Editorial

Verträge: Die erwachsenste Form der Liebe

Valentinstag. Der Tag, an dem Liebe mit roten Rosen, Herzchen aus Plastik und dem moralischen Druck geliefert wird, jetzt aber bitte ganz große Gefühle zu empfinden. Wer nichts postet, liebt offenbar nicht. Wer nichts schenkt, hat innerlich schon abgeschlossen. Romantik als Pflichttermin – effizient, marktwirtschaftlich und ungefähr so spontan wie ein Steuerbescheid.

Dabei ist Liebe ja etwas Wunderbares. Dann wenn Menschen Nähe wollen, ohne sich selbst dabei aufzugeben. Für Menschen, die wissen, dass Zuneigung zuerst einmal bei sich selbst beginnt. Unabhängigkeit ist kein Mangel an Liebe, sondern ihre Voraussetzung. Wer sich nur halten kann, wenn der andere stehen bleibt, nennt das vielleicht Romantik – stabil ist es trotzdem nicht. 

Und dann diese seltsame Vorstellung, dass Verträge unromantisch seien. Als würde Klarheit Gefühle töten. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Verträge sind keine Liebesbremse, sie sind die Sicherheitsgurte der Beziehung. (Lesen Sie mehr dazu von meiner Kollegin Nicole Matsch: Liebe & Recht – Zwischen Gefühl und Gesetz).

Heiraten ist Geschmackssache – wie Koriander. Aber Vereinbarungen zu treffen, über Geld, Verantwortung, Fallstricke und Ausgänge, ist keine Frage der Liebe, sondern der Intelligenz. Liebe braucht Romantik (zumindest für die meisten). Aber sie braucht auch Transparenz und Verbindlichkeit. Gefühle sagen „Ich vertraue dir“. Verträge sagen: „Gut. Dann haben wir das geklärt.“ 

Schönen Valentinstag!

Nicole Mühl

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen