Warum der Boden für unser (Über)Leben wichtig ist

Dr. Eckhart Weikmann (Baumfreunde Oberwart*) / 4. Jänner 2021
Foto: Baumfreunde Oberwart

CO2 Speicherung über und unter der Erde.

Dass eine zu hohe Konzentration an Kohlenstoff-Dioxid (CO2) neben anderen Gasen – etwa Methan und Lachgas – in der Atmosphäre für unser Klima schädlich ist, ist ein schon weit verbreitertes Wissen. Und auch, dass die Speicherung des CO2 durch Bäume, durch Wälder, eine großer Bedeutung für eine zweckmäßige CO2-Konzentration in der Luft hat, wissen viele Menschen. Leider wollen es aber gerade etliche Entscheidungs-Träger der Politik und der Wirtschaft gar nicht wissen und so werden eifrig Wälder, und Einzel-Bäume verbrannt, umgeschnitten und nicht wieder ersetzt.

Viel weniger bekannt ist wahrscheinlich, welche Bedeutung der Boden unter unseren Füßen hat, diese ganz dünne Haut über große Teilen unserer Erde, die einerseits eben das Wachsen von Pflanzen, den kleinsten Gräsern bis hin zu den mächtigen Bäumen und Wäldern erlaubt und andererseits einen noch größeren Speicher von CO2 darstellt als die Bäume. Nur die Ozeane, die Weltmeere, tragen noch mehr zu dieser CO2-Speicherung bei. In Zahlen sind das etwa 38.000 Giga-Tonnen für die Meere,  2.000 Giga-Tonnen für den Boden und 500 Giga-Tonnen für die Pflanzen, samt Bäumen und Sträuchern, die auf diesen Böden wachsen.

Sowohl für eine  gute Basis der Pflanzen und damit natürlich auch für die Grundlage des Ackerbaus und alle unserer Nahrung als auch für eine gute CO2-Speicherung ist es aber unbedingt notwendig, dass diese Böden als der vielfältige lebendige Organismus erhalten werden, die sie ursprünglich sind. Die Zusammensetzung von Böden ist zwar einerseits abhängig von dem darunterliegenden mineralischen Material, dem Gestein also, das ebenso lockerer Sandstein, als auch Kalk oder Granit oder noch vieles andere sein kann. Andererseits beherbergt das, was darauf liegt, der Boden eben, der Humus, eine beinahe unfassbare Vielfalt von kleinen, sehr kleinen und nur mikroskopisch erkennbaren tierischen und pflanzlichen Lebewesen. Nur durch dieses Zusammenwirken entstehen  nämlich die feinen Poren, die den Stoffaustausch und damit etwa die so große CO2-Speicherung erlauben, und ein zweckmäßiges Festhalten von Wasser, also die erforderliche Bodenfeuchtigkeit, ohne dass der Boden in Wasser „ertrinkt“.

Von der Oberfläche immer tiefer in den lebenden Boden eindringend, unterscheiden wir zu oberst, nach der Moderschicht, die Makrofauna, die Mesofauna, die Mikrfauna und zuunterst in etwa 1 m Tiefe oder auch mehr, die Mikroflora. Mit unfassbaren Zahlen von Bewohnern: In einem Kubikmeter gesunden fruchtbaren Bodens leben nämlich 30 Hundertfüßler, 30 Asseln, je 50 Spinnen und Schnecken, je 100 Zweiflüglerlarven, Käfer und -larven, Doppelfüßler und vor allem auch Regenwürmer. 46 verschiedene Arten von Regenwürmern sind allein in Mitteleuropa bekannt, ganz grob gesprochen horizontal bohrende und vertikal bohrende. In der nächst tieferen Schicht Springschwänze, Weißwürmer und Milben, jeweils etwa 50.000, in der Mikrofauna Rädertierchen, je 1 Million Fadenwürmer und Wimpertierchen, 100 Millionen Geißeltierchen. Noch unfassbarer die Mikroflora mit 100 Millionen Algen, 100 Milliarden Pilzen, 10 Billionen Strahlenpilzen und noch zehnmal mehr Bakterien. Was diese Fleißigen machen, sind verschiedene organische Kohlenstoff -Verbindungen, die die Fruchtbarkeit des Bodens bewirken und verhindern, dass Kohlenstoff in zu großen Mengen als Kohlenstoff-Dioxid (CO2) in die Luft gelangt. Es hängt nämlich von der Konzentration des CO2 in der Atmosphäre ab, ob – bei zu wenig CO2 – zu viel Wärme der Erde ins Weltall abstrahlt oder – bei zu viel CO2 – eben zu wenig, und dann wird es unbequem warm.

Die Vernichtung eines gesunden Bodens geschieht durch immer stärkeren Einsatz von Insektiziden und Pflanzenschutzmitteln, sie geschieht durch Bearbeitung mit immer größeren und schwereren Maschinen, die zu Bodenverdichtung (Verschwinden den Porosität und damit  Verschwinden der tierischen Bodenbewohner) führt, aber auch durch immer größere ununterbrochene Ackerflächen. Die fehlenden – früher selbstverständlichen –Feld-Raine erlauben dem Wind, den Regengüssen, jetzt eine immer stärkere Boden-Erosion und es bleiben auch die von den Rändern immer wieder nachdrängenden tierischen und pflanzlichen Bodenlebewesen, die früher die Äcker regeneriert haben, auf der Strecke. Zur Gesundung unserer Böden wäre also sinnvoll, wieder kleinere, von Feldrain begrenzte Anbauflächen zu bearbeiten, mit leichteren, nicht so sehr bodenverdichtenden Geräten, auf Herbizide und Insektizide zu verzichten, Kunstdünger so sparsam wie möglich einzusetzen, statt dessen wieder mehr auf Gründüngung zu setzen, die durch nur sehr oberflächliches Pflügen eingearbeitet wird.

Zuletzt muss noch erwähnt werden, dass neuerdings auch in den Wäldern mit den schweren „Wald-Ernte-Maschinen“, wahren Monstren, Boden verdichtet und vernichtet wird, auch wird durch das zu rigorose Entfernen des abgefallenen Laubs Humusbildung verhindert.

Dass auch unsere Bäume in den städtischen Ansiedelungen das „Anrecht“ auf einen gesunden und ausreichenden Boden unter sich haben, ein Recht, das ihnen derzeit sehr oft nicht zugestanden wird, könnte später unter dem Titel  „Schwamm-Städte“ noch gesondert betrachtet werden.

*Die Baumfreunde Oberwart ist eine überparteiliche und unabhängige private Initiative engagierter OberwarterInnen.


Buchtipp:

Florian Schwinn:
Rettet den Boden
Westend-Verlag 2019

Peter Laufmann:
Der Boden, das Universum unter unseren Füßen
C.Bertelsmann-Verlag 2020


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