Als Oberwart ein Hallenbad hatte

Eine Bezirkshauptstadt braucht ein Hallenbad. Dachte sich zumindest der Oberwarter Gemeinderat in den 1970er-Jahren. Gesagt – getan. Doch in Oberwart hat es nie funktioniert, denn von Anfang an war es undicht. Bereits zwölf Jahre später wurde es wieder geschlossen.
Willhem HODITS / 30. September 2020
Foto: Momentothek

Das Hallenbad in Oberwart im Jahr 1973. Bereits 1972 wurde es fertiggestellt. Die offizielle Eröffnung war am 30. April 1973

 

Die Halle des alten Penny-Marktes neben dem Freibad Oberwart, der bis zum Jahr 2017 geöffnet war, war ursprünglich als Hallenbad entstanden. Heute steht das Gebäude leer, da wenige Meter daneben ein neuer Markt entstanden ist. Wieder wurde hier Boden versiegelt. Und wieder steht ein Gebäude nun leer, mit dem scheinbar niemand etwas anzufangen weiß. Doch beginnen wir die Geschichte beim Anfang. Genau gesagt im Jahr 1970. Da das Schwimmen im Freibad Oberwart natürlich nur an schönen, warmen Sommertagen möglich war, entschloss sich die Stadtgemeinde Oberwart in diesem besagten Jahr, ein Hallenbad mit Sauna um circa zwölf Millionen Schilling westlich des Freibades zu errichten. Vermutlich war man in Oberwart auch deshalb so dahinter, weil auch Pinkafeld ein Hallenbad errichtete und da wollte die Gemeinde natürlich nachziehen. 1972 war das Oberwarter Hallenbad schließlich fertiggestellt und am 30. April 1973 wurde es offiziell eröffnet.

Durch die Schwimmmöglichkeit im Innenbereich konnten nun, unabhängig von der Witterung, sogar im Frühjahr und im Herbst je zwei Kurse für Erwachsene veranstaltet werden. Überdies wurden für Kinder in der schulfreien Zeit fast laufend Schwimmkurse im Hallenbad durchgeführt.

Probleme von Anfang an

Schon nach der Eröffnung des Hallenbades machte die Wasseraufbereitung mit der Aufheizung große Probleme. Auch die Fußbodenheizung fiel aus. Diese technischen Mängel hatten solch enorme Heizkosten verursacht, sodass die Fußbodenheizung nie wieder in Betrieb genommen wurde.

Damalige Besucher berichten heute noch, dass dieses Hallenbad eine reine Schwimmhalle, aber keine Wohlfühloase war, wo man gerne seine Freizeit verbrachte. Deshalb wichen viele Oberwarter nach Pinkafeld aus, da das Hallenbad dort eher den Wünschen der Badegäste entsprach. In Oberwart wurden die Besucherzahlen immer weniger. In einer Aussendung ersuchte der damalige Bürgermeister Ignaz Pieler 1982 die Bevölkerung, das Oberwarter Hallenbad mehr zu benützen und merkte an, dass ohne die Schuljugend der Weiterbestand dieser Schwimmmöglichkeit nicht vertretbar sei. Immerhin wurde das Stadtbudget in diesem genannten Jahr mit zwei Millionen Schilling durch das Hallenbad belastet.
Doch nicht alles war schlecht an dieser Einrichtung. Immerhin erreichte die Oberwarter Schwimmunion beim Burgenländischen Hallenschwimmcup Spitzenplätze. Dies war in erster Linie auf die intensiven Schwimmtrainings zurückzuführen, die jeden Montag, wenn das Hallenbad für die Besucher geschlossen war, stattfanden.

Der Anfang vom Ende

Nachdem 1981 auch das Becken undicht geworden war, tauchte die Idee auf, das Hallenbad zumindest über die Sommermonate zu schließen. Doch das war auch keine Lösung, denn die Erhaltungskosten liefen zum größten Teil weiter. Schließlich überlegten die Gemeindevertreter auch, das Becken zuzuschütten und das Hallenbad zu einem Fest- und Mehrzwecksaal inklusive Bühne umzubauen. Die Umbaukosten hätten sich durch den Wegfall der Erhaltungskosten des Hallenbades schnell amortisiert. Am Ende wurde auch diese Idee nicht realisiert. Das Aus für das Hallenbad Oberwart kam im Jahr 1984. In den Aluwänden des Beckens wurden Lochfraßstellen entdeckt, wo das Wasser versickerte.

Genaue Untersuchungen brachten keine schlüssige Erklärung. Einige Fachleute meinten, der Sandkörper um dieses Becken hätte den Lochfraß verursacht. Andere gaben dem Kriechstrom der nahegelegenen Trafostation eine Teilschuld an diesem Lochfraß. Eine genaue Ursache wurde nie gefunden. Eine Generalsanierung des Hallenbades schien in jedem Fall aber finanziell nicht vertretbar. 1984 kam das Ende. Das Hallenbad Oberwart wurde geschlossen und damit war es Geschichte. Der Saunabereich und auch das Buffet blieben weiterhin in Betrieb und sind es heute noch. Dieser Bereich wurde abgegrenzt und ist heute frei zugänglich bzw. über das Freibad erreichbar.

Was tut man mit einem stillgelegten Hallenbad?

Ein Mieter für das leere Hallenbad-Objekt war sehr schnell gefunden. Am 20.September 1984 unterzeichnete die Gemeinde Oberwart einen Mietvertrag mit der Firma Merkur auf unbestimmte Zeit. Der monatliche Mietzins betrug 25.000 Schilling. Der Vertrag war mit der Klausel versehen, dass die Firma Merkur das Objekt an alle Unternehmen des Karl Wlaschek übertragen kann. Bekanntlich war dies dann über Jahrzehnte der Standort verschiedener Supermärkte. Zuletzt des Penny-Marktes. Genau genommen bis zum Jahr 2017. Da erbaute der Konzern eine größere Penny Filiale ein paar Meter südlich gelegen.

Der alte Penny Markt bzw. das ehemalige Hallenbad steht heute noch leer. Über die Nutzung wird viel diskutiert. Womöglich wäre dies ein Thema für den Oberwarter Kulturausschuss, doch noch einmal über den Vorschlag einer Kulturhalle nachzudenken. Ein Hallenbad wird daraus aber mit Sicherheit nicht mehr entstehen.


Nach der Schließung des Hallenbades in Oberwart im Jahr 1984 wurde das Gebäude zu einem Supermarkt umgebaut. Seit 2017 steht es leer. Was damit passiert, ist nicht geklärt.

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