Die große Chance für den Tierschutz im Süden

Im Südburgenland fehlt dringend eine öffentliche Anlaufstelle für den Tierschutz. Der Verein „Wir fürs Tier“ will ein solches Zentrum nun selbst errichten und sucht Spender.
Nicole Mühl
Foto: View /J. Vass

Rokko sucht SEIN Zuhause: Der Staffordshire ist 3 Jahre und hat den Großteil seines Lebens in einem Zwinger verbracht. Er wünscht sich einen Platz bei einem erfahrenen Hundekenner mit viel Auslauf. Infos unter 0676 – 6412875

 

„Die Alten bleiben über. Die will keiner“, sagt Alice Pichler. „Und die, die zu viele Grausamkeiten erlebt haben“, sagt sie und streichelt dem Staffordshire neben ihr sanft über das Fell. Rokko heißt er und jahrelang war er eingesperrt in einem Zwinger, abgelegen in einem Hinterhof. Menschlichen Kontakt gab es kaum. Alice Pichler hat ihn rausgeholt. Lange war Rokko den Menschen „nicht zumutbar“. Paradox, denn es waren Menschen, die seine Seele kaputtgemacht haben. Alice Pichler hat sie geheilt. Heilt sie immer noch und gibt nicht auf. Spezielle Trainings sollen den Hund resozialisieren. Wenn ihn Alice streichelt, scheint sein Herz vor Dankbarkeit und Liebe überzugehen. Dann hat auch die zierliche Alice Pichler keine Chance. Denn wenn Rokko schmusen will, bleibt kein Gesicht trocken.

Ein langer Weg
Vor vier Jahren hat alles begonnen. Wegschauen ging einfach nicht mehr. Handeln wurde zur Pflicht für Alice Pichler. Zu viele herrenlose Tiere, zu viele Streunerkatzen und keine öffentliche Stelle, die sich darum kümmert. Sie gründete den Tierschutzverein „Wir fürs Tier“. Es war der 4. Oktober 2013, Welttierschutztag. Sie war damals 25, unterrichtete am Gymnasium Oberpullendorf Latein und Geschichte und jede freie Minute war mit Tierschutzarbeit ausgefüllt. Nachts legte sie sich auf die Lauer, um Streunerkatzen einzufangen und zur Kastration zum Tierarzt zu bringen.
Vier Jahre später hat sich an der Arbeit nichts geändert. Aber Alice Pichler kämpft nicht mehr allein. Der Verein ist auf 20 Mitglieder gewachsen – ehrenamtliche natürlich. Allein im Vorjahr haben sie knapp 600 Streunerkatzen kastrieren lassen und 200 Tiere vermittelt. „Jetzt stehen wir aber an“, sagt Pichler. Derzeit sind 30 Tiere auf fünf Pflegeplätzen bei den Tierschützern untergebracht. Das Futter bezahlen sie aus der eigenen Tasche. Geld vom Land gibt es nicht. Die Grenzen der Belastbarkeit werden permanent überschritten.

Tierschutz-Kompetenzzentrum
Aufgeben ist keine Option für die Tierschützer. Der Plan von einer Anlaufstelle für den Tierschutz im Südburgenland muss Realität werden. „Seit drei Jahren liegt ein fertiges Konzept in meiner Schublade“, sagt Pichler. Das Problem sei das Geld für die Errichtung. Erhalten könne sich das Zentrum selbst. Über eine geplante Hundepension beispielsweise sollen die finanziellen Mittel für den laufenden Betrieb hereinkommen. Doch dieser Teil ist noch in weiter Ferne.
„Für‘s Erste planen wir ein Katzenhaus“, sagt Alice Pichler. Hier sei der dringendste Bedarf, denn oft seien Streunerkatzen schwer krank und müssen behandelt werden. Eine Kranken- und Quarantänestation sowie Plätze für 21 Katzen will der Verein „Wir fürs Tier“ daher noch in diesem Jahr errichten. Unterstützung vom Land gibt es keine. „Natürlich wäre ein Großspender ein absolutes Wunder“, sagt Alice Pichler. Mit vielen kleinen Schritten wollen die Tierschützer aber ebenso an ihr Ziel kommen. Also sammeln sie bei jeder Gelegenheit Spenden. Wegschauen geht einfach nicht mehr. Weil Tiere wie Rokko sonst verkümmern. Irgendwo in Hinterhöfen, an Ketten. „Nein“, schüttelt Alice Pichler den Kopf. „Aufgeben ist keine Option.“

Beitrag aus Ausgabe 01/2018


Baustein-Aktion für das Kompetenzzentrum
Für das geplante Katzenhaus inklusive einer Quarantäne- und Krankenstation hat der Verein „Wir fürs Tier“ zur Baustein-Spendenaktion aufgerufen:
Ein Baustein kostet 10 Euro, ein Meilenstein 100 Euro und kann unter 0676/6412875 oder per E-Mail an office@wirfuerstier.at bestellt werden
IBAN: AT68 51000 902142 44900

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