Lust

Erwarten Sie nicht, dass die Lust immer und einfach da ist. Diese Haltung kann letztendlich zu sexueller Unzufriedenheit führen. Man muss seinen Körper und seine Bedürfnisse schon gut kennen. Aber das Üben ist ja auch das Schöne daran. Reden wir also über Lust.
Silvia MESSENLEHNER / 27. Februar 2020
Foto: shutterstock_291004394

 

Beginnen wir mit einer kleinen Reise. Einer Lustreise. Kennen Sie die Lust auf eine bestimmte Speise? Schließen Sie die Augen, atmen Sie ruhig ein und aus, und stellen Sie sich Ihre Lieblingsspeise vor. Wie sieht sie aus? Wie riecht sie. Nehmen Sie den Duft wahr und stellen Sie sich vor, wie sie schmeckt. Verspüren Sie Lust, zu kosten? Gibt es einen Gaumenorgasmus? Das Ergebnis vollendet den Reiz. So ähnlich ist es auch in der Sexualität. Unlust ist ein großes Thema bei Paaren und löst mitunter eine belastende Situation aus für beide.

Nichts ist fragiler und anfälliger als die weibliche Lust, die eher auf der emotionalen Ebene zuhause ist. Auch Männer sind lustlos, obwohl das Klischee etwas anderes besagt: Der allzeit bereite lustvolle phallische Mann. Das ist eine Fehlannahme. Aber der Mann hat es doch einfacher, da er die Lust eher aus dem genitalen Begehren heraus ziehen kann oder über die Lust der Frau, die ihn erregt. Aber Sie sehen, so einfach ist es nicht.

Lust ist im Kopf und Begehren in den Genitalien

Zuerst kommt die Lust und dann das Begehren – oder umgekehrt? Beides ist möglich. Lust (emotionale Ebene)und Begehren folgen einem Wunsch nach einer Bedürfnisbefriedigung. In der Phase der intensiven Verliebtheit ist die Leidenschaft hormonell gesteuert – auf allen Ebenen unseres Bewusstseins. Wir müssen nicht viel dazu beitragen. Aber diese Phase vergeht. Lust ist sehr störanfällig und von unterschiedlichen Faktoren abhängig: von der Art und Weise, wie wir gelernt haben mit unserem Körper auf sexueller Ebene umzugehen. Von unseren Einstellungen und Werten. Von der Fähigkeit, wie wir Beziehung und Liebe leben. Von den Sinneswahrnehmungen. Von der Fähigkeit uns zu erregen und Erregung wahrzunehmen, um einen Orgasmus zu erreichen, der befriedigt, vereint und eine intime Verbundenheit schafft.

Stress, der Alltag, Überforderung und Unzufriedenheit mit der eigenen Person sind Lustkiller Nr.1.

Aber auch Krankheit, Medikamente, Ängste, Veränderungen des Körpers und der Bedürfnisse, wenig Kenntnisse über die eigene Funktionalität des Körpers, Selbstzweifel, Unsicherheit, zu hohe Erwartungen etc. sind weitere Faktoren, die zu Unlust führen. Paare nehmen dann fälschlicherweise oft an, dass sie für den anderen nicht mehr begehrenswert sind. Doch das war noch nicht alles….

Der Einfluss der Hormone

Und weil das Ganze mit der Lust und dem Sex zwischen Frau und Mann nicht schon kompliziert genug ist, so sind die Voraussetzungen für die Lust bei Frau und Mann auch von den Hormonen abhängig. Zu den wichtigsten weiblichen Geschlechtshormonen zählen Östrogene und Gestagene.

Das bedeutendste männliche Sexualhormon ist Testosteron. ​Testosteron ist das Lusthormon schlechthin – beim Mann und auch bei der Frau. Bei Männern ist der Testosteronspiegel am Morgen am höchsten und zeigt sich auch an der „Morgenlatte“. Das führt oftmals zu Irritationen bei Frauen und erzeugt das Bild: Er will ständig Sex!

Die Lust der Frau unterliegt jedoch auch großen Hormonschwankungen, insbesondere während des Menstruationszyklus. In den Tagen vor dem Eisprung verzeichnet der weibliche Körper ein Östrogenhoch. Dann ist auch die Libido auf dem Höhepunkt (anders bei Frauen, die hormonell verhüten). Auch vor der Menstruation kann es durch die Kontraktionen in der Gebärmutter zu einem natürlichen Anstieg der Libido kommen.

Wie kann ich die eigene Lust entdecken?

Sexualität ist ein Grundrecht. Es gibt keine festgeschriebene Norm. Normal ist, was gefällt und niemandem schadet. Jeder sollte seinen Körper und seine sexuelle Funktionalität gut kennen und eine gewisse erotische Kompetenz entwickeln im Umgang mit dem anderen Geschlecht.

Wichtig ist jedoch, auf die eigenen Grenzen zu achten. Sich selbst und den Partner mit allen Sinnen wahrzunehmen, fördert die Achtsamkeit und die Konzentration und erzeugt das Verlangen nach mehr.

Lust auf etwas unterliegt persönlichen Kriterien, und diese sollte man für sich selber herausfinden. Wie beim Essen. Was schmeckt mir? Was erzeugt die Lust auf Sex? Genuss ist ein guter Wegbegleiter auf einer erotischen, befriedigenden sexuellen Reise. Es geht dabei nicht um die Quantität, sondern um die Qualität. Weniger ist oft mehr, aber dafür intensiv.

beratung@silviamessenlehner.at
www.silviamessenlehner.at


Silvia Messenlehner, Klinische Sexologin und Sexualtherapeutin

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