Editorial

Montagsfreuden

Von allen Wochentagen ist der Montag der unbeliebteste. Es gibt sogar eigene Blogs, wie man den Start der neuen Arbeitswoche am besten übersteht. Und schalten Sie mal am Montagmorgen das Radio ein. Auf dem Weg zur Arbeit ist schon die Rede von Montagsfrust und Montagshorror. Die Arbeiterkammer gibt am Jahresanfang sogar Tipps für die Urlaubstage, damit man mit Fenster- und Feiertagen besonders viel freie Zeit rausholen kann. Am besten dann noch bei einer 32 Stunden-Woche und die am liebsten im Homeoffice.

Wer eine solche Sichtweise auf die Arbeit hat und so wenig Zeit wie möglich mit seinen Kolleginnen und Kollegen verbringen will, der hat wohl noch nie den Flow erlebt, der im Team entsteht und durch den man über sich selbst hinauswächst. Der hat noch nie erlebt, wie gut es tut, wenn man Misserfolge kollektiv durchsteht. Der hat noch nie mit seinen Kolleginnen und Kollegen Tränen gelacht – oder bei privaten Schicksalsschlägen mitgelitten. Arbeit ist so viel mehr als ein Mittel zum Geldverdienen und eines habe ich über die Jahre gelernt: In meinen tiefsten Krisen war es immer mein Beruf, der mir Sicherheit gegeben und mich vorangetrieben hat. Das beinhaltet eben auch die Menschen, die das Herzstück des Unternehmens sind.

Die Arbeiterkammerwahlen stehen heuer an und im Wahlkampf wird auch der Ton in Richtung Wirtschaftstreibende rauer. Es ist wichtig, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine starke Vertretung haben, die ihre Rechte durchsetzt. Aber es wäre schön, wenn das Arbeits-Bashing aufhören würde und Arbeit auch als Quelle für persönliches Wachstum, zwischenmenschliche Bindungen und das Entfalten von Potenzialen gesehen wird. Und man könnte ja durchaus auch einmal sagen: Heute ist Montag! Was für eine Chance auf eine coole Woche!

Von Nicole Mühl

© Lexi

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