Der Ton-Meister

Ton und Keramik prägen das Leben des Oberwarter Künstlers Kurt Pieber. Und die Neugier. Und so setzt er in seinem Oeuvre auf die Suche nach neuen Techniken und schafft so Einzigartiges. Dabei hat sein Kunstschaffen schon als Sechsjähriger eher zufällig beim Hüten von Kühen begonnen.
Peter SITAR / 28. Jänner 2020
Foto: Lexi

Kurt Pieber – Kunstschaffender aus Oberwart – ist bekannt durch seine Tonskulpturen und gehört zu den bedeutendsten burgenländischen Künstlern.

 

Er ist einer der eher stilleren Zeitgenossen; der heute 65-jährige Oberwarter Künstler Kurt Pieber. Dafür ein ganz feinsinniger Mensch, dem das Kreative in die Wiege gelegt zu sein scheint. Er ist gelernter Keramiker, Ofenbauer, Siebdrucker, Fotograf und Klavierspieler. Letzteres hat er sich in den letzten Jahren erst angeeignet. Und immer wieder bereit, künstlerisch neue Wege zu gehen. So hat er eine ganz eigene Technik entwickelt, um Fotografie im wahrsten Sinn des Wortes mit Keramik zu verschmelzen.

In seinem Vierkanthof in der Oberwarter Grazerstraße lebt das Multitalent. Heute ist das Anwesen ein wahres Kleinod, dem man von außen nicht ansieht, wie Kurt Pieber das Anwesen in den letzten Jahrzehnten mühevoll renoviert hat. Gleich neben dem Gebäude entsteht auf einer großen Grünfläche sein Skulpturenpark. „Ein Teil davon ist Landart, Gegenstände aus natürlichem Material, wie Holz, das nach einer bestimmten Zeit wieder zerfällt“, erzählt Pieber stolz. Lebensgroße Skulpturen finden hier aber genauso Platz wie der urburgenländische Kuchlgarten.

Der Weg

Geboren ist Kurt Pieber in Güssing, aufgewachsen in Rohr und Bocksdorf. Damals machte sich schon sein Hang zum Gestalterischen bemerkbar. Und zwar beim Kühe hüten. Gemeinsam mit anderen Kindern trieb am Morgen der Sechsjährige die Kühe des Nachbarn auf die Weide. Neben einem Bach. Ein Lagerfeuer war rasch gemacht, Krumbirn‘ wurden in der Glut gebraten, der kleine Kurt experimentierte mit dem Lehm des Baches und fing an, Figuren zu schaffen.

Durch die Hitze des Feuers wurden sie fest. Stolz zeigte der Bub sie seinen Eltern. Die behielten das im Hinterkopf, und als es um die Berufswahl ging, ermutigten sie ihren Sohn, die Fachschule für Keramik und Ofenbau in Stoob zu besuchen. Ton und Lehm begleiteten ihn fortan. Stoob schloss er als gelernter Keramiker, Ofenbauer und Fliesenleger ab.

Danach folgten berufliche Wanderjahre, die ihn u.a. zu einem Hafnermeister nach Wien führten, wo er lernte, historische Kachelöfen nicht nur zu restaurieren, sondern sie auch selbst zu bauen.

Nach Jahren der Selbstständigkeit absolvierte er die Berufspädagogische Akademie in Wien und begann 1982 in seiner Ausbildungsschule in Stoob zu unterrichten. Ofenbau, das Modellieren von Reliefs und Objekten standen dabei am Stundenplan ebenso wie der Siebdruck.

Weiterentwicklung

Von Beginn an reizte es Pieber, ob es nicht gelingen könnte, den Siebdruck – dabei wird Druckfarbe durch ein feinmaschiges Gewebe auf die zu bedruckende Oberfläche übertragen – mit der Fotografie zu verbinden und auf Keramik zu übertragen. Schließlich gelang ihm das auch.

Zuvor setzte er sich jedoch auch noch intensiv mit dem Thema Fotografie auseinander und besuchte sechs Semester lang die Fotoakademie in Graz und schloss sie mit dem Meisterkurs ab. Das Ergebnis sind großflächige Werke, teils mit Mehrfachbelichtung und starken Farben. „Ich habe das eine nicht gegen das andere getauscht, ich arbeite in allen Bereichen weiter“, erzählt der Künstler schmunzelnd. Dabei reicht der Bogen von kleinen bis lebensgroßen Keramiken, farbenprächtigen Siebdrucken mit Fotoobjekten bis zur kreativen Landart.

Zur Entspannung setzt sich der Kreative dann entweder ans Klavier oder auf den Hometrainer. Oder beides – nacheinander natürlich. Das Kunstschaffen begleitet ihn schon sein ganzes Leben lang. Die Liste seiner Ausstellungen ist lang. Schauen in Deutschland und Belgien stehen ebenso zu Buche wie zahlreiche Ausstellungen in Österreich.

Sein nächstes Projekt ist eine Fotoreise nach Schottland. Gemeinsam mit Gleichgesinnten wird er versuchen, die wunderschöne Landschaft auf Film/Chip zu bannen. Zu sehen soll es das Ergebnis des künstlerischen Trips 2020 in einer Ausstellung geben. Bis zum Abflug nach Schottland wartet noch eine Menge Arbeit auf den Künstler. Für den heurigen Tag der Offenen Ateliertüre (23. und 24. Mai) ist noch einiges an Vorbereitungen zu erledigen. „Aber ich freu mich schon jetzt auf viele Besucher“, lädt der Künstler herzlich ein.


Zum Schmökern: immer wieder taucht ein cowboy auf

Künstler haben in der Gesellschaft eine Aufgabe und diese nehmen sie wahr – sei es bewusst oder unbewusst, leise oder polternd. Genaues Hinschauen und Aufzeigen. Entgegentreten. Den Spiegel vorhalten. Das Salz in der Demokratie sein. Besonders in einer Zeit, in der der Klimawandel geleugnet wird, der Begriff Gutmensch zum Schimpfwort geworden ist und täglich Scheußlichkeiten und Rülpser durch soziale Medien fluten. In seinem Buch Und immer wieder taucht ein Cowboy auf bezieht Rudolf Hochwarter Position. Er greift öffentliche Statements oder politische Begriffe und Aussagen auf und stellt sie eigenen Texten gegenüber. Mit bildnerischen Mitteln nehmen die Künstler Wolfgang Horwath, Erich Novoszel und Kurt Pieber Stellung.

www.kurt-pieber.at


Kurt Pieber
Das Kunstschaffen begleitet ihn schon sein ganzes Leben lang. Die Liste seiner Ausstellungen ist lang. Schauen in Deutschland und Belgien stehen ebenso zu Buche, wie zahlreiche Ausstellungen in Österreich. Dazu gehören etwa die Tage der Offenen Ateliertür, Ausstellungen im KUZ Oberschützen oder in der Dorfgalerie in Großpetersdorf. Weiters: Cselley Mühle Oslip, Kulturzentren Güssing und Mattersburg, Inform Oberwart, Burg Lockenhaus, Bad Homburg – Deutschland, Gent in Belgien, Dorf Galerie Neumarkt/Raab und viele mehr.

Zu seinen Auftraggebern gehört etwa die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft, für die er ein großes Relief über deren Schaffen gestaltet hat, wie die Arbeiterkammer, die ihn mit einer Schau zum Thema Arbeit beauftragt hat. Auch für den „Wächter von Oberwart“, einer lebensgroßen Figur im Hof der Gemeinde, zeichnete er verantwortlich.

Geboren wurde Kurt Pieber in Güssing, aufgewachsen ist er in Rohr und Bocksdorf. Ausbildung an der Fachschule für Keramik und Ofenbau in Stoob. Praktika in Wien. Via Bernstein ließ er sich 1980 in Oberwart nieder und  renovierte über Jahre den von ihm erworbenen alten Vierkanthof. Neben dem Kunstschaffen unterrichtete Pieber bis zu seiner Pensionierung an der Fachschule für Keramik und Ofenbau in Stoob.


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