Wenn Tierschützer an ihre Grenzen stoßen

Freizeit kennt Alice Pichler, Obfrau des Tierschutzvereines „Wir fürs Tier“, nicht. Freizeit bedeutet meist Tierrettung. Sie und ihre Helfer tun dies neben ihren Jobs, ehrenamtlich. Die Arbeit erfordert von ihnen oft die letzten Energiereserven. Und dann ist vor kurzem auch noch ein Extremfall passiert: 28 Katzen haben ihr Zuhause verloren. Alice Pichler erzählt.
Alice Pichler, Obfrau "Wir fürs Tier"
Foto: Wir fürs Tier

Orlie und Bisou und José mussten ihre gewohnte Umgebung verlassen und haben bei „Wir fürs Tier“ Pflegeplätze gefunden.

 

Letzter Monat galt als neuerliche Bewährungsprobe für unseren Tierschutzverein. Nicht nur, dass wir jetzt im Sommer tagtäglich Notfälle versorgen und unterbringen müssen, wurden mit einem Schlag 28 Katzen obdachlos.
Im Burgenland haben derzeit alle Tierheime Aufnahmestopp. Selbst für beschlagnahmte Tiere bzw. Fundtiere ist kein Platz mehr. Tiere, die von privaten Haltern nicht mehr länger versorgt werden können, haben keine Möglichkeit unterzukommen. Für die 28 Katzen, die aufgrund einer finanziellen Notlage ihr Zuhause verloren haben, bestand also keine Chance, irgendwo aufgenommen zu werden.

Auch unsere Pflegeplätze sind überfüllt mit heimatlosen, notleidenden Tieren. Doch wir konnten die Katzen nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. Durch einen riesigen Vermittlungsaufruf haben wir tatsächlich innerhalb von nur drei Wochen 21 Katzen an gute Plätze vermittelt. Ein tolles Team an Ehrenamtlichen war fast täglich damit beschäftigt, Vorgespräche zu führen, die zahlreichen Katzen kennenzulernen und vorzustellen. Danach kontrollierten wir die neuen Plätze, brachten die Katzen in ihre neuen Heime und stehen nun nach der Vermittlung den neuen Haltern bei Schwierigkeiten beratend zur Seite. Schließlich konnten wir die verbleibenden sieben Katzen in Pflegefamilien unterbringen, von wo aus wir nun neue Plätze für sie suchen. Aber hunderte Stunden Arbeit haben sich letztendlich ausgezahlt: Viele Katzen konnten direkt in ihre neues Zuhause ziehen und alle anderen sind in Sicherheit und werden liebevoll umsorgt.

Solche Fälle zeigen, wie notwendig Tierschutzarbeit hier im Südburgenland ist. Es gibt keine Anlaufstellen und viel zu wenig Tierheimplätze. Allein durch unsere große Anzahl an engagierten ehrenamtlichen Mitarbeitern können wir Aufgaben wie diese noch bewältigen.
Doch auch wir stoßen mittlerweile an unsere Grenzen. Neben unserer eigenen Arbeit investieren wir vieles an Freizeit und privatem Geld. Mittlerweile ist der große Bedarf an Hilfe mit rein ehrenamtlicher Tätigkeit kaum noch zu schaffen.

Mehr Infos zum Verein:
www.wirfuerstier.at

Beitrag aus Ausgabe 09/2017


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