„Schulen müssen Mut zu autonomen Entscheidungen haben“

Mit der Einführung der Bildungsreform 2017 haben Österreichs Schulen neue Freiheiten erhalten. Doch nutzen sie diese auch? Alfred Lehner, der neue Bildungsdirektor des Burgenlandes, tritt mit einer klaren Vision und langjähriger Erfahrung an: Schulen müssen ihre autonomen Möglichkeiten ausschöpfen, um ihrem Auftrag gerecht zu werden, jedem Kind die bestmögliche Bildung in einer sich rasant verändernden Welt zu ermöglichen. Lehner, der selbst erfolgreich eine autonome Schule geleitet hat, hat das Ziel, dass Schulen individuell auf ihre regionalen Bedürfnisse eingehen und die Rahmenvorgaben kreativ und selbstbestimmt umsetzen. Im prima! Sommergespräch erzählt er von Herausforderungen und Chancen der Schulautonomie und erklärt, wie er diese im Burgenland vorantreiben will.

Nicole MÜHL / 03. Juli 2024

Burgenlands Bildungsdirektor Alfred Lehner über Schulautonomie und neue Wege und Chancen im Schulbildungssystem

Die Schulautonomie in Österreich wurde mit dem Bildungsreformgesetz 2017 eingeführt. Diese Reform gab den Schulen erweiterte Freiräume und Entscheidungskompetenzen in Bereichen wie Lehrplan, Klasseneinteilung und Verwaltung, um den individuellen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler besser gerecht zu werden. Nutzen die Schulen diese Freiräume?

Alfred Lehner: Genau das ist das Kernproblem: Diese Neuerungen wurden systemisch noch nicht vollständig verstanden und deshalb der Idee nach zur Gänze auch noch nicht so umgesetzt. Die Bildungsreform 2017 markiert tatsächlich eine Wende hin zu einem neuen Steuerungsmodell, der sogenannten „New Governance“ (siehe Kasten). Im Gegensatz zur bisherigen hierarchischen und bürokratischen Verwaltung, bei der klare Vorgaben gemacht und deren Umsetzung an den Schulen von Inspektoren überprüft wurden, setzt die New Governance auf eine flexible, der Region angepasste Ermöglichung in der Umsetzung von Reformvorhaben. Schulen haben mehr Freiräume und können eigenverantwortlicher agieren. Begleitet werden sie dabei von Schulqualitätsmanager*innen, die die autonomen Freiheiten mit ihnen diskutieren. Leider wird das noch nicht überall so ausgeschöpft.

Was heißt das konkret?

Die Welt ist komplexer geworden und alte Methoden sind oft nicht mehr zeitgemäß. Deshalb hat man Rahmenvorgaben in einen Qualitätsrahmen gepackt, der für alle Schularten gilt. Der Qualitätsrahmen für gute Schulen beinhaltet Rahmenvorgaben für gute Führung, für Schul- und Unterrichtsentwicklung, für den Umgang mit Schulpartnern und mit Ergebnissen der Schülerinnen und Schülern. Eine weitere Rahmenvorgabe ist der neue Lehrplan, der neben Fachkompetenzen auch fachübergreifende und überfachliche Kompetenzen fördert. Diese Kompetenzen zielen auf Persönlichkeitsentwicklung, Teamarbeit und Soft Skills ab, die in jedem Beruf wichtig sind. Fächerübergreifend bedeutet, dass Fachinhalte verbunden werden müssen, um ein besseres Verständnis zu ermöglichen. Dieses vernetzte Denken führt zu einem besseren Verständnis des Lernstoffs und bietet letztlich die Grundlage zur Entwicklung wertvoller, persönlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten. Und das Wichtige dabei: Schulen haben nun die Freiheit, diese Rahmenvorgaben standortspezifisch mitzugestalten, auch um Probleme selbstständig gleich vor Ort zu lösen.

Standortspezifisch deshalb, weil Wien beispielsweise andere Herausforderungen hat als das Südburgenland? Stichwort Migration.

Genau. Wir haben hier nicht diese Vielfalt an Kulturen, wie es in Wien der Fall ist. Deshalb muss eine Schule auch regional denken dürfen. Das bedeutet aber auch, dass das Burgenland meines Erachtens in zwei Bildungsregionen – Nord und Süd – gedacht werden muss. Das Südburgenland weist im Bildungsbereich andere Strukturen auf als der Norden. Es gibt hier viele Kleinstschulen, die andere Probleme haben als große Schulen im Norden. Und es gibt auch andere Arbeitsmöglichkeiten und eine andere Infrastruktur. Da braucht es eine Vernetzung der Schulen untereinander, aber auch mit der Wirtschaft. Wir reden hier von einer regionalen Bildungsplanung und das wäre die Aufgabe eines Regionalmanagers bzw. einer Regionalmanagerin, um alle Regionsinteressen in eine sinngebende und zusammenhängende Bildungsplanung einzubringen.

Freiräume ausschöpfen

Warum also wird Schulautonomie noch nicht stärker umgesetzt?

Schulen haben zum Teil noch nicht verstanden, wo die Freiräume sind und wozu ein Rahmen hierzu benötigt wird. Der Rahmen ist deshalb wichtig, weil Bildungsziele trotz individueller Freiheiten der Schulen erreicht werden müssen. Er stellt sicher, dass trotz Schulautonomie die Bildungsergebnisse sowohl national als auch international vergleichbar bleiben. Im Grunde geht es um „gerahmte Freiräume“ und die Schulen sind gefordert, diese Freiräume auszuschöpfen.

Was wäre so ein Beispiel in der Praxis?

Man nehme etwa die 50 Minuten Unterrichtseinheit her. Diese Zeitvorgabe stammt noch aus der Zeit Maria Theresias. Es war die Exerziereinheit der Kadettenschule. 50 Minuten exerzieren, zehn Minuten Pause. Das war vor 250 Jahren und wird heute noch angewendet, weil man anscheinend immer noch glaubt, dass in 50 Minuten die besten Lernerträge erzielt werden können. Stimmt natürlich nicht. Schulautonomie lässt zu, dass beispielsweise die Hauptgegenstände auch von 9 bis 12 Uhr angesetzt werden können, weil Kinder in diesem Zeitraum aufgrund ihres Biorhythmus möglicherweise am aufnahmefähigsten sind. Man könnte beispielsweise an einem Tag in den drei Stunden nur Deutsch planen oder in der Folgewoche eine naturwissenschaftliche Woche durchführen, wo an jedem Tag nur Mathematik unterrichtet wird. All das wäre autonom möglich.

Individualisierung

Das Schulpaket gibt es seit 2017. Was ist in den letzten sieben Jahren passiert?

Aus der Bildungsforschung weiß man, dass ein Change-Prozess im Schulwesen an die 15 Jahre dauert. Da sind wir jetzt mittendrin. Es gibt schon viele Schulen, die autonom bereits hervorragend arbeiten. Ich selbst habe so eine Schule leiten dürfen und hatte das Glück, diesen Change-Prozess an dieser Schule schon im Jahr 2002 eingeleitet zu haben. Meine Erfahrungen resultieren daraus, dass ich all diese Prozesse selbst durchmachen durfte und an diesen Entwicklungen auch systemisch immer aktiv mitwirken konnte. Die Kernbotschaft des Leitzieles der Bildungsreform 2017 ist die Individualisierung und Kompetenzorientierung. Was heißt das? In einer Klasse sitzen nicht 20 Kinder, sondern 20×1 Kind. Jedes Kind ist anders. Meine klare systemische Botschaft ist deshalb: Das österreichische Bildungssystem hat die Aufgabe, allen Schülerinnen und Schülern, egal welcher sozialer Herkunft, welchen Geschlechts, welcher Religion, welcher Sprache, welcher ethnischer Herkunft, welcher Kultur und welcher Beeinträchtigung den bestmöglichen Bildungsweg beschreiten zu lassen.

Was bedeutet das im Zusammenhang mit dem Thema Inklusion in Schulen

Im Burgenland haben wir es derzeit – wie ich höre – vermehrt mit Kindern zu tun, die die Schulreife nicht erreichen und somit im Kindergarten ihren Aufenthalt verlängern. Das sehe ich nicht als sinnvoll an. Fakt ist, dass Volksschuldirektorinnen und -direktoren die Schulreife eines Kindes über eine vorgegebene Testung feststellen müssen. Da wir mehrere Lehrpläne zur Verfügung haben und es eine Schuleingangsphase gibt, glaube ich, dass man sich diese Aufnahmeergebnisse noch einmal genau anschauen muss. Ein schwieriges Kind muss nicht gleich mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf markiert werden oder die Schulreife nicht erlangen. Oft wird durch eine Rückstellung bzw. allzu frühe Abstempelung des Kindes kein Mehrwert im Verhalten erreicht. Ein geduldiges und gut gesteuertes Einbringen in die Gemeinschaft ist meist gewinnbringender für Kinder und Eltern.

Was meinen Sie damit? Wie wär das umsetzbar?

Die Autonomie eröffnet hier wieder einige Möglichkeiten. Es ist ein Trugschluss, dass Kinder mit Beeinträchtigung immer in ihrer Klasse bleiben müssen. In Südtirol gibt es beispielsweise dislozierte Klassen. Das heißt, dass Kinder mit Beeinträchtigung zwar eigene Klassen haben, aber temporär in Regelklassen wechseln, solange es ihnen und den anderen Schülerinnen und Schülern guttut. Und wenn es zu viel wird, dann gehen sie in den Therapieraum bzw. in ihre eigene Klasse zurück. Autonome Schulsysteme machen vieles möglich.

Digitalisierung

Welchen Platz wird KI in dieser Bildungsreform einnehmen?

KI ist gekommen und wird nie mehr gehen, das ist ein Faktum. Die digitale Revolution ist ein Tsunami, der auf unsere Schulen zukommt, weil die Kinder zum Teil schon früher als die Lehrer wissen, wo sie nachschauen müssen, um sich Infos zu besorgen. Alles Wissen um geschichtliche Daten können wir sofort abfragen. Kernaufgabe der Schulen ist es, den Kindern Lesen, Rechnen und Schreiben beizubringen. Was heute aber ebenso zählt, ist, dass diese vernetzt denken können und kritisch sein müssen. Sie müssen reflektieren, diskutieren und unterscheiden können zwischen seriösen Quellen und Fake News. Und das heißt, der Auftrag an die Lehrer wird in Zukunft ein ganz anderer sein, nämlich den reflexiven Dialog zu führen, die Teamarbeit, die Diskussion.

Ich kann mir vorstellen, dass viele Lehrerinnen und Lehrer einen enormen Mehraufwand befürchten. Sich auf eine Diskussion vorzubereiten, ist vermutlich ein höherer Zeitaufwand, als sich strikt an einem Lehrplan zu orientieren, der sich von einem Jahr zum nächsten wahrscheinlich nicht viel ändert.

Der Aufwand wird nicht größer sein, lediglich der Zugang und die Vorbereitung anders. Das Schulbuch Kapitel für Kapitel aufzuarbeiten, wird endgültig der Vergangenheit angehören. Um vernetztes Denken bei den Schülerinnen und Schülern zu entfalten, setzt auch eine Abstimmung des Lehrpersonals voraus. Das bedeutet, sich im Team zusammenzusetzen, miteinander zu planen und auch nicht mehr alleine in der Klasse zu stehen.

Die Schulreform und die Schulautonomie erfordern schon ein enormes Umdenken bei den Pädagoginnen und Pädagogen. Was braucht es jetzt an Überzeugungsarbeit?

Ausmeiner Tätigkeit im Bildungsministerium weiß ich, dass die Reform gut durchdacht und detailliert geplant wurde. Ich war als Praktiker in meinem Aufgabenbereich in der Qualitätsabteilung an der Entwicklung vieler QMS-Instrumente beteiligt und kenne deshalb auch deren Sinngebung. Leider verstehen viele Schulen diese Instrumente nicht als Hilfestellungen, sondern als zusätzliche Aufgaben. Ich verstehe die Bedenken und die Abwehr zum Teil. Schulen bekommen heute tatsächlich viel aufgedrückt. Schon allein im Bildungsministerium wird in drei Sektionen – Pädagogik, Legistik und Qualitätsentwicklung – gearbeitet und alle produzieren en masse Produkte, Reformvorhaben, die die Schulen umsetzen müssen. Hinzu kommen viele Gütesiegel, die seitens der Wirtschaft zu erreichen wären, sowie auch die Länder mit gut gemeinten Ideen. Diese ungeordnete Informationsflut überfordert die Schulen maßlos. Aber jetzt kommt die wichtige Botschaft: Die Autonomie ermöglicht es den Schulleitungen jetzt, einen Filter einzuziehen, um sich selbst Prioritäten zu setzen. Es braucht Mut zu autonomen Entscheidungen. Und dafür braucht es längerfristige Entwicklungspläne, in denen die Zielsetzungen eigenständig entwickelt werden sollen.

Was wäre ein plakatives Beispiel dafür?

Wenn ich eine Schule mit einem sehr hohen Migrantenanteil habe, dann setze ich den Schwerpunkt beispielsweise auf mehr Deutschstunden unter Verminderung anderer Unterrichtsstunden. Zur Intensivierung der Sprachkenntnisse sollten dabei Musik, Sport und Kreativfächer, in denen Spaß und Freude an der Kommunikation vermittelt wird, nicht eingespart werden.

Wer ist jetzt am Zug? Wie kommt man als Schule in die Umsetzung?

Schulqualitätsmanager*innen aus der Schulaufsicht und Schulentwicklungsberater*innen aus den Pädagogischen Hochschulen helfen, die Vorhaben an die Schulen zu bringen. Der erste Schritt ist, dass Schulleiter*innen gemeinsam mit dem Lehrerteam an einer autonomen Schul- und Unterrichtsentwicklung arbeiten. Wir haben das in meiner Schule bereits ab 2002 gemacht. Immer in der ersten Septemberwoche wurde von Donnerstag bis Sonntag ein Planungswochenende in Grado veranstaltet, an dem gemeinsam das gesamte Schuljahr geplant wurde. Ich kann mich erinnern, dass meine Kolleginnen und Kollegen im Kaffeehaus, am Strand, abends an der Bar ihren Laptop mit dabei hatten und Planungsgespräche führten. Der Lohn der Arbeit: Im Vorjahr ist die Mittelschule Markt Allhau zum dritten Mal in 15 Jahren für den Staatspreis Innovative Schulen nominiert worden. Das hat noch keine andere Schule auf Bundesebene geschafft.

Religion oder Ethik

In Wien sind 35 Prozent der Volksschüler Muslime, 26 Prozent sind ohne Bekenntnis, 21 Prozent sind Katholiken, 13 Prozent Orthodoxe und je zwei Prozent evangelisch bzw. gehören einer anderen Konfession an. Es wird darüber diskutiert, ob nicht Ethikunterricht statt Religionsunterricht sinnvoller wäre. Wofür treten Sie ein?

Mein Statement dazu ist ein ganz anderes. Niemand hat eine Lösung, wie man mit der Zusammenkunft der unterschiedlichen Kulturen umgeht. Das Burgenland hat am besten vorgezeigt, wie Minderheiten miteinander leben können. Wir haben Burgenlandkroaten, Ungarn, Roma, diese verschiedenen Minderheiten kommen seit Jahrhunderten gut miteinander aus. Da möchte ich ansetzen. Ich hätte gerne, dass sich der Religionsunterricht öffnet und für alle, die an unseren Schulen unterrichtet werden, den gemeinsamen Nenner in den Fokus stellt: Wir wollen friedlich miteinander auf dieser Erde leben.

Eigentlich eine Haltung, die Kinder ja grundsätzlich in sich tragen.

Genau, da merkt man es am meisten, wie das funktioniert. Meine Enkel wohnen in Wien. Einer von ihnen ist dreieinhalb Jahre alt und geht in Wien in den Kindergarten, in dem neun Nationen vertreten sind. Seine zwei besten Freunde haben chinesische und griechische Wurzeln. Sie sind die besten Haberer. Diese natürlich gewachsene Freundschaft fragt nicht danach „Wer ist dein Herrgott?“

Sie würden diesen „Friedensunterricht“ aber im Rahmen eines Religionsunterrichts einführen?

Nicht nur, aber vor allem auch dort. Das Kennenlernen anderer Kulturen soll den Schülerinnen und Schülern die Angst voreinander nehmen, ohne die eigene Identität aufgeben zu müssen. Ein friedliches Miteinander kann aber nur dann funktionieren, wenn Zuwanderern auch unsere Kultur nahegebracht und ein Demokratieverständnis vermittelt wird. In einer demokratischen Gesellschaft gibt es nicht nur Rechte zu bewahren, sondern auch Pflichten zu erfüllen. Jedes Gesellschaftsmitglied hat seinen Beitrag zu einem funktionierenden Sozialsystem zu leisten. Damit sie das tun, müssen sie sich kennen- und verstehen lernen und das können Kinder und Jugendliche am besten in der Schule.

Da muss sich aber auch etwas in der Lehrerausbildung tun.

Genau das ist jetzt Thema. Ich bin ja auch Vorsitzender des Hochschulrates. Da haben wir schon diskutiert, dass genau diese Themen auch in die Lehrerfortbildung kommen sollen und werden. Für mich sind die Lehrenden die Akteur*innen, die all diese gesellschaftlichen Veränderungen moderieren. Ich kann nicht Lehrer sein, nur weil ich irgendeine fachliche Ausbildung gemacht habe und der Rest interessiert mich nicht. Der Lehrberuf muss auch als Berufung gesehen werden.

Noch eine persönliche Frage: Sie hätten bereits in Pension gehen können und haben nun das Amt des Bildungsdirektors übernommen. Ist das so etwas wie die Krönung Ihrer beruflichen Karriere?

Ich selber habe nie über eine Krönung nachgedacht. Für mich war jede Station meines beruflichen Lebens besonders. Die Leitung der Schule war für mich eigentlich das Schönste, weil ich da unmittelbar etwas bewegen konnte. Für die Bewerbung zum Bildungsdirektor hat es erst einige Vorgespräche geben müssen. Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich komplett frei in meinen Entscheidungen sein darf. Mir geht es um die Sache und ich war im Bildungssystem inzwischen auf allen Ebenen tätig, diese Erfahrung dürfen wenige sammeln. Und deshalb habe ich diese Funktion übernommen – nicht als Krönung von irgendeiner beruflichen Laufbahn, sondern durch diese Freiheit kann ich Dinge ganz anders einbringen und verändern. Das mache ich jetzt, solange es mir taugt und solange ich etwas bewegen kann.

Schulautonomie

Die Schulautonomie in Österreich wurde im Rahmen des Bildungsreformgesetzes 2017 eingeführt. 
Diese Reform gibt den Schulen erweiterte Freiräume und Entscheidungskompetenzen in Bereichen 
wie Lehrplan, Klasseneinteilung und Verwaltung, um den individuellen Bedürfnissen der Schüler 
besser gerecht zu werden. Dieses Reformpaket zielt darauf ab, die Qualität des Bildungswesens zu 
verbessern und die Schulen als eigenständige Handlungseinheiten zu stärken. Vor der Reform hatten 
Schulen teilweise schon die Möglichkeit, gewisse autonome Entscheidungen zu treffen, doch die 
2017 eingeführten Änderungen erweiterten diese Kompetenzen erheblich. In dem Zusammenhang 
der Schulautonomie und Bildungsreformen bezieht sich der Begriff „New Governance“ auf neue 
Formen der Steuerung und Verwaltung im Bildungswesen, die von traditioneller hierarchischer 
Kontrolle zu dezentralisierten, kooperativen und flexiblen Strukturen übergehen. Trotz erhöhter 
Autonomie müssen Schulen aber weiterhin Rechenschaft über ihre Leistungen und Ressourcen 
ablegen, um sicherzustellen, dass die gesteckten Bildungsziele erreicht werden.

Bildungsdirektor Alfred Lehner in einem Gespräch. Er trägt einen grauen Anzug und ein hellblaues Hemd. Mit ernster Miene und lebhafter Gestik spricht er mit einer Frau, die mit dem Rücken zur Kamera sitzt. Sie hat schulterlanges, blondes Haar und trägt eine Brille. Im Hintergrund sind unscharfe Büroelemente zu sehen.
HR OSR Alfred Lehner, BEd MA

Seine berufliche Laufbahn begann als Lehrer (1984 bis 2002). Als Hauptschuldirektor in Markt Allhau (2002 bis 2015) nutzte er bereits autonome Chancen zur Förderung der Individualität jedes Kindes. 2015 wurde er mit dem Posten als Pflichtschulinspektor für den Bezirk Oberwart betraut. Er war als Schulqualitätsmanager und Regionalkoordinator im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) für die Schulqualitätsverbesserung und die Koordination von Schulprojekten verantwortlich und hat außerdem die Funktion eines Koordinators für Schulcluster innegehabt. Dabei war er verantwortlich für die Koordination und den Ausbau von Schulcluster, die sich auf bestimmte Schwerpunkte wie z.B. die Förderung von Schulen in ländlichen Regionen oder die Verbesserung der Lehrerbildung konzentrieren. Seit 1. Mai 2024 ist er Bildungsdirektor für das Burgenland. Lehner hat sich als innovativer Bildungsexperte einen hervorragenden Namen gemacht und kennt die Bildungslandschaft in all ihren Facetten. Er gilt als Vollblutpädagoge mit einzigartiger Erfahrung und Kompetenz.

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Eine Antwort

  1. Eva Rosskopf

    Sehr guter Artikel und aus der Praxis gesprochen.