen mehr als 10 Jahre, daher ist eine Bahnlinie bis 2025 nicht realisierbar. Der erste Schritt, den wir in der nächsten Periode vorantreiben würden, ist eine umfassende Verkehrskonzept-Planung.

Thema Grenzbahn, also die Bahnverbindung des Südburgenlandes mit Ungarn. Seit Jahren wird auf eine Überprüfung verwiesen. Dann heißt es wieder, es scheitert an Ungarn. Wird die Sache zu halbherzig verfolgt, und für wie wichtig erachten Sie diese Bahnlinie für die wirtschaftliche Verbindung mit unserem Nachbarn?

Es wird wie der Ausbau der Bahn im Südburgenland insgesamt halbherzig gearbeitet. Wir haben einige Betriebsbesuche gemacht (Stipits, Vossen, …), wo Schienen noch vorhanden wären. Damit könnten sehr viele Transporte auf die Schiene verlagert, Arbeitsplätze gesichert und auch geschaffen werden. Um hier endlich voranzukommen, bedarf es der Bewegung Bündnis Liste Burgenland.

Das Burgenland soll zum Bioland Nr. 1 werden. Regionalität ist wichtig. Haben Sie das Klimaschutz- und das Tierschutz-Volksbegehren unterschrieben?

Bio und Regionalität darf kein Widerspruch sein. Jedoch kann und soll man niemanden zwingen, rein nur Bio zu produzieren oder zu essen. Am Beispiel des Spitals Oberpullendorf, wo ein langjährig verlässlicher Lieferant (2 km Nähe) nicht mehr liefern darf, und ein um 50 km weiter entfernter Lieferant ohne Ausschreibung zum Zug gekommen ist. Tierschutz und Klimaschutz sind uns ganz wichtig. Wo wir Verantwortung tragen, setzen wir auch die richtigen Maßnahmen für den Klimaschutz (Windenergie, Photovoltaik, Wasserstoff, …).

Welches Thema ist Ihnen eine Herzensangelegenheit und würde von Ihnen im Falle einer Regierungsbeteiligung vertreten werden?

Verbesserung der Lebensqualität im Burgenland (Schließung der sich immer weiter öffnenden Gehaltsschere zwischen Beamten und den Arbeitern und Angestellten in der Privatwirtschaft, Senkung der Kosten für Pendler, Senkung der Kosten für öffentliche Verkehrsmittel, Ausbau des öffentlichen Verkehrs).

 

Was ist Ihr Wahlziel und mit welcher Partei würden Sie bereits im Vorfeld eine gemeinsame Regierung ausschließen?

Unser klares Wahlziel ist der Einzug in den Burgenländischen Landtag. Nach vier erfolgreich geschlagenen Wahlen – Europawahlen, Nationalratswahlen und die beiden Landtagswahlen in Vorarlberg und der Steiermark – mit den jeweils besten Ergebnissen für eine liberale Partei sind wir sehr zuversichtlich, dass wir auch im Burgenland für frischen Wind und vor allem mehr Transparenz und Kontrolle sorgen werden.

Der Facharbeitermangel ist für viele Betriebe existenzbedrohend. Lehrlinge sind schwer zu finden. Wie soll man dem entgegensteuern?

Einerseits müssen wir langfristig die beste Bildung ins Burgenland bringen, um die Fachkräfte bestmöglich auszubilden. Andererseits müssen wir kurzfristig auf bessere Ausbildungsmöglichkeiten für Arbeitssuchende setzen und AsylwerberInnen in der Lehre den Lehrabschluss ermöglichen. Denn die derzeitige Situation ist vollkommen absurd. Man bestraft dadurch die, die integrationswillig sind und mit ihrer Arbeit einen Beitrag für die Allgemeinheit leisten. In vielen Berufssparten suchen die Unternehmen händeringend nach Fachkräften.

Anstellung für pflegende Angehörige, Mindestlohn von 1.700 Euro (für landesnahe Betriebe), Gratiskindergarten, neben Oberwart soll nun auch ein zweites Krankenhaus neu gebaut werden –  wie wollen Sie die Finanzierung dieser  – von der jetzigen Regierung – durchgeführten Maßnahmen sicherstellen bzw. was wollen Sie grundlegend ändern?

Auf alle Fälle muss besser gewirtschaftet werden. Es darf in Zukunft kein Planungsdesaster wie beim Neubau des Krankenhaus Oberwart geben, wo laut Rechnungshof 10 Millionen Euro Planungskosten zum Fenster rausgeschmissen wurden. Die Landespolitik muss Vorhaben ordentlich umsetzen. Populistische und nicht durchdachte Wahlzuckerl auf Kosten der nächsten Generation wird es mit uns nicht geben. Daher wollen wir auch im Burgenland eine Schuldenbremse umsetzen, denn die Schulden von heute kosten der nächsten Generation nicht nur Geld, sondern auch Zukunft.

Nicht leistbar ist aber scheinbar die Reaktivierung der Bahn im Bezirk Oberwart. Die Strecke Friedberg–Oberwart wurde in der SPÖ-ÖVP Regierung 2011 bekanntlich eingestellt. Konkret gefragt: Unter Regierungsbeteiligung Ihrer Partei – wird es 2025 eine Bahnlinie für den Personenverkehr im Bezirk Oberwart geben – ja? nein?

Ja, natürlich wollen wir, dass die Pinkatalbahn so schnell wie möglich wieder reaktiviert wird. Seit Jahren treten wir NEOS dafür ein. Wir fordern den raschen Ausbau mit Wiederaufnahme des Personenverkehrs. Der Zug muss endlich auch wieder im Südburgenland fahren. Wir sind nach wie vor „Bahnstiefkind“ und am Abstellgleis der Landespolitik, das ist eine Schande und unverantwortlich. Generell ist der gesamte öffentliche Verkehr auszubauen, ohne Auto ist man im Südburgenland chancenlos.

Thema Grenzbahn, also die Bahnverbindung des Südburgenlandes mit Ungarn. Seit Jahren wird auf eine Überprüfung verwiesen. Dann heißt es wieder, es scheitert an Ungarn. Wird die Sache zu halbherzig verfolgt, und für wie wichtig erachten Sie diese Bahnlinie für die wirtschaftliche Verbindung mit unserem Nachbarn?

Für uns NEOS ist diese Bahnlinie für die wirtschaftliche Verbindung mit unserem Nachbarn sehr wichtig. Es ist vollkommen unverständlich, warum die rot-blaue Landesregierung in den letzten fünf Jahren sich nicht mehr dafür eingesetzt hat. Ganz offensichtlich fehlt der politische Wille dazu, obwohl eine IHS-Studie sich für den Ausbau der Bahn bis nach Ungarn ausspricht und dem Projekt eine überdurchschnittliche Rentabilität und volkswirtschaftlichen Nutzen bescheinigt. Wir werden uns für die Grenzbahn einsetzen!

Das Burgenland soll zum Bioland Nr. 1 werden. Regionalität ist wichtig. Haben Sie das Klimaschutz- und das Tierschutz-Volksbegehren unterschrieben?

Nachhaltigkeit ist einer unserer Kernwerte. Wir setzen uns für eine Ökologisierung der landwirtschaftlichen Förderpolitik ein. So sollen auch Aspekte des Tierschutzes stärker berücksichtigt werden. Dies würde Fleisch aus Massentierhaltung verteuern und nachhaltige Produktion begünstigen. Unser Konzept würde für eine ökologische Steuerrevolution regionale, mit hohen Standards produzierte Lebensmittel aufgrund der kürzeren Transportwege und der geringeren Emissionen fördern. Ja, das Volksbegehren habe ich unterschrieben!

Welches Thema ist Ihnen eine Herzensangelegenheit und würde von Ihnen im Falle einer Regierungsbeteiligung vertreten werden?

Mein Herzensanliegen ist ein gutes Leben auch im Südburgenland. Dafür braucht es mehr Arbeitsplätze und besseren öffentlichen Verkehr. Ich werde mich für einen „Masterplan Südburgenland“ einsetzen, eine integrierte Gesamtstrategie für das Südburgenland. Noch immer ist das Burgenland eine Region mit zwei Geschwindigkeiten. Das Südburgenland hat in vielen Bereichen nicht die gleichen Entwicklungschancen, daher braucht es mehr Dynamik und neue Akzente in der Regionalentwicklung. Konkrete Taten statt nur Ankündigungen und Reden sind gefragt!

... und das am liebsten tänzerisch. Die 22-jährige Pinkafelderin Laureen Drexler hat als Profitänzerin den Sprung von der freischaffenden Künstlerin an ein Theater mit Fix-Engagement geschafft. Wir haben sie an ihrer neuen Wirkstätte am Theater Regensburg erreicht und zum Interview gebeten.

Dein Traum war es immer, in einer Company aufgenommen zu werden und im Ausland Erfahrung zu sammeln. Du bist seit Kurzem Ensemblemitglied am Theater Regensburg, und die aktuelle Produktion („Juke Box Heroes“), an der du mitwirkst, ist ein voller Erfolg. Bist du nun am Ziel deiner Träume angelangt?

Laureen Drexler: Nein, sicher nicht, wenn dann ist das ein Zwischenziel. Ich bin megaglücklich dort, wo ich jetzt bin. Aber es geht natürlich immer irgendwie weiter. Ich möchte noch mehr Städte bereisen, noch mehr Häuser kennenlernen und auf noch mehr Bühnen tanzen.

Gab es in deiner noch jungen Karriere jemals Situationen, wo es schwierig war, die körperlichen Strapazen zu groß, wo es einfach nicht so lief, wie du dir das vorgestellt hast?

Laureen: Ja, immer wieder. Auf der Uni war es für mich ganz neu, dass wir jeden Tag Ballett hatten, denn ich bin eigentlich aus dem Musical- und Jazzbereich gekommen. Jeden Tag technisches Training zu haben, hat mich schon sehr gefordert. Auch wenn das Balletttraining natürlich sehr wichtig ist, um die Technik zu stärken. Dazu kommt, dass es im zeitgenössischen Tanz verschiedene Stile gibt, in die man sich erst reinfühlen muss. Ich mag es z.B., sehr flüssig zu tanzen. Aber es gibt auch Choreographien, wo man sehr aggressiv und abrupt arbeitet, was einem dann viel abverlangt.

Wie schwierig ist es, in Österreich eine Tanzkarriere aufzubauen oder anders gefragt, kann man in Österreich vom Tanz leben?

Laureen: Wir haben zwar im klassischen Bereich die Staatsoper und die Volksoper, aber im zeitgenössischen Bereich ist es in Österreich definitiv schwierig, weil es keine Companies gibt, bei denen man fix angestellt ist. Das heißt, wenn man zeitgenössisch tanzen will, muss man in Österreich freischaffend arbeiten. Das hab ich auch gemacht in den letzten zwei Jahren. Es lief ganz gut. Ich war immer beschäftigt, aus einem Projekt ergab sich oft das nächste. Aber irgendwie hatte ich dann nach zwei Jahren das Gefühl, dass ich angestanden bin, weil ich immer mit den gleichen Leuten zusammengearbeitet habe. Es gibt nur wenige Tänzer, die in Österreich freischaffend arbeiten. Das ist in London oder Berlin viel einfacher.

Du hast als kleines Mädchen mit drei Jahren die Liebe zum Tanz entdeckt. Jetzt ist es ja so, dass viele Mädchen in diesem Alter mit Ballettunterricht beginnen und Freude am Herumhopsen haben. Was lief bei dir anders von Anfang an?

Laureen: Ich war damals voller Energie und stand immer irgendwie im Mittelpunkt, ohne dass ich mir das ausgesucht hab. Meine Mutter war auch diejenige, die mir vorgeschlagen hat, in den Tanzunterricht zu gehen, weil ich zu Hause so viele Purzelbäume und Räder geschlagen hab. Es kommt mir heute zugute, dass ich als Kind nicht mit Ballett begonnen hab, sondern in der Musical- und Jazzgruppe in Pinkafeld war, weil ich auf diese Weise früh Bühnenerfahrung sammeln konnte.

Wie viele Stunden trainierst du am Tag und wie hältst du deinen Körper fit?

Laureen: Wir trainieren hier in Regensburg circa sieben Stunden pro Tag, wobei von den sieben Stunden sind eineinhalb Stunden wirkliches Training, also Ballett. Danach ist Proben angesagt, da studieren wir dann die verschiedenen Choreographien ein. Dadurch, dass wir von Montag bis Freitag, manchmal auch samstags, eingedeckt sind, muss ich mich außerhalb des Theaters nicht wirklich fit halten. Wenn, dann geh ich zu meinem eigenen Vergnügen ab und zu ins Fitnesscenter oder mach einen Akrobatik-Kurs.

Du bist jetzt 22. Ist das typischerweise jenes Alter, wo sich die Erfolge einstellen sollten, wenn man eine Profitanz-Karriere einschlagen will?

Laureen: Ja, ich glaub das passt ganz gut. Solange kann man als Tänzerin ja nicht auf der Bühne arbeiten. Es hilft einfach, wenn man rechtzeitig eine Company im Lebenslauf stehen hat, dann ist es auch viel leichter, in die nächste zu kommen. Für andere Companies ist es immer wichtig, dass man schon Theatererfahrung hat.

Du fokussierst dich jetzt voll auf deine Arbeit in Regensburg. Wenn du einen Wunsch frei hättest, was wäre dann dein nächstes Ziel? Wie soll’s weitergehen?

Laureen: Am liebsten würde ich nach London, weil ich diese Stadt einfach liebe. Und in London stehen mehrere Companies zur Auswahl. Mir geht’s eher darum, dass ich noch um die Welt kommen möchte, und London wäre definitiv die Stadt, wo ich mir ein Leben sehr gut vorstellen kann. Nach so einer Company-Karriere kann ich mir auch vorstellen, wieder zurück nach Wien zu kommen, um dann vielleicht eine eigene Company zu gründen. So etwas gibt es in Wien nämlich noch nicht. Aber jetzt gilt es mal, Erfahrung zu sammeln.

Dann alles Gute für deine weitere Karriere und vielen Dank für das Gespräch.

Laureen: Sehr gern.

„Nicht viel Zeit nachzudenken“

„Nicht viel Zeit nachzudenken“

Walter Reiss im Gespräch mit der Gebärdensprachdolmetscherin Marietta Gravogl. Fast täglich im Fernsehen und das auch live: Das gilt seit Beginn der Corona-Pandemie nicht nur für Bundeskanzler, MinisterInnen und Fachleute. Vor der offiziellen Kulisse mit den Fahnen von Republik und EU steht – nur leicht abseits – eine Burgenländerin, die die Statements und Antworten gehörlosen Zusehern nahebringt: Durch vollen Einsatz ihrer Arme, Hände, Finger und ihren Gesichtsausdruck. Mag.a Marietta Gravogl aus Neusiedl am See ist professionelle Gebärdensprachdolmetscherin und kennt politische Bühnen wie Nationalrat, Wiener Landtag oder auch seit September 2019 den burgenländischen Landtag. Dort arbeitet sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen Eva Böhm und Sabine Beck-Unger. Sowohl Parlament und Landtage als auch der ORF bieten in Livestream und Nachrichtensendungen begleitende Darstellung in Gebärdensprache an. Die ständige Präsenz einer Gebärdendolmetscherin bei krisenbedingten und prominent besetzten Pressekonferenzen hat – auch in diesem Fall – einen sonst kaum wahrgenommenen und viel zu wenig geschätzten Beruf ins mediale und öffentliche Licht gerückt.
Walter REISS / 4. Mai 2020
Rede & Antwort

“So sind wir schon!“

Alexander van der Bellens Zitat nach dem Auffliegen der Ibiza-Affäre „So sind wir nicht!“ stößt bei der ehemaligen Bundespräsidentschaftskandidatin Gertraud Knoll auf Widerspruch. 1994 wurde ihre Wahl zur ersten Evangelischen Superintendentin Österreichs zum Medienereignis, und sie war ein Jahr im Amt, als vor 25 Jahren – am 5. Feber 1995 – vier Männer in der Romasiedlung in Oberwart durch die von Franz Fuchs gelegte Sprengfalle ermordet wurden. Als engagierte Kämpferin für Menschlichkeit hielt sie weder als kirchliche Amtsträgerin noch später als SPÖ-Politikerin mit Kritik an Gesellschaft, Kirche und Politik nie hinter dem Berg. Ämter und Funktionen hat sie längst abgelegt, öffentliche Auftritte sind rar. Für „prima!“ stand sie nun Walter Reiss Rede und Antwort über Erinnerungen an das Attentat, und sie warnt nach wie vor vor unmenschlichem Schüren von Ängsten und Ausgrenzen von „Anderen“.

Er kennt sie alle gut, die meisten von ihnen sogar persönlich: die bedeutendsten politischen Persönlichkeiten der letzten Jahrzehnte. Mit spitzer Feder und sonorer Stimme beschreibt er präzise, was die Mächtigen in Europa und weltweit geschaffen, aber auch zerstört haben. Als profunder Osteuropaexperte und Buchautor brilliert er ausgerechnet im von Jungstars dominierten TV-Business: Der neunzigjährige Publizist moderiert nach wie vor das Europastudio des ORF. Seinen ersten Bericht für die „Financial Times“ schrieb er über das Burgenland. Im Jahr 2000 ging übrigens der Burgenländische Journalistenpreis an Paul Lendvai und Walter Reiss. Zwei Preisträger trafen einander zu einem prima! Gespräch.

Dem gebürtigen Südburgenländer Gerhard Baumgartner ist das Schicksal der Burgenländischen Roma ans Forscher-Herz gewachsen. Nur 400 von 7.000 Burgenland-Roma haben den Holocaust überlebt. Wann immer es in der politischen Diskussion um das Aufzeigen von „braunen Flecken und Rülpsern“, Rassismus oder Antisemitismus geht, sind Expertinnen und Experten des von ihm geleiteten Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) am Wort. Gegen ständige Angriffe von rechts bekam das DÖW übrigens Schützenhilfe vom Staatsoberhaupt: Bundespräsident Alexander van der Bellen meinte nämlich, er könne „sich nicht vorstellen, dass sich jemand traut, das DÖW in seiner Existenz anzuzweifeln.“ Walter Reiss hat den Historiker und Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Dr. Gerhard Baumgartner, zum Gespräch getroffen.

Rede & Antwort

Der „Digitalrebell“

Walter Reiss im Gespräch mit dem grünen Ex-Landtagsabgeordneten und Ex-EU-Parlamentarier Michel Reimon über sein Polit-Comeback, mit welchen Themen er die Grünen wieder ins Parlament bringen will und welche Rolle für den studierten Journalisten die sozialen Medien spielen.

Michel Reimon

Die Online-Ausgabe des renommierten deutschen Magazins „DIE ZEIT“ nannte ihn „Österreichs erfolgreichsten Social-Media-Politiker“. Das war 2015, als er in sozialen Netzwerken unermüdlich gegen das Freihandelsabkommen TTIP mobilisiert hat. Auf Facebook und vor allem auf Twitter war Reimon rund um die Uhr präsent, noch lange, bevor HC Strache und Sebastian Kurz Massen von virtuellen Fans um sich geschart haben. Seine Politkarriere als Mandatar ist vor allem von zwei Stationen geprägt: 2010 bis 2014 war er für die Grünen im Burgenländischen Landtag, dann errang er auf dem zweiten Listenplatz der Grünen bei der EU-Wahl ein Mandat.

Im Oktober 2018 kündigte er seinen Rückzug an: Familie, Firmengründung, Doktoratsstudium und Bücherschreiben seien angesagt. Dann wirbelte das Ibiza-Video die heimische Innenpolitik durcheinander. Und der gelernte Journalist und nie um getwitterte Pointen verlegene Politiker liebäugelte sofort mit einem Polit-Comeback. Auf dem Bundeskongress der Grünen will sich der gebürtige Siegendorfer um ein Nationalratsmandat bewerben. Studium, Firma und Bücher können noch warten…

Update 6. Juli 2019

Am Grünen Bundeskongress am 6. Juli wurde Michel Reimon auf Platz 4 der Bundesliste gewählt.

 

Schon vor der Zeit als grüner Landtagsabgeordneter haben Sie 2009 die geplante Gründung einer Firma im Bereich „Organisationsentwicklung“ verschoben. Zehn Jahre später geben Sie – nach kurzem Rückzug – wieder der Politik den Vorzug. Warum?

Michel Reimon: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ich wollte immer schon ein Politiker sein, der ein zweites berufliches Standbein hat. Aber Ibiza und die Folgen lassen einen politisch denkenden Menschen nicht kalt. Und Werner Kogler hat gemeint, er hätte mich gerne im Team.

Aber noch ist nix wirklich fix: Der Bundeskongress der Grünen Anfang Juli muss erst entscheiden, ob Michel Reimon wirklich einen aussichtsreichen Listenplatz für ein Nationalratsmandat bekommt.

Michel Reimon: Gegessen ist das Ganze natürlich noch nicht. Aber ich rechne mir gute Chancen aus für einen aussichtsreichen Listenplatz.

Seit dem Erfolg bei der EU-Wahl spüren die Grünen Aufwind, und politische „Oldies“ scheinen wieder voll da zu sein: Werner Kogler agiert als Parteispitze, Sigrid Maurer zeigt wieder auf, und Michel Reimon plant ein Comeback im Nationalrat…

Michel Reimon: Also, wenn man genau hinschaut, wer wo auf welchen Listen und Landeslisten kandidiert, dann dürften jene, die schon mal Abgeordnete waren, höchstens 30 Prozent ausmachen. Und ich denke, man wird die Erfahrung dieser Leute auch brauchen. Und ein paar bekannte Namen sind ja nicht unwichtig.

Stichwort Bekanntheit: Sie sind – Achtung Satire! – täglich 27 Stunden online…

Michel Reimon: Ja, so ungefähr…

… mit mehr als 70.000 Followern bringt man ja ein gewisses WählerInnenpotenzial mit. Ist das nicht auch Startkapital und Kalkül für die nunmehr dritte Politkariere?

Michel Reimon: Ich habe mir von einer Firma ausrechnen lassen, welchen Werbe- oder Marktwert so etwas haben könnte: Es sind etwa 50.000 Euro im Monat. Man rechne das jetzt um auf einen Wahlkampf, der mehrere Monate dauert. Das ist also nicht wenig und natürlich ein Faktor, wenn man Opposition macht, Aufmerksamkeit auf wichtige Themen lenken und Widerstand erzeugen muss.

Würden Sie sich als virtuellen Aktivisten bezeichnen?

Michel Reimon: Ich bin in der medialen Szene sehr gut vernetzt. Medienleute lesen ständig mit, was ich schreibe. Dadurch bin ich sehr unabhängig von statischen Presseaussendungen. Ich versuche ständig, auch neue Kommunikationskanäle auszuprobieren und präsent zu sein. Gerade im Nationalrat wird es notwendig sein, direkt aus der täglichen Arbeit heraus besser informieren und damit auch bessere Politik machen zu können. Es gilt, nicht von kurzen Sendezeiten im Fernsehen und Erscheinungsterminen von Printmedien abhängig zu sein. Wie das Beispiel des Ibiza-Videos gezeigt hat, bist du nur wenige Stunden nach Auffliegen der Sache als Partei voll im politischen Diskurs dabei.

Die Grünen sind ja aus dem Parlament rausgeflogen und hoffen nun als außerparlamentarische Opposition wieder auf den Einzug. Rechnet man eher mit der Rolle als Opposition oder gar mit einer möglichen Regierungsbeteiligung?

Michel Reimon: Das Wahrscheinlichste ist wohl die Opposition. Wie es derzeit ausschaut, gibt es – und das sagt ja übrigens auch SPÖ-Landeshauptmann Doskozil – zwei wahrscheinliche Regierungsvarianten: Türkis-Blau oder Türkis-Rot.

Ihr Kommentar zu diesen Regierungskonstellationen?

Michel Reimon: FPÖ und damit Rechtsextreme in der Regierung: Das geht nicht!

Gibt der Höhenflug der Grünen in Deutschland den Grünen in Österreich Rückenwind?

Michel Reimon: Nein. Jeder Vergleich mit Deutschland ist hier Humbug. Denn dort gibt es ja schon viermal hintereinander eine große Koalition. Das ist eine ganz andere politische Dynamik. Wäre das bei uns so gewesen, stünden die Grünen jetzt auch bei 12 Prozent. Was in Österreich aber sehr wohl möglich ist, dass innerhalb weniger Wochen Wählerbewegungen von bis zu 10 Prozent denkbar sind. Die Stammwähler von früher gibt es nicht mehr. Das ist demokratiepolitisch gut. Für die Parteien wird die Sache aber durch die mobil gewordenen Wählerinnen und Wähler schwerer vorhersehbar.

Ihre Prognose für das Abschneiden der Grünen am 29. September?

Michel Reimon: Von 3,8 Prozent kann es ja nur mehr aufwärts gehen. Jede Prognose halte ich übrigens für Kaffeesudlesen. Ich warne auch die eigenen Leute davor, von tollen Ergebnissen zu träumen. Ich bin da eher vorsichtig.

Zu den Wahlkampfthemen der Grünen: Wenn man Werner Kogler zuhört, ist die Rede von Klima, Klima und nochmals Klima…

Michel Reimon: Prinzipiell musst du als Partei alles mitdiskutieren, was gerade öffentliches Thema ist. Dass das Klima endlich zum Thema wird, haben wir uns ja schon vor Jahren gewünscht. Mit unseren Kampagnen sind wir medial nicht wahrgenommen worden, obwohl wir dasselbe gesagt haben wie nun Greta Thunberg. Durch die große internationale Aufmerksamkeit ist das auf einmal auch in Österreich ein wichtiges Thema.

Welchen Aufgaben wollen Sie sich als Ex-Landtagsabgeordneter und ehemaliger EU-Parlamentarier im Nationalrat widmen?

Michel Reimon: Aus beiden Funktionen bringe ich Erfahrungen mit: Zum Beispiel, dass man sich in die Logik politischer Kontrahenten einfühlen muss. Auf europäischer Ebene denken und handeln nicht immer alle Länder im Sinne eines großen gemeinsamen Anliegens. Da gibt es starke lokale Interessen. Da kann es auch sein, dass die Zustimmung Österreichs in einer Frage davon abhängt, ob dies einige Landeshauptleute blockieren. Das durchschaut man als politisch gelernter Österreicher. Und man sollte andererseits auch wissen, wie etwa in Litauen Mehrheiten entstehen. Und ich habe vor, mich um die Auswirkungen internationaler Handelsabkommen auf Österreich zu kümmern.

Werden Sie weiterhin auf digitalen Plattformen aktive Politik betreiben?

Michel Reimon: Ich halte es für extrem wichtig, dass wir Grüne und ökologisch Bewegte eigene Plattformen und Kanäle aufbauen. Die klassischen Medien sind ja mitten im Umbruch. Und was die türkis-blaue Regierung unter Sebastian Kurz mit dem ORF vorhatte, ist ja nun glücklicherweise gescheitert. Da bleibt natürlich die Frage, was die nächste Regierung plant. Es muss unbedingt die Unabhängigkeit von Redaktionen sichergestellt werden. Und als Politiker sollte man nicht von Medien abhängig sein. Ich habe großen Respekt vor Journalisten, die harte Fragen stellen. Ich glaube fest daran, dass die Grünen in einem fairen Wettbewerb mit kritischen Medien gut aussteigen werden.

„Das größte Tabu in diesem Land ist noch immer die Wahrheit“ schrieb Peter Wagner 1988 in einer „Rede an das Burgenland“. Der 1956 in Wolfau geborene Schriftsteller und Regisseur gilt als eine der kritisch beobachtenden, aber auch gerade deshalb kritisierten intellektuellen und künstlerischen Instanzen im Land. Als „Autor, Regisseur und Burgenländer“ hat ihn einmal die Tageszeitung „Der Standard“ bezeichnet. Der Mann mit Hut und großer Leidenschaft für alle Facetten von Literatur, Theater, Musik und Film hat erst vor kurzem im – von ihm mitbegründeten - Offenen Haus Oberwart eine Neufassung von „Messe für Eine“ mit Katharina Tiwald inszeniert und plant eine spektakuläre Theaterproduktion in Klagenfurt. Walter Reiss im Gespräch mit dem Autor, Regisseur, Theatermacher, Filmkünstler und Komponisten Peter Wagner.

Erst wenige Wochen ist das Jahr 2019 alt, und acht Frauen wurden brutal ermordet. Die Bundesregierung will Gewaltdelikte stärker bestrafen und Maßnahmen für mehr Opferschutz einführen. Walter Reiss hat mit Karin Gölly, Leiterin des Gewaltschutzzentrums (GSZ) Burgenland, gesprochen – über Ängste und was das Gerede im Ort auslösen kann. Vor allem geht es um die wichtige Botschaft an betroffene Frauen, sich Hilfe zu holen. Die Beratungen im Gewaltschutzzentrum sind anonym und kostenlos!

Die Polizei – dein Freund und Helfer

Die Polizei – dein Freund und Helfer

Die Geschichte der Polizei in Oberwart. Ein Abriss aus einer Historie, die noch nie an die Öffentlichkeit kam. Die aber die Bedeutung dieser Einrichtung zeigt.
Wilhelm HODITS / 27. Februar 2020
Plätze & G'schichtn

Der Gutshof an der Grenze

Schachendorf – an der ungarischen Grenze. Es ist eine sehr mystische Gegend und der passende Rahmen für die Gebäude mit einer bewegten Geschichte: das Kastell und der Meierhof.

Das Kastell in Schachendorf wird heute von drei Generationen der Familie Berlakovich bewohnt.

 

Wann das Kastell genau erbaut wurde, ist heute nicht feststellbar. Vermutet wird das Jahr 1760, doch es gibt keine konkreten Belege dafür. Was jedoch erwiesen ist, ist dass die Geschichte dieses Gebäudes eng verbunden ist mit der Geschichte des Güssinger Adelsgeschlechts Batthyány.

Die Spuren der Batthyány

Die Familie erhielt die Burg Güssing 1524 von König Ludwig II. Um 1527 wurde Franz Batthyány auch Besitzer der Domäne Rechnitz. Eine weitere Schenkung um 1550 machte die Familie Batthyány endgültig zum mächtigsten Grundherren des Südburgenlandes.

Schachendorf gehörte vor 1540 zu der Domäne Rechnitz und damit zu den Batthyánys. Diese holten um 1532 in die – durch die Türken und die Pest – entvölkerten Gebiete zahlreiche Kroaten zur Neubesiedelung ins Land. So wurde auch Schachendorf 1548 besiedelt. Der erste Schachendorfer Meierhof taucht in der Chronik bereits 1634 auf. 1676 werden sogar zwei Meierhöfe (landwirtschaftliches Gebäude) genannt.

Neben dem Haupthof in Schachendorf gab es einen Vorhof in Narda und einen zweiten, den Lichtenfurter Hof, der an der Straße Schachendorf -Schandorf lag. Der Lichtenfurter Hof diente der Viehhaltung. Es waren etwa 60 Rinder hier untergebracht. Der Hof wurde während des Krieges im Jahr 1945 so beschädigt, dass er abgetragen werden musste.

1860 verkaufte die Familie Batthyány das Gut Rechnitz und damit auch ihren Besitz in Schachendorf an die Gutsherren in Bernstein. 1870 übernahm ein gewisser Advokat Julius von Szájbály das Anwesen und bewirtschaftete es bis 1906. In diesem Jahr wurde der Besitz von Baron Heinrich Thyssen-Bornemisza übernommen, der bis 1936 im Schloss Rechnitz lebte.

Die dunklen Jahre

Baron Thyssen-Bornemisza verpachtete das Gut Schachendorf mit etwa 600 Hektar ab 1914 an die jüdische Familie Ungar. 1938 übernahm die „Deutsche Ansiedelungsgesellschaft“ unter den Nazis das Gut und den gesamten Betrieb. Der neue Verwalter, der von den Nationalsozialisten eingesetzt wurde, war ein gewisser Hugo Holzgethan. Er wurde für seine Schandtaten und sadistischen Handlungen gegen die Juden nach dem Zweiten Weltkrieg von den Russen verurteilt und erschossen.

Mit den Nazis begann die dunkelste Geschichte des Meierhofes. In dieser Zeit wurde im Magazin des Meierhofes ein Arbeitslager für Juden, Kriesgefangene und politisch Gefangene eingerichtet. Vor allem die Juden wurden hier besonders gequält. Sie wurden zur Errichtung des Südostwalls gezwungen und mussten unmenschliche körperliche Anstrengungen durchführen. Nachts wurden sie auf engstem Raum zusammengepfercht.

Krank oder schwach zu werden, bedeutete automatisch den Tod. Laut Zeitzeugenberichten wurden besonders die ungarischen Juden von den Nazis grausam geschlagen und erniedrigt. Sie bekamen nur wenig zu essen, sodass viele diese harte Arbeit nicht überlebten. Wenn ihnen die Bewohner des Meierhofes (Arbeiter, die hier wohnten) etwas zu essen bringen wollten, wurden sie von der Wachmannschaft mit dem Erschießen bedroht. Die Kinder der Arbeiter waren weniger furchtsam. Sie steckten oft Brot in ihre Taschen und ließen es neben den Zwangsarbeitern fallen.

Wie groß das Leid und der Nahrungsmangel waren zeigt die Geschichte eines Zeitzeugen: Die Bewohner des Meierhofes stellten eines abends einen Leiterwagen mit rohen Zuckerrüben und ein anderes Mal einen Leiterwagen mit rohen Kartoffeln vor das Tor des Arbeitslagers. Beide Male war die Anhänger in der Früh leer.

Margot, die Tochter von Baron Thyssen-Bornemisza war mit Ivan Batthany verheiratet. Diese Gräfin ging in die Geschichte ein. Sie war in den letzten Kriegstagen Gastgeberin einer Gruppe von SS-Offizieren im Schloss Rechnitz. Es war in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945, kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee. In der nahe gelegenen Scheune Kreuzstadl in Rechnitz wurden etwa 180 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter von Teilnehmern des Festes in einem Blutrausch ermordet. Ihre Leichen werden heute noch gesucht.

Die Befreiung

Besonders grausam waren für die Gefangenen im Arbeitslager die Zeit im April 1945, während der Befreiung des Meierhofes durch die Russen. Die Gefangenen konnten das versperrte Lager nicht verlassen und verhungerten hier elendlich. 500 Zwangsarbeiter waren im Arbeitslager eingepfercht. Wie viele tatsächlich überlebt haben, ist nicht bekannt.

Ein jüdischer Kriegsgefangener konnte aus dem Gefangenenlager fliehen, bevor die Russen den Meierhof befreiten. Er kletterte auf einen der mächtigen Eichenbäume und versteckte sich in der Krone. Erst zwei Tage später kam heruter, als die Russen den Meierhof endgültig von der Naziherrschaft befreit hatten. Mit dieser Aktion hatte er sich das Leben gerettet.

Nachdem die Russen den Meierhof in den Besitz genommen hatten, war ein unangenehm süßlicher Geruch zu merken. Die Bewohner des Anwesens öffneten mit Gewalt das Tor zum Arbeitslager. Was sie dort sahen, kann laut Zeitzeugen an unfassbarer Grausamkeit und Leid nicht in Worten ausgedrückt werden. Hinzukam, dass die Leichen der Zwangsarbeiter nicht sofort bestattet werden konnten, was zu einem Ausbruch einer Typhusepidemie führte.
Das Kastell war nach dem Auszug der russischen Soldaten nicht mehr bewohnbar. Es war stark beschädigt.

Nach den Kriegswirren kehrte Ferdinand Ungar, der seine Frau und seine Söhne in Dachau verloren hatte, als Pächter zurück und übernahm den Gutsbetrieb in Schachendorf. Seine zweite Frau, eine Jüdin aus Szeged, wollte jedoch in der Stadt leben, weshalb Ferdinand Ungar einen Pächter für das Anwesen suchte.

Die neuen Besitzer

Ein gewisser Robert Berlakovich, der Offizier in der K und K Armee war, suchte nach dem ersten Weltkrieg eine Stelle als Lehrer. Nachdem keine frei war, ging er zum österreichischen Bundesheer. Nach dem Abschluss des Studiums an der Universität für Bodenkultur hörte er davon, den Meierhof in Schachendorf pachten zu können und bewarb sich. Er zahlte an Ferdinand Ungar eine Ablöse und übernahm 1951 das Anwesen mit dem Meierhof und dem Kastell. Nachdem dieses unbewohnbar war, musste er es mit hohem finanziellem Aufwand sanieren.

Als die Familie Berlakovich im Jahr 1951 nach Schachendorf zog, war der aus Nikitsch stammende Pfarrer Vrba, der die Familie aus Kindheitstagen gut kannte, so erfreut, dass er der Familie die zweite Reihe in der Kirche auf der rechten Seite reservierte. Seither ist dies in Schachendorf ein ungeschriebenes Gesetz, das heute noch Gültigkeit hat.

Als Robert Berlakovich 1951 den Gutshof übernahm lebten hier 109 Personen. Sie wurden Deputatisten genannt. Zum Deputat gehörten unter anderem kostenlos die tägliche Milch, Brennholz, Weizen, Gerste und etwa 5.700 m2 Acker. Diese Familien wohnten in einer Art kleinem Reihenhaus. Das Leben spielte sich meist im Freien vor diesen Häusern ab. Jede Familie hatte einen Gemüsegarten und einen Schweinestall für zwei Tiere und einen Stall für Hühner und Hasen. Auf dem Acker und dem Gemüsegarten wurde alles angebaut, was man zur Selbstversorgung benötigte.

Die Schweine wurden täglich außer sonn- und feiertags von einem Schweinehirten abgeholt, auf die Felder getrieben und abends wieder in die Ställe zurückgebracht. Das Leben, so berichten Zeitzeugen, war damals am Meierhof ein gutes. Die Bewohner der Siedlung waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Es wurde gemeinsam gefeiert und zusammengehalten. Der obligate Sautanz oder das Federschleißen waren willkommene Anlässe , die zelebriert wurden. Neben den fix Angestellten gab es auch etwa 20 Saisonarbeiter und etwa 20 Tagelöhner.

Sogar ein Teich zum Abkühlen im Sommer war vorhanden. Die Bewohner des Meierhofes sprachen ungarisch. Sie konnten zum Großteil weder deutsch noch kroatisch.
Während der Erntezeit halfen die Kinder am Feld mit. Dafür bekamen sie Geld und waren mächtig stolz darauf.

In den 50-er und 60-er Jahren war die Viehzucht ein starker Wirtschaftszweig. So waren damals immer mindestens sechs Pferde, 100 Rinder, Milchkühe, Ochsen und Stiere, 60 Zuchtschweine und 600 Mastschweine sowie Hühner zur Selbstversorgung am Meierhof vorhanden.

Wenn im Herbst die Zuckerrübern zur Umladestation am Bahnhof Schachendorf mit Ochsen, Graurindern und den Lanz Bulldog-Traktoren geliefert wurden, war das auch für die Dorfkinder ein interessantes Schauspiel. Bevor die Traktoren in der Früh gestartet wurden, musste unter dem Motorblock ein Lagerfeuer angezündet werden, um das Motoröl anzuwärmen. Erst dann konnte diese Art von Traktoren mit dem Lenkrad an der Vorderseite gestartet werden. Dann stieg ein schwarzer Rauch aus dem großen, nach oben ragenden Auspuff.

In Spitzenzeiten waren zwölf solcher Traktoren am Schachendorfer Meierhof aktiv. Eine Sensation war nach 1952 der Einsatz der ersten mit einem Lanz Bulldog Traktor gezogenen Mähdrescher. Die Bauern der Umgebung konnten es nicht glauben, dass auf einmal ein Gerät die schweren Feldarbeiten erledigte. Bei den Bauern in den Dörfern wurden diese Landwirtschaftsmaschienen aber erst viel später eingesetzt.

Im Jahr 1981 kaufte Ivan Berlakovich, der Sohn von Robert, 242 Hektar des 408 Hektar großen Anwesens von Heinrich Thyssen-Bornemisza – inklusive das Kastell und den Meierhof. Der Rest des Grundstücks ging an die umliegenden Bauern.

Als 1979 die letzte Deputatistenfamilie Janzsö aus dem Meierhof auszog, blieb diese Anlage leer. Später wurde ein Teil abgetragen. Heute wird eine Wohnung vom pensionierten katholischen Pfarrer Nikola Juracec bewohnt. Eine weitere Wohnung von einer Mieterin. Der südliche Teil wurde von der Tochter des Hauses als Wochenend-Domizil ausgebaut. Der Rest der ehemaligen Wohnanlage wird als Lagerraum genutzt.

Im sanierten Kastell wohnen heute drei Generationen. Im nördlichen Teil wohnen der „Senior-Chef“ Ivan Berlakovich und seine Frau Monika. Im südlichen Teil, der heutige Eigentümer Stefan Berlakovich mit seiner Frau Kinga und seinen drei Kindern, die dreisprachig aufwachsen.

Das Kastell liegt geschützt in einer Parklandschaft, sodass das Anwesen von der Straße aus kaum sichtbar ist. Im Jahr 2008 wurde der Betrieb auf moderne biologische Landwirtschaft umgestellt. Heute arbeiten nur mehr drei ständige Facharbeiter und ein Saisonarbeiter am Meierhof.

Die Gemeinde Schachendorf und Joe Omischl haben wichtige Details aus der Chronik für diesen Artikel zur Verfügung gestellt.

 

...dann ist das schon etwas Besonderes. In Siget steht immerhin die älteste katholische Kirche des Burgenlandes.

Die Rot-Blau-Ocker-Malerei.

 

Lieblich, so würde wohl ein Fremder Siget in der Wart beschreiben. Ein burgenländisches Dorf – genau genommen ein Ortsteil der Gemeinde Rotenturm – in dem 297 Einwohner leben. Aber immerhin hat der Ort zwei Kirchen: eine evangelische AB und unweit davon die katholische Kirche. Und genau diese weist eine bedeutende Geschichte auf.

Über die Jahre wurde fälschlicherweise verbreitet, dass diese kleine aber außergewöhnliche Kirche im Jahr 1648 als evangelisches Gotteshaus errichtet worden war. Das ist jedoch schon im Hinblick auf das Toleranzpatent von Kaiser Josef II, das erst 1781 in Kraft trat und den Evangelischen die Ausübung ihrer Religion gestattete, unmöglich.

Erst eine wissenschaftliche Untersuchung durch Mag. Franz Sauer vom Bundesdenkmalamt, Abteilung für Archäologie im Jahr 2018 brachte ein unglaubliches Ergebnis zu Tage: Die katholische Kirche in Siget in der Wart wurde im 9. Jahrhundert errichtet. Am 13. Jänner 865 wurde sie vom Salzburger Erzbischof Adalwin eingeweiht. Damit wird auch der Beweis gelegt, dass diese katholische Kirche in Siget in der Wart die älteste Kirche des Burgenlandes ist. Seit 1940 ist die Kirche in Siget eine Filiale der Pfarre Unterwart. Davor war sie eine Filiale Oberwarts.

Der Schatz von Siget

Im Jahr 1983 wurde vom Bundesdenkmalamt eine archäologische Untersuchung der katholischen Kirche in Siget durchgeführt. Dabei wurde ein österreichweit einzigartiges Denkmalobjekt entdeckt: die sogenannte Rot-Blau-Ocker-Malerei, die von Westungarn bis Siebenbürgen in protestantischen Sakralbauten zu finden ist. Diese Malerei in Siget bleibt bisher das einzige erhaltene Exemplar dieser außergewöhnlichen Freihandtechnik und ziert die Decke und das Gewölbe des Gebäudes.

Wer die Kirche in Siget betritt, darf nicht mit Prunk und Glanz rechnen. Es ist die Einfachheit, die diese Kirche so einmalig macht. Die Einrichtung könnte als „mangelhaft“ bezeichnet werden. Es gibt keinen Hochaltar, kein Taufbecken, keinen Tabernakel, keine Sakristei und keinen Beichtstuhl. Und – es gibt keine Standorgel.

Im Eingangsbereich ist ein steinernes Weihwasserbecken aus dem 15. Jahrhundert. 1757 entstand ein einfacher barocker Hochaltar mit dem bemalten Bild der Maria Immaculata (unbefleckte Empfängnis). In diesem Originalzustand sieht man den Hochaltar heute nicht mehr. Das ehemalige Altarbild mit dem geschnitzten hölzernen Rahmen und dem Bild der Maria Immaculata hängt seit 1983 an der linken Seitenwand der Kirche.

Es zeigt im oberen Bereich die Dreifaltigkeit, links den Hl. Nepomuk und rechts oben den Hl. Ladislaus. Im unteren Bereich ist links der Hl. Sebastian dargestellt. Rechts sieht man den Hl. Rochus. Auf dem heute vorhandenen steinernen Volksaltar steht ein Kreuz aus dem 19. Jahrhundert.

Der Blick geht zur Apsis, wo die reiche Gewölbedekoration mit dieser einzigartigen Maltechnik sofort ins Auge springt.

Auch die noch teilweise im Originalzustand vorhandenen Fenstereinfassungen und die im Bezirk Oberwart einzigartige Steinkanzel sind Besonderheiten dieses Gebäudes.

Selten sieht man hierzulande einen hölzernen Glockenturm, wie hier in Siget. Die Glocke wurde im Jahr 1651 gegossen und gehört damit zu den ältesten in Österreich. Einmal im Monat feiert Pfarrer Pater Adalbert Gáspár aus Unterwart hier in Siget die heilige Messe in deutscher Sprache. Durchschnittlich sind es 15 Messbesucher, die daran teilnehmen. Vielleicht werden es mehr, wenn die historische Einzigartigkeit dieses Gotteshauses den Menschen bewusster wird.

>> Der Artikel „Frühmittelalterliche Kirchen im Burgenland“ von Mag. Franz Sauer erscheint im Frühjahr 2020 im Heft „Archäologie Aktuell“.

Stadtführungen Oberwart
Ing. Wilhelm Hodits
0664/50 44 554

Plätze & G'schichtn

Gefallen fern der Heimat

Im November, wenn der Herbst seine volle Kraft entfaltet und Nebelschwaden über der Landschaft liegen, haben Friedhöfe eine besondere Anziehungskraft auf uns. In der Gemeinde Oberwart gibt es ihrer gleich sechs. Der Friedhof der Sowjetarmee ist der jüngste. Umgangssprachlich wird er kurz der „Russenfriedhof“ genannt. Die hier begrabenen Soldaten hatten einen langen Weg hinter sich, bis sie hier bestattet wurden. Ab und zu besuche auch ich diesen Ort.

Unter dem Adelsgeschlecht Erdödy wurde das Schloss in Rotenturm erbaut und erlebte seine Hochblüte, aber auch den Beginn seines langsamen Verfalls (prima! September Ausgabe 2019). Beinahe wäre es abgerissen worden, und beinahe wäre seine Geschichte eine, die traurig geendet hätte. Wäre da nicht ein Wunder passiert – in Form eines Wiener Versicherungs- und Immobilienexperten.

Plätze und G'schichten

Höhen und Tiefen eines Schlosses

Die Geschichten sind bücherfüllend, wenn Heinz Schinner, der heutige Besitzer von Schloss Rotenturm, zu erzählen beginnt. Seit über zehn Jahren ist er Schlossherr. Das hätte er sich selbst niemals träumen lassen, wie er meint. Doch das Schloss hat ihn verzaubert – und ohne ihn würde es dieses wahrscheinlich gar nicht mehr geben.

Das Schloss Rotenturm nach der Renovierung durch Heinz Schinner.

 

 

Was wurde nicht alles spekuliert über das Schloss Rotenturm. Jahrelang war es dem Verfall preisgegeben. Um einen Euro wäre es zu haben gewesen – natürlich mit der Auflage, es zu renovieren. Aber diese Geschichte soll an dieser Stelle nicht erzählt werden. Wir werfen einen Blick zurück in die Anfänge des Schlosses, das einst von den Erdödys als repräsentativer Herrschaftssitz errichtet wurde. 1857 wurde der Architekt Philipp Schmidt mit den Bauplänen beauftragt. Das bestehende Kastell, das später als Gesindehaus diente und der Schlosspark sollten mitintegriert werden.

erwirklicht wurden diese Pläne allerdings nicht, da Graf Georg Erdödy starb und sein Sohn Stefan, Erbe des Schlosses, im Jahr 1860 den berühmten Budapester Architekten Anton Weber beauftragte, ein repräsentatives Schloss zu planen.Im April 1862 begannen die Arbeiten, im Frühling 1866 war das Schloss Rotenturm fertiggestellt. Diese adelige Großvilla ist in byzantinisch-maurischem Stil gehalten, zu dem noch romanische, gotische und renaissanceartige Architekturelemente dazukamen. Auffallend ist der wuchtige dreigeschoßige Baublock, der durch eine außergewöhnlich vielfältige Fassadendekoration fast schwerelos erscheint An der östlichen Seite befindet sich der quadratische (8,5 x 8,5 Meter), massive, rote Eckturm mit einer Zinnengalerie. Er ist etwa 36 Meter hoch und ist weit im Pinkatal zu sehen. Dieser rote Schlossturm ist so charakteristisch, dass er die Silhouette des ebenfalls ziegelrot gefärbten Schlosses beherrscht.

Insgesamt hatte das Schloss etwa 70 Räume. Im 1. Stockwerk des Turmes war auch in einem eigens dazu bestimmten, feuersicheren Saal das Geheimarchiv der Familie Erdödy verwahrt. Trotz großer Vorkehrungen und Sorgfalt wurde dieses Archiv durch den Großbrand im Jahr 1924 völlig vernichtet.

Unter Graf Stefan erlebte das Geschlecht Erdödy seinen wirtschaftlichen Höhepunkt. Er war unter anderem ein großer Förderer der Bahnstrecke Steinamanger-Pinkafeld, war maßgeblich an der Errichtung der Synagoge in Oberwart beteiligt, und durch seine finanzielle Unterstützung konnte das Alte Krankenhaus in Oberwart gebaut werden.

Der langsame Verfall

Noch zu Lebzeiten seines Vaters übernahm Julius Erdödy (1845-1917) das Herrschaftsgut Rotenturm. Aus der Ehe mit seiner wesentlich jüngeren Nichte Gräfin Emilie Széchenyi von Sávár-Felsövidek entstammen die Söhne Thomas und Ludwig. Letzterer übernahm 1917 das Schloss Rotenturm. Ludwig war jedoch nicht mit Gesundheit gesegnet, und er war ein Trinker. Der Abstieg des Herrschergeschlechts Erdödy war besiegelt. Zwei Jahre nach dem fürchterlichen Brand im Schloss (1924), bei dem das Archiv und der Dachstuhl völlig vernichtet wurden, starb Ludwig. Er war der letzte Erdödy, dem das Schloss gehörte. Seit 1928 steht es unter Denkmalschutz. 1932 folgte der Park.

Im zweiten Weltkrieg trat als Eigentümer Gau Steiermark auf. Die Nazis wollten hier eine Ausbildungsstätte für Agrartechniker errichten. Dazu kam es aber nicht mehr. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Schloss von den Sowjettruppen besetzt. Ab 1951 war das Land Burgenland öffentlicher Verwalter des Schlosses. Es galt als „nicht erhaltungswürdig“ und 1954 kam es sogar zu einem Abbruchbescheid, der zum Glück nie ausgeführt wurde.

1972 war das Kastell, das unter den Erdödys als „Gesindehaus“ fungierte, nicht mehr zu renovieren und wurde abgetragen. In das Schloss selbst investierte das Land im Jahr 1977 etwa 1,9 Millionen Schilling (rund 138.000 Euro). Dabei wurden unter anderem die Fenster vermauert, um das Gebäude besser vor Witterung und Vandalismus zu schützen.

Jahrzehntelang wurde ein neuer Eigentümer gesucht, der das Schloss vor dem völligen Verfall rettet. Neben skurrilen Interessenten wie einem Filmstudio, einem falschen Grafen oder etwa einem arabischen Scheich hatte auch das Land Pläne und wollte eine Bundessportschule hier errichten. Realisiert wurde davon nichts. Erst im Jahr 2008 trat ein gewisser Heinz Schinner auf die Bildfläche, und mit ihm änderte sich das Schicksal des Märchenschlosses. Mehr dazu in unserer Oktober 2019 Ausgabe.

Plätze und G'schichten

Das „Raffelhaus“

Eines der schönsten, typisch burgenländischen Arkadenhäuser steht in Oberwart: das Raffelhaus. Allein der Garten ist eine Geschichte für sich.

Im südlichen Hofbereich steht ein großer Nussbaum, der das Haus beschattet.

 

Etwa 200 Jahre ist es alt, das sogenannte „Raffelhaus“ und mitten im Zentrum von Oberwart gelegen. Der aufmerksame Besucher wird bemerken, dass es einen Meter tiefer liegt als der Gehsteig. Die Zufahrt war damals nur über die heutige Ganghofergasse möglich. Erst Ende 1950 wurde die Schulgasse errichtet. Auf die Höhenlage des Raffelhauses wurde dabei jedoch keine Rücksicht genommen, und so liegt es heute eben bis zu einem Meter tiefer als der Gehweg.

In Besitz der aus Tirol stammenden Familie Raffel kam das Haus um 1888. Mihaly Raffel war Lehrer in Neumarkt und kaufte das Haus samt der anschließenden Mühle für seinen Sohn János. Und dieser wiederum vermachte die Mühle seinem Sohn Johann, der in Oberwart als Müller stadtbekannt und sehr beliebt war. Besonders stolz war er auf seinen Sohn, der unter dem Namen Bubi Raffel als Tierarzt für Großvieh über die Grenzen der Stadt hinaus kein Unbekannter war. Bubi Raffel starb im September 1997. Seither wird das Arkadenhaus von seiner Witwe bewohnt – und auch der Garten wird von ihr nach wie vor mit viel Aufwand und Leidenschaft gepflegt. Übrigens: Auch Otto Wölfel, der bekannte Oberwarter Kantor und Volkschullehrer, wurde in diesem Haus (dem Elternhaus seiner Mutter) im Jahr 1924 geboren.

Das Arkadenhaus

Das Haus wurde um 1820 als Hakenhof errichtet. Wer es erbaute, ist gänzlich unbekannt.Die Mauern sind solide 60 cm stark. Auf der gesamten Südseite verläuft ein Arkadengang. Der westliche Quertrakt wurde 1905 dazugebaut. Im Zuge dieser Baumaßnahmen wurde auch der heute mächtige Weinstock gepflanzt, der das Haus für sich eingenommen hat. Der eigentlich größere Garten, der nördlich gelegen war, wurde mit dem Bau der Schulgasse (1959-1960) an die Stadtgemeinde verkauft. Im Zuge dessen wurde auch der Wirtschaftstrakt abgetragen. In den 1960er Jahren war das Raffelhaus als Kükenbrutstätte bekannt. 1970 wurde diese endgültig geschlossen.

Danach wurde das Haus saniert, und die Zimmer sind heute noch in dem gediegenen Stil verschiedener Zeitepochen eingerichtet. 2006 wurde ein Wintergarten zugebaut, den Frau Raffel heute besonders als Heizung in der Übergangszeit schätzt. Aber kaum zu übertreffen ist der alte Nussbaum im südlichen Teil des Gartens. Es ist ein Ruhepol mitten in der Stadt, der sicherlich viel erzählen könnte.

OSG investiert 350 Millionen Euro

OSG investiert 350 Millionen Euro

Die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft OSG setzt weitere Baumimpulse und hat in den letzten beiden Wochen mehr als 120 OSG-Baustellen wieder in Betrieb genommen.
Advertorial / 28. April 2020

In kleineren Immobilien fehlt oft der Platz für Homeoffice und Workout. Dennoch wünscht sich ein Großteil der Österreicherinnen und Österreicher eine Fortsetzung der Homeoffice-Tätigkeit auch nach der Corona-Krise. Und viele Städter überlegen außerdem aufs Land zu ziehen. Das zeigt eine Umfrage von Raiffeisen Immobilien.

„Am Land lebt es sich besser“ – dieser Meinung sind drei Viertel der Österreicherinnen und Österreicher in Bezug auf die Coronakrise

Durch die Ausgangsbeschränkungen aufgrund des Coronavirus waren die Österreicherinnen und Österreicher in den letzten Wochen damit konfrontiert, Arbeit und Privatleben in ihren eigenen vier Wänden zu verbinden. Eine Umfrage von Raiffeisen Immobilien zeigt nun, dass die Mehrheit der heimischen Bevölkerung mit ihrem Wohnraum grundsätzlich zufrieden ist. Schwierig wird es allerdings bei jenen, die in kleineren Einheiten auf bis zu 60 m2 wohnen. Hier ist jeder Fünfte unzufriedener als vor der Pandemie. Sie klagen über zu wenig Platz (33%) und geben an, dass ihnen häufig „die Decke auf den Kopf fällt“ (34%). Rund ein Drittel dieser Gruppe wünscht sich eine neue Immobilie.

Glück jene, die einen Garten haben

Drei Viertel der ÖsterreicherInnen sind davon überzeugt, dass es sich während der Krise auf dem Land besser leben lässt. Ein Drittel jener Städter, die das Landleben in der Krise für vorteilhafter halten, überlegt sogar aufs Land zu ziehen. 9% haben bereits konkrete Pläne dafür.

Zukunftsmodell Homeoffice

Rund 45% der berufstätigen Österreicherinnen und Österreicher arbeiten derzeit aufgrund der Krise im Homeoffice. Über ein Viertel hatte Schwierigkeiten dafür im eigenen Zuhause Platz zu schaffen. Das war vor allem bei jenen mit einer Wohnfläche bis zu 60 m2 der Fall. Dennoch wünschen sich drei Viertel derer, die im Homeoffice arbeiten, dass dies auch nach der Krise möglich ist.  Nikolaus Lallitsch, Sprecher von Raiffeisen Immobilien Österreich, sieht darin auch Auswirkungen auf den Immobilien-Markt: „Sollte dieser Wunsch von den Arbeitgebern aufgegriffen werden, könnte dies mittel- bis langfristig zu einer Verkleinerung von Büro-Immobilien sowie neuen Anforderungen im Wohnbau führen. Flexiblere Grundrisse werden dann noch gefragter sein.“

Lediglich in der Altersgruppe der 30 bis 40Jährigen ist die Begeisterung für das Arbeiten zuhause mit 65% etwas geringer. Das dürfte daran liegen, dass in dieser Altersgruppe Kleinkinder im Haushalt leben, deren Betreuung mit Homeoffice meist schwer vereinbar ist. 70% der Befragten waren während der Krise sportlich und haben in den eigenen vier Wänden Gymnastik, Workouts oder ähnliches durchgeführt.

 

Der Wert der Immobilie

Ob und wie sich die Corona-Krise auf den Immobilienmarkt auswirken wird, ist derzeit noch nicht genau abzusehen. „Die Ungewissheit über die Dauer der Einschränkungen macht eine Prognose schwierig. Da Wohnen ein Grundbedürfnis ist und bleibt, hoffen wir bei Kauf-Objekten auf eine rasche Erholung des Marktes“, erläutert Peter Weinberger, Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien NÖ/Wien/Burgenland. Auch die Bevölkerung macht sich darüber Gedanken. So haben 18% Bedenken, für eine Immobilie in Zukunft keine Finanzierung zu erhalten. 17% befürchten Miete oder Kreditraten für Haus oder Wohnung nicht mehr aufbringen zu können und 16% sorgen sich, notwendige Renovierungsmaßnahmen nicht finanzieren zu können.

Vor vier Wochen hat die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft (OSG) aufgrund der Ausgangsbeschränkungen durch das Coronavirus die Bautätigkeiten eingestellt. Ab heute, 13. April, werden die Bauarbeiten wieder fortgesetzt.

Ing. Christian Jandrisevits (Geschäftsführer Firma Schwartz Bau), KR Dr. Alfred Kollar (Geschäftsführer, Obmann und Vorstand der OSG), Univ. Prof. DI Dr.techn. Gerald Goger (Geschäftsführer BELIG), LR Mag. Heinrich Dorner

 

Es sei vor vier Wochen eine alternativlose Entscheidung gewesen, die Arbeiten auf den Baustellen einzustellen, sagt OSG-Geschäftsführer und Obmann Alfred Kollar. „Wir haben vor allem die Verunsicherung der Firmen gespürt und es ist selbstverständlich, dass Sicherheit und die Gesundheit der Mitarbeiter an erster Stelle stehen. Es war für uns daher klar, dass wir hier Solidarität zeigen und mit den Forderungen der Bundesregierung konform gehen“, so Kollar. Heute, vier Wochen nach diesem Totalstillstand, wurden die derzeit über 100 Baustellen der OSG wieder eröffnet. Symbolisch fand dieser Akt in Anwesenheit von Landesrat Heinrich Dorner auf der Baustelle des neuen OSG-Gebäudes in Oberwart statt. Die letzten vier Wochen hatte die OSG organisatorisch einiges zu erledigen. So wurde ein Acht-Punkte-Schutzmaßnahmenprogramm in die Gesundheitsschutz- und Sicherheitspläne der einzelnen Baustellen eingearbeitet. So darf auf den Baustellen beispielsweise nur mit Schutzmasken und in einem Abstand von einem Meter zueinander gearbeitet werden. Auch die Anzahl der Mitfahrer bei einem Mannschaftstransport hat sich um mehr als die Hälfte reduziert. Und sogar hinsichtlich der Sanitärcontainer gibt es neue Bestimmungen, um den Größe- und Hygieneforderungen Folge zu leisten.

Auch die BELIG (Beteiligung- und Liegenschaft GmbH) des Landes Burgenland nimmt ab heute wieder die Arbeiten auf, „selbstverständlich ebenfalls unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften“, wie Geschäftsführer Gerald Goger betont. Hochgefahren werden auch wieder die Baustellen der Energie Burgenland.

Die Eröffnung der Baustellen, so Kollar, sei ein wichtiger Schritt für den Wohnbau, den regionalen Arbeitsmarkt und die regionale Wirtschaft.

Mit Puppen hat Sabina Kasumovic schon als Kind nicht gespielt. Bauklötze waren ihre Leidenschaft. Diese Liebe für Architektur ist geblieben. Vor sieben Jahren hat sie die alte, verfallene Volksschule in Stadtschlaining gekauft und in ein Wohnhaus umgebaut. Ein historisches Juwel.

Einige hundert Jahre ist dieses Wohnhaus in Schlaining alt. Bis zum Jahr 1968 war hier die Volksschule. Danach verfiel es zusehends – bis Sabina Kasumovic das völlig desolate, denkmalgeschützte Gebäude privat kaufte und mit Hilfe der Baufirma ihres Mannes renovierte.

 

Genau genommen begann die Geschichte im Jahr 2013 – mit dem Blick auf eine Gewölbedecke im Vorraum. Sabina Kasumovic stand mit ihrem Mann damals mitten in der verfallenen Volksschule in Stadtschlaining. Die Gewölbedecke war kaum zu sehen, aber Sabina Kasumovic erkannte etwas in diesen desolaten Mauern.

Sie habe sofort gesehen, wie dieses Haus fertig restauriert aussieht. „In dieses alte Gewölbe habe ich mich verliebt“, sagt sie. Erst nachdem sie den Kaufvertrag beim Notar unterzeichnet hatte, stand sie nun da mit ihrem Mann, um ihm ihren neuen Besitz zu zeigen. Und da dieser als Bauunternehmer das Potenzial eines Objektes sofort erfasst, starrte er sie einfach nur fassungslos an und meinte: „Was hast du dir dabei nur gedacht?“

Die Antwort sieht man heute. Sieben Jahre später ist aus der alten Volksschule ein Wohnobjekt geworden, das nicht nur nach den Auflagen des Bundesdenkmalamtes von Grund auf saniert wurde. Hier hat Sabina Kasumovic „ihr Herz hineingelegt“. Und das ist bei der emotionalen Kroatin riesengroß, denn während sie durch die Räume geht, erkennt man, wie nah sie am Wasser gebaut ist und was ihr dieses Haus bedeutet.

„Ein solches Kulturerbe muss erhalten werden – das ist meine Bestimmung“

Den Auftrag für die Sanierung gab sie natürlich der Baufirma ihres Mannes. Ihre drei Söhne (einer leitet die Baufirma in Wien, die Zwillinge absolvieren die HTL Pinkafeld) haben hier ebenso mitgearbeitet. Ein richtiges Familienprojekt, könnte man sagen. Vielleicht liegt es Sabina Kasumovic auch deshalb so am Herzen, denn „Familie“, sagt sie, „geht über alles!“

Ausgeführt wurde die Renovierung nach ihren Plänen, die sie vom ersten Tag an im Kopf hatte und die sich absolut mit den Vorgaben des Denkmalamtes überschnitten haben. „Die Erhaltung eines solchen Kulturerbes ist wichtig. Dieses Gebäude ist einige hundert Jahre alt. Natürlich kann man ein neues Haus in acht Monaten hinstellen. Aber wenn man die Möglichkeit hat, etwas Altes zu renovieren, dann sollte man das auch tun“, sagt sie. „Ein altes Haus erzählt Geschichten, und diese darf man einfach nicht mit einem Bagger auslöschen.“

Bei der Restaurierung hat sie selbst Hand angelegt und neben ihren Mitarbeitern gearbeitet. „Sehen Sie den Putz an der Decke?“, fragt sie und blickt nach oben. „Das ist ein spezielles Verfahren, und wir haben hier Zentimeter für Zentimeter die Beschichtungen aufgetragen.“

Sie sitzt im Gewölberaum im Erdgeschoß und deutet auf die Steinmauer. „Die haben wir freigelegt, und die Zwischenräume wurden alle in Kleinstarbeit verfugt. Stück für Stück. Aber das ist es wert.“ Spätestens, wenn die Bodenlichter direkt auf die Mauer scheinen, muss man ihr zustimmen.

Durch die großen Fenster (hier wurden die Doppel-Rahmen erhalten) wird der Raum mit Außenlicht durchflutet, und der matte Eichenboden wird dadurch richtig in Szene gesetzt. Im Badezimmer im Erdgeschoß wurden die Wasserhähne und die Waschbecken in einen eigens angefertigten Aufbau einzementiert. Highlight ist hier nicht nur die frei stehende Badewanne, sondern der stufenförmige Ablageplatz, dessen Oberfläche mit alten Holzdielen gekrönt ist.

Was an Details nicht im Original erhalten war, wurde mit dementsprechendem Material nachgebaut – wie etwa die Holztreppe, die in die oberen Räume führt. „Die war eine Herausforderung“, sagt sie und kann heute darüber lachen. Andere gehen ins Fitnessstudio – sie arbeite eben auf der Baustelle, sagt sie.

„Gib niemals auf“

Ob es Momente gab, in denen sie verzweifelt war? „Natürlich“, gibt Sabina Kasumovic milde lächelnd zu. Ein komplett desolater Dachboden bereitete ihr die eine oder andere schlaflose Nacht. „Diesen Teil haben wir völlig erneuert und daraus eine Art Atelier bzw. Bibliothek gemacht – mit offenem Zugang.“ Aufgeben war niemals eine Option für Sabina Kasumovic.

„Hören Sie das Lachen?“

Das Herzstück des Hauses ist für die erfahrene Maklerin aber das rund 70 m2 große ehemalige Klassenzimmer. Auch hier durchflutet das Sonnenlicht den Raum, und in Verbindung mit den alten Lustern und Seitenlampen verbreitet sich eine wohltuende Ruhe und Wärme. Ein Blick hinaus geht direkt auf den Kirchturm und streift über die Wipfel der Bäume.

Sabina Kasumovic hat aber momentan nur Augen für den Boden. Dieser wurde im Original erhalten und restauriert. „Dieser Boden erzählt eine Geschichte, denn man sieht ganz deutlich die Wölbungen, die durch das Getrampel der vielen Kinderfüße entstanden sind. Der Boden ist denkmalgeschützt. Jedesmal, wenn ich hier bin, habe ich das Gefühl, das Lachen der Kinder zu hören“, sagt sie. Der Raum verkörpert für sie Freiheit und Weite.
Aus dem alten Direktorenzimmer wurde ein Schlafzimmer, „oder man nutzt es als Arbeitsraum“, sagt Sabina Kasumovic. Wer hier am Schreibtisch sitzt und aus dem Fenster blickt, sieht direkt auf den Innenhof zu dem höhergelegenen Garten und die Terrasse.

Schöne Erlebnisse hatte Sabina Kasumovic im Zuge der Restaurierung eine Menge. Aber besonders waren für sie die Momente, wenn ehemalige Schülerinnen und Schüler vorbeikamen und die Sanierung mitverfolgten. „Eine Dame hat sich bei mir dafür bedankt, dass ich ihre alte Schule rette. Ich war tief berührt“, erzählt Sabina Kasumovic.

Das Projekt ist nun abgeschlossen, und es wird Zeit loszulassen. Mit welchem Gefühl sie es nun hergibt? Da gehen ihr die Augen vor Tränen über, und sie schweigt. Dann sagt sie: „Ich hoffe nun, einen Besitzer zu finden, der dieses Haus genauso liebt, wie ich es tu.“ Ein Teil von ihr wird immer hier bleiben, sagt Sabina Kasumovic.  Aber vielleicht warten irgendwo schon die nächsten alten Gemäuer auf sie, die sie wieder vor dem Verfall retten wird. Sie wäre dazu bereit.

So Gott will.

 

 

Mehr Fotos und Infos zum Haus:

Planen-Bauen-Wohnen

Wohn(t)räume

Großpetersdorf. In herrlicher Sonnenlage werden aktuell in der Schlainingerstraße moderne Wohnprojekte verwirklicht. Die OSG baut hier Bungalows und Niedrigenergie-Reihenhäuser.

Die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft baut derzeit fleißig in Großpetersdorf.

 

Über 300 Wohnungen und Reihenhäuser hat die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft innerhalb der letzten 50 Jahre in Großpetersdorf errichtet. „Das bedeutet, dass fast 700 Großpetersdorferinnen und Großpetersdorfer bei der OSG zuhause sind“, sagt OSG-Obmann und Geschäftsführer Alfred Kollar. Aktuell wird die Bautätigkeit mit einem modernen Projekt fortgesetzt.

Bungalows – Wohnen mit Urlaubsfeeling

Die Bungalows werden eine Größe von 90 m² haben. Zwei Schlafzimmer, ein offen gestalteter Wohn-Essbereich sowie eine südwestseitig ausgerichtete Terrasse samt Eigengarten machen diese Bungalows besonders attraktiv.

Reihenhäuser – Für alle, die mehr Platz möchten

Im ersten Bauabschnitt entstehen neben den Bungalows auch sechs moderne Niedrigenergie-Reihenhäuser in einer Größe von 95 m² und 109 m². Eine sonnige Terrasse mit Eigengarten, lichtdurchflutete Räume, zwei bzw. drei Schlafzimmer – so lässt es sich leben!
Die Fertigstellung ist für Ende 2020 geplant.
Nähere Informationen gibt es bei der OSG.

Planen-Bauen-Wohnen

Baumesse Oberwart

Es ist eine besondere Baumesse, die heuer im Oberwarter Messezentrum stattfindet, denn es ist die 30ste! Von 30. Jänner bis 2. Februar 2020 werden Häuslbauer, Renovierer und Bastler wieder bestens beraten. Eine Erfolgsgeschichte, auf die man ein Leben lang bauen kann.

Die 30. Baumesse im Messezentrum Oberwart präsentiert wieder aktuelle Trends und wichtige Informationen im Bereich Planen-Bauen-Wohnen. 200 Aussteller präsentieren auf der Baumesse Oberwart, die vom 30. Jänner bis 2. Februar stattfindet, top Angebote.

 

Der richtige Baustoff ist das A und O bein Hausbau. Es ist entscheidend, welches Werkzeug, Material und Fundament man wählt.

Menschen wohnen heute anders als noch vor dreißig Jahren. Nachhaltigkeit, Ökologie und vor allem Energiesparen sind wichtige Faktoren, die es beim Planen des neuen Eigenheimes oder bei dessen Renovierung heute zu bedenken gilt. Auf der Baumesse erklären Experten aus den Bereichen Fertig- und Passivhaus ebenso wie renommierte Baumeister, wie man heute baut und wohnt.

„Die Baumesse ist eine Serviceleistung der Superlative, denn nirgendwo sonst sind die Wege zu allem, was man für das Eigenheim braucht, so kurz wie bei uns“, erklärt Veranstalter Markus Tuider.

Förderungen

Die burgenländische Wohnbauförderung gilt als eine der besten Österreichs. Auf der Baumesse gibt es zahlreiche und wichtige Informationen über Fördertöpfe – somit auch über den Handwerkerbonus vom Land Burgenland von bis zu 7.000 Euro.

Wohnen & Co

Auf der 30. Baumesse im Messezentrum Oberwart finden die Besucherinnen und Besucher tausende Einrichtungsideen. Wie aus dem Bad ein Wellnesstempel wird und welch wunderbare Atmosphäre eine einzige Lampe erzeugen kann – sofern sie die richtige ist – das sind nur einige Bereiche, über die die Profis der Baumesse informieren. „Wer seinen eigenen Plan mitbringt, kann von den Experten gleich individuell beraten werden, so der Tipp von Markus Tuider.

Energie sparen zahlt sich aus

Wie dämme ich mein Haus richtig, welches System zur Energiegewinnung passt zum Eigenheim und zum Lebensstil? „Energiesparen bleibt der Dauerbrenner auf der Oberwarter Baumesse“, weiß Markus Tuider. Sämtliche Fragen über Solarenergiesysteme, PV-Anlagen, Dämmstoffe und die passende individuelle Heizung werden von den Experten beantwortet.

Smart Living

Wenn sich das Licht einschaltet, sobald man den Raum betritt oder der Staubsaugerroboter bequem vom Handy aus gesteuert wird, dann handelt es sich sicher um eine Smart-Living-Lösung. Auch in diesem Bereich gibt es viele Neuigkeiten auf der 30. Baumesse zu erfahren.

Außerdem wird ein Schwerpunkt auf Einbruchschutz und Sicherheitstechnik gelegt.
Und nicht zuletzt verweist Markus Tuider auch auf den großen Ausstellungsbereich zum Thema Garten, Terrasse und Pool. Kein Wunder, denn für viele ist der Garten einer der ausschlaggebenden Gründe für ein eigenes Haus.
30. Baumesse Oberwart

Do, 30. Jänner – So, 2. Februar
täglich von 9 bis 18 Uhr
www.baumesse-oberwart.at

Planen-Bauen-Wohnen

Mein Haus aus Ziegel

„...und der Wolf hustete und prustete, aber er konnte das Haus aus Ziegel nicht zusammenpusten.“ So steht es in einem bekannten Märchen. prima! hat bei den Experten Thomas Mühl und Bernd Berk von der Ziegelhaus Manufaktur in Markt Allhau nachgefragt, was es mit dieser traditionellen Bauweise auf sich hat.

Was sind die Vorteile von einem Haus aus Ziegel?

Thomas Mühl: Häuser aus dem Naturbaustoff Ziegel sind wohngesund, wertbeständig, natürlich und nachhaltig, wirtschaftlich und wärmespeichernd.

Ist ein Ziegelbau kostspieliger im Vergleich zu anderen Bauweisen?

Thomas Mühl: Ein Einfamilienhaus aus Ziegel ist natürlich nicht kostspieliger als ein Haus in einer anderen Bauweise. Unsere langjährige Erfahrung zeigt nämlich, dass sich vermeintlich kostenattraktive Angebote im Nachhinein als doch nicht so günstig herausstellen, weil oftmals notwendige Leistungen fehlen. Wir empfehlen aus diesem Grund zuerst die Leistungspakete detailliert zu vergleichen und erst im nächsten Schritt auf den Preis zu blicken.

Dauert es länger, ein Haus aus Ziegel zu errichten?

Bernd Berk: Die Verwendung von innovativen Baustoffen wie z.B. dem Planziegelsystem und eine durchgeplante Baustellenlogistik ermöglichen kurze Bauzeiten. Innerhalb von nur einem Jahr ab Baustart ist das Traumhaus bezugsfertig.

Wie argumentieren Sie diese Bauweise im Hinblick auf den Klimaschutz?

Bernd Berk: Wir verzichten bei unseren Häusern bewusst auf die Verwendung von Wärmedämmplatten an der Außenfassade. Das ist nicht nur klimaschonend, sondern auch nachhaltig und sichert den Wert der Immobilien über Generationen hinweg.

Welchen konkreten Tipp haben Sie für einen Häuslbauer?

Thomas Mühl: Jedes Hausbauprojekt beginnt mit einer maßgeschneiderten Planung, die natürlich den Wünschen und Vorstellungen des künftigen Hausbesitzers entsprechen soll und die auch den lokalen Bebauungsbestimmungen sowie der Bauordnung entspricht. Hier ist es wichtig, von Beginn weg einen kompetenten Planungs- und Ausführungspartner zu haben, der die Bauherren durch den gesamten Bauprozess begleitet.

Hilfe für Pflegebereich gesucht

Hilfe für Pflegebereich gesucht

Steiermark. Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß startet einen Aufruf nach "helfenden Händen" für die Bereiche Pflege und Betreuung.
Nicole MÜHL / 13. April 2020

Die geplante Luftbrücke zwischen dem Burgenland und Rumänien, um Betreuer/innen und Pfleger/innen für die 24-Stunden-Pflege zu holen, ist vorerst geplatz. Eine rumänische Notstandsverordnung verbietet deren Ausreise. Trotz dieses Rückschlages bleibe die Versorgung gesichert, heißt es seitens des Landes.

Die geplante Luftbrücke nach Rumänien kann aufgrund der aktuellen Notstandsverordnung, die von den rumänischen Behörden getroffen wurde, nicht umgesetzt werden. Nach Gesprächen mit dem Sozialministerium und dem Außenministerium wurde offenkundig, dass der vom Land Burgenland geplante Flug am 15. April nicht zustande kommen kann. „In der Notstandsverordnung wurde festgelegt, dass rumänische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die im Pflege- und Betreuungsbereich tätig sind, das Land aktuell nicht verlassen dürfen. Die Luftbrücke aus Kroatien wird wie geplant stattfinden. Durch die gesetzten Maßnahmen, die Verstärkung der burgenländischen Pflegehotline, der verstärkte Einsatz der mobilen Hauskrankenpflege, die beiden Ersatzbetreuungseinrichtungen zur vorübergehenden Unterbringung sowie die Trennungszulage in Höhe von 500 Euro für Personenbetreuerinnen und Personenbetreuer bei Turnusverlängerung, bleibt die Versorgung dennoch gesichert“, so Sozial-Landesrat Christian Illedits.

Der geplante Flug nach Zagreb, um 100 Personenbetreuer/innen ins Land zu bringen, ist nicht betroffen und soll planmäßig am 15. April stattfinden. In Wien Schwechat angekommen, müssen sich die Passagiere aus Zagreb in eine zweiwöchige Quarantäne begeben, um dann ihre KollegInnen ablösen zu können. Unterkünfte hierfür wurden bereits vom Land Burgenland organisiert.

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Die Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie am Krankenhaus Oberwart öffnet wieder am 14. April. Die Abteilung war zum Schutz von Patient/innen und dem KRAGES-Personal vor einer Coronavirus-Ansteckung seit 24. März gesperrt.

Die Abteilung wird die werdenden Eltern, die eine Geburt in Oberwart planen, persönlich informieren, dass die Station wieder geöffnet wird. Auf http://www.krages.at finden sich unter dem Menüpunkt Krankenhäuser/Oberwart weitere Informationen für Eltern und gynäkologische Patientinnen. Ebenso ergeht ein Schreiben an die niedergelassenen Gynäkologinnen und Gynäkologen im Einzugsbereich des Spitals. Für Fragen steht das Sekretariat der Abteilung weiterhin von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 05-7979-33178 zur Verfügung.

Nach wie vor aufrecht ist die Regelung über Besuche von jungen Müttern und den Babys: Dies sind weiterhin nicht gestattet. Gesunde und symptomlose Partner dürfen beim Geburtsakt im Kreißsaal dabei sein. Wenn die Mutter  nach zweistündiger Nachbeobachtung aus dem Entbindungsbereich auf die Wochenbett-Station transferiert wird, muss der Partner das Krankenhaus allerdings wieder verlassen. Danach ist kein weiterer Besuch mehr gestattet. Diese Regelung ist österreichweit gleich.

Die Abteilung war zum Schutz von Patient/innen und dem KRAGES-Personal vor einer Coronavirus-Ansteckung seit 24. März gesperrt. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die an COVID-19 erkrankt waren, sind wieder mittlerweile genesen bzw. zurück aus der behördlich vorgeschriebenen Heimquarantäne.

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Wer ab 13. April öffentliche Verkehrsmittel, Bus, Bahn, U-Bahn, benutzt, muss einen Mundschutz tragen. Den hat man eigenverantwortlich mitzubringen. Darauf weist Verkehrs-Landesrat Heinrich Dorner in einer Aussendung hin. Bedeckt werden müssen auf jeden Fall Mund und Nase.

Der Mund-Nasen-Schutz dient in erster Linie zum Fremdschutz, beispielsweise dem Zurückhalten von Tröpfchen beim Husten, Sprechen oder Niesen. Eine Mund-Nasen-Schutz-Maske kann 3 bis 4 Stunden getragen werden. Bei Durchfeuchtung des Stoffes muss der Schutz durch einen sauberen, trockenen ersetzt werden. Auch wenn ein Mund-Nasen-Schutz getragen wird, gilt weiterhin: Das Einhalten des Abstands von mindestens einem Meter zu anderen Personen und ein eingeschränkter Sozialkontakt sind jedenfalls erforderlich.

Neben Mund-Nasen-Schutz-Masken (MNS) können beispielsweise auch ein Schal oder ein Halstuch verwendet werden. Auch selbst genähte Masken sind zulässig. „Sinn dieser Maßnahme ist, die Fahrgäste und die Bediensteten der Verkehrsbetriebe bestmöglich zu schützen und die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu senken. Oberstes Ziel ist und bleibt, die Ausbreitung des Virus weiter einzudämmen“, unterstreicht Verkehrs-Landesrat Heinrich Dorner. Wichtig: Jeder Fahrgast wird gebeten, den Mund-Nasen-Schutz eigenverantwortlich mitzubringen!

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Um den Betrieb in den Spitälern abzusichern und das Risiko für das versorgungskritische Personal zu senken, werden ab sofort mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in burgenländischen Gesundheitseinrichtungen auf COVID-19 getestet. Das gaben am Mittwoch Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf und Sozial-Landesrat Christian Illedits bekannt.

Am 16. April werden zwei Sitzungen stattfinden. Die Dringlichkeit der durch die COVID-Pandemie notwendigen Gesetze macht es erforderlich, dass die Gesetzesvorlagen in der ersten Sitzung um 9 Uhr einlaufen und nach den Beratungen in den Ausschüssen in einer weiteren Landtagssitzung um ca. 13 Uhr behandelt und beschlossen werden.

Die kommende Landtagssitzung wird unter strengen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden, so Präsidentin Verena Dunst

„Der Burgenländische Landtag ist auch in der Krise handlungsfähig und verpflichtet, in der derzeitigen Ausnahmesituation für die Burgenländerinnen und Burgenländer weiter zu arbeiten“, so Landtagspräsidentin Verena Dunst. Aufgrund der COVID-Lage sind auch im Burgenland zahlreiche Änderungen in Landesgesetzen notwendig. In der von Landtagspräsidentin Verena Dunst einberufenen erweiterten Präsidialkonferenz, an der alle im Landtag vertretenen Parteien teilnahmen, wurde der weitere Fahrplan für die Landtagsarbeit festgelegt.

Alle im Landtag vertretenen Parteien unterstützen diese Vorgehensweise und erklären sich auch einverstanden nur mit einer reduzierten Anzahl der Abgeordneten an der Sitzung teilzunehmen.

Die Sitzungen werden unter größtmöglichen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. So wird der Landtagssitzungssaal desinfiziert und bis zum Beginn der Landtagssitzung versperrt. „Die Sicherheitsmaßnahmen habe ich mit dem Landesdesinfektor, der auch bei der Sitzung anwesend sein wird, abgestimmt, um das Risiko soweit es geht zu minimieren“, so Landtagspräsidentin Verena Dunst. Neben den strengen Eingangskontrollen mit Fiebermessung im Landhaus werden die Abgeordneten vor dem Betreten des Landtagssitzungssaales nochmals an den Händen desinfiziert und erhalten Schutzmasken. Auch die Desinfektion des Rednerpultes nach jedem Wechsel gehört zu den umfangreichen Hygienemaßnahmen.

Aus Sicherheitsgründen müssen auch die Galerien des Landtagssitzungssaals für Besucherinnen und Besucher gesperrt bleiben. Die Sitzung wird jedoch, wie gewohnt, via Live-Stream mit Gebärdensprach-Dolmetsch übertragen werden.

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Nach Niederösterreich fliegt nun auch das Burgenland Pflegekräfte für die 24-Stunden-Betreuung aus Kroatien und Rumänien jetzt ein. Die 225 Pflegekräfte sollen für eine deutliche Entspannung bei der 24-Stunden-Pflege in den nächsten Wochen sorgen. Das gab jetzt Sozial-Landesrat Christian Illedits bekannt.

„Jetzt geht es darum, ein Sicherheitsnetz zu spannen, die Versorgungsstrukturen mehrfach abzusichern und kritische Infrastrukturen zu schonen. Deswegen wird eine Luftbrücke eingerichtet,“ erklärt Sozial-Landesrat Christian Illedits. Die erste Maschine wird am 15. April aus Zagreb in Wien eintreffen, der Flug ist fixiert. Ein weiterer Flug aus Rumänien wird folgen. Insgesamt werden 225 Personenbetreuerinnen ins Burgenland gebracht. Die Maßnahme erfolgt in enger Absprache mit den im Burgenland tätigen Agenturen für Personenbetreuung, der Wirtschaftskammer Niederösterreich, Sparte Personenbetreuung, und dem Außenministerium.

Um die Betreuung so zu sichern, dass erst gar keine Lücken aufkommen, wird verstärkt auf Leistungen der mobilen Hauskrankenpflege gesetzt, zwei Ersatzbetreuungseinrichtungen wurden geschaffen, nun werden Personenbetreuer/innen eingeflogen. Für Personenbetreuerinnen, die ihren Turnus um vier Wochen verlängern, gibt es einen Bonus in der Höhe von 500 Euro. Dieser sei als Trennungsgeld für jene zu verstehen, die ihre Familien in den Herkunftsländern nun für eine längere Zeit zurücklassen, sagt Illedits. Und weiter: „Der Bonus stellt sich als wirksame Initiative heraus.“

Aktuelle Zahlen und Daten:
·        2.300 Personen im Burgenland wohnen in 45 Altenwohnheimen
·        Im Burgenland gibt es 3.700 24-Stunden-BetreuerInnen, 2.700 Personen nehmen die Dienste von Personen Betreuer/innen in Anspruch pro Jahr im Burgenland
·        1.200 MitarbeiterInnen arbeiten in Altenwohnheimen (darunter 300 ausländische Mitarbeiter, davon rund 200 aus Ungarn)

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Covidivorce: Trennung nach Corona?

Covidivorce: Trennung nach Corona?

Die Corona-Krise und die damit verbundene Ausgangsbeschränkung war und ist nach wie vor eine enorme Herausforderung für Paare. Experten erwarten einen Anstieg der Scheidungsrate – oder eine Zunahme der Geburten. Beides ist möglich und wahrscheinlich.
Silvia MESSENLEHNER / 4. Mai 2020
Liebe, Sex & Co.

Lust

Erwarten Sie nicht, dass die Lust immer und einfach da ist. Diese Haltung kann letztendlich zu sexueller Unzufriedenheit führen. Man muss seinen Körper und seine Bedürfnisse schon gut kennen. Aber das Üben ist ja auch das Schöne daran. Reden wir also über Lust.

Beginnen wir mit einer kleinen Reise. Einer Lustreise. Kennen Sie die Lust auf eine bestimmte Speise? Schließen Sie die Augen, atmen Sie ruhig ein und aus, und stellen Sie sich Ihre Lieblingsspeise vor. Wie sieht sie aus? Wie riecht sie. Nehmen Sie den Duft wahr und stellen Sie sich vor, wie sie schmeckt. Verspüren Sie Lust, zu kosten? Gibt es einen Gaumenorgasmus? Das Ergebnis vollendet den Reiz. So ähnlich ist es auch in der Sexualität. Unlust ist ein großes Thema bei Paaren und löst mitunter eine belastende Situation aus für beide.

Nichts ist fragiler und anfälliger als die weibliche Lust, die eher auf der emotionalen Ebene zuhause ist. Auch Männer sind lustlos, obwohl das Klischee etwas anderes besagt: Der allzeit bereite lustvolle phallische Mann. Das ist eine Fehlannahme. Aber der Mann hat es doch einfacher, da er die Lust eher aus dem genitalen Begehren heraus ziehen kann oder über die Lust der Frau, die ihn erregt. Aber Sie sehen, so einfach ist es nicht.

Lust ist im Kopf und Begehren in den Genitalien

Zuerst kommt die Lust und dann das Begehren – oder umgekehrt? Beides ist möglich. Lust (emotionale Ebene)und Begehren folgen einem Wunsch nach einer Bedürfnisbefriedigung. In der Phase der intensiven Verliebtheit ist die Leidenschaft hormonell gesteuert – auf allen Ebenen unseres Bewusstseins. Wir müssen nicht viel dazu beitragen. Aber diese Phase vergeht. Lust ist sehr störanfällig und von unterschiedlichen Faktoren abhängig: von der Art und Weise, wie wir gelernt haben mit unserem Körper auf sexueller Ebene umzugehen. Von unseren Einstellungen und Werten. Von der Fähigkeit, wie wir Beziehung und Liebe leben. Von den Sinneswahrnehmungen. Von der Fähigkeit uns zu erregen und Erregung wahrzunehmen, um einen Orgasmus zu erreichen, der befriedigt, vereint und eine intime Verbundenheit schafft.

Stress, der Alltag, Überforderung und Unzufriedenheit mit der eigenen Person sind Lustkiller Nr.1.

Aber auch Krankheit, Medikamente, Ängste, Veränderungen des Körpers und der Bedürfnisse, wenig Kenntnisse über die eigene Funktionalität des Körpers, Selbstzweifel, Unsicherheit, zu hohe Erwartungen etc. sind weitere Faktoren, die zu Unlust führen. Paare nehmen dann fälschlicherweise oft an, dass sie für den anderen nicht mehr begehrenswert sind. Doch das war noch nicht alles….

Der Einfluss der Hormone

Und weil das Ganze mit der Lust und dem Sex zwischen Frau und Mann nicht schon kompliziert genug ist, so sind die Voraussetzungen für die Lust bei Frau und Mann auch von den Hormonen abhängig. Zu den wichtigsten weiblichen Geschlechtshormonen zählen Östrogene und Gestagene.

Das bedeutendste männliche Sexualhormon ist Testosteron. ​Testosteron ist das Lusthormon schlechthin – beim Mann und auch bei der Frau. Bei Männern ist der Testosteronspiegel am Morgen am höchsten und zeigt sich auch an der „Morgenlatte“. Das führt oftmals zu Irritationen bei Frauen und erzeugt das Bild: Er will ständig Sex!

Die Lust der Frau unterliegt jedoch auch großen Hormonschwankungen, insbesondere während des Menstruationszyklus. In den Tagen vor dem Eisprung verzeichnet der weibliche Körper ein Östrogenhoch. Dann ist auch die Libido auf dem Höhepunkt (anders bei Frauen, die hormonell verhüten). Auch vor der Menstruation kann es durch die Kontraktionen in der Gebärmutter zu einem natürlichen Anstieg der Libido kommen.

Wie kann ich die eigene Lust entdecken?

Sexualität ist ein Grundrecht. Es gibt keine festgeschriebene Norm. Normal ist, was gefällt und niemandem schadet. Jeder sollte seinen Körper und seine sexuelle Funktionalität gut kennen und eine gewisse erotische Kompetenz entwickeln im Umgang mit dem anderen Geschlecht.

Wichtig ist jedoch, auf die eigenen Grenzen zu achten. Sich selbst und den Partner mit allen Sinnen wahrzunehmen, fördert die Achtsamkeit und die Konzentration und erzeugt das Verlangen nach mehr.

Lust auf etwas unterliegt persönlichen Kriterien, und diese sollte man für sich selber herausfinden. Wie beim Essen. Was schmeckt mir? Was erzeugt die Lust auf Sex? Genuss ist ein guter Wegbegleiter auf einer erotischen, befriedigenden sexuellen Reise. Es geht dabei nicht um die Quantität, sondern um die Qualität. Weniger ist oft mehr, aber dafür intensiv.

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Erregung passiert auf unterschiedlichen Ebenen. In der Sexualtherapie sind diese durch fünf verschiedene Modi definiert. Die Königsdisziplin ist der wellenförmige Modus. Er beinhaltet quasi alle Sinne und führt zu vollkommener Lust.

Es ist das Zusammenspiel tiefer Bauchatmung mit fließenden, kraftvollen Bewegungen des ganzen Körpers, der Bewegung des Beckens und vielen Ausdrucksmöglichkeiten, die die sexuelle Lust bis zum Orgasmus steigern. Dieser Erregungs-Modus bezieht alle Oberflächen und Tiefenrezeptoren mit ein und ermöglicht einen weiteren Wahrnehmungsraum, bessere innere vaginale Empfindungen bei der Frau und bessere Wahrnehmung der genitalen Erregung beim Mann. Diesen Modus möchte ich Ihnen anhand der Geschichte von Mona näher bringen.

Lebenslanges Lernen

Jeder Mensch entwickelt sich in seiner Sexualität in einem fortwährenden Prozess. Es ist vergleichbar mit dem Erlernen eines Musikinstrumentes.

Stellen Sie sich vor, Sie haben den Wunsch, Geige zu spielen. Sie probieren mal selber, eignen sich eine Technik an, und es reicht vielleicht für einige Zeit, bis der Wunsch auftaucht, in einem Orchester sein bestes Stück zu spielen. Dies erfordert aber, sich weiterzuentwickeln und sein Wissen zu erweitern. Also, üben, üben und nochmal üben. Solange, bis Sie das Instrument vollkommen beherrschen und wissen, wie Sie es spielen müssen, um ihm die allerschönsten Töne zu entlocken.

Mona lebte viele Jahre ihre Sexualität mit ihrem Partner aus, die sie aber nicht erfüllte. Das wurde ihr aber erst später klar. Sie hinterfragte es nicht. Aber es blieb oft ein Gefühl der Leere zurück. Einen Orgasmus kannte sie bis Mitte 20 nicht.

Nach 20 Jahren Ehe und unerfülltem Sex (mechanischer Modus) lernte sie einen Mann kennen und ihre Lust-Reise begann. Er erfüllte ihre Anziehungscodes auf allen Ebenen. Dem ersten sexuellen Zusammentreffen gingen einige Wochen intensiven Kennenlernens voraus. Die Spannung stieg auf der emotionalen und der körperlichen Ebene. Jedes Treffen löste eine Sehnsucht, ein Begehren und auch Erregung aus. Die erste sexuelle Begegnung zwischen ihnen war für Mona eine Offenbarung.

Fallenlassen

Durch die vielen Gespräche vorher war ein hohes Maß an Vertrauen und Sicherheit bereits vorhanden, und trotzdem war es eine aufregende Stimmung. Er verstand es wunderbar sie zu verführen, und sie fühlte sich begehrt (für Frauen ein wichtiges Gefühl). Es war ein wunderbares Spiel.

Das erste Mal in ihrem Leben wollte ihr Sex-Partner vorher über ihre sexuellen Wünsche und Bedürfnisse reden. Das war neu für sie, und sie war dementsprechend gehemmt. Aber es war auch äußerst erotisch und erregend. Sie berührten sich und nahmen sich mit allen Sinnen wahr. Sehen, riechen, hören, schmecken, fühlen. Beide waren aktiv beteiligt und experimentierten mit verschiedenen sinnlichen Berührungen, wechselseitigem Streicheln, Stellungswechsel, mal stürmisch, mal ruhiges Innehalten.

Die Erregung war für Mona am ganzen Körper spürbar. Ihre Körper bewegten sich auf dem Weg zum Höhepunkt in wechselnden Rhythmen und Bewegungen, die Atmung floss fluide durch ihre Körper. Es war ein lustvolles, harmonisches Zusammenspiel beider Körper. Auf dem Höhepunkt hatte Mona das Gefühl, ihren Körper zu verlassen, abzuheben, zu schweben. Sie war ausgefüllt mit einer Stimmung und einem Gefühl, das sie bis dato nicht kannte. Das ist Lusterleben und Genuss pur.

Jedem ist es möglich, dies zu erreichen. Wenn Sie sich eine lustvolle befriedigende Sexualität wünschen, liegt es in Ihrer Hand, diese zu erreichen. Geben Sie sich nicht mit Funktionalität zufrieden, sondern streben Sie das höchste Glück an. Leben bedeutet auch, sich weiter zu entwickeln auf allen Ebenen unseres Daseins.

Ab März:

Kurs von Silvia Messenlehner

„Eine genussvolle Reise zur weiblichen Lust“

Infos unter 0664/35 50 617

beratung@silviamessenlehner.at
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Liebe, Sex & Co.

Die Beziehung mit dem Sextoy

Die letzten Kolumnen haben sich mit dem Erregungs-Modus beschäftigt. Dabei geht es um die Art und Weise, wie wir gelernt haben, die Erregung bis zum Höhepunkt zu steigern. Diesmal beschreibe ich den vibrationsinduzierten Modus, also wenn Vibrator und Co. mit im Schlafzimmer sind.

Es ist ein Modus, den hauptsächlich Frauen gerne praktizieren. Sie spezialisieren sich auf die Erregung durch Vibration mit einem Hilfsmittel.

Bereits in der Kindheit lösen Mädchen durch gezielte Handbewegungen diese Erregung durch Stimulation der Oberflächenrezeptoren der Vulva und der Klitoris aus. Dies passiert durch Streicheln und Reibung (mechanisch), aber auch durch Druck und Muskelspannung (Anspannungsmodus). Diese Mechanik setzt sich fort durch Pressen auf einen Gegenstand (beim Rutschen, Turnen, Radfahren…)

Im Erwachsenenleben wird dieser Modus bei vielen Frauen weiter praktiziert, und sie benötigen die Vibration, um zur Erregung zu kommen (vibrationsinduzierter Modus). Das geht vom Wasserstrahl in der Dusche bis zu Sextoys.

Sextoy ja, aber nicht ausschließlich!

So wie bei Gerda. Der Partner-Sex war für sie nie befriedigend. Sie konnte viele Jahre keine orgastische Entladung erreichen. Daher hörte sie damit auf und ging eine „Beziehung“ mit ihrem Vibrator ein. Es wurde eine Gewohnheit. Sie musste sich dabei nicht selbst berühren – ihr Vibrator übernahm das. Somit hatte sie aber auch keinen Zugang zu ihrem weiblichen Geschlecht.

Für die Paar-Sexualität ist dieser Vibrations-Modus nicht kompatibel, da die Frau, wenn sie sich permanent mit einem Hilfsmittel selbstbefriedigt, irgendwann nicht mehr weiß, welche körperlichen Fähigkeiten sie einsetzen kann, um zum Orgasmus zu kommen.
Es besteht die Gefahr, dass ohne Vibration eine Entladung nicht mehr möglich ist – wie bei Gerda.

Sex ist aber auch ein Spiel miteinander, eine lustvolle Genuss-Reise, und manche Paare unterstützen dieses Spiel mit einem raffinierten Sextoy. Das ist absolut in Ordnung, wenn der „Point of no return“ auch mit dem eigenen Körpereinsatz erreicht wird und die unterschiedlichsten Formen der körperlichen Berührung eingebunden werden.

Gerda kehrte wieder ins Eheschlafzimmer zurück. Sie lernte, ihre sexuellen Kompetenzen zu erweitern, um mit ihrem Mann gemeinsam ins Land der sexuellen Erfüllung zu reisen.

Kurs:
Eine genussvolle Reise zur weiblichen Lust –
Eine Therapiegruppe für Frauen, ab März 2020

beratung@silviamessenlehner.at
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Liebe, Sex & Co.

Erregung durch Berührung

Was ist Erregung? Wie kommt es dazu? Und können wir sie beeinflussen? Die Erregung ist ein solch umfangreiches und breites Thema, das viele Fragen, aber auch viele Möglichkeiten aufwirft. Wer sich darauf einlässt, beginnt eine Reise mit allen Sinnen.

Als Sexualtherapeutin stelle ich immer wieder fest, dass ein Großteil meiner Klientinnen und Klienten mit Fragen rund um die Erregung konfrontiert ist. Die Probleme, die dabei auftreten, können umfassend sein und reichen von Orgasmus- und Erektionsstörungen bis hin zu Schmerzen beim Sex.

Im Zuge dieser Serie will ich versuchen, Bewusstsein für den Erregungszustand zu schaffen, denn sexuelle Erregung kann gesteigert werden. Dazu muss man allerdings wissen, dass die Erregung auf einer körperlichen und einer emotionalen Ebene basiert. Um sie zu steigern, können auf der körperlichen Ebene verschiedene Techniken eingesetzt werden. Es geht dabei um den Einsatz von Fantasien, der Berührung an allen möglichen Körperstellen, die Bewegung, die Muskelspannung, den Rhythmus bis hin zur Atmung.

Fünf solcher Erregungs-Modi gibt es, bei denen Körperstellen auf unterschiedliche Weise stimuliert werden, wodurch der Erregungs-Reflex ausgelöst wird. Und meine Botschaft gleich vorweg: Wer über diese Techniken Bescheid weiß, hat die Möglichkeit, seinen Erregungs-Spielraum zu vergrößern. Sehen wir uns diesmal also den „mechanischen Modus“ etwas genauer an.

Durch steigernde Berührung zum Orgasmus

Kurz zusammengefasst, geht es darum, dass es durch eine bestimmte Art der Berührung zum Orgasmus kommt. Bei diesem technischen Modus geht es vor allem um ein rhythmisches Reiben direkt am Penis bzw. der Klitoris. Diese Bewegung passiert schnell und mechanisch. Je höher die Erregung, umso rascher wird das Reiben beschleunigt. Der Körper hält dabei meist still und geht auch oft in einen hohen Anspannungsmodus. Die Atmung ist eingeengt, und der Fokus liegt auf der Entladung.

Die Vorteile dieser Technik

Die Wahrnehmung ist am Geschlecht. Der Körper meist eher unbewegt und angespannt. Die Bewegungen sind schnell und automatisch. Jeder weiß ganz genau, wie er den Erregungszustand schnell aufbauen und auch schnell entladen kann. Die Wahrnehmung beruht auf Oberflächenrezeptoren, aber wenige werden tatsächlich genutzt. Dieser Modus führt sehr schnell zum Orgasmus.

Grenzen und mögliche Probleme

Durch die muskuläre Anspannung im Becken und Rücken entstehen die typischen Rein-Raus-Bewegungen, welche für die Frau oft wenig stimulierend sind. Die sexuelle Lust ist begrenzt. Wenn die Frau diesen mechanischen Modus gewohnt ist und regelmäßig anwendet (meist in der Selbstbefriedigung), erlebt sie den Geschlechtsverkehr mit dem Partner dann oft wenig lustvoll und benötigt meist zusätzlich eine Stimulation der Klitoris, die der Partner aber selten beherrscht.
Beim Mann wiederum führt die hohe Muskelspannung im Beckenboden dazu, dass er rasch zur Entladung kommt, diese aber auch nicht steuern kann (auch Erektionsstörungen möglich).

Jeder hat sich seit Kindheit weg seine eigene Technik bzw. seinen eigenen Erregungs-Modus angeeignet. Es geht nicht um besser oder schlechter, sondern vielmehr darum, wie man seinen Körper einsetzen kann, um ans Ziel zu kommen. Ich möchte Sie dazu ermutigen, neue Techniken auszuprobieren und kennenzulernen, um Ihre Möglichkeiten der sexuellen Erregung zu erweitern.

Die einfache punktuelle Stimulierung des Geschlechts, wie sie hier beschrieben wurde, ohne Einsatz des Körpers ist sicherlich ein lustvolles Erleben, das zur Entladung führt. Aber die Aktivierung anderer Rezeptoren des Körpers, der Einsatz der Atmung, der Bewegung des Körpers führt im Sex mit dem Partner zu einer erfüllenden lustvollen Reise. Dazu mehr in der nächsten Ausgabe.

Liebe, Sex & Co.

Viele Wege zur Erregung

Sie erinnern sich? In der letzten Ausgabe habe ich die unterschiedlichen Erregungs-Modi kurz aufgezählt. Auf diese wollen wir nun ab dieser Ausgabe etwas genauer eingehen. Fünf Techniken gibt es. Der volle Körpereinsatz gilt als besonders intensives Erlebnis. Wer auch immer seine Technik dorthin erweitern will, kann es.

Es gibt also ganz typische Techniken, die eingesetzt werden, um die sexuelle Erregung zu steigern. Sexuelle Erregung findet auf zwei Ebenen statt: der emotionalen und der körperlichen. Die körperliche ist eigentlich ein Reflex und kann bis zu einem Höhepunkt gesteigert werden.

Ausgelöst wird sexuelle Erregung durch Erregungsquellen – alle Arten von Berührungen an allen möglichen Körperstellen. Dazu gehört das Spiel mit den Muskeln, mit der Bewegung und mit der Atmung, mit variablen Rhythmen. Jeder hat seine eigenen Fähigkeiten dazu entwickelt. Dadurch steigert sich die sexuelle Erregung bis zu einem Höhepunkt. Der Orgasmus-Reflex wird ausgelöst.

Übrigens: Manche Menschen sind erstaunt über ihre sexuellen Fantasien und meinen, dass sie diese in der Realität gar nicht ausleben wollen. Ich kann Sie beruhigen. Die sexuellen Fantasien sind meistens keine Bedürfnisse. Insbesondere in den ersten beiden Erregungs-Techniken entstehen diese durch die hohe Anspannung im Körper. Sehen wir uns nun also die erste Technik etwas genauer an:

Der Anspannungs-Modus

Das ist eine sehr schnelle Methode der sexuellen Erregung. Der Körper bewegt sich dabei nicht. Oft wird großer Druck auf das Geschlecht punktuell mit einem Kissen zwischen den Beinen oder durch Reiben auf einem Gegenstand, kreuzen der Beine uvm. ausgeübt. Durch diesen hohen Tonus werden die Tiefenrezeptoren des Gewebes angesprochen, die auf Druck reagieren, und eine Entladung wird ausgelöst. Dieser Erregungs-Modus wird in der Selbstbefriedigung gerne praktiziert, da er schnell sexuelle Befriedigung verschafft.

Helene kommt sehr schnell zum Höhepunkt. Sie holt sich gedanklich eine Fantasie herbei. Meistens wird dieser Modus von Fantasien unterstützt, in denen es hart und heftig zugeht. Dann kreuzt sie ihre Beine übereinander, spannt sie fest an, presst sie zusammen. Mit der Hand drückt sie auch manchmal auf den Unterbauch oder das Geschlecht, aber es geht auch nur mit der hohen Anspannung. Auch hält sie unbewusst die Atmung an, wenn sie dem Höhepunkt zusteuert. Durch diese hohe Muskelspannung und den Druck aktiviert sie ihre inneren Rezeptoren zur Erregungssteigerung und kann dadurch einen Orgasmus erlangen.

Das ist eine typische Technik, die eher Frauen einsetzen. Männer klemmen meist den Penis zwischen die Oberschenkel oder gegen einen anderen Gegenstand. Es ist immer ein intensives Pressen und Drücken.

Die Vorteile dieser Technik

Muskelspannung, Beckenbodenanspannung sind sehr erregend. Dadurch kann die Erregung sehr rasch bis zu einem Höhepunkt gesteigert werden. Das ist unkompliziert. Man muss sich dafür nicht einmal ausziehen und kann es sogar überall machen. Durch Muskelspannung und Druck werden Nervenendigungen in den Muskeln im Beckenbodenbereich stimuliert. Je öfter sie stimuliert werden, desto besser lernt das Gehirn, das als erregend zu erleben. Und wenn dies immer praktiziert wird, ist es im sensomotorischen Gehirn gut abgespeichert.

Die Grenzen und mögliche Probleme dieser Technik

Dieser Erregungs-Modus hat seine Grenzen in dem PartnerSex. Wenn nur diese Art der Erregungs-Steigerung bekannt ist, ist er nicht besonders Partner-kompatibel, da es kein lustvolles Erleben des Geschlechtsverkehrs gibt. Es kann sein, dass die Erregung bis zum Orgasmus wegen der Muskelarbeit als anstrengend erlebt wird und nur eine bestimmte Stellung – ein Reiben der Klitoris am Penis – möglich ist. Der Partner-Sex (Penetration) ist nicht befriedigend. Hohe Muskelspannung bedient auch eine hohe Beckenbodenspannung und kann zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und anderen Problemen in der Paarsexualität führen.

Beim Mann können Ejakulationsprobleme bestehen und Erektionsprobleme beim Geschlechtsverkehr. Die sexuelle Lust ist bei beiden eingeschränkt.

In meiner Praxis empfehle ich KlientInnen, die sich in diesem Anspannungs-Modus selbstbefriedigen, auch andere Körper-Stimulationen (Berührung anderer Körperteile, Bewegung, usw.) auszuprobieren. Damit erweitern sie ihr sexuelles Repertoire.

Liebe, Sex & Co.

Turn me on

Erregung ist auf der körperlichen Ebene ein reflektorisches Geschehen. Auch wenn sie durch bestimme Reize ausgelöst wird, kommt es nicht von alleine zur Entladung. Jeder hat sich seit der Kindheit seine eigene Technik bzw. seinen eigenen Erregungsmodus angeeignet, um den Point of no return zu erreichen.

Hier führen verschieden Wege ans Ziel. Einige sind kürzer und zielgerichtet, manche – obwohl sinnlich und lustvoll – erreichen trotzdem das Ziel des Höhepunktes nicht. Es ist eine wichtige Fähigkeit, diesen Weg von der Erregung bis zum Höhepunkt als eine lustvolle erotische Reise zu gestalten. Sie ist eine Kompetenz und Fähigkeit, die immer erweitert und ergänzt werden kann.

Es gibt fünf verschiedene Parameter, sprich Erregungs-Modi, um die Erregung zu steigern, und sie in einem Orgasmus zu entladen (oder auch nicht).

Über die Körperspannung zum Orgasmus (Anspannungsmodus)

Der Körper geht in eine hohe Anspannung und bewegt sich dabei nicht. Die Erregung wird ausgelöst, und es kommt relativ rasch zu einer Entladung. Oft wird großer Druck auf das Geschlecht punktuell ausgeübt. Dieser Erregungsmodus wird in der Selbstbefriedigung gerne praktiziert. Er hat aber seine Grenzen, wenn wir Sex mit dem Partner leben möchten.

Durch steigernde Berührung zum Orgasmus (mechanischer Modus)

Es geht dabei um ein mechanisches Reiben direkt am Penis bzw. der Klitoris. Die Bewegung ist monoton, der Rhythmus wird durch rasches Reiben beschleunigt. Dieser Modus ist sehr effizient und führt schnell zum Orgasmus. Auch bei diesem Modus können Schwierigkeiten beim Partner-Sex entstehen. Der Mann kann relativ rasch zum Höhepunkt kommen und entladen. Die Frau kann womöglich gar nicht zum Höhepunkt kommen, da sie nur durch diese eine besondere Form der Berührung erregt wird, die der Partner selten beherrscht oder die eben zu zweit nicht kompatibel ist.

Mit einem „Helferlein“ zum Orgasmus (Vibrationsmodus)

Für manche ist es prickelnd, das Genital mit einem Vibrator bis zum Höhepunkt zu stimulieren. Dabei werden aber andere Berührungen am Körper vernachlässigt. Die Gefahr besteht darin, dass man für Berührungen des Partners oder Selbstberührungen unempfänglich wird, sodass immer der Vibrator eingesetzt werden muss. Frauen, die Orgasmus-Probleme beim Sex mit dem Partner haben, empfehle ich, diesen Gebrauch einzuschränken, um einen anderen Zugang zu finden und auch anderen Rezeptoren die Möglichkeit zu geben, wieder aktiv zu werden.

Mit Bewegung und tiefer Atmung zur Befriedigung (ondulierender Modus)

Tanzen Sie gerne? So ist es hier mit diesem Modus. Der Körper ist in einer weichen, fließenden Bewegung, wie ein sinnlicher, langsamer Tanz. Durch die Bewegung ist der Körper wohlig warm, glücklich und zufrieden. Dieser besondere Modus ermöglicht auf der Partnerebene eine innige, liebevolle Verbindung, reich an Zärtlichkeit und Nähe. Viele beschreiben es als lustvolle Verschmelzung mit dem anderen. Es ist ein wunderbarer, inniger Modus. Er hat jedoch die Einschränkung, dass der Fokus auf die Erregungs-Steigerung fehlt, sodass es möglicherweise nicht zum Orgasmus kommt.

Mit vollem Körpereinsatz zum Orgasmus (wellenförmiger Modus)

Die Königsdisziplin! Der Körper drückt sein volles Potenzial aus. Atmung, Bewegung, Rhythmus sowie Anspannung und Entspannung werden kreativ eingesetzt. Die Erregung wird sowohl mit Hilfe gezielter Bewegungen des ganzen Körpers gesteigert. Es wird aber auch aktiv das Becken bewegt (wie eine wellenförmige Schaukel), sodass es zu einer lustvollen, befriedigenden Entladung kommt! Ergänzt wird das Ganze durch eine Balance in der Anspannung und der Entspannung und des tiefen Atmens. Dabei geht es auch mit darum, mit allen Sinnen wahrzunehmen.

Sehen, riechen, hören, schmecken, fühlen. Es geht um das Wollen, die Lust und die aktive Beteiligung beider Partner. Es ist die Begegnung zweier sehr gut gestimmter und eingeübter Körper. Wie Instrumente, die gemeinsam ein klangvolles Duett spielen, das zur Befriedigung führt und Lust nach mehr macht!

Welchen Modus auch immer Sie derzeit anwenden – Sie können ihn jederzeit erweitern. Immer mit dem Ziel, dass die Reise zum Höhepunkt für Sie und Ihren Partner eine lustvolle, befriedigende Reise ist.

Rock mit Hörnern

Rock mit Hörnern

Zu einem Konzert der kalifornischen Band HUNNY zu gehen, ist eine ganz besondere Erfahrung. Die LA-Rocker sind absolute Lieblinge: jung, leidenschaftlich und voller Zucker. Laura Weingrill hat sich für das prima! Magazin mit den humorvollen Jungs zu einem Interview vor ihrem ausverkauften Konzert in London getroffen und mit ihnen über die jetzige Tour, die Produktion ihres Albums und den Kampf um Authentizität im Musikbusiness gesprochen.
Laura WEINGRILL / 4. Mai 2020
Musik-Soundnerd

Wo bleiben die Frauen?

2015 twitterte der Account „Crack The Road” ein bearbeitetes Foto des Lineups des britischen Reading and Leeds Festivals und löschte alle Acts, die keine weiblichen Mitglieder enthielten. Das Ergebnis: insgesamt blieben nur 10 Gruppen von knapp 200 übrig. Traurig, aber kein Einzelfall, denn bei den meisten Festivals scheint das Geschlechterverhältnis nur in puncto BesucherInnen ausgeglichen zu sein. Je größer die Schrift auf dem Plakat, desto eher ist der Act männlich. Da stellt sich die Frage, warum ist das so? Und muss das sein?

Musik - Soundnerd

Blütenblätter als Rüstung

Seit ihrem 16. Lebensjahr schreibt Hayley Williams als Leadsängerin der weltbekannten Indie-Rock-Gruppe Paramore Musikgeschichte. Da ist es nur verständlich, dass sie bis zuvor nur zögerlich über die Idee eines Solo-Projektes nachdachte. Nun ist es aber soweit – mit dem im Mai erscheinenden Solo-Album „Petals For Armor“ läutet die 31 Jährige eine neue Ära ein.

Musik - Soundnerd

The Club is Back

Foto: Bombay Bicycle Club

Soundnerd

Das ganze Leben ist ein Soundtrack – so sieht es zumindest Laura Weingrill. Denn während sich die Welt dreht, hört sie Musik. Und wem die eigene Playlist mit der Zeit zu eintönig wird, dem verpasst sie hier jeden Monat eine neue Portion aufregender Sounds.

The Club is Back

Es gab eine Zeit, in der sich keiner sicher war, ob man je wieder etwas von der britischen Indie-Gruppe Bombay Bicycle Club hören würde. Knapp sechs Jahre ist es her, dass sie ihr letztes Album „So Long, See You Tomorrow“ veröffentlichten, bevor sie ihre Auszeit auf unbestimmte Zeit einlegten. Und nicht ohne Grund warf diese Trennung bei den Fans die Frage auf, was die Zukunft nun für sie bereite.

Doch 2019 wird nicht grundlos als das große Jahr der Comebacks in die Geschichte eingehen, denn so wie die Kultbands The Jonas Brothers und My Chemical Romance ließen es sich auch die Bombay Rocker nicht nehmen, ihren Fans das beste Geschenk zu machen. An einem sonnigen Tag im August kehrten die Jungs wie aus dem Nichts plötzlich zurück und veröffentlichten als Teil ihrer Rückkehr obendrauf noch die absolut süchtig machende Single „Eat, Sleep, Wake (Nothing But You)“ – ein Track, der vermuten lässt, dass es nicht nur die Fans waren, die sich nach der aus London stammenden Band sehnten.

Ein paar weitere umwerfende Singles und feuerwerkähnelnde Live-Shows später spielte Bombay Bicycle Club nun noch ihren letzten Trumpf aus und veröffentlichte am 17. Jänner ihr Wiederauferstehungsalbum mit dem Titel „Everything Else Has Gone Wrong“. Produziert von John Congleton, bekannt durch seine Arbeit mit St. Vincent und The War On Drugs, beschäftigt sich die Platte genau mit den Situationen, aus denen sie entstanden ist. „Dies ist ein Album für alle, die sich in einer Zeit der Krise jemals der Musik zugewandt haben. Es geht um den Trost, den man bekommen kann, wenn man Musik hört oder Musik spielt, wenn alles andere schief gelaufen ist. Es geht darum, in schlimmen Situationen einen Kern der Hoffnung und Erneuerung zu finden,“, so Lead-Sänger Jack Steadman, dessen Stimme nach all den Jahren noch immer wärmend wie eine Portion Sonnenschein einem auf der Reise durch den Longplayer begleitet.

Das Album brilliert sowohl in den lyrischen als auch in den musikalischen Teilen und erinnert den Hörer dabei immer wieder an den Weg, den das Quartett bisher hinter sich gelassen hat und vor allem an den Weg, der noch vor ihnen liegt. Es ist die einnehmende Schönheit der Platte, die ihr ihren besonderen Glanz verleiht und die es daneben noch schafft, ein Gefühl von Optimismus und Euphorie zu transportieren.

15 Jahre ist es her, dass sich eine Gruppe von gelangweilten Schülern zusammentat, um eine Band zu gründen. Fünf Alben, viele Rekorde, unzählige Konzerte und eine knapp vierjährige Pause später scheint es, dass die Londoner ihren Platz vollends gefunden haben. Der Club ist zurück und besser denn je.

Musik - Soundnerd

Die Hotlist 2020

Mit dem neuen Jahr steigen auch die Erwartungen an eine neue Gruppe von Künstlern und Bands, die die musikalische Agenda für die kommenden zwölf Monate festlegen werden. Genau darum geht es bei der Hotlist – eine Vorstellung all der musikalischen Genies, von denen man annehmen darf, dass sie 2020 den meisten Lärm machen werden.

Soundnerd

Das ganze Leben ist ein Soundtrack – so sieht es zumindest Laura Weingrill. Denn während sich die Welt dreht, hört sie Musik. Und wem die eigene Playlist mit der Zeit zu eintönig wird, dem verpasst sie hier jeden Monat eine neue Portion aufregender Sounds.

Mit dem neuen Jahr steigen auch die Erwartungen an eine neue Gruppe von Künstlern und Bands, die ins Rampenlicht rücken und die musikalische Agenda für die kommenden zwölf Monate festlegen werden. Genau darum geht es bei der Hotlist – eine Vorstellung all der musikalischen Genies, von denen man annehmen darf, dass sie 2020 den meisten Lärm machen werden.

Inhaler

Auf den ersten Blick ist diese Gruppe irischer Jungs eine wunderbare Mischung aus gepflegten Gitarren- und Synth-Pop-Riffs. Mit einem berühmten Vater an ihrer Seite – Frontmann Elijah Hewson’s Vater ist kein geringerer als U2 Star Bono – und einer schon jetzt treuen Fangemeinde ist leicht erkennbar, dass die Rocker aus Dublin für die oberen Ränge der musikalischen Hemisphäre bestimmt sind.

Mit vergangenen Hits wie „Ice Cream Sundae“ und „It Won’t Always Be Like This“ und unzähligen, umwerfenden Festival Auftritten sowie ausverkauften Solo-Shows konnte sich die Band schnell Respekt in der Indie-Szene verdienen, und das aus gutem Grund. Mit guten Aussichten auf ein kommendes Album und wachsenden Tour-Abenteuern darf man auch 2020 Großes von der Gruppe erwarten.

Indoor Pets

Mitten im Geschehen zu sein ist für die Gruppe Indoor Pets aus Kent, UK, etwas, an das sie schon lange gewöhnt sind. Das aus Jamie Glass, Ollie Nunn und den Brüdern James und Rob Simpson bestehende Vierer-Team hat sich vor rund fünf Jahren zum ersten Mal zusammengetan, damals jedoch nur aus Spaß. Ein kometenartiges Alben, zahlreiche ausverkaufte Headline-Shows und eine Namensänderung später ist die Band längst nicht mehr aus der Rängen der aufkommenden Stars wegzudenken und denkt erst gar nicht daran, sich eine Pause zu gönnen.

Bombay Bicycle Club

Es mag seltsam erscheinen, die Jungs von Bombay Bicycle Club als Veteranen zu bezeichnen, wenn man bedenkt, dass niemand in der Band älter als 30 Jahre ist. Aber mit einer bereits 14-jährigen Bestandszeit inklusive einer dreijährigen Pause, wirken die erneute Zusammenkunft der Gruppe sowie die Verkündung eines vierten Albums wie ein Meilenstein.

Mit einem unglaublichem Ohr für süchtig-machende Melodien und dem Drang zur Wiedererfindung, ist die Rückkehr des Quartetts ein Fest britischer Gitarrenmusik. Bombay Bicycle Club haben den Blues im wahrsten Sinne des Wortes hinter sich gelassen und sind nun vollends dazu bereit, die Welt (erneut) zu erobern. Man darf gespannt sein.

HUNNY

Kaliforniens HUNNY haben es in den vergangenen Jahren geschafft, sich mit einer Reihe von Streaming-Hits in den Rängen des verträumten Indie-Pops zu etablieren. Geboren aus einer Freundschaft, die einer gemeinsamen WG erwuchs, wurde Sänger und Gitarrist Jason Yarger, Bassist Gregory Horne und den Gitarristen Jake Goldstein und Jake Munk bald klar, dass ihr Musikprojekt mehr als nur ein Hobby war.

Keyboarder Kevin Grimmett und Schlagzeuger Joey Anderson vollendeten die Besetzung der Sunnyboys-Band. Seither konnte die Gruppe eine Vielzahl an Fans um sich scharren und feierte 2019 die Veröffentlichung ihres Debuts „Yes. Yes. Yes. Yes. Yes.“. Was noch fehlte war eine Tour, auf die man sich nun in diesem Jahr freuen darf und die sich Indie-Fans keinesfalls entgehen lassen sollten.

The Driver Era

Manchmal ist weniger einfach mehr – ein Motto, das sich die Brüder Ross und Rocky Lynch seit dem Abschied von ihrer Familien-Popband R5 zur Regel gemacht haben. Als direkte Folge des Mangels an kreativer Kontrolle, den sie bei der Zusammenarbeit mit einem großen Label als R5 erleben durften, machen die Jungs nun genau die Musik, die sie machen wollen, wie sie wollen. Alles wird selbst geschrieben, produziert und veröffentlicht.

Das Ergebnis sind turbogeladene Indie-Rock-Hits, die süchtig machen und auf mehr hoffen lassen. Und es funktioniert, denn schon in ein paar Monaten startet das Duo in eine ausgiebige Welt-Tour, bei der sie auch Halt in Wien machen werden. Auf keinen Fall verpassen.

Musik - Soundnerd

Mein Künstler des Jahres 2019

Das ganze Leben ist ein Soundtrack – so sieht es zumindest Laura Weingrill. Zum Jahreswechsel blickt die Musikjournalistin noch einmal zurück und kürt ihren ganz persönlichen musikalischen Favoriten: Lewis Capaldi.

LEWIS Capaldi ist für Laura Weingrill der Künstler des Jahres 2019. Die in England lebende Musikjournalistin hat ihn dort auch zum Interview getroffen.

 

Er ist 23 Jahre alt, lebt noch bei seinen Eltern im schottischen Whitburn in einem Schlafzimmer mit New York Tapete und bezeichnet sich selbst gerne mal als die „schottische Beyoncé“. Das mag ja alles recht witzig klingen, interessant ist aber was anderes. Doch hinter der Mauerblümchen-Fassade steckt noch mehr, denn Lewis Capaldi ist aktuell eines der beeindruckendsten Popphänomene weltweit und ist nicht nur aufgrund seines Talentes, sondern gerade wegen seiner Normalität und Nahbarkeit mein Künstler des Jahres 2019.

Doch wie genau kam es dazu? Manchmal genügt schon ein einziger Song, um eine Welle auszulösen, die nicht mehr haltbar ist. Das weiß auch der sympathische Singer-Songwriter, spätestens seit er vor zwei Jahren seinen Welthit „Bruises“ – damals noch ganz ohne Label und Management – im Internet veröffentlichte und so geradezu über Nacht zu einem der größten Stars der heutigen Generation wurde. Seither wurde das Stück über 200 Millionen mal auf Spotify angehört und konnte nur durch den absoluten Erfolg seines im Mai dieses Jahres veröffentlichten Albums „Divinely Uninspired To A Hellish Extent“ übertroffen werden.

Innerhalb kürzester Zeit schnellte die Platte an die Spitze der Charts und galt in Großbritannien für einige Monate als das am schnellsten verkaufte Album des Jahres – nur Ed Sheeran mit seinem „No.6 Collaborations Project“ konnte ihn vom Thron stoßen. Und wer den wahrscheinlich größten Hit des Jahres „Someone You Loved“ bis jetzt noch nicht kennt, gehört wohl zu den wenigen Menschen, die konsequent kein Radio hören.

Einblicke

Doch natürlich sind ausverkaufte Touren, US-Nummer-Eins-Hits und Klickzahlen im Hundertmillionen-Bereich nicht alles. Wie auch, denn so viele Kommastellen der Erfolg auch haben mag, ohne das nötige Talent ist jeder Aufstieg schnell mal wieder vorbei. Ganz zu Capaldis Glück, denn gerade davon hat der Schotte mit dem ulkigen Humor zur Genüge.

Im Kontrast zur selbstironischen Scherzkeks-Persona, die nicht davor schreckt, sein Tinder-Profil als Werbegag auf die Mauern Londons zu pflastern, erlebt man in seinen Songs plötzlich einen Sad Boy mit Liebeskummer, wie er im Bilderbuch steht. Und dabei reden wir nicht von den üblichen zwei bis drei Trennungs-Hymnen – ganz im Gegenteil, denn Lewis bringt ein gesalzenes Herzschmerz-Epos mit sich, samt zerbrechlicher Engelsstimme und einem Facettenreichtum, wie man es nur selten findet.

Erfolgsgeheimnis

Es ist dieser Mix aus Normalität, Witz und Superstar-Stimme, der den Sänger so hervorstechen lässt wie schon lange keinen anderen. Zu verdanken hat er das in erster Linie seinem umwerfenden Talent und seiner großen Stimme, ein bisschen aber auch seiner Nahbarkeit und seinem Meme-Potenzial.

Er hat verstanden, wie die Branche funktioniert und wie man am besten auf sich aufmerksam macht. Er photobombt gerne mal Interviews auf roten Teppichen, trägt ironisch viel zu kleine Sonnenbrillen und scheint sich selbst nie wirklich zu ernst zu nehmen. Ganz zur Freude der Musikwelt, die ihn gerade deswegen nur zu gerne hört, sieht und liebt.

So schnellt der Stern von Lewis Capaldi weiter und weiter nach oben. Und wenn wir uns ehrlich sind, er müsste schon einiges falsch machen, um es nicht ganz nach oben zu schaffen.

www.thatlemonlife.blog

Mein musikalisches Jahr 2019

Gegen Ende eines weiteren Jahres müssen wir uns erneut mit dem Phänomen auseinandersetzen, dass die Zeit äußerst langsam und gleichzeitig erschreckend schnell vergeht. Alles passiert plötzlicher und vergeht wie im Flug, wovon auch die Musik nicht die Ausnahme ist. Kaum vorzustellen, wie viele Alben und Songs dieses Jahr herausgebracht wurden. Wie viele davon geliebt, auf Spotify oder iTunes Playlisten gespeichert oder sogar live von einem ganzen Publikum lauthals mitgesungen wurden.

Wir leben in einer Zeit, in der unser unglaublicher Zugang zu Musik sowohl ein Segen als auch ein Fluch ist. Aber trotz der unfassbaren Menge an Möglichkeiten, gibt es die einen oder anderen Platten und Tracks, die uns das ganze Jahr wie ein liebevoller Schatten verfolgen. Die uns in Erinnerung geblieben sind und die wir immer wieder gerne im Ohr haben. Das sind die Songs, die für jede und jeden einzelnen das Jahr 2019 ausmachen. Und das hier ist meine ganz persönliche Liste. Das ist mein musikalisches 2019. Wie schön es doch war.

Die Platte macht den Unterschied

Alben – sie können so vieles sein. Geschichten. Kunstwerke. Oder einfach nur umwerfend spannende Zusammenkünfte von Liedern, die gemeinsam zu etwas fantastischem werden. Und auch das Jahr 2019 hatte viele dieser glänzenden Longplayer zu bieten. So begann alles im März mit der amerikanischen Band Wallows gleich einmal mit ihrem umwerfenden Debut „Nothing Happens“, das allen Indie-Pop-Fans dieser Welt wohl noch sehr lange in den Gedanken und vor allem in den Playlisten herumschwirren wird.

In den Sommermonaten folgten diesem das posthume Album „TIM“ des verstorbenen DJs Avicii, auch bekannt als Tim Bergling, sowie die granatenhafte Collab-LP „No.6 Collaborations Project“ des Singer-Songwriters Ed Sheeran. Und ganz im Sinne der Liebe zu der Gattung Indie vollendeten die unfassbar schönen und facettenreichen Alben „Now, Not Yet“ von half•alive und „Philophobia“ von Amber Run das Jahr für mich auf die wundervollste Art und Weise.

Meine Top 5 Alben des Jahres:

  1. Amber Run – Philophobia
  2. Wallows – Nothing Happens
  3. Ed Sheeran – No.6 Collaborations Project
  4. half•alive – Now, Not Yet
  5. Avicii – TIM

Songs soweit das Ohr reicht

Mal kann schon mal in Panik geraten, wenn man kurz vor dem neuen Jahr steht und in der Songs-des-Jahres-Playlist noch immer gähnende Leere herrscht. Kein Wunder, denn bei den etwa 105 Millionen Stunden an Musik, die heutzutage zur Auswahl stehen kann es schon mal schwierig werden, nur die besten und liebsten Tracks auszuwählen.

Doch so schwer es auch sein mag, am Ende ist es schön zu wissen, welche Songs letzten Endes 2019 zu dem Jahr machten, das es nun mal war. Für mich stechen bei dem Gedanken vor allem Bombay Bicycle Club’s phänomenaler Comeback-Track „Eat, Sleep, Wake (Nothing But You)”, Ed Sheeran Überhit „Antisocial“, featuring Travis Scott, sowie Wallows wundervolle Indie-Symphonie „Just Like A Movie“ hervor. Aber natürlich ist das nicht alles.

Darüber hinaus beschenkten unter anderem die Bands Inhaler, Amber Run, HalfNoise und der Sänger Lewis Capaldi (ebenfalls mein ganz persönlicher Künstler des Jahres) die Welt mit Musikwerken, bei denen ich immer wieder nur zu gerne auf Play drücke. Und das wird sich auch 2020 so schnell nicht ändern.

Meine Top 10 Songs des Jahres:

  1. Bombay Bicycle Club – Eat, Sleep, Wake (Nothing But You)
  2. Ed Sheeran ft. Travis Scott – Antisocial
  3. Wallows – Just Like A Movie
  4. Amber Run – What Could Be As Lonely As Love
  5. half•alive – RUNAWAY
  6. Inhaler – Ice Cream Sundae
  7. Avicii ft. Vargas & Lagola – Excuse Me Mr Sir
  8. Lewis Capaldi – Headspace
  9. HalfNoise – Boogie Juice
  10. Indoor Pets – Pro Procrastinator

Musik - Soundnerd

Soundnerd

Das ganze Leben ist ein Soundtrack – so sieht es zumindest Laura Weingrill. Denn während sich die Welt dreht, hört sie Musik. Und wem die eigene Playlist mit der Zeit zu eintönig wird, dem verpasst sie hier jeden Monat eine neue Portion aufregender Sounds.

Nostalgie im Programm

„Früher war alles besser.“ Diese Aussage hört man vielfach, egal ob von jung oder alt, und egal welches Thema betreffend. Immer wieder sehnen sich die Menschen nach Dingen, Momenten, Gefühlen früherer Zeiten. So auch bei Musik. Nicht viele Alben schaffen dabei die Verbindung zu einer längst verstrichenen Zeit, einer Zeit des Funks, Psycho-Pops und Discofeelings. Doch der Band HalfNoise, auch bekannt als das Psych-Rock-Projekt des Paramore-Schlagzeugers Zac Farro, gelingt mit ihrem neuesten Studioalbum „Natural Disguise“ genau dies. Track für Track zieht der Longplayer den Hörer weiter in eine Reise in die Vergangenheit.

Schon als 14-jähriger Schlagzeuger trat Frontman Farro, der aus Nashville, USA, stammt, in die Musikbranche ein und entwickelte sich Jahr über Jahr zu einem künstlerischen Genie. Vom intelligenten Texter und talentierten Schlagzeuger bis zum Produzenten, Regisseur und Fotografen kennt sein Können schon lange keine Grenzen mehr. Kein Wunder also, dass der weltweite Erfolg mit Poppunkband Paramore dem kreativen Kopf lange nicht genug war. Kurzerhand holte er Gitarristen Logan MacKenzie und Daniel Kadawatha, Schlagzeuger Joe Mullen und Gavin McDonald sowie Bassist Joey Howard, der ebenfalls in Paramore gespielt hatte, ins Boot und erfüllte sich damit den Traum einer eigenen Band, mit der er seit 2010 die Welt des Funks und Grooves erkundet.

Ihr drittes Album „Natural Disguise“, das am 4. Oktober veröffentlicht wurde, ist die bisher umfangreichste Werksammlung der Band und wurde vollkommen von Farro selbst aufgenommen und produziert. Dabei erinnert es stark an Psych-Rock-Album der 60er und 70er Jahre, denen eine große Portion Disco eingeflößt wurde. Dabei ist es ein atemberaubendes Beispiel für zusammenhängenden Sound. Groove-zentriert, tanzfreundlich und letztendlich wahnsinnig eingängig ist jeder Song in seinem Sein einzigartig, verliert dabei aber nie seine Kohäsivität. Lässt man sich erst einmal auf die musikalische Reise ein, hat man schnell das Gefühl, die Platte nehmen und damit einen entspannten Roadtrip machen zu müssen. Am besten um sich selbst zu finden.

Passend, denn einen Blick hinter die Kulissen des eigenen Ichs zu machen ist genau das Thema, das wie ein roter Faden durch das gesamte Album verläuft. So wurde etwa der Titelsong von einer solchen Selbsterkenntnis inspiriert. Aber natürlich lindert das nichts an dem Strahlen der Lieder. Groovig und facettenreich fassen sie alles zusammen, was in den Jahrzehnten, nach denen sie sich selbst modellieren, großartig war. Süchtig machend, aber nicht überheblich, tanzen die Tracks um harmonisierten Gesang, lebhafte Drum Beats und sich selbst entwickelnde Gitarre, von denen man einfach nicht genug haben kann. Wenn es jemals einen guten Grund für Nostalgie gegeben hat, dann wurde mit „Natural Disguise“ genau der richtige geschaffen.

MAC and CHEESE – Nudelauflauf einmal anders

MAC and CHEESE – Nudelauflauf einmal anders

vegan, eiweißreich, glutenfrei, laktosefrei, fruktosefrei
Karin WEINGRILL / 4. Mai 2020

Veganer Osterstriezel – vegan, weizenfrei, ballaststoffreich.

Veganer Osterstriezel

Wissenswertes über DINKEL:
Dinkel ist zwar eng mit Weizen verwandt, punktet allerdings mit einer Reihe von gesundheitlichen und auch geschmacklichen Vorteilen. Dinkel enthält im vollen Korn einen hohen Anteil an hochwertigen Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen. Weiters sind auch wichtige ungesättigten Fettsäuren und viele Ballaststoffe enthalten. Dinkelmehl lässt sich für alle Zubereitungsarten verwenden und ist im Austausch gegen Weizenmehl somit die bessere Wahl. Der nussige Geschmack des Dinkels verleiht den Gerichten zusätzlich ein interessantes und geschmackvolles Aroma.

Dinkel ist auch bei einer Weizensensitivität oder einer Weizenunverträglichkeit eine gute Alternative zu Weizenprodukten. Für Menschen mit Zöliakie ist Dinkel allerdings genauso wenig geeignet wie Weizen und alle anderen glutenhaltigen Getreidesorten. Bei dieser Erkrankung kommen ausschließlich glutenfreie Getreide- und Pseudogetreidesorten, wie Quinoa, Hirse, Reis, Buchweizen und Amaranth, zum Einsatz.

Rezept

Zutaten:
500 g Dinkelvollmehl
260 ml Soja- oder Haferdrink
70 g vegane Butter oder Margarine
1 Würfel Hefe (frisch)
1 EL Sojamehl
70 g Kokosblütenzucker
1 TL Salz
Etwas gemahlene Vanille
1 TL abgeriebene Schale einer unbehandelten Zitrone
Rosinen nach Geschmack

Zusätzlich:
Dinkelmehl für Arbeitsfläche
Pflanzenmilch zum Bestreichen
Mandelblättchen zum Bestreuen

Zubereitung:
Ca. 100 ml lauwarme Pflanzenmilch mit der Germ, dem Kokosblütenzucker und mit ca. 100 g Dinkelmehl vermengen. Zudecken und an einem warmen Ort ca. 15 Minuten gehen lassen.

Die vegane Butter und die restliche Pflanzenmilch leicht erwärmen, mit der gemahlenen Vanille, Salz, der geriebenen Zitronenschale und ggf. den Rosinen verrühren und mit dem aufgegangenen Vorteig, dem restlichen Dinkel-Sojamehl-Gemisch gut verkneten, bis der Teig glatt ist. Zudecken und an einem warmen Ort ca. 30 Minuten rasten lassen.

Den Teig dritteln, auf der bemehlten Arbeitsfläche zu drei Strängen formen und diese dann zu einem Zopf flechten. Mit Pflanzenmilch bestreichen, mit Mandelblättchen bestreuen und im vorgeheizten Backrohr bei 50 Grad zuerst für ca. 20 Minuten gehen lassen. Danach die Temperatur auf 170 Grad erhöhen und den Osterstriezel ca. 30 Minuten backen.

Ernährungsmedizinischer Hinweis:

Wollen Sie einen fruktosearmen Osterstriezel zubereiten, tauschen Sie einfach den Kokosblütenzucker gegen Traubenzucker und lassen Sie die Rosinen weg.

Buddha Bowl – vegan, glutenfrei, laktosefrei, ballaststoffreich, reich an Vitaminen!

BUDDHA BOWL

Will man eine „Buddha Bowl“ beschreiben, gibt es dafür den einfachen Vergleich der prall gefüllten Schüssel mit buntem Gemüse, den Körnern, Proteinen und Nüssen, die an den Bauch des Buddhas erinnert. Tatsächlich beruht die heute trendige Buddha Bowl auf einer alten Tradition des Zen-Buddhismus. Die buddhistischen Mönche aßen ihre nahrhaften Mahlzeiten aus großen Schüsseln, aus „Bowls“, und legten großen Wert auf eine ausgewogene Ernährung in Dankbarkeit.

Eine Buddha Bowl kann man nach Lust und Laune, angepasst an das saisonale Angebot und das, was der Kühlschrank gerade so hergibt, zusammenstellen. Wichtig ist der Mix aus Proteinen, Kohlenhydraten, Gemüse, Obst und gesunden Fetten.

Damit in einer Buddha Bowl alle wichtigen Ernährungsbausteine enthalten sind, sollte zumindest je eine Zutat aus diesen sieben Komponenten enthalten sein:

  • Grünes Blattgemüse, wie Spinat, Blattsalat, Vogerlsalat, Mangold, Rucola, Grünkohl, Kresse, Koriander, …
  • Gemüse nach Saison – gegart und / oder roh, wie Karotten, Rote Rüben, Zucchini, Kürbis, Tomaten, Zuckerschoten, Fisolen, Pilze, …
  • Komplexe Kohlenhydrate aus Naturreis, Hirse, Quinoa, Amaranth, Bulgur, Couscous, Hafer, Dinkelnudeln, Kartoffeln, Süßkartoffeln, …
  • Hochwertige Proteine mit Tofu, Tempeh, Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Edamame, …
  • Gesunde Fette aus Walnüssen, Erdnüssen, Cashewkernen, Mandeln, Chiasamen, Sesam, Avocado, Rapsöl, Leinöl, Hanföl, …
  • Toppings, wie Kräuter, schwarzer Sesam, Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Chili, Limetten- oder Zitronensaft, Sprossen, Kokosflocken, Granatapfelkerne, Beeren oder Obst nach Saison, …
  • Würzige Dressings oder Dips, wie Limetten-Dressing, Tahini-Dressing, Hummus, Pesto, Erdnusssoße, Avocadocreme, Salsa, …

Tipp: Reste vom Vortag, wie Reis, Nudeln oder Gemüse lassen sich auf schmackhafte Weise in einer bunten und nährstoffreichen Bowl verarbeiten!

Mit einer Buddha Bowl wird es niemals langweilig, denn sie lässt sich auf vielfältigste Arten gestalten und schmeckt je nach Zutaten immer anders. Euren persönlichen Geschmackskreationen sind somit keine Grenzen gesetzt!

REZEPT

Zutaten für 2 Portionen:
100 g Blattsalat
100 g Naturreis roh
200 g Tofu geräuchert
1 TL Sojasoße
Etwas Rapsöl
½ Stk. Brokkoli
2 kleine Süßkartoffeln
1 EL schwarzer Sesam
Salz
4 EL Nüsse / Kerne (Walnüsse, Cashewkerne, Haselnüsse, Sonnenblumenkerne)

Tahin-Limetten-Dressing:
30 g Tahin (Sesampaste)
½ TL Agavendicksaft
1 TL Saft einer Limette
2 EL warmes Wasser

Erdnusssoße:
1 kleine Knoblauchzehe
Saft von ½ Limette
40 g Erdnussmus (crunchy oder fein)
4 EL Teriyakisoße
1 EL Agavendicksaft
Chili nach Bedarf
2-3 EL Wasser

Zubereitung:

1. Den Naturreis nach Kochanleitung zubereiten.

2. Die Süßkartoffeln, den Brokkoli und den Salat waschen und trocknen. Den Brokkoli in kleine Röschen teilen, die Süßkartoffel in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden. Den Backofen auf 200°C vorheizen. Süßkartoffeln mit etwas Olivenöl einpinseln, mit schwarzem Sesam bestreuen und auf ein Backblech legen.

Den Brokkoli ebenfalls mit Öl einpinseln, mit etwas Salz bestreuen und ebenfalls auf ein Backblech legen. Beides im Backrohr für etwa 10 bis 12 Minuten backen.

3. Den Räuchertofu in Würfel schneiden. In einem Topf etwas Rapsöl erhitzen und die Tofuwürfel mit Sojasoße kurz anbraten.

4. Für die Erdnusssoße den Knoblauch schälen und fein hacken. Chili und Knoblauch mit Limettensaft, Erdnussmus, Teriyakisoße, Agavendicksaft und mit etwas Wasser glattrühren.

5. Für das Dressing das Tahin, den Agavendicksaft und den Zitronensaft vermengen. Warmes Wasser hinzufügen und zu einem cremigen Dressing verrühren.

6. In eine „Bowl“ oder einen tiefen Teller zunächst den Blattsalat geben und mit dem Dressing beträufeln. Dann den Naturreis, die Tofuwürfel, die Süßkartoffelscheiben und den Brokkoli. Die Erdnusssoße entweder darüber gießen oder in einer kleinen Schüssel extra dazugeben. Zuletzt mit den Nüssen und Kernen toppen und genießen!

7. In einer „Bowl“ oder einem tiefen Teller zunächst den Blattsalat geben und mit dem Dressing beträufeln. Dann den Naturreis, die Tofuwürfel, die Süßkartoffelscheiben und den Brokkoli. Die Erdnusssoße entweder darüber gießen oder in einer kleinen Schüssel extra dazugeben. Zuletzt mit den Nüssen und Kernen toppen und genießen!

ENJOI it!

So geht Vegan

Probier‘s mal vegan

Wenn nicht jetzt, wann dann? Der Start ins neue Jahr ist der beliebteste Zeitpunkt für gute Vorsätze. Weniger Stress, mehr Zeit für Freunde und Familie und mehr Sport sind dabei die klassischen Neujahrsvorsätze, doch im neuen Jahr bringt die Kampagne „Veganuary“ ein ganz anderes Ziel in den Fokus: vegane Ernährung.

ENJOI – Beratung für Ernährung, Diätologie und Gesundheit

www.enjoi.at

Besonders nach den Feiertagen machen sich so manche Beschwerden bemerkbar. Sodbrennen, Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung oder Durchfälle sind oftmals die Folgen von den Schlemmereien. Ist unser Darm außer Balance, leidet darunter nicht nur unser Wohlbefinden, sondern vor allem auch das Immunsystem.

Die Abwehrkräfte werden geschwächt, und daraus resultiert eine erhöhte Infektanfälligkeit. Um eine gute Darmgesundheit wiederherzustellen, ist es wichtig, die kleinen „Helferleins“ in unserer Darmflora richtig zu versorgen und das Mikrobiom, also die Ansammlung von Billionen Mikroorganismen in unserem Darm, so schnell wie möglich wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Es ist aber nicht nur die Ernährung entscheidend, auch Stress, Schlaf, Bewegung, Alkohol und Rauchen sowie einige Medikamente nehmen Einfluss auf unser Mikrobiom und damit auf unseren allgemeinen Gesundheitszustand.

Damit sich die unangenehmen Beschwerden der Festtage bald wieder verflüchtigen, habe ich hier einige Tipps zusammengefasst, die sich einfach in den Alltag integrieren lassen und rasch zu mehr Wohlbefinden und mehr Lebensfreude führen.

• Kräutertees trinken: Wohltuend wirken Fenchel-, Anis-, Ingwer- und Pfefferminztee.
• Reichlich stilles Wasser trinken.
• Kurkuma, das gelbe Gewürz aus der Kurkumawurzel, für Müslis, Breie, Suppen und Eintöpfe verwenden.
• Heidelbeeren essen – in der Winterzeit tiefgekühlt.
• Naturvergorenen Apfelessig für die Salate nehmen.
• Haferflocken als Porridge zum Frühstück oder in Suppen und Aufläufen genießen.
• Quinoa als Beilage oder in Salaten essen.
• Leinöl oder Hanföl für kalte Gerichte verwenden.
• Fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kombucha, Tempeh oder Sojajoghurt einsetzen.
• Täglich mind. 20 Minuten an der frischen Luft verbringen.
• Auf genügend Schlaf achten.
• Zeit für sich selbst nehmen.

ENJOI
Beratung für Ernährung, Diätologie und Gesundheit

www.enjoi.at

In den Wintermonaten sind die Tage kürzer und die Sonnenstunden oft nur spärlich vorhanden. Für unseren Körper bedeutet dies, dass er das ganz besondere „Sonnenvitamin“ nicht produzieren kann und wir uns häufig müde und antriebslos fühlen.

Vitamin D, oder auch Calciferol genannt, wird unter Einwirkung ausreichender Sonneneinstrahlung in unserer Haut selbst produziert, wodurch es eigentlich vielmehr als ein Hormon einzustufen ist. Vitamin D ist ein wahres Gesundheitselixier.

Es ist am Knochenstoffwechsel beteiligt und nimmt Einfluss auf die Entstehung von Osteoporose, es stimuliert unser Immunsystem, es zeigt eine krebshemmende Wirkung und schützt uns vor Bluthochdruck, Diabetes mellitus Typ 2 oder auch vor chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Eine ausreichende Versorgung kann eigentlich ausschließlich durch die körpereigene Synthese und die Sonne gewährleistet werden, denn das fettlösliche Vitamin ist in geringen Mengen nur in einigen wenigen pflanzlichen Nahrungsmitteln, wie in Pilzen oder Avocados, zu finden.

Nun ist aber in unseren Breiten die UV-