Zwischen Macho und Softie Wann ist ein Mann ein Mann?

Haben Sie auch eine Freundin, die sich immer Kerle aussucht, die ihr Ego vor sich hertragen und die sich mit Sicherheit nicht zu einem knuddeligen Couch-Potato verwandeln werden? Genau das wollen aber viele Frauen. Für Männer ist es oft schwierig, den Erwartungen zu genügen.
Silvia MESSENLEHNER / 29. Mai 2019
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Für Stefanie und Christa ist ein richtiger Mann einer, der sich um seine Familie kümmert und ein aktiver Vater ist. Also ganz klar das Gegenteil von einem Macho. Roland meint, ein Mann muss autonom, authentisch und ehrlich sein.

Sie sehen, die Meinungen zu der Frage „Wann ist ein Mann ein Mann?“ gehen völlig auseinander. Für viele ist ein richtiger Kerl muskulös – sie definieren einen Mann über dessen Körper. Andere sagen, er muss gut zuhören können und spüren, was eine Frau will und muss natürlich im Haushalt helfen. Ein richtiger Mann muss selbstbewusst sein. Ach ja – gut im Bett sollte er auch sein. Eigentlich soll er ein Bad Boy und gleichzeitig ein Frauenversteher sein. Kein Wunder, dass „Mann“ bei dieser Schieflage an Rollenbildern unsicher wird. Es ist noch nicht so lange her, da gab es die klassische Rollenzuschreibung. Der Mann brachte das Geld nach Hause, er war der Versorger, aber dafür bestimmte er auch. Die Frau war zuhause und kümmerte sich um die Kindererziehung und den Haushalt. Auch heute noch haben Frauen die Hauptverantwortung in diesen Bereichen – mit dem einen Unterschied jedoch, dass die Frau heute zusätzlich noch berufstätig ist.

Der Mann und sein Körper

Die Fitnessstudios boomen mit Männern, die der stereotypen Zuschreibung, dass ein Mann Muskeln haben muss, entsprechen wollen. Vor allem junge Männer definieren sich über ihre Körper. Es steigert zumindest die Selbstsicherheit. Aber das stereotype Aussehen alleine macht noch keinen Mann. Dieses Bild auf Dauer aufrecht zu erhalten, ist schwer möglich und macht Stress.

Auch die Medien beeinflussen ungemein. Pornos zeigen stramme, große Penisse und Männer und Frauen, die stundenlang „können“. Doch das ist nicht real und sollte nicht als Ideal angesehen werden. Sex ist lustvoll, leidenschaftlich und sinnlich, und beide Partner sollen Spaß daran haben. Alles was schnell und hart ist, ist nur genitale Befriedung und keine Befriedigung auf allen Ebenen.

Wann fühlt sich ein Mann als Mann?

Die Kraft kommt aus den Geschlechtsorganen, die uns als Mann oder Frau unterscheiden. Der Mann, der eindringt (penetriert) und die Frau, die aufnimmt (sie ist rezeptiv).
Allein schon der phallische, aufstrebende Penis zeigt den Stolz des Mannes auf sein Glied und auf seine Männlichkeit. Beim Mann diente der Akt immer schon der Fortpflanzung, aber auch der Lust. Die Erektion ist die Identitätskarte des Mannes. Und genau da braucht es einen guten Zugang.

Immer mehr zeigt sich die Verunsicherung mancher Männer in unserer leistungsgeprägten Zeit. Wie soll ich denn nun sein? Was wollen denn die Frauen? Ist mein Penis groß genug? Kann ich auch die erwartete Leistung vollbringen? Diese Verunsicherungen führen oft zu Erektionsstörungen, verursacht durch Leistungsdruck, und Versagensangst.

Vom Macho zum Frauenversteher! Geht das?

Viele Frauen kennen das: Sie ziehen immer wieder den gleichen Typ Mann an. Narzissten mit einer überhöhten Selbstliebe. Auf viele Frauen wirken solche Männer, die vor Ego und Selbstbewusstsein strotzen, enorm anziehend. Leider haben diese auch oft einen ausgeprägten Jagdtrieb. Immer wieder höre ich Frauen jammern, dass sie sich schlecht behandelt und wenig wertgeschätzt fühlen. Sie fühlen sich regelrecht ausgesaugt und bezeichnen ihren Partner oft als rücksichtslosen Macho. Dazu muss festgehalten werden, dass Frauen ohnehin meistens emotionaler sind als Männer und gerade dieser Typus Mann auf der emotionalen Komponente leider wenig zu bieten hat. Frauen träumen jedoch oft davon, aus diesem Macho einen Softie zu machen. Sie sehen es als ihre Aufgabe, ihn ändern zu wollen. Aber es ist vergebliche Liebesmüh!

Niemand kann einen anderen Menschen ändern. Man(n) muss es selber wollen. Aus einem Womanizer wird kein Knuddeltyp, nur weil Frau denkt, dass gerade sie ihn ändert. Mein Rat an Frauen, die in dieser Situation sind und darunter leiden: Suchen Sie lieber einen Mann, der beides sein kann: selbstbewusst, aber auch emotional und fürsorglich. Und glauben Sie mir: Es gibt sie!

Der Schlüssel zur wahren Männlichkeit liegt in einem guten Zugang zum eigenen Geschlecht. Diese Männer sind stolz auf ihren Penis und stehen zu sich. Sie sind authentisch, autonom und wissen, was sie wollen. „Richtige Männer“ zeigen aber auch ihre Gefühle. Das macht sie echt. Sie sind aber auch bereit, sich weiterzuentwickeln. Das fördert das Selbstbewusstsein und die Selbstsicherheit und führt zu einer anziehenden Ausstrahlung. Dieser Schlüssel liegt in jedem Mann und kann jederzeit benutzt werden.


Silvia Messenlehner
Klinische Sexologin und Sexualtherapeutin

beratung@silviamessenlehner.at
www.silviamessenlehner.at

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