Editorial
Es weihnachtet
Weihnachten macht mich sensibler und anfälliger für das, was um uns und in der Welt geschieht – für all das Schwere, das man im Alltag oft nur mit halbem Blick erträgt. Vielleicht ist das die erste Zumutung des Weihnachtsgeistes: dass er uns nicht erlaubt, wegzusehen.
Was ich aber unter all dem Schrecklichen dann auch sehe, sind die Menschen, die die Welt ein Stück besser machen. Wenn jemand Sandsäcke trägt, um das Haus des Nachbarn vor Sturm und Regen zu schützen. Wenn zwei Kinder Kekse backen und den Erlös ins Tierheim bringen.
Wenn Pflegekräfte, Notärzt:innen, Rettungsteams und Sozialarbeiter:innen zu Weihnachten Dienst haben und damit anderen ermöglichen, zu feiern.
Wenn ein ganzer Bezirk nach einem entlaufenen Hund sucht – ja, auch das durfte ich heuer erleben.
Diese Handlungen sind die stille, zähe Weigerung, dass Kälte den Ton angibt. Weihnachten erzählt davon, dass ein einziges verletzliches Leben zählt — so sehr, dass man ihm einen Himmel voll Hoffnung widmet. In einer Welt, in der Bomben Wohnhäuser treffen und Menschen und Tiere misshandelt werden, ist das eine radikale Geschichte. Und jede helfende Hand, jede Tat im Ehrenamt ist eine Fußnote zu dieser Geschichte. Der Geist von Weihnachten ist genau dort: in Händen, die nicht nur beten, sondern anpacken.
Wenn ich heuer Weihnachten feiere, denke ich vor allem an jene, die ohne viel Aufhebens Tag für Tag ein kleines Stück Licht in eine sehr dunkle Welt tragen. Aber mehr als jede gut gemeinte Geste zählt der Wille, Teil von ihnen zu sein – auch wenn es noch so mühsam ist. Gesegnete Weihnachten!
Nicole Mühl
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