Nicole MATSCH / 28. Dezember 2025
© Marktgemeinde Riedlingsdorf
Die „Zwiefelweiber“ von Riedlingsdorf. Früher trugen die Frauen das Gemüse – und vor allem die berühmten Zwiebeln – wöchentlich zu Fuß zu den Märkten in Oberwart und in der Oststeiermark.
Die Geschichte mit der Geschichte
Die Geschichte des Ortes beginnt früh – früher, als man lange dachte. Als sich die Gemeinde bereits auf ein großes Jubiläum vorbereitete, fand man in einem ungarischen Archiv plötzlich eine frühere urkundliche Erwähnung. „Wir wurden quasi über Nacht noch älter“, schmunzelt Bürgermeister Wilfried Bruckner.
2031 feiert der Ort nun offiziell 700 Jahre – mit ausreichend zeitlichem Puffer bis dahin, falls die Geschichte doch noch eine Überraschung bereithält. Denn: „Bei uns kann immer irgendwo noch eine Urkunde auftauchen“, lacht Bruckner.
Ein Ort mit „zwiefelhafter“ Identität
Wer an Riedlingsdorf denkt, denkt auch an ein bestimmtes Gemüse. Die Zwiebel hat ihren festen Platz im Selbstverständnis der Gemeinde – und das nicht nur im Wappen.
Früher trugen die Riedlingsdorferinnen ihr Gemüse zu Fuß nach Oberwart und in die Oststeiermark. „Unsere Zwiebeln galten als die schönsten weit und breit“, erzählt der Bürgermeister. Aus dem scherzhaften Ruf „Zwiefler“ wurde über die Jahrzehnte ein Name, den man heute mit Stolz trägt. Ein historischer Rundwanderweg durch den Ort wurde deshalb liebevoll Schalotten-Rundweg getauft. „Wir haben früher sogar Zugezogene nach zehn Jahren offiziell zu ‚Zwieflern‘ ernannt“, erinnert sich Bruckner mit einem Augenzwinkern, „Mit Feier, Festakt und Urkunde.“
„Wir sind sehr gesellig“
Das gibt es heute nicht mehr. Feiern ist aber ein gutes Stichwort, um die Mentalität der Riedlingsdorfer Bevölkerung zu beschreiben. „Wir sind sehr gesellig“, bestätigt der Bürgermeister und verweist auf die zahlreichen Veranstaltungen, die das Dorfleben prägen. Feuerwehr, Männergesangsverein, Theaterverein, Kultur- und Sportgruppen bilden ein dichtes Netz der Gemeinschaft. An manchen Wochenenden laufen sogar mehrere Veranstaltungen parallel – und dennoch ist überall viel los. Der Theaterverein, der 2025 sein 30-jähriges Jubiläum feierte, gründete zudem ein Kindertheater. „Dass man so etwas Tolles mit Kindern auf die Beine stellen kann, hat mich beeindruckt“, sagt Bruckner stolz. Solche Initiativen funktionieren, weil viele mithelfen und weil man auch sonst aufeinander schaut: Als aus Spargründen keine Gemeindeweihnachtsfeier möglich war, legten die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte kurzerhand zusammen und finanzierten sie selbst.
Wirtschaft und Wohnen
Die wirtschaftliche Struktur ist für die Ortsgröße erstaunlich vielfältig. Sonnenerde, ein innovativer Betrieb mit internationaler Ausrichtung, ist ein wichtiger Anker – ebenso wie das Ziegelwerk von Wienerberger, das seit mehr als 100 Jahren die Region prägt, und mehrere kleinere Unternehmen. Viele Berufstätige pendeln, doch Riedlingsdorf bleibt ihr Lebensmittelpunkt.
Lange fehlten gemeindeeigene Bauplätze, wodurch junge Menschen häufig wegzogen. Die Schaffung von zwölf neuen Bauplätzen hat diese Situation entschärft, doch Bauland bleibt kostbar. Gleichzeitig entsteht im Zentrum neuer Wohnraum: Dort, wo früher das Gasthaus Artner stand, errichtet die OSG ein modernes Wohnhaus mit elf Wohneinheiten. Die Nachfrage ist groß – nicht zuletzt, weil die bestehenden Seniorenwohnungen seit Jahren voll belegt sind und Menschen zuziehen – aus der Umgebung, aus Wien, Salzburg, der Steiermark oder Tirol.
Investieren, wo es nötig ist
Auch infrastrukturell hat Riedlingsdorf wichtige Schritte gesetzt. Der neue Kindergarten, der im Sommer bezogen und im September im Rahmen des Zwiebelfestes eröffnet werden soll, ersetzt ein Gebäude, das nach 50 Jahren zu klein geworden war. Er kostet rund 3,5 Millionen Euro, ein Großteil wird vom Land gefördert. Parallel wurde das neue Rückhaltebecken fertiggestellt – ein zentraler Bestandteil des Hochwasserschutzes. Kostenpunkt: eine Million Euro, zu 90% von Land und Bund gefördert. Rund 100.000 Euro zahlt die Gemeinde aus Eigenmitteln. Sanierungen von Straßen und Kanal stehen auf der Wunschliste weit oben, müssen jedoch aus budgetären Gründen warten. Umfassende Sparmaßnahmen wurden erarbeitet und sollen demnächst einstimmig beschlossen werden. Was dem Bürgermeister darum ein wenig Kopfzerbrechen bereitet, ist der notwendige neue Mannschaftswagen für die Feuerwehr, der auch mit 400.000 Euro zu Buche schlägt, wobei das Land nur 75.000 Euro trägt.
Trotz aller Herausforderungen bleibt Riedlingsdorf ein Ort mit hoher Lebensqualität, wo Traditionen bewahrt werden und Entwicklungen behutsam vonstattengehen. „‚Natur – Ruhe – Glück‘ ist unser Slogan“, schließt Wilfried Bruckner, der sich für die Zukunft Beständigkeit wünscht – und eine Neubesetzung der mit Jahresende geschlossenen Zahnarztpraxis. Ob er beim 700-Jahr-Jubiläum noch Bürgermeister ist, weiß er nicht. „Ab einem gewissen Alter muss man überlegen“, sagt der 67-Jährige. Aber vielleicht wird ja wieder eine ältere Urkunde gefunden und es geht sich noch aus.

Das Gemeindeamt in Riedlingsdorf, direkt daneben die Feuerwehr. Die Marktgemeinde im Pinkatal feiert 2031 ihr 700-Jahr-Jubiläum.

Der Theaterverein Riedlingsdorf feierte 2025 sein 30-jähriges Bestehen und gründete außerdem ein Kindertheater.

Die OSG errichtet anstelle des ehemaligen Gasthauses Artner ein Wohnhaus mit elf Wohneinheiten. Im Bild (v. li.): OSG-Chef Alfred Kollar mit Vorstandsassistentin Ramona Klein, Bürgermeister Wilfried Bruckner mit Amtsleiterin Anabell Postmann und Bauleiter Jörg Ringhofer bei einer Baustellenbesichtigung.

Im September 2025 fiel der Startschuss für den Neubau des Kindergartens und der Kinderkrippe. Das alte Gebäude war nach 50 Jahren zu klein geworden.
Der neue Kindergarten soll in den kommenden Sommerferien bezogen werden können und im September – pünktlich zum „Zwieflerfest“ – offiziell eröffnet werden.
Ein Großteil der Kosten von rund 3,5 Millionen Euro wird vom Land Burgenland getragen. Der Bau läuft über die Projektentwicklung Burgenland (PEB).
Prima Betriebe in Riedlingsdorf
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