Turn me on

Erregung ist auf der körperlichen Ebene ein reflektorisches Geschehen. Auch wenn sie durch bestimme Reize ausgelöst wird, kommt es nicht von alleine zur Entladung. Jeder hat sich seit der Kindheit seine eigene Technik bzw. seinen eigenen Erregungsmodus angeeignet, um den Point of no return zu erreichen.
Silvia MESSENLEHNER / 30. September 2019
Foto: Shutterstock

 

Hier führen verschieden Wege ans Ziel. Einige sind kürzer und zielgerichtet, manche – obwohl sinnlich und lustvoll – erreichen trotzdem das Ziel des Höhepunktes nicht. Es ist eine wichtige Fähigkeit, diesen Weg von der Erregung bis zum Höhepunkt als eine lustvolle erotische Reise zu gestalten. Sie ist eine Kompetenz und Fähigkeit, die immer erweitert und ergänzt werden kann.

Es gibt fünf verschiedene Parameter, sprich Erregungs-Modi, um die Erregung zu steigern, und sie in einem Orgasmus zu entladen (oder auch nicht).

Über die Körperspannung zum Orgasmus (Anspannungsmodus)

Der Körper geht in eine hohe Anspannung und bewegt sich dabei nicht. Die Erregung wird ausgelöst, und es kommt relativ rasch zu einer Entladung. Oft wird großer Druck auf das Geschlecht punktuell ausgeübt. Dieser Erregungsmodus wird in der Selbstbefriedigung gerne praktiziert. Er hat aber seine Grenzen, wenn wir Sex mit dem Partner leben möchten.

Durch steigernde Berührung zum Orgasmus (mechanischer Modus)

Es geht dabei um ein mechanisches Reiben direkt am Penis bzw. der Klitoris. Die Bewegung ist monoton, der Rhythmus wird durch rasches Reiben beschleunigt. Dieser Modus ist sehr effizient und führt schnell zum Orgasmus. Auch bei diesem Modus können Schwierigkeiten beim Partner-Sex entstehen. Der Mann kann relativ rasch zum Höhepunkt kommen und entladen. Die Frau kann womöglich gar nicht zum Höhepunkt kommen, da sie nur durch diese eine besondere Form der Berührung erregt wird, die der Partner selten beherrscht oder die eben zu zweit nicht kompatibel ist.

Mit einem „Helferlein“ zum Orgasmus (Vibrationsmodus)

Für manche ist es prickelnd, das Genital mit einem Vibrator bis zum Höhepunkt zu stimulieren. Dabei werden aber andere Berührungen am Körper vernachlässigt. Die Gefahr besteht darin, dass man für Berührungen des Partners oder Selbstberührungen unempfänglich wird, sodass immer der Vibrator eingesetzt werden muss. Frauen, die Orgasmus-Probleme beim Sex mit dem Partner haben, empfehle ich, diesen Gebrauch einzuschränken, um einen anderen Zugang zu finden und auch anderen Rezeptoren die Möglichkeit zu geben, wieder aktiv zu werden.

Mit Bewegung und tiefer Atmung zur Befriedigung (ondulierender Modus)

Tanzen Sie gerne? So ist es hier mit diesem Modus. Der Körper ist in einer weichen, fließenden Bewegung, wie ein sinnlicher, langsamer Tanz. Durch die Bewegung ist der Körper wohlig warm, glücklich und zufrieden. Dieser besondere Modus ermöglicht auf der Partnerebene eine innige, liebevolle Verbindung, reich an Zärtlichkeit und Nähe. Viele beschreiben es als lustvolle Verschmelzung mit dem anderen. Es ist ein wunderbarer, inniger Modus. Er hat jedoch die Einschränkung, dass der Fokus auf die Erregungs-Steigerung fehlt, sodass es möglicherweise nicht zum Orgasmus kommt.

Mit vollem Körpereinsatz zum Orgasmus (wellenförmiger Modus)

Die Königsdisziplin! Der Körper drückt sein volles Potenzial aus. Atmung, Bewegung, Rhythmus sowie Anspannung und Entspannung werden kreativ eingesetzt. Die Erregung wird sowohl mit Hilfe gezielter Bewegungen des ganzen Körpers gesteigert. Es wird aber auch aktiv das Becken bewegt (wie eine wellenförmige Schaukel), sodass es zu einer lustvollen, befriedigenden Entladung kommt! Ergänzt wird das Ganze durch eine Balance in der Anspannung und der Entspannung und des tiefen Atmens. Dabei geht es auch mit darum, mit allen Sinnen wahrzunehmen.

Sehen, riechen, hören, schmecken, fühlen. Es geht um das Wollen, die Lust und die aktive Beteiligung beider Partner. Es ist die Begegnung zweier sehr gut gestimmter und eingeübter Körper. Wie Instrumente, die gemeinsam ein klangvolles Duett spielen, das zur Befriedigung führt und Lust nach mehr macht!

Welchen Modus auch immer Sie derzeit anwenden – Sie können ihn jederzeit erweitern. Immer mit dem Ziel, dass die Reise zum Höhepunkt für Sie und Ihren Partner eine lustvolle, befriedigende Reise ist.


Silvia Messenlehner
ist Psychologische Beraterin und Sexologin. In ihrer Praxis arbeitet sie auf zwei Komponenten. Zum einen im psychologischen Bereich und zum anderen als Sexologin. Somit kann sie ihre Klienten ganzheitlich beraten und begleiten. Silvia Messenlehner arbeitet mit psychisch gesunden Menschen, die sich in einer Lebenssituation befinden, in der sie professionelle Beratung und Unterstützung brauchen.

Ihre Kolumne erscheint monatlich in der Printausgabe von prima! Magazin.

beratung@silviamessenlehner.at
www.silviamessenlehner.at

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Die verschiedenen Erregungsmodi im Fokus

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