Die Qual der Wahl

Was haben Dackel, Mops, Chihuahua, Sharpei und Bulldogge gemeinsam? Nun zum einen zählen sie derzeit wohl zu den gefragtesten Hunderassen überhaupt. Zum anderen handelt es sich gerade bei diesen Rassen um jene, die leiden müssen, nur um uns zu gefallen.
Alice Pichler von Wir fürs Tier

Tierquälerei
Derartige Züchtungen verstoßen gegen das Verbot der Tierquälerei (§ 5Abs. 1 u. 2, Z 1 Tierschutzgesetz): (1) Es ist verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.
Dagegen verstoßen Züchtungen die Beeinträchtigungen verursachen, welche beispielsweise Atemnot, Lahmheiten, Entzündungen der Haut, Haarlosigkeit, Entzündungen der Lidbindehaut, Blindheit, Exopthalmus (Hervorquellen des Augapfels), Taubheit, Fehlbildungen des Gebisses oder neurologische Symptome zur Folge haben.

Sie leiden um uns zu gefallen
Der Mops, der im Sommer verzweifelt um Luft ringt, der Sharpei, der permanent versucht sich zwischen seinen Hautfalten zu kratzen, die englische Bulldogge, deren Gebiss völlig deformiert ist, der Dackel, der aufgrund seiner Kurzbeinigkeit schwere Schäden der Wirbelsäule davonträgt, der Chihuahua, dem ständig die Augen schmerzen. Traurig aber wahr diese Aufzählung ließe sich noch erweitern. Der Grund, warum all diese Tiere leiden müssen, ist die Nachfrage nach solchen Rassen. Die Fokussierung auf rein äußere Merkmale macht uns offenbar blind für die Tierquälerei, die sich dahinter verbirgt.

Überzüchtet und krank
Mit dem Leiden ist es nicht getan. Denn was viele nicht wissen: Die Tiere sind derart überzüchtet, dass es zu schweren Folgeschäden und –erkrankungen und damit zu hohen Tierarztkosten kommt. Sehr oft sind Operationen notwendig. Durch Inzucht kommt es außerdem oft zu Allergien oder Immunschwächen. Verkrüppelte Wirbelsäulen nur eines der vielfältigen Auswirkungen. Regelmäßige Tierarztbesuche stehen bei Haltern solcher Hunde an der Tagesordnung.

Den Wahnsinn stoppen
Jeder Tierfreund sollte sich bewusst sein, welches Leid hinter solchen Hunderassen steckt und daher ganz klar Abstand vom Kauf einer derartigen Rasse nehmen. Die Entscheidung für ein neues vierbeiniges Familienmitglied sollte generell nie von rein optischen Kriterien getragen und an bestimmte Rassen gebunden sein. Die Tierheime sind voller Hunde, die auf ihre zweite Chance warten und die hinsichtlich ihres Charakters in Ruhe kennengelernt werden können.

Nicht nur Hunde betroffen
Qualzuchten sind längst nicht nur bei Hunden anzutreffen. Bei Katzen leiden beispielsweise Perserkatzen und Nacktkatzen sehr unter ihren Zuchtvorgaben.
Vor allem im Nutztierbereich haben Zuchten furchtbare , ethisch nicht mehr vertretbare Formen angenommen: Puten, die aufgrund der Größe ihrer Brust vorne überkippen, Milchkühe, die aufgrund ihrer extremen Milchleistung an schmerzhaften Euterentzündungen leiden, Masthühner, die aufgrund ihres Gewichts nicht mehr laufen können, Mastschweine, deren Gelenke ihr Gewicht nicht mehr tragen können. Hier entscheiden vor allem wir als Konsumenten, ob wir derartigen Praktiken wirklich schweigend zustimmen wollen oder lieber auf den Konsum verzichten. Eine vegetarische oder vegane Lebensweise trägt erheblich dazu bei, wer auf tierische Produkte nicht verzichten will sollte bewusst auf Bio-Freilandhaltung achten, anstatt zu Billigfleisch zu greifen.
Hoffentlich wird auch bald gesetzlich derartiger Tierquälerei komplett der Riegel vorgeschoben. Können wir behinderte Tiere züchten, nur weil wir sie hübsch oder lustig finden? Oder weil Profit Tierquälerei legitimiert? Unser Hausverstand sollte das wohl klar verneinen. Nun dann sollten wir auch aufhören solche Rassen zu kaufen und deren Züchtung zu unterstützen.

Beitrag aus Ausgabe 03/2017


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